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Lese-Ansicht

Erst streng, dann Ted Lasso – ein Plädoyer für das Unwort Disziplin

BELIEVE-Schild über der Tür zum Konrektorbüro

„Das geht bei Ihnen. Aber nicht in meiner Klasse.“ Diesen Satz höre ich auf gefühlt jeder Fortbildung. Egal ob es um Feedback geht, um individualisiertes Lernen oder um KI im Unterricht, irgendwann meldet sich jemand und sagt genau das. Früher hat mich das geärgert. Heute glaube ich, der Satz stimmt zumindest zur Hälfte – denn die beste Methode bringt nichts, wenn in der Klasse keiner mitmacht. Und deshalb wollte ich schon lange einen Artikel über ein Wort schreiben, das man in Zeiten moderner Pädagogik eigentlich gar nicht mehr in den Mund nehmen darf: Disziplin.

Den letzten Anstoß hat ausgerechnet eine Fußballserie gegeben (wer mich kennt, weiß: Bundesliga jedes Wochenende, dazu Comunio und Kickbase … ich bin da nicht ganz objektiv). Eigentlich wollte ich mit Ted Lasso nur ein bisschen Fußball schauen, gelernt habe ich am Ende aber mehr über Erziehung, Unterricht und Coaching als über Fußball. Kurz für alle, die die Serie nicht kennen (keine Spoiler, versprochen): Ein amerikanischer Football-Trainer übernimmt einen englischen Fußballverein, hat von Fußball keine Ahnung, wird ausgelacht – und verändert trotzdem die ganze Mannschaft. Nicht mit Taktik, sondern mit seiner Haltung. Wer Lehrkraft ist, sollte sich die Serie mMn unbedingt mal anschauen.

Ted hat es leichter als wir

Nur in einem Punkt hinkt der Vergleich, und das ist mir beim Schauen ziemlich schnell aufgefallen. Teds Spieler sind Profis. Die wollen da sein, die wollen gewinnen, sonst wären sie gar nicht erst dort gelandet. Ted muss sie mit seinem Charakter einfangen, aber fast nie mit Disziplin. Unsere Kids sitzen wegen der Schulpflicht vor uns, und Mathe in der 6. Stunde am Freitag ist für die wenigsten die Champions League. Je mehr ich über Unterricht nachdenke, gerade auch an Schulen mit schwierigen Bedingungen, desto klarer wird mir: Guter Unterricht, Individualisierung, Feedback, KI – das alles reicht nicht, wenn die Basis fehlt.

Erst der Rahmen

Kinder brauchen eine Rahmung. Solange sie keinen Rahmen haben, reißen sie jedes Mal drüber hinaus und testen aus, wie weit sie gehen können. Wenn der Rahmen aber steht, können sie sich darin frei entfalten – und die Guten kann man dann richtig fliegen lassen, ohne dass sie die Grenzen überhaupt noch merken. Freiheit wird für mich erst innerhalb bestimmter Grenzen möglich.

Deshalb bin ich am Anfang eines Schuljahres streng, und ich weiß, dass mich viele Kids im September nicht gerade für Ted Lasso halten. Hausaufgaben werden gemacht, man kommt pünktlich, es wird mitgearbeitet. Das ist aber kein Selbstzweck. Störungsfreier Unterricht und dass jede und jeder Einzelne wirklich nachdenkt (und nicht nur die drei, die sich sowieso immer melden), ist für mich der Anfang von gutem Unterricht. Das bayerische K+5-Modell sieht das übrigens ähnlich: Dort ist effektive Klassenführung das Fundament, auf dem alles andere aufbaut – auch das individualisierte Lernen.

Dann loslassen

Und jetzt kommt Ted ins Spiel. Denn wer nur streng bleibt, verliert die Kids irgendwann trotzdem. Deci und Ryan haben das in ihrer Motivationstheorie schön beschrieben: Menschen brauchen Erfolgserlebnisse, Freiheit und das Gefühl, dazuzugehören. Ein Rahmen, der nie aufgeht, liefert davon nichts.

Wenn die Basis steht, lasse ich also die Zügel locker. Jede und jeder arbeitet im eigenen Tempo, und ich versuche vor allem eins: die Kids beim Gutsein zu erwischen. Den Leitspruch habe ich von MB Buchhorn gelernt, und er passt perfekt zu Ted, der nämlich immer zuerst sieht, was gelingt. Wenn einer seiner jungen Spieler nach einem Fehler den Kopf hängen lässt, fragt Ted ihn, was das glücklichste Tier der Welt ist. Der Goldfisch – weil er nur ein paar Sekunden Gedächtnis hat. Fehler passieren, man schaut sie sich an und macht weiter. Genau so wünsche ich mir das auch nach einer verpatzten Schulaufgabe. Und plötzlich habe ich auch Zeit für die Stillen, die sonst zwischen Elterngesprächen und Vertretungsplan einfach untergehen.

 

Eine Mutter hat mir beim Elternabend erzählt, was ihr Kind über mich sagt: „Herr Schmidt ist streng, aber cool.“ Ich glaube, viel besser kann man es nicht zusammenfassen :-)

Und die ganze Schule?

Schild ‚Glaub an dich‘ an der Innenseite der Bürotür, Blick in den Schulflur

Was im Klassenzimmer gilt, gilt mMn auch für das ganze Schulhaus. Ich erzähle das auf jeder Fortbildung: John Hattie zählt die kollektive Wirksamkeitserwartung, also den gemeinsamen Glauben eines Kollegiums, etwas bewegen zu können, zu den stärksten Einflüssen auf das Lernen überhaupt (d = 1,34 – ab etwa 0,4 gilt etwas schon als wirksam). Wenn Lehrkräfte, Schüler:innen und Eltern ein gemeinsames „Ich will“ haben, passiert unglaublich viel. Deshalb hängt vor meinem Büro ein BELIEVE-Schild, und wer wieder rausgeht, liest innen an der Tür: GLAUB AN DICH. Und falls irgendwann mal jemand wegen einer Ordnungsmaßnahme bei mir sitzt (bisher zum Glück noch niemand ;-)), soll er genau das als Letztes sehen.

Rede ich mir das schön?

Zum Schluss muss ich ehrlich sein. Vielleicht rede ich mir hier einfach meinen eigenen Stil schön. Vielleicht bin ich ein bisschen strenger als andere und habe mir Ted Lasso so hingebogen, dass er zu mir passt. Das kann gut sein, und ich lasse die Frage hier bewusst stehen.

Ich glaube aber trotzdem, dass wir Individualisierung zu oft mit Laissez-faire verwechseln. Jedes Kind in seinem Tempo: ja, unbedingt. Jedes Kind macht, was es will: nein. Ich erlebe das jeden Tag, beim Handy, das eben doch nicht in der Tasche bleibt, im Schulbus oder auf Ausflügen. Wenn Kinder lernen, dass sie den Erwachsenen auf der Nase herumtanzen können, tun wir ihnen keinen Gefallen. Ted ist ja auch kein Kumpel, der alles durchgehen lässt. Er glaubt an seine Spieler. Und an jemanden zu glauben heißt für mich auch, ihm zuzutrauen, dass er sich an Regeln halten kann.

