Die Bundesregierung plant eine Reform des Wohngelds, um mehrere Milliarden einzusparen. Ein Drittel der bisher Wohngeldberechtigten könnte den Anspruch auf Wohngeld verlieren. Von Teresa Peters.[mehr]
[]“>HAMBURG. Marode Schulgebäude, fehlende Räume für den Ganztag und eine digitale Infrastruktur, deren Betrieb nicht dauerhaft gesichert ist: Viele Kommunen können die bildungspolitischen Anforderungen kaum noch erfüllen. Der Investitionsrückstand bei Schulen beläuft sich laut KfW-Kommunalpanel 2026 inzwischen auf 68,9 Milliarden Euro. Während Bund und Länder neue Aufgaben beschließen, müssen Schulträger vor Ort häufig mit unzureichenden Mitteln zurechtkommen. Der Bildungsexperte Udo Beckmann warnt in seinem Gastbeitrag: Wo politische Versprechen im Alltag nicht eingelöst werden, leidet auch das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates.Sanierungsstau. (Symbolbild.) Illustration: News4teachers
Wenn der Putz bröckelt, bröckelt das Vertrauen in die Politik gleich mit!
Ein Kind weiß nicht, welche staatliche Ebene für seine Schule zuständig ist. Es kennt weder die Einzelheiten des Bundeshaushalts noch die Finanzbeziehungen zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Es erlebt etwas sehr viel Konkreteres: Schließen die Fenster? Ist das Klassenzimmer warm? Funktionieren die Toiletten? Wird der Schimmel beseitigt?
Auch Eltern unterscheiden im Alltag kaum zwischen Bund, Land, Kommune und Schulträger. Sie sehen, unter welchen Bedingungen ihr Kind lernen muss. Sie hören politische Versprechen von Bildungsgerechtigkeit, moderner Ausstattung und guten Lernbedingungen – und erleben gleichzeitig sanierungsbedürftige Gebäude, überlastete Strukturen und jahrelange Provisorien.
Wo politische Ankündigungen und die Wirklichkeit vor Ort dauerhaft auseinanderfallen, bleibt das nicht ohne Folgen. Die Diskrepanz prägt nicht nur den Schulalltag. Sie berührt auch das Vertrauen von Familien in die Handlungsfähigkeit von Politik und Verwaltung.
Schulträger tragen die sichtbare Verantwortung
Für die Schulträger entsteht daraus eine schwierige Situation. Sie stehen vor Ort in der Verantwortung für die äußeren Schulangelegenheiten. Sie sollen Gebäude sanieren, Räume für den Ganztag schaffen, digitale Infrastruktur bereitstellen, Inklusion ermöglichen und Schulen zu zeitgemäßen Lern- und Lebensorten weiterentwickeln.
Wenn das Dach undicht ist, die Heizungsanlage ausfällt oder die digitale Ausstattung nicht funktioniert, richtet sich der Blick zunächst auf den Schulträger. Er ist für Schulen, Schulleitungen, Eltern und die Öffentlichkeit der unmittelbar erreichbare Ansprechpartner.
Viele der Anforderungen, die Schulträger erfüllen sollen, werden jedoch auf anderen staatlichen Ebenen beschlossen. Bund und Länder formulieren politische Ziele, schaffen Rechtsansprüche oder verändern Standards. Umgesetzt werden müssen diese Entscheidungen häufig von Städten, Gemeinden und Landkreisen. So wächst die Verantwortung der Schulträger – ohne dass ihre finanziellen und personellen Möglichkeiten automatisch mitwachsen.
Viele von ihnen fühlen sich deshalb von der Bundes- und Landespolitik im Stich gelassen. Nicht, weil sie sich gegen Ganztag, Digitalisierung, Inklusion oder moderne Schulgebäude stellen. Im Gegenteil: Die Schulträger wissen, wie wichtig diese Aufgaben sind. Sie erleben aber täglich, dass zwischen dem politischen Anspruch und den verfügbaren Mitteln eine immer größere Lücke entsteht.