Eigentlich müsste an dieser Stelle jetzt die Aufforderung kommen, eure Meinung in die Kommentare zu schreiben – so enden ja gefühlt gerade alle Artikel, bei denen eine KI mitgeschrieben hat (dazu gleich mehr). Ich lass das lieber. Wie viel Rahmen eure Klasse braucht und wann ihr loslassen könnt, wisst ihr eh am besten. Und wenn mir das nächste Mal jemand auf einer Fortbildung sagt „Das geht bei Ihnen, aber nicht in meiner Klasse“, dann reden wir einfach darüber. Gerne auch über Ted Lasso. (Und trotzdem dürft ihr mir natürlich gerne ein Feedback in die Kommentare schreiben ;-))

Ehrlicherweise noch ein Hinweis: Bei diesem Artikel hat mir KI geholfen. Die Gedanken, Erfahrungen und Ecken und Kanten sind meine – beim Recherchieren und beim Sortieren meiner (vielen auch wirren) Ideen war die KI mein Sparringspartner.

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Handygarage: Ich, der BYOD-Typ, sperre jetzt Smartphones weg

Ich habe mal Unterricht mit den Smartphones der Kids gemacht. Ganz bewusst und auch gegen einige Widerstände. BYOD war für mich lange der ehrlichere Weg, weil die Geräte ja sowieso da sind: dann lernen wir eben, vernünftig damit umzugehen, statt so zu tun, als gäbe es sie nicht.

Jetzt bin ich an einer neuen Schule und dort als der angekommen, als den man mich so kennt: Flipped Classroom, Tabletklassen, KI im Unterricht. Und einer meiner ersten großen Prozesse ist ausgerechnet der, die Handys morgens einzusammeln und wegzusperren.

Ich trage das nicht nur mit, ich halte es für richtig.

 

Wer mich kennt, darf sich kurz wundern, ich habe mich auch über mich selbst gewundert. 

Selbstbestimmung statt Verbot?

Meine Haltung war immer: Selbstbestimmung schlägt Verbot. Kids lernen den Umgang mit dem Gerät nicht, indem man es ihnen wegnimmt, sondern indem sie ihn üben. Das denke ich nach wie vor, weshalb mein Sinneswandel auch kleiner ist, als die Überschrift vermuten lässt.

Bevor ich mich hier öffentlich korrigiere, habe ich nämlich erst mal nachgelesen, was ich in meinem Digital-Detox-Artikel von 2024 eigentlich geschrieben hatte. Ganz unten, beim „Fun Fact zum Schluss", habe ich die dänische Empfehlung gelobt und als Vorlage für eine vernünftige Nutzungsordnung bezeichnet: private Nutzung in der Schule nicht erlaubt, dazu pädagogische und technische Einschränkungen und eine klare Linie für den sinnvollen Einsatz. Und dann kam noch der Satz, die Schule solle hier vorangehen.

Am Formulieren hat es also nicht gelegen. Zwischen einer gut gemeinten Forderung und einer Regelung, die im Schulalltag wirklich greift, liegen offenbar ein paar Jahre.

 

Was ich damals nicht gesehen habe: Selbstbestimmung heißt ja nicht, dass ich jedem Kind in jeder einzelnen Stunde die Entscheidung aufhalse, gerade nicht aufs Handy zu schauen. Ich als Erwachsener lege mein Handy in einen anderen Raum, wenn ich konzentriert arbeiten will, und halte das für professionell und nicht für Bevormundung. Warum mute ich dann einem Zwölfjährigen zu, was ich mir selbst nicht zumute?

Und dann die Studienlage

Ich bin in den letzten Wochen tiefer eingestiegen, und das Bild ist differenzierter, als es in beide Richtungen behauptet wird. Den besten Überblick hat mMn Alexander Brand über das Deutsche Schulportal zusammengestellt – da steht auch das drin, was gegen uns spricht (Schweden zum Beispiel, oder die Frage, wie alt die Daten aus England eigentlich sind).

Zwei Punkte will ich trotzdem hier haben, weil sie in Diskussionen regelmäßig schief zitiert werden.

Mit dem „Brain Drain"-Effekt würde ich nicht argumentieren. Die berühmte Studie von Ward und Kollegen (2017) sagt, dass schon die Anwesenheit des Geräts kognitive Kapazität kostet, und wird seitdem gerne zitiert - auch im Kontext unserer Maßnahme. Inzwischen gibt es dazu aber zwei Metaanalysen mit gegensätzlichem Ergebnis: Böttger, Poschik und Zierer aus Augsburg finden einen signifikanten Gesamteffekt, Parry (2024) mit 56 Studien und strengerer Trennung zwischen Nutzung und bloßer Anwesenheit findet praktisch nichts. Das Bild ist schön und leuchtet auch ein, als Beleg taugt es aber (noch) nicht.

Norwegen ist methodisch das stärkste Stück, aber differenzierter als sein Ruf. Sara Abrahamsson hat rund 400 Mittelschulen ausgewertet, und weil die Verbote dort zu unterschiedlichen Zeitpunkten kamen, ließ sich der Effekt quasi-experimentell isolieren. Seit März 2026 ist die Arbeit im Journal of Human Resources erschienen, also peer-reviewed. Und jetzt muss man genau lesen: Im Durchschnitt findet sie keinen Effekt auf Leistung oder psychische Gesundheit. Dieser Durchschnitt verdeckt allerdings deutliche Geschlechterunterschiede – bei den Mädchen gehen Mobbing und psychologische Behandlungen zurück, die Noten werden besser, der akademische Zweig wird wahrscheinlicher, und am stärksten wirkt das bei Mädchen aus benachteiligten Familien. Bei den Jungen zeigt sich nichts. Die Notengewinne waren zudem an Schulen mit Abgabepflicht größer als dort, wo das Handy nur lautlos in der Tasche bleiben musste; bei Mobbing und psychischer Gesundheit machte die Strenge dagegen kaum einen Unterschied.

 

Dass Handygaragen nachweislich besser sind als ein einfaches Verbot, würde ich so also nicht unterschreiben. Für die Noten gibt es Hinweise, für den Rest (noch) nicht.

Der Punkt, an dem es klick gemacht hat

Überzeugt hat mich am Ende aber gar keine Studie, sondern etwas ziemlich Banales. Das Handyverbot gab es an bayerischen Schulen schon immer. Nur lag das Gerät eben trotzdem in der Hosentasche und war damit den ganzen Tag präsent: als Versuchung und als Sorge, erwischt zu werden. Für uns Lehrkräfte hieß das, nebenher dauernd zu kontrollieren, und das hat noch nie jemand gerne gemacht.

Wir haben jahrelang eine Regel behauptet, die wir nie eingelöst haben. Für mich liegt das pädagogische Problem genau da und nicht beim Gerät.

 

Für mich ist die Handygarage deshalb eigentlich gar kein neues Verbot. Wir ziehen das alte halt endlich mal konsequent durch.

Wegsperren und bespielen – beides

Parallel läuft bei uns nämlich weiter, worum es mir immer ging: Tabletklassen mit 1:1-Ausstattung von Jgst. 7 bis 10, kooperatives Arbeiten, KI in Schülerhand und die reflektierte Nutzung als eigener Unterrichtsgegenstand. Das Tablet ist dabei das Werkzeug, mit dem etwas entsteht, und das Smartphone in der Tasche produziert in derselben Zeit hoffentlich nichts.

Nur wegsperren wäre mir zu wenig. Dann haben wir zwar Ruhe im Haus, aber keiner lernt, wie man mit dem Ding vernünftig umgeht. Und nur auf die Selbstregulation der Kids zu setzen, hat ja offensichtlich auch nicht funktioniert (bei uns Erwachsenen übrigens auch nicht ;-)) Interessanterweise empfehlen Böttger und Kollegen am Ende ihrer Metaanalyse genau diese Kombination: Schutz durch Regeln und gleichzeitig Konzepte, die Jugendliche mit hoher Selbstreflexion an die Nutzung heranführen.

 

2024 habe ich vom „analogen und digitalen Yin und Yang" geschrieben. Das gilt weiter, nur konsequenter. Am Ende bekommen die Kids das Gerät ja wieder in die Hand, und dann müssen sie damit umgehen können – ein Verbot kann immer nur auf Zeit gelten.

Was ich noch nicht weiß und was wir noch brauchen

Auch diese Darstellung greift zu kurz, das ist mir klar. Ich weiß nicht, ob bei uns messbar wird, was in Norwegen messbar war, denn dort zeigten sich die Effekte erst nach zwei Jahren. Ich weiß nicht, ob die Kids die Zeit nach Schulschluss einfach nachholen, was die englische SMART-Schools-Studie ziemlich deutlich nahelegt. Und wie robust die Organisation im Alltag ist, wenn hunderte Geräte täglich zweimal bewegt werden, wird sich auch erst zeigen.

Was wir aber dringend brauchen: Eltern, die einen ähnlichen Weg gehen. Da wird mir noch zu oft über das Smartphone geschimpft, ohne es wirklich einzuschränken. Die Eltern loben fast einheitlich unseren Schritt. Vielleicht ist Schule dahingehend einfach noch mehr Vorbild für die Nutzung zu Hause. So viele Stunden ungefiltert Social Media täglich ist einfach nicht richtig. Hier braucht es mehr als nur eine Handygarage am Vormittag. Hier bin ich ein großer Verfechter der Bildschirmzeit geworden und vielleicht müssen wir auch Social Media stärker einschränken.

Zum Halbjahr werten wir das mit SMV und Elternbeirat aus, und ich werde hier berichten, was dabei rauskam.

Was ich noch dazusagen muss:

Die Studien habe ich mir mit KI-Unterstützung erschlossen, die Abstracts und die entscheidenden Stellen aber selbst nachgelesen. 

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KI in der Tutorenrolle: unterstützen statt nur erklären

Mit der Variante 4o von openai (13.05.2024) wurde auch ein Video von Sal Khan und seinem Sohn verbreitet. Der Vater leitete die KI an, keine Antworten zu geben, sondern den Sohn anzuleiten, selbst auf die Lösung zu kommen. Dies erfolgte im Gespräch und mit Zugriff auf den Bildschirm, so dass die KI eine Rückmeldung dazu geben konnte. Faszinierend. 
https://youtu.be/_nSmkyDNulk?si=osNYZH0aUvmHeyvI

Begeistert machte ich mich auf die Suche, dies auch in Deutschland umzusetzen. Doch diese Funktion gab/gibt es (noch) nicht bei Anbietern für schulische KI-Arbeit. Aber über einen eigenen Assistenten konnte ich dies zumindest über einen schriftlichen Chat ermöglichen. In einem System-Prompt gebe ich der KI vorher vor, dass sie ein Tutor sein, helfen und unterstützen, wenn möglich nicht erklären, das Sprachniveau an den Schüler anpassen und Stück für Stück den Lerngegenstand näher bringen soll - auch bei offenen Aufgabenstellungen. (den System-Prompt findet ihr am Ende des Blogbeitrags) Der anfänglichen Euphorie wich schnell die Realität: das geht ja gar nicht gscheid. nach ein paar Wochen war mir aber auch klar, mein Prompt muss verbessert werden, ich muss didaktisch Einiges berücksichtigen und ich kann die Kids nicht ausschließlich alleine damit arbeiten lassen. Und jetzt kann ich sagen: es geht ja wohl, aber es braucht ein Feintuning :-)  

Große Fortschritte trotz Herausforderungen

Vorweg mein #wowdw, bevor ich auf die Probleme eingehe:

ich hatte nun schon mehrere Unterrichtsstunden diese Tutorenrolle im Einsatz. Im Fach Mathe und IT. Mal hat es funktioniert, mal nicht so gut.

Aber:

  • immer war es besser, dass die Schülerinnen und Schüler sich im eigenen Tempo mit der Materie befasst haben.
  • immer war es mehr wert, als Anleitungen im frontalen Setting.
  • immer war es besser als die Internetrecherche oder das Suchen nach Input.
  • ...

Am Beispiel der "Wenn-Funktion" in der 8. Klasse: Innerhalb von 30 Minuten hatten alle Schülerinnen und Schüler mit Unterstützung des Tutors die Excel-Formel so gut verstanden, dass sie anschließend fast alle Aufgaben selbstständig lösen konnten – und das in ihrem eigenen Tempo. Der Tutor stand dabei für Hilfestellungen bereit, aber am Ende erstellten die Schüler sogar Erklärvideos. Diese Videos zeigten, dass sie die Funktion und ihre Anwendung nicht nur nachahmen, sondern wirklich verstanden hatten.

Meine Rolle als Lehrkraft blieb dennoch anspruchsvoll: Ich unterstützte im Hintergrund, baute die Schüler auf, lobte sie, zeigte Begeisterung und wies auf mögliche Probleme hin. In solchen Lernsituationen wird es nie langweilig!

Was ich damit sagen will: Natürlich lief nicht alles perfekt, wie man es von einer idealen KI erwarten könnte. Dennoch war der Einsatz des Tutors deutlich effektiver als die individuelle Betreuung im schülerzentrierten Unterricht. Und meine Rolle war dementsprechend noch wirksamer als sonst. Denn überall funktionierte schon viel, ich war nur noch am Feinjustieren. 

Wenn wir heute neue Technologien bewerten, kritisieren wir im kleinsten Detail jeden Output. Aber können wir Lehrkräfte gewährleisten, dass unser Ouput bis ins kleinste Detail perfekt, individuell verständlich oder gar richtig ist? Jeden Tag auf ähnliche Weise? Auch beim 100. Mal zum selben Inhalt? Ich nicht. Daher ist das, was die KI macht eine so große Hilfe für mich, dass in der Kombination mit mir ein echt mächtiges Duo entstanden ist. 

Braucht es dann noch Lehrer?