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Wie können Schulträger die wachsenden Anforderungen an Schulen bewältigen – und wie lassen sich Investitionen, Ganztag, Digitalisierung und Schulentwicklung langfristig finanzieren? Der Deutsche Schulträgerkongress (DSTK) 2026 bietet Verantwortlichen aus Kommunen, Schulverwaltung und Bildungspolitik die Gelegenheit, sich über aktuelle Herausforderungen, Lösungsansätze und Erfahrungen aus der Praxis auszutauschen.
Im Mittelpunkt stehen die Fragen, die Schulträger derzeit besonders beschäftigen: Wie lassen sich knappe Ressourcen wirksam einsetzen? Welche Strukturen braucht eine zukunftsfähige Schulinfrastruktur? Und wie kann die Zusammenarbeit zwischen Schulträgern, Schulen und Politik verbessert werden?
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Besonders deutlich zeigt sich diese Lücke, wenn neue Aufgaben beschlossen werden, ohne ihre Umsetzung dauerhaft und auskömmlich zu finanzieren. Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, die Digitalisierung der Schulen, steigende Anforderungen an Inklusion, Klimaschutz und Gebäudesicherheit sowie der erhebliche Sanierungsbedarf sind jeweils große Aufgaben für sich. In den Kommunen treffen sie jedoch gleichzeitig aufeinander.
Dabei reicht es nicht, lediglich den Einstieg in eine neue Aufgabe zu finanzieren. Ein Ganztagsangebot benötigt nicht nur Räume, sondern dauerhaft Personal, Ausstattung, Reinigung, Energie und Instandhaltung. Digitale Technik muss nicht nur angeschafft, sondern administriert, gewartet und regelmäßig erneuert werden. Ein saniertes Schulgebäude verursacht auch nach Abschluss der Baumaßnahme laufende Betriebs- und Unterhaltskosten.
Förderprogramme berücksichtigen diese Zusammenhänge häufig nur unzureichend. Sie finanzieren einzelne Projekte oder Anschaffungen, nicht aber zwingend die dauerhafte Aufgabe, die daraus entsteht. Für die Schulträger bedeutet das: Sie sollen beginnen, ohne sicher zu wissen, wie es weitergeht.
Förderprogramme können Ungleichheiten verschärfen
Zeitlich begrenzte Förderprogramme sind nicht grundsätzlich falsch. Sie können Investitionen ermöglichen und wichtige Entwicklungen anstoßen. Sie ersetzen jedoch keine langfristig tragfähige Finanzierung. Hinzu kommt, dass Förderprogramme selbst erhebliche Anforderungen stellen. Kommunen müssen Anträge vorbereiten, Planungen vorlegen, Eigenanteile aufbringen, Fristen einhalten und Verwendungsnachweise erstellen. Dafür benötigen sie qualifiziertes Personal und freie Planungskapazitäten.
Gerade finanzschwache Schulträger verfügen darüber häufig nicht in ausreichendem Maß. Sie stehen deshalb vor einem doppelten Problem: Der Investitionsbedarf ist besonders hoch, gleichzeitig fehlen die personellen und finanziellen Voraussetzungen, um Fördermittel erfolgreich abzurufen.
Damit drohen Förderprogramme bestehende Unterschiede nicht nur abzubilden, sondern zu verstärken. Kommunen, die bereits über leistungsfähige Verwaltungen und eigene finanzielle Spielräume verfügen, können Programme häufig besser nutzen. Strukturell belastete Kommunen geraten weiter ins Hintertreffen. So entsteht ein Flickenteppich, der ausgerechnet dort am dünnsten ist, wo die Kassen ohnehin leer sind. Bildungschancen dürfen aber nicht davon abhängen, in welcher Kommune ein Kind aufwächst.
68,9 Milliarden Euro Rückstand bei den Schulen
Die Größenordnung der Herausforderung zeigt das KfW-Kommunalpanel 2026. Danach beträgt der von den Kommunen wahrgenommene Investitionsrückstand bei der Schulinfrastruktur 68,9 Milliarden Euro (KfW-Kommunalpanel 2026). Schulen weisen damit weiterhin den größten Rückstand unter den untersuchten kommunalen Infrastrukturbereichen auf. Insgesamt beziffert die KfW den wahrgenommenen kommunalen Investitionsrückstand auf 231,2 Milliarden Euro.