Wenn mein Unterricht nur daraus besteht, Inhalte frontal zu präsentieren und Hefteinträge schreiben zu lassen – dann ja, da könnte man die Lehrkraft auch durch ein YouTube-Video ersetzen. Aber das ist (auch im Flipped Classroom) nicht mein Ansatz.

Mal anders erklärt: Ich unterrichte die "Wenn-Funktion" in drei parallelen Klassen. In zwei davon lief alles wie am Schnürchen. Die Schülerinnen und Schüler haben mit der KI-Tutor-Unterstützung super gearbeitet, verstanden die Funktion und wendeten sie fast problemlos an. In der dritten Klasse? Naja, das WLAN hatte einen schlechten Tag, mein Kollege kämpfte mit seinem Lehrerdienstgerät, und ich war ständig zwischen den Klassenzimmern unterwegs. Das Ergebnis? Diese Klasse hatte spürbar mehr Schwierigkeiten und brauchte länger, um die Wenn-Funktion zu verinnerlichen.

Woran lag's? An der Klasse oder an meiner Abwesenheit? Wahrscheinlich an beidem. Denn meine Präsenz sorgt für Ordnung, Struktur, (korrigierendem) Feedback und Motivation (Classroom-Management). Meine Schüler schreien nämlich nicht sofort „Hurra!“, wenn ich eine KI-Tutorin vorstelle. Sie machen es, weil sie mir vertrauen – und, ehrlich gesagt, weil ich sie ein bisschen dazu zwinge.

Selbstreguliertes Lernen ist keine Zauberei, sondern eine Fähigkeit, die man lernen muss. Dafür gibt es in meinem Klassenzimmer klare Regeln für störungsfreies Arbeiten. Gleichzeitig gebe ich aber viel Freiheit: Jeder kann in seinem eigenen Tempo und auf seine eigene Art arbeiten. Wichtig ist, dass überhaupt gearbeitet wird – denn Lernen passiert durch Machen (auch mit Fehlern), aber nicht durch Chillen. Klar, anfangs stoßen die Kids manchmal an ihre Grenzen, aber nach ein paar Wochen entwickelt sich ein Flow, und Vieles läuft fast von allein.

 

Verlasse ich jedoch das Klassenzimmer, läuft es deutlich langsamer. Deshalb sage ich: Ja, in jüngeren und in anderen Arbeitsformen auch in älteren Klassen braucht es definitiv eine Lehrkraft, die für ein gutes Arbeitsklima sorgt. Aber mit KI-Tutoren kann ich diese Aufgabe viel effektiver gestalten und die Kinder optimal unterstützen (lassen). In der aktuellen Diskussion kommt mir das zu kurz: Ich gebe doch nicht meine Lehrerrolle auf, wenn ich KI einsetze. Wenn etwas in die falsche Richtung läuft, schreite ich ein. Wenn die Tutorenrolle fehlerhaft ist, justieren (und reflektieren) wir gemeinsam nach. Eine KI liefert (noch) keine 100% perfekten Ergebnisse – sie deshalb nicht zu nutzen, wäre ein schwerer Fehler.

Doch warum funktioniert es bei manchen Lehrkräften und bei manchen nicht? Meine Vermutung: wenn Lehrkräfte wissen, wie lernwirksamer Unterricht funktionieren könnte, KI ausprobiert haben, dann kann ein KI-Einsatz im Unterricht gelingen. Wenn man nur aufgrund einer Überschrift KI auf Schüler los lässt (und es selbst noch gar nie geöffnet hatte), dann lieber bleiben lassen und erst informieren und ausprobieren. 

Rumbasteln und Fehlerbehebung

Ausgangspunkt war der Tutorenprompt von Hauke Pölert (z.B. hier zu finden). Den fügte ich sowohl bei schulki.de, als auch bei tools.fobizz.com als System-Prompt in einen Assistenten ein. Anleitungen dazu habe ich verlinkt. In Fortbildungen und Unterrichtsstunden hatte ich diesen Prompt dann im letzten Jahr in der Testphase (wobei irgendwie war das nie nur ein Test, sondern immer auch ein Hilfsmittel). Aber es tauchten Probleme auf:

  • Der Formelsatz war nicht darstellbar, mathematische Rechnungen und IT-Sprache wurde mit einem falschen Zeichensatz beschrieben.
  • Antworten von Schülern wurden trotz Fehlern als richtig bewertet.
  • Richtige Antworten wurde auch als falsch bewertet (sehr selten)
  • Die KI schlüpfte aus Ihrer Rolle, erschwerte die Sprache, erklärte wieder mehr.
  • je nach Schülerantwort landete die KI auch in falschen Bereichen, obwohl eindeutig dargestellt. 
  • ohne Vorwissen war das Gespräch zäh.
  • das Gespräch endete nicht.

Manche Dinge konnte ich didaktisch beheben. z.B. nutze ich die Tutorenrolle mittlerweile als "Ich" im "Ich-Du-Wir". Immer nach der individuellen Erarbeitung gibt es eine gemeinsame Weiterarbeit in der Kleingruppe. Das fördert einerseits die Kommunikation und die Verwendung der neuen Inhalte in einem anderen Setting, darüber hinaus können aber so auch Fehlvorstellungen aus der KI erkannt werden. Bei der Erarbeitung einer Aufgabe auf Basis des neuen Wissens gibt es immer eine Musterlösung von mir. Damit sieht man spätestens dann, dass vorher etwas schief gelaufen und fein justiert werden müsste. Das Problem mit dem Zeichnsatz zeige ich den Kids vorab, sie antworten dann: "ich kann das nicht lesen, bitte schreibe es mit den richtigen Zeichen."
Außerdem nutze ich es aktuell am liebsten, wenn schon Vorwissen vorhanden ist. Das aktiviere ich kurz vor dem Einsatz der Tutorenrolle und so ergibt sich ein wesentlich ergiebigeres Gespräch.

Und dann habe ich einfach angefangen den Prompt von Hauke umzuschreiben, zu ergänzen, zu merken, dass es wieder nicht geht, wieder von vorne zu beginnen, die KI zu befragen, wie man diese Rolle umschreiben könnte... Je länger ich diese Tutorenrollen jetzt nutze, desto weniger Fehler passieren. Liegt es an der Weiterentwicklung der LLMs, an der Weiterentwicklung der Plattformen, die darauf zugreifen, an der Weiterentwicklung meines Prompts, an der intuitiven Weiterentwicklung meiner Rolle als Lehrkraft? Ich weiß es nicht. Aber es wird wöchentlich immer weniger fehleranfällig. 

Was ich auch versucht hatte: spezielle System-Prompts für eine spezielle Unterrichtseinheit zu basteln. Dann noch ein PDF mit den wichtigsten Inhalten (quasi als Inhaltsmuster) hochladen und passend dazu zugreifen lassen. Das war aber dann oft schlechter als mein normaler Tutor. Aber vielleicht fehlt mir da auch die Geduld, für so kurze Lernsequenzen, länger am System-Prompt zu arbeiten. 

(aktuelles) Fazit

Immer wieder setze ich die Tutorenrolle in meinem Unterricht ein - das macht mir Spaß und mittlerweile auch den Schülern. Sie greifen manchmal auch darauf zurück, ohne dass ich sie dazu aufgefordert hatte: "Die ist echt immer nett"; "Die nimmt sich gleich Zeit, wenn ich was wissen will." "Die stellt zwar Fragen, aber danach kapiere ichs besser.". Zumindest bei drei Schülern kam so auch ein tolles Feedback dazu heraus.

Abgeschafft habe ich mich dadurch nicht. Es ist auch durchaus ein großer Aufwand, der durch das "Verstehen und Feinjustieren" des System-Prompts entsteht. Aber die Tutorenrolle bleibt in meinem Klassenzimmer. Sie ist noch viel freundlicher als ich und immer da, wenn es mal nicht weiter geht. Auf dem Weg zu selbstständig arbeitenden Schülern eine hilfreiche Möglichkeit. Dies wird auch in den vielen Fortbildungen wahrgenommen und in anderen Klassenzimmern getestet. 

Wichtig wäre mir bei der Bewertung: 

 

KI ist nicht perfekt – aber welcher Unterricht ist das schon?

 

Eine Fehlerkultur gehört zum Lernen dazu. Sicher ist das Internet fehlerhaft und auch die Lehre der Lehrkräfte ist wahrscheinlich nicht ohne Fehler. Ich muss Fehlerresilienz erlernen, schon bevor es KI gab. Aber vor allem muss ich lernen, generierend (produktionsorientiert, handlungsorientiert, ...) zu arbeiten. Wissen nicht nur oberflächlich konsumieren, sondern sich auf vielfältige Weise damit auseinanderzusetzen. Da ist mir der KI-Tutor trotz kleineren Problemen eine sehr große Hilfe. 


Tutorenrolle Hauke Pölert

Für Lehrkräfte in Bayern hier zu testen: https://ki.alp.dillingen.de/chat?assistent=2d579eb2-7dda-41a5-a8fe-16ea69785560 

 

Sie sind ein fröhlicher, ermutigender Tutor, der den Schülern hilft, Konzepte zu verstehen, indem Sie Ideen erklären und ihnen Fragen stellen. Beginnen Sie damit, sich dem Schüler als sein AI-Tutor vorzustellen, der ihm gerne bei allen Fragen hilft. Stellen Sie immer nur eine Frage nach der anderen. Orientieren Sie sich bei allen Antworten am Lehrplan. 

 

Fragen Sie zuerst, worüber der Schüler etwas lernen möchte. Warten Sie die Antwort ab. Fragen Sie sie dann nach ihrem Lernniveau: In welchem Jahrgang / in welcher Klasse sind Sie Schüler? Warten Sie die Antwort ab. Fragen Sie sie dann, was sie bereits über das von ihnen gewählte Thema wissen. Warten Sie auch hier auf eine Antwort.

Helfen Sie den Schülern mit diesen Informationen, das Thema zu verstehen, indem Sie Erklärungen, Beispiele und Analogien geben. Diese sollten auf das Lernniveau und das Vorwissen der SchülerInnen bzw. auf das, was sie bereits über das Thema wissen, zugeschnitten sein.

Geben Sie den Schülern Erklärungen, Beispiele und Analogien zu dem Konzept, um ihnen das Verständnis zu erleichtern. Leiten Sie die Schüler auf eine ergebnisoffene Weise an. Geben Sie keine sofortigen Antworten oder Problemlösungen, sondern helfen Sie den Schülern, ihre eigenen Antworten zu finden, indem Sie Leitfragen stellen.

Bitten Sie die Schüler, ihre Überlegungen zu erläutern. Wenn der Schüler Schwierigkeiten hat oder die Antwort falsch ist, bitten Sie ihn, einen Teil der Aufgabe zu lösen, oder erinnern Sie ihn an sein Ziel und geben Sie ihm einen Hinweis. Wenn sich die Schüler verbessern, loben Sie sie und zeigen Sie Begeisterung. Wenn der Schüler Schwierigkeiten hat, sollten Sie ihn ermutigen und ihm einige Ideen zum Nachdenken geben. Wenn Sie die Schüler zu Informationen drängen, versuchen Sie, Ihre Antworten mit einer Frage zu beenden, damit die Schüler weiterhin Ideen entwickeln müssen.

Wenn ein Schüler oder eine Schülerin ein seinem/ihrem Lernniveau entsprechendes Verständnis zeigt, bitten Sie ihn/sie, das Konzept mit eigenen Worten zu erklären; dies ist die beste Art zu zeigen, dass Sie etwas wissen, oder bitten Sie ihn/sie um Beispiele. Wenn ein Schüler zeigt, dass er das Konzept verstanden hat, können Sie das Gespräch beenden und ihm sagen, dass Sie ihm bei weiteren Fragen helfen werden.

Mein eigener Versuch

Für Lehrkräfte in Bayern hier zu testen: https://ki.alp.dillingen.de/chat?assistent=2d579eb2-7dda-41a5-a8fe-16ea69785560

 

„Sie sind ein fröhlicher und ermutigender Tutor, der Schülern hilft, Konzepte zu verstehen, indem Sie Ideen erklären und ihnen gezielte Fragen stellen. Stellen Sie sich zunächst dem Schüler als sein AI-Tutor vor, der bereit ist, bei allen Fragen zu helfen. Bei allen Antworten, halten Sie sich kurz. Wir wollen die Lesebereitschaft des Schülers nicht überstrapazieren. 

 

Einstieg: Fragen Sie den Schüler, in welche Klasse er geht und für welches Fach er Unterstützung benötigt. Dies hilft Ihnen, sich am richtigen Lehrplan (Lehrplan Plus für die Realschulen in Bayern) zu orientieren.

 

Vorwissen aktivieren: Fragen Sie den Schüler, was er bereits über das gewählte Thema weiß. Warten Sie auf die Antwort, um das Vorwissen zu aktivieren.

 

Erklärungen und Beispiele: Basierend auf den Antworten des Schülers geben Sie Erklärungen, Beispiele und Analogien, die auf dessen Lernniveau und Vorwissen abgestimmt sind. Beginnen Sie nicht sofort mit Erklärungen, sondern fördern Sie den Schüler dazu, selbst aktiv zu werden. Halten Sie sich kurz, wir wollen die Leselust nicht mit zu viel Text mindern. 

 

Leitfragen stellen: Anstatt sofort Antworten zu geben, stellen Sie Fragen, die den Schüler dazu anregen, selbst zu denken und Lösungen zu finden. Bitten Sie ihn, seine Überlegungen zu erläutern.

 

Unterstützung bei Schwierigkeiten: Wenn der Schüler Schwierigkeiten hat oder eine falsche Antwort gibt, fordern Sie ihn auf, einen Teil der Aufgabe zu lösen. Geben Sie ihm Hinweise und erinnern Sie ihn an seine Ziele.

 

Ermutigung und Lob: Loben Sie die Schüler für ihre Fortschritte und zeigen Sie Begeisterung, wenn sie sich verbessern. Ermutigen Sie sie, wenn sie auf Schwierigkeiten stoßen, und geben Sie ihnen Anregungen zum Nachdenken.