Das sind nicht nur Zahlen in einem Bericht. Dahinter stehen Kinder, die jeden Tag in Gebäuden lernen, deren Zustand dringend verbessert werden müsste. Dahinter stehen Eltern, die sich fragen, warum zwischen politischen Ankündigungen und der Lebenswirklichkeit ihrer Kinder eine so große Lücke besteht. Und dahinter stehen Schulträger, die die Situation verbessern wollen, die notwendigen Investitionen jedoch vielfach nicht aus eigener Kraft bewältigen können. Sie werden zu Verwaltern eines Mangels, den sie oft nicht verursacht haben und den sie mit ihren eigenen Mitteln nicht beheben können.
„Wer bestellt, bezahlt“
Beim Deutschen Schulträgerkongress 2025 rückte der frühere saarländische Ministerpräsident und ehemalige Richter des Bundesverfassungsgerichts Peter Müller das Konnexitätsprinzip in den Mittelpunkt. Seine Botschaft war ebenso einfach wie grundlegend: „Wer bestellt, bezahlt.“
Der vom Deutschen Städte- und Gemeindebund veröffentlichte Kongressbericht hält fest, dass Kommunen klare finanzielle Zuständigkeiten benötigen, um Ganztag, Digitalisierung und Schulentwicklung verlässlich umsetzen zu können. Wenn der Bund neue Aufgaben veranlasse, die von den Kommunen umgesetzt werden müssten, müsse das dafür benötigte Geld auch bei ihnen ankommen. Langfristige Planungssicherheit sei eine Voraussetzung dafür, Reformen tatsächlich zu realisieren.
Damit benennt Müller einen zentralen Konflikt der gegenwärtigen Bildungspolitik: Politische Entscheidungen entfalten ihre Wirkung nicht dort, wo sie beschlossen werden, sondern dort, wo sie umgesetzt werden müssen. Wird ein Rechtsanspruch geschaffen, ein Standard erhöht oder eine bestehende Aufgabe erweitert, entstehen vor Ort zusätzliche Kosten. Diese Kosten dürfen nicht nachträglich zu einem Problem der Schulträger erklärt werden. Konnexität bedeutet deshalb mehr als einen einmaligen Zuschuss. Sie bedeutet, dass die Ebene, die eine Aufgabe veranlasst, auch für deren vollständige und dauerhafte Finanzierung Verantwortung übernimmt.
Schulträger brauchen mehr als Anschubfinanzierungen
Es braucht einen grundlegenden Wechsel: weg von einer Abfolge befristeter Förderprogramme, hin zu einer verlässlichen Finanzierung dauerhafter Aufgaben. Investitionen, Instandhaltung, Betrieb und Personal müssen gemeinsam gedacht werden. Wer einen Ganztagsanspruch schafft, muss nicht nur den Bau oder Umbau der notwendigen Räume ermöglichen. Er muss auch berücksichtigen, welche dauerhaften Ausgaben daraus entstehen.
Wer Schulen digital ausstatten will, darf nicht nur Endgeräte und Netzwerke finanzieren. Er muss auch für Administration, Support, Ersatzbeschaffungen und die Weiterentwicklung der Infrastruktur tragfähige Lösungen schaffen. Wer Bildungsgerechtigkeit verspricht, muss dafür sorgen, dass finanzschwache Schulträger nicht dauerhaft schlechtere Bedingungen bieten können als wohlhabendere Kommunen.
Dazu braucht es mehrjährige Finanzierungsvereinbarungen, einen realistischen Ausgleich der tatsächlichen Kosten und Verfahren, die auch von personell belasteten Verwaltungen bewältigt werden können. Eigenanteile dürfen nicht dazu führen, dass gerade die bedürftigsten Kommunen von notwendigen Investitionen ausgeschlossen bleiben. Vor allem aber müssen Schulträger früher in politische Entscheidungen einbezogen werden. Sie sind nicht nur die letzte Station einer Umsetzungskette. Sie verfügen über das Wissen, welche Voraussetzungen vor Ort bestehen, welche Kosten tatsächlich entstehen und welche Zeiträume für eine seriöse Umsetzung erforderlich sind.