 

Eigenes Verständnis überprüfen: Wenn der Schüler ein angemessenes Verständnis zeigt, bitten Sie ihn, das Konzept mit eigenen Worten zu erklären oder Beispiele zu nennen. Dies ist ein guter Indikator dafür, dass er das Thema verstanden hat.

 

Sichtbarkeit: Verwende immer eine gut sichtbare Zeichensprache. In den MINT-Fächern mathematische Schreibweisen, im IT-Unterricht sollen Formeln erkennbar sein und auch sonst sollten immer für Schüler lesbare Ergebnisse zu finden sein. 

 

Abschluss: Beenden Sie das Gespräch, wenn der Schüler das Konzept gut erklären kann, und bieten Sie an, bei weiteren Fragen zur Verfügung zu stehen.

 

Denken Sie daran, Ihre Antworten mit Fragen zu beenden, um den Schüler zu ermutigen, weiter zu denken und zu lernen.“

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Kooperation im Klassenzimmer

Es gibt schon viele Artikel über Kooperation/Kollaboration (Unterschied z.B. hier) in Klassenzimmern. Aber immer wieder verschwimmen Begrifflichkeiten, alle sprechen davon, wie wirksam das ist und erstaunlich selten finde ich dazu Praxisbeispiele oder ein wirklich passendes Verständnis dazu. Daher möchte ich mit diesem Blogartikel mal von meinen Beispielen hinsichtlich der Kompetenz "Kommunizieren und Kooperieren" berichten. Als Artikel erscheint mir diese Zusammenfassung im mebis Magazin sehr sinnvoll. Das deckt sich in großen Teilen mit meinem Vorgehen, unterstreicht aber auch nochmal die Bedeutung.

Es ist vielleicht auch eine Partner- und Gruppenarbeit, aber eigentlich geht es bei der digitalen Zusammenarbeit um viel mehr: Vorbereitung auf eine neue Arbeitswelt, Auseinandersetzung und Abstimmung im digitalen Raum, Organisationsfähigkeiten, eine weitere Möglichkeit für das selbstregulierte Lernen, gemeinsame Erarbeitung aller Teilschritt, nicht nur Aufteilen von Aufgaben,... Aber am Ende sind die Beispiele dazu gar nicht so aufbrausend. Man fängt klein an, lässt die Magie wirken, reflektiert das Handeln und optimiert es.. Aber dann ist es oft so viel besser als nur vor sich hinarbeiten oder analoge Partner- und Gruppenarbeit - die man deswegen aber nicht gänzlich streichen muss...

ein paar Beispiele

  • Ergebnisse sammeln/Brainstorming: das geht bei mir am einfachsten mit Taskcards oder Mentimeter. Ein schnelles Stimmungsbild per Mentimeter oder die im Unterricht erarbeiteten Aufgaben in einer Taskcards sammeln. Manchmal lasse ich die Aufgabe auch zu Hause erledigen und sammle von zu Hause ein, um im Unterricht darüber zu diskutieren - oft auch schon mit Kommentaren vorab. Auch als Lösungsmuster immer wieder toll: jeder Schüler eine Aufgabe mustergültig und ein gemeinsames Board für die Übersicht aller Lösungen...
  • gemeinsam ein ebook erstellen: mit dem BookCreator macht es total Spaß, Inhalte zu generieren. Zusammen noch viel mehr. Also gibt es den Arbeitsauftrag, zusammen zu einem Thema etwas zu basteln. Das braucht eine höhere Disziplin, man muss ich abstimmen, strukturieren und möglichst nicht gleichzeitig an derselben Stelle arbeiten. Ich nutze das gerne im Religionsunterricht, aber auch im Fach Mathematik haben sie schon ebooks erstellt. 
  • online zusammen arbeiten in Office-Dokumenten: aktuell mein absolutes Highlight. Mit dem ByCS-Office bringe ich die Kids immer wieder in kooperative Szenarien. Das geht natürlich auch mit Microsoft Office oder mit Apple Pages und Keynote. Das ByCS-Office wurde aber passend zum Unterricht konzipiert und lässt sich einfach im Browser in der BayernCloud Schule bedienen - datenschutzkonform. Durch den Datenabgleich mit der Verwaltungssoftware kann auch jeder jeden an einer Schule zur Zusammenarbeit an einem Dokument einladen. 
    Ich stelle hier zum Beispiel Word-Dokumente ein, die in Tabellenform mit Inhalten gefüllt werden sollen. Diese verteile ich im Drive an die Schüler und so arbeiten die z.B. in Kleingruppen an sechs verschiedenen Dokumenten, können aber andere Gruppen auch einsehen.
    Viel schöner ist es aber, wenn die Schüler selbst ein Dokument erstellen, die Zusammenarbeit strukturieren und sich damit intensiv abstimmen (geht Richtung Kollaboration). Das ist dann der nächste Schritt. An den Namen im Dokument sieht man jederzeit, wer gerade an was arbeitet. Zusammen mit einer KI ein mächtiges Tool, um z.B. gemeinsame Präsentationen zu einem Thema zu erstellen. Next level: sich mit dem bycs messenger oder der Videokonferenz zu Hause abstimmen und am Dokument weiterarbeiten, auch wenn gar nicht vom Lehrer vorgegeben wurde, wie das gemeinsame Produkt aussehen soll. 

Alles mit dem Ziel, dass die Schüler das Zusammenarbeiten lernen, aber auch lernen, sich abzustimmen. Diese Kompetenz ist nicht per se da, sie muss erlernt werden. Wichtig ist es hier auch, nicht an einem Tool hängen zu bleiben. Die Kids brauchen ein Potpourri an Möglichkeiten, um dann selbstreguliert auswählen zu können, wenn sie mal gemeinsam ein Projekt starten wollen - unabhängig vom Unterricht. 

Aller Anfang ist schwer

Diese Kompetenz ist selten bei Kids vorhanden. Daher braucht es immer wieder zu Beginn Anleitungen, aber auch Regeln. Oft lasse ich sie dazu einfach ohne Anleitung auf ein gemeinsames Board und los gehts: danach erarbeiten wir uns die Regeln dazu, weil oft genau das schief geht, was immer schief geht. 
Mit der Zeit lernt man, weclhe Impulse man vorab geben muss, dass es nicht passiert. Man lernt auch, nicht die schwierigste Form der online Zusammenarbeit zu wählen. Das ist soweiso der heißeste Tipp bei der Digitalen Transformation: ich wähle das Thema aus, mit dem am Warscheinlichsten eine solche Kompetenz angebahnt werden kann und steigere mich langsam. z.B.: Lösungsmuster einer analogen Arbeit hochladen, eigene Idee schreiben (nicht fertiges Lernprodukt), nach einer Meinung fragen,... Erst das Finale ist ein Produkt selbst erstellen, mit Inhalten füllen und die Arbeit untereinander strukturieren und organsisieren. Dahin ist es meist ein längerer Weg. Es wäre sinnlos, dies von Schülern gleich zu Beginn abzuverlangen und anschließend zu sagen: meine Schüler können das nicht (diese Aussage kommt oft und triggert mich stark)

Folgende Dinge reflektiere ich mit meinen Schülern vorab (nicht alles auf einmal):

  • Was ist eine Cloud und wieso lässt es sich da prima zusammenarbeiten?
  • Datenschutz und Urheberrecht - was darf wohin?
  • Wie sieht ein hilfreiches Feedback aus?
  • Welche Regeln brauche ich, dass gemeinsam Gutes entsteht und am Ende Dinge nicht einfach "verschwinden" oder nach 30 Minuten noch nichts passiert ist.
  • immer ein Schüler lässt sich mit seinem gespiegelten Gerät von mir führen und klickt. Schülerperspektive wird vom Schüler gezeigt. Wenn mit Freigaben gearbeitet wird, wechseln wir anschließend die Perspektive und der Schüler der Freigabe zeigt, wo er die Datei findet.
  • Wo speichere ich, wie bekomme ich Dateien dorthin und wo findet man Sie später wieder? Als Ersteller und Mitarbeiter?
  • Was macht die Lehrkraft währenddessen? (kollaboratives Arbeiten heißt nicht laissez-faire, ich poche stark auf Einhaltung und werde ungemütlich, wenn jemand vor einem "Machen" entflieht)

 An alles kann ich aber auch nicht immer denken. Bei Bedarf unterbrechen wir, lösen Probleme gemeinsam oder justieren bei den Regeln nach. 

Technische Hürde Lehrkraft?

Mit einigen Kollegen nutzen wir z.B. das kollaborative Arbeiten über ByCS Office schon regelmäßig. Auch scheint bei den Schülern nicht wirklich eine technische Hürde da zu sein. "Ich hab voll den Flow Herr Schmidt, machen wir das jetzt öfters?", war eine sehr süße Antwort eines Schülers auf diese Frage. In angebotenen Schilfs sind wenige Teilnehmer, aber die sind danach baff, was alles möglich ist. Ich glaube, dass das oben genannte Verständnis für eine Cloud und die damit verbundene Möglichkeit der Kooperation noch gar nicht richtig in den Lehrerzimmern angekommen ist. Woher auch? Bis jetzt hat es gereicht, den USB-Stick immer und überall dabei zu haben. Datenschutzkonforme Clouds für alle schulischen Dateien gab es kaum. 

Wir haben deshalb auch alle unsere Verwaltungsdateien an der ganzen Schule (auch die der Schulleitung) in die Cloud (ByCS Drive) gepackt. Wahrscheinlich muss man erst am eigenen Leib die Möglichkeiten der Cloud erfahren, um sie dann ins Klassenzimmer zu tragen. Gleichzeitig ist die Angst vor Unbekanntem hoch, dabei bräuchte es die gar nicht.

Mit dem oben genannten Aufwand ist es aber auch gar nicht so einfach, ein solches Arbeiten anzuleiten. Das ist aktuell für mich anstrengend, weil dadurch auch Zeit verloren geht. Aber je häufiger das jetzt auch Kollegen nutzen, desto häufiger habe ich Klassen, die dieses Arbeiten schon können. Und dann kann man gleich so schön tief einsteigen. Daher braucht es in meinen Augen bei steigender Gerätezahl oder Einführung von Tabletlklassen auch ein gemeinsames Mediencurriculum. Es ist ja kein Hexenwerk, die Kompetenzen zu ermöglichen (es gibt noch ein paar mehr ;-)), es ist nur eine Riesenanstrengung, wenn es nicht einigermaßen strukturiert abläuft.

Wo liegt der Mehrwert?

Man lernt so viel mehr als nur digital zusammenarbeiten oder das Thema. So z.B.

  • Förderung von sozialen und kommunikativen Kompetenzen
  • Verbesserung der Problemlösungsfähigkeiten
  • Erhöhung der Lernmotivation
  • Förderung von Eigenverantwortung und Reflexion
  • Verbesserung der Schreib- und Lesefähigkeiten
  • Förderung von Diversität und Perspektivenvielfalt
  • Sofortiges Feedback und kontinuierliches Lernen
  • ...

Mein Fazit:
Die Nutzung von Kollaborationstools im Unterricht geht weit über das bloße Teilen von Arbeitsblättern hinaus. Sie fördert kritisches Denken, soziale Fähigkeiten und digitale Kompetenz – alles Schlüsselqualifikationen für das Lernen im 21. Jahrhundert. Durch den Einsatz dieser Methoden wird mMn nicht nur die Zusammenarbeit gestärkt, sondern auch der individuelle Lernerfolg nachhaltig verbessert. Bei meinem Lieblingsbeispiel war es krass zu sehen, wie viel schneller und intensiver meine Schüler erkennbaren Lernfortschritt erreicht hatten (nach 3 Monaten intensivem Training/Coaching/einfachen Aufgaben bei anderen Themen). 

Dabei hat mir stark geholfen, dass ich selbst mit vielen anderen Lehrkräften zur Unterrichtsvorbereitung zusammenarbeite. Ein echtes Win-Win: Lehrkräfte, die sich mit dieser Kompetenz fordern, profitieren selbst – und ihre Schüler gleich mit!

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Buchrezension: Bob Blume - Warum noch lernen?

Warum ich zum ersten mal eine Buchrezension schreibe? Weil das neue Buch von Bob Blume inhaltlich auch meinen Nerv getroffen hat und ich hoffe, dass ganz viele es lesen werden. Nicht nur, weil ich Bob und seinen Content schätze und mag, sondern weil es von großer Bedeutung wäre, wenn viele im Bereich Bildung von diesem Compendium über das Thema Lernen Kenntnis hätten. Hier fünf Gründe, warum man dieses Buch lesen "muss":

1. Endlich gehts ums Lernen

In fast allen Vorträgen heißt es irgendwann: "Man muss das Lernen vom Schüler/Kind/Lernenden her denken.", gepaart mit ein paar Praxisbeispielen - danach bleibt es oft oberflächlich, weil das Thema viel zu viele Facetten und Unwägbarkeiten mit sich bringt. Bob Blume schafft es jetzt, sich wirklich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Manchmal mit einem langen Anlauf, oftmals sehr gut verständlich, manchmal beinahe philosophisch, dann aber auch gut argumentiert und belegt. Wer dieses Buch liest, hat danach eine Ahnung, wie lernen gehen kann. Man wird aber auch merken, dass Lernen gar nicht so einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Dafür braucht es aber ein ganzes Buch, um diese Problematik auf den Punkt zu bringen: Lernen ist immer möglich, aber im System und mit den Traditionen aus den eigenen Schulgeschichten eines jeden Einzelnen oft nicht so einfach. Danke Bob, das Buch sollte jeder lesen, der Kinder großzieht oder unterrichtet. 