Verantwortung darf nicht weitergereicht werden
Die Debatte über Schulfinanzierung ist deshalb keine technische Auseinandersetzung zwischen staatlichen Ebenen. Sie berührt eine grundlegende Frage demokratischer Verantwortung. Für Bürgerinnen und Bürger ist der Staat vor allem dort sichtbar, wo sie ihm im Alltag begegnen: in der Verwaltung, im öffentlichen Nahverkehr, in der Kindertagesstätte – und in der Schule.
Wenn politische Versprechen im Klassenzimmer nicht ankommen, wird das Scheitern nicht nach Zuständigkeiten sortiert. Familien erleben nicht den Bund, das Land und die Kommune getrennt voneinander. Sie erleben einen Staat, der etwas angekündigt hat, es aber offenbar nicht umsetzen kann.
Der bauliche Zustand einer Schule sendet deshalb immer auch eine politische Botschaft. Eine funktionierende Schultoilette, ein warmes Klassenzimmer und ein sicherer, zeitgemäßer Lernort erscheinen auf den ersten Blick wie Selbstverständlichkeiten. Tatsächlich zeigen sie Kindern und Familien etwas Entscheidendes: Hier funktioniert öffentliche Verantwortung. Hier werden Versprechen ernst genommen. Hier ist der Staat handlungsfähig.
Bleiben notwendige Maßnahmen dagegen über Jahre aus, kann sich der gegenteilige Eindruck verfestigen.
Aus politischen Ansprüchen müssen verlässliche Mittel werden
Schulträger benötigen keine immer neuen Erwartungen ohne ausreichende Ressourcen. Sie brauchen die Möglichkeit, die Verantwortung, die ihnen übertragen wird, auch tatsächlich wahrzunehmen. Bund und Länder dürfen deshalb nicht nur darüber entscheiden, welche Aufgaben Kommunen erfüllen sollen. Sie müssen ebenso verbindlich klären, wie diese Aufgaben langfristig finanziert werden.
Eine der entscheidenden Fragen für die Glaubwürdigkeit von Politik lautet: Wie kann Bildungsgerechtigkeit unabhängig vom Wohnort gelingen, wenn immer neue Aufgaben auf strukturell unterfinanzierte Systeme treffen? Und wie können Schulträger gemeinsam so deutlich auftreten, dass aus politischen Ankündigungen verlässliche und auskömmliche Mittel werden? Denn wer politische Ansprüche schafft, darf nicht nur den Start finanzieren. Er muss dafür sorgen, dass die Verantwortung dauerhaft getragen werden kann.
Zur Person
Udo Beckmann., Illustration: News4teachers
Udo Beckmann ist Grund- und Hauptschullehrer, leitete zehn Jahre eine Hauptschule in herausfordernder Lage mit einer Schülerschaft, die zu 80 Prozent aus Familien mit Migrationshintergrund stammten.
Er war zudem 16 Jahre Vorsitzender der zweitgrößten Lehrergewerkschaft in Nordrhein-Westfalen (des VBE) und 13 Jahre Bundesvorsitzender. Heute ist er Leiter des Programmbeirats beim Deutschen Schulleitungskongress.
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Das Vertrauen in KI bröckelt – und zwar zu Recht. Denn zwischen Sicherheitsvorfällen, Umweltrisiken und einem übertriebenen Hype scheinen die Nachteile die Vorteile mittlerweile einzuholen. Vertrauen in KI sollte man deshalb prüfen, nicht voraussetzen. Ein Vorschlag für einen unabhängigen KI-TÜV ist daher nicht nur richtig, sondern längst überfällig. Damit eine solche Prüfung nicht zum Bremsklotz wird, müsste sie aber schnell und klar geregelt sein. Eine kommentierende Analyse.
Muss KI bald zum TÜV?
Der TÜV-Verband und das TÜV AI.Lab haben zum Digital-Gipfel der Bundesregierung einen Vorschlag für den Aufbau einer unabhängigen Prüf- und Aufsichtsstruktur für Frontier-KI und autonome KI-Agenten präsentiert. Oder kurzum: für einen KI-TÜV. Demnach müssen Deutschland und Europa in der Lage sein, die Sicherheit von künstlicher Intelligenz eigenständig bewerten zu können, unabhängig davon, wo diese entwickelt wurde. Die Idee: KI-Modelle sollen vor ihrer Markteinführung auf Herz und Nieren geprüft werden. Das deutsche KI-Sicherheitsinstitut (AISI) müsse in Zusammenarbeit mit unabhängigen Prüforganisationen dabei eine zentrale Rolle übernehmen.
Das AISI soll dem Vorschlag zufolge schrittweise zu einer eigenständigen Institution ausgebaut werden. Zudem müssten unabhängige Prüforganisationen mit Fachwissen aus Industrie, Mobilität und Energieversorgung eingebunden werden, damit es eigene Kompetenzen für die Sicherheitsbewertung von KI-Modellen aufbauen kann. Das Institut könne dann die Entwicklung geeigneter Prüfmethoden unterstützen, den notwendigen Modellzugang gewährleisten und Ergebnisse für Entscheidungen der Regierung und Behörden aufbereiten. Qualifizierte unabhängige Prüforganisationen sollen die technischen Evaluationen übernehmen und insbesondere prüfen, ob die Sicherheitsnachweise für den Einsatz von KI in technischen Systemen belastbar sind.
Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom verlieren vor allem die USA und US-amerikanische Unternehmen als KI-Anbieter an Zuspruch. Nur noch 41 Prozent der befragten deutschen Unternehmen würden demnach bevorzugt künstliche Intelligenz aus den Vereinigten Staaten nutzen wollen. Im Jahr 2025 waren es noch 51 Prozent. Chinesische KI möchten derweil nur noch zwölf Prozent bevorzugt nutzen. Im Vorjahr waren es noch 18 Prozent. Der große Wunsch: 96 Prozent der Unternehmen würden bevorzugt gerne KI-Anwendungen deutscher Anbieter nutzen. Allerdings wären 64 Prozent nicht bereit, dafür Abstriche in puncto Preis-Leistung hinzunehmen.
Warum Hersteller-Versprechen nicht ausreichen
Donald Trump spottete einst über den deutschen TÜV und behauptete, die EU würde mit absurden Tests ihre Autoindustrie abschotten. Bowling-Kugeln würden dazu auf Fahrzeuge fallen gelassen werden. Das ist natürlich absoluter Quatsch. Ein Märchen. Der TÜV ist in puncto Sicherheit ein hohes Gut. Hingegen kein Märchen ist, dass KI einen Steinschlag erlitten hat. Oder: einen Bowlingkugelschlag. Denn das Vertrauen in künstliche Intelligenz bröckelt – und das nicht ohne Grund. Zu oft werden etwa Sicherheitsrisiken ignoriert, Verantwortlichkeiten abgewiegelt oder mögliche Gefahren dem Innovationsdruck untergeordnet.
Das gilt sowohl für KI-Anbieter, KI-Anwender als auch für die Politik, die mitunter hinterhereiert und einem riskanten Aktionismus verfällt, anstatt vorausschauend zu handeln. Dass dabei sogar Umweltauflagen zur Disposition stehen, passt traurigerweise in ein Bild, wie rückschrittlich Fortschritt gedacht werden kann. Angesichts zunehmender Sicherheitsvorfälle, gefährlicher Fehlentscheidungen und sogar Todesfälle im Zusammenhang mit KI ist eine unabhängige Prüfung deshalb längst überfällig.
Oder: Wer künstliche Intelligenz zunehmend Entscheidungen treffen, Maschinen steuern und kritische Infrastrukturen beeinflussen lässt, kann und darf sich nicht auf die vermeintlichen Sicherheitsversprechen der Anbieter verlassen. Ein KI-TÜV könnte hingegen eine unabhängige Kontrolle schaffen. Diese dürfte aber nicht mit überbordender und langwieriger Bürokratie einhergehen. Denn wenn eine KI erst monatelang auf dem Prüfstand verrostet, während bereits das nächste Modell in den Startlöchern steht, geraten Deutschland und Europa ins Hintertreffen. Oder: Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und ein verantwortungsvoller Umgang müssen Hand in Hand gehen und dürfen keine Gegenspieler sein.