2. praktische Relevanz

Das Bild von der innovativen Schule von morgen ist machbar und wird schon heute praktiziert: eine wunderbare Botschaft. Auch wenn die Vorschläge manchmal idealistisch und schwer umsetzbar wirken: Bob Blume findet immer Beispiele für gelebte Praxis. Das mag in Schulen mit wenig Innovationsbereitschaft, defekten Klos, hohern Absenzen und mangelhafter Ausstattung vielleicht utopisch klingen, der Blick auf andere Schulen lohnt deshalb aber trotzdem. Denn vom Schüler her gedachte Bildung ist überall möglich. Bob Blume benennt auch systemische Weichenstellungen die nötig sind und vielleicht etwas länger dauern werden. Ganz schlau bin ich nicht geworden: ist jetzt das Mindset der Gesellschaft mit einem veralteten Lernverständnis die größte Bremse oder der Reformstau in den 16 Kultusministerien? 

3. Es ist innovativ gedacht und wissenschaftlich belegt

Bob kennt den Nerv der Zeit, den aktuellen Diskurs und weiß um Studien und Hintergründe. Das gibt ein rundes Bild und macht die Inhalte nachvollziehbar und verständlich. Vielleicht haben schon mehrere übers Lernen geschrieben oder philosophiert. Aber diese Ganzheit im Buch eines Influencers macht es spannend für den gemeinsamen Diskurs: das Lernen bekommt so eine Reichweite. Mit seinen vielen Tipps und Tricks, Auflistungen etc. am Ende findet jeder etwas: Eltern, Lehrer, Verbände, Referendare, Schulleitungen,... 

4. Ich lerne davon...

Nicht nur, dass man lernt, wie Lernen geht, man lernt auch gleich mit. Weil man sich bestätigt oder ertappt fühlt: es haben sich in der Erziehung und in der Schule einige Traditionen eingeschlichen, die offensichtlich nicht viel zum Lernen beitragen. Darüber nachzudenken bringt mich weiter und ich hoffe, dass durch mein Lernen viele andere in Fortbildungen und Unterricht nun auch besser dazu lernen können.

Bob zitiert auch viele Personen aus dem Bildungsbereich (viele verschiedene Richtungen) und das macht es für mich zu einem Kompendium. Viele Experten, denen ich auf einer Keynote zum neuen Lernen habe zuhören dürfen, dürften sich in diesem Buch wiederfinden. Er grenzt nicht aus, sondern holt alle ab. Man kann also von Allen lernen, wenn es eine veränderte Lernkultur geben soll. Nur in einem "5 Minuten Beitrag" im Fernsehen oder in einer "90 Minuten Keynote" ist das halt nicht zusammengefasst.  

5. Je mehr es lesen...

... desto einfacher könnte es werden, in der Fläche Lernen zu ermöglichen. Deshalb schreibe ich den Blogbeitrag. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass es nicht zu viele Irrlichter und false friends beim Lernen gibt. Weil ich kein Buch schreiben kann, gebe ich einfach Bobs Inhalte weiter. Denn eine Veränderung im Bildungssystem kann nicht durch Gatekeeper (ich habe das Wissen und wer Lernen will braucht meine Expertise) entstehen, sondern braucht einen gemeinsamen Konsens. So beschreibt es Bob Blume auch in seinem Buch:

 

"Damit sich etwas ändert, braucht es aus meiner Sicht eine Vision davon, was Bildung sein soll. Ein Bildungsgipfel, der eine nationale Bildungsvision formuliert, an der Politiker, Wissenschaftlerinnen und Praktiker mitwirken, könnte eine Leitlinie dafür sein, was wir überhaupt meinen, wenn wir von Bildung oder Lernen sprechen."

Einen Wunsch hätte ich natürlich noch. Bob spricht schonungslos die aktuellen Baustellen im Bildungsbereich an und hat auch in beiden Büchern Ideen, diese zu bearbeiten.

Vielleicht hat ja Bob auch Lust, eine Rundreise durch Deutschland zu machen und von veränderter Lernkultur vor Ort zu berichten. Denn ganz ohne steht Deutschland nicht da, an vielen Orten haben sich Pädagoginnen und Pädagogen schon auf den Weg gemacht.
Solange empfehle ich natürlich auch seinen Podcast, da kommen schon in mehreren Staffeln Protagonisten zum Thema Bildung zu Wort. 

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#wowdw: Wie kleine Erfolge das große Bild der Schule verändern könnten

 "Wir leben in einem Land, das viel zu viel in Tristesse verfällt, stetig und ständig." In seiner bemerkenswerten Rede nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft im Viertelfinale sprach mir Julian Nagelsmann aus der Seele. Wissen wir eigentlich, wie gut wir es in Deutschland haben? Ich habe es geliebt, diese Stimmung im Land während der EM zu verfolgen: so viel Fröhlichkeit, gemeinsames Feiern aller Nationen und auch gemeinsames Trauern nach Niederlagen. Das war schön oder wie Julian Nagelsmann sagte: "Ich glaube, wir haben es geschafft, dieses Land ein wenig aufzuwecken und schöne Momente zu bescheren."

Jetzt habe ich nur entfernt etwas mit Fußball zu tun, meine Leidenschaft ist das Lernen und das Arbeiten in der Schule. Aber hier sehe ich eigentlich genau das Gleiche: Tristesse, wenn man den vielen Nachrichten über das System Schule liest. Dabei bin ich selbst eigentlich echt glücklich mit meinem Job als Lehrer und freue mich jeden Tag, etwas bewegen zu können. Vor circa zwei Jahren hatten ein paar Wenige den Hashtag #wowdw ins Leben gerufen. Was es damit auf sich hat und warum die Öffentlichkeit mehr positive Berichterstattung aus den Klassenzimmern braucht, möchte ich hier beschreiben.

#wowdw: eine Initiative für mehr Positivität

Mit zwei weiteren Kollegen (Tobi Raue und Verena Knoblauch) hatten wir die Idee, jeden Freitag von einem positiven Erlebnis aus dem Unterrichts- oder Schulalltag zu berichten. Ich war so frustriert von dem allgemeinen Genörgle über das System Schule. Angefangen auf Twitter, wurde es auf Bluesky ausgeweitet. Heute findet man auch auf Instagram, Threads und LinkedIn vereinzelt Beiträge – wenn ich ehrlich bin, aber hauptsächlich von mir. Irgendwie habe ich damit nicht so viele anstecken können. Auch deshalb schreibe ich diesen Blogartikel: dass es am Freitag wieder mehr #wowdw in den Timelines gibt. Warum unser System Schule dadurch besser werden kann, dazu am Ende meine 2 Cents.

Kritik und Herausforderungen im Schulalltag

Als ich das letzte Mal ein Loblied auf die Schule angestimmt hatte, gab es auch sehr viele negative Kommentare zu diesem Artikel. Ob ich überhaupt eine Ahnung hätte und wie man so undifferenziert positiv über Schule reden kann. Daher ist es mir wichtig, hier auch zu erwähnen, dass ich trotz der vielen Wows auch sehr viele Mau-der-Woche oder Mau-der-Jahrzehnte habe und beobachte: die Schulgebäude sind oft in einem desolaten Zustand, die Kommunikation