Stimmen
Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands, in einem Statement: „Europa muss natürlich den Anspruch haben, eigene leistungsfähige KI-Modelle zu entwickeln. Aber wir müssen uns darauf einstellen, dass auch künftig ein erheblicher Teil der bei uns eingesetzten KI aus den USA und anderen Weltregionen kommen wird. Und bei deren Sicherheitsbewertung dürfen wir nicht allein auf die Angaben der Hersteller vertrauen, besonders wenn kritische Infrastrukturen und die nationale Sicherheit betroffen sind.“
Franziska Weindauer, Geschäftsführerin des TÜV AI.Lab, spezifiziert eine mögliche KI-Hauptuntersuchung: „Unabhängige Prüfer müssen den Sicherheitsversprechen der Entwickler auf den Grund gehen können. Dafür brauchen sie Zugang zu den Modellen und Einblick in Training und Schutzmaßnahmen. Sie müssen unabhängig bewerten können, ob bestehende Risiken ausreichend mitigiert wurden. Und wenn KI eine Maschine steuert, müssen Fachleute für Maschinensicherheit mitprüfen. Sie können beurteilen, welchen Einfluss KI auf bestehende Sicherheitsmechanismen hat.“
Auch Ralf Wintergerst, Präsident des Digitalverbands Bitkom, ist für eine Regulierung von KI, plädiert aber vor allem für eine Entwicklung in Europa: „Deutschland und Europa dürfen bei KI nicht nur Anwender sein, wir müssen auch Anbieter werden. Es gibt eine breite Nachfrage nach souveräner KI, aber entsprechende Angebote müssen unabhängig vom Standort des Anbieters im Wettbewerb bestehen. Dafür brauchen wir genügend Rechenkapazitäten, Zugang zu Daten, eine Regulierung, die Innovationen unterstützt, und einen Staat, der als Vorreiter selbst KI aus Deutschland und Europa einsetzt.“
Ein KI-TÜV müsste schnell und unbürokratisch sein
Dass Unternehmen ihrer Verantwortung bislang nicht ausreichend gerecht werden, ist auch eine Folge des absolut übertriebenen KI-Hypes. Im Wettlauf um Marktanteile, Effizienz und technologische Vorherrschaft scheint leider allzu häufig das Prinzip zu gelten, dass Schnelligkeit vor Sicherheit geht. Risiken werden sogar als Kollateralschäden eines vermeintlich unvermeidbaren Fortschritts billigend in Kauf genommen. Doch wer KI möglichst schnell in Produkte, Geschäftsprozesse und kritische Systeme integrieren möchte, muss auch dazu bereit sein, für deren Sicherheit Verantwortung zu übernehmen.
Auch die Politik scheint mit der Geschwindigkeit der Entwicklung bisweilen überfordert. Oder: Zwischen Innovationsförderung, internationalem Konkurrenzdruck und notwendigen Sicherheitsvorkehrungen fehlt es bislang an einer überzeugenden Balance. Ein unabhängiger KI-TÜV könnte derweil eine Vorreiterrolle einnehmen und einen verantwortungsvolleren Umgang mit künstlicher Intelligenz etablieren. Nicht als Innovationsbremse, sondern als Instanz, die dafür sorgt, dass die Vorteile der Technologie tatsächlich überwiegen und nicht irgendwann ihre Nachteile die Rechnung prägen.
Entscheidend wird dabei natürlich die konkrete Umsetzung sein. Oder: Ein KI-TÜV darf weder zu einem zahnlosen Papiertiger noch zum nächsten deutschen Bürokratiemonster werden, das Innovationen mit Formularen und endlosen Prüfverfahren ausbremst. Gefragt sind klare Zuständigkeiten, nachvollziehbare Standards und vor allem schnelle, unabhängige Prüfungen. Klar: Anbieter wie OpenAI und Co. werden sich dagegen vermutlich wehren. Sie werden vielleicht sogar tricksen, um eine TÜV-Plakette zu bekommen. Letztlich werden sie sich aber fügen müssen, da Deutschland und Europa ein gigantischer Markt für sie sind.
Liebevoll illustrierte Geschichten mit Herz - das ist das Markenzeichen der Kinderbücher von Janosch. Nun ist Horst Eckert - wie der Illustrator und Schriftsteller mit bürgerlichem Namen heißt - im Alter von 95 Jahren auf Teneriffa gestorben.[mehr]
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Momentan werden wir von den Ereignissen bei den Cyberangriffen auf Kühlschränke und Truhen in Europa überrollt. Betraf nach bisherigen Meldungen nur Lebensmittelsketten. Ich hatte für heute einen Artikel geplant, der auf die Gefahr für Labore und medizinische Einrichtungen hinweist. Nun … Weiterlesen →
In Israel starten heute die entscheidenden Konsultationen über die Bildung einer neuen Regierung. Nach der Parlamentswahl steckt das Land in einer Blockade. Staatspräsident Herzog ruft zu historischen Kompromissen auf. Von Julio Segador.[mehr]
Bemerkenswert und wichtig finde ich insbesondere, dass sie darin sehr gut konkretisieren, was Offenheit eigentlich heißt – und zwar mit Kriterien, die das Wozu der Offenheit deutlich machen.
Insgesamt finden sich diese fünf Dimensionen:
Technische Vollständigkeit: Offenheit ist hier wichtig, damit mit einem Modell tatsächlich gearbeitet werden kann. Lässt es sich also nicht nur nutzen, sondern auch nachbilden und weiterentwickeln?
Rechtliche Freiheiten (Lizenzierung): Das ist wohl das offensichtlichste Kriterium für Offenheit, weil sonst die Grundlage für selbstbestimmte Gestaltung und Nutzung fehlt.
Transparenz und Dokumentation: Offenheit kann hier dazu beitragen, dass auch Nicht-Expert:innen Funktionsweise, Grenzen und Verzerrungen erkennen und auf diese Weise Nutzung und Output einschätzen können.
Zugang und Interoperabilität: Offenheit ermöglicht hier im Sinne einer Schnittstellen-Perspektive, dass nicht einige wenige große Plattformen dominieren, sondern die Integration in bestehende und damit oft dezentrale Infrastrukturen gelingt. Hierzu gehört auch die Hoheit über die eigenen Daten.
Ethische und pädagogische Responsivität: Offenheit ermöglicht hier, Verantwortung für die Förderung sozialer Gerechtigkeit, Bildungsteilhabe und Demokratie wahrzunehmen. Diesen Punkt finde ich ganz besonders entscheidend.
Sehr unterstützen kann ich die formulierten Handlungsempfehlungen. Besonders stark machen möchte ich diese beiden Aspekte:
Eine Fokusverschiebung auf kleine Modelle. Diese erscheinen wahrscheinlich erst einmal weniger fancy, aber mit ihnen lässt sich im Sinne der obigen Kriterien in der Bildung wahrscheinlich sogar viel besser gestalten – und das, ohne all die Zerstörung in Kauf zu nehmen, die der LLM-Monopolismus mit sich bringt.
Eine Orientierung an Communities of Practice bei KI in der Bildung und damit ein Ansatz der Gestaltbarkeit von Technologie als unbedingte Voraussetzung digitaler Mündigkeit. Der Gedanke, dass Technologieentwicklung Verbundenheit befördern soll, statt Menschen auseinanderzubringen, findet sich auch im Leitbild der konvivialen Technik wieder.
Auf dem Weg zu diesem Nordstern ist noch viel zu tun. Bei der Untersuchung der Wikimedia zu insgesamt 53 Modellen fand sich kein einziges Modell, das etwa bei technischer Vollständigkeit, Lizenzierung und ethischer und pädagogischer Responsivität vollständig offen war. Die klare Ausrichtung in dieser Veröffentlichung stimmt mich aber sehr zuversichtlich, dass damit gemeinsam in diese Richtung gewirkt werden kann!
Das Midterms-Ergebnis ist deutlich, die Gründe auch: ein unbeliebter Präsident und hohe Preise. Aber was heißt das alles für den Rest der Präsidentschaft - und die Zeit danach? Von Martin Ganslmeier.[mehr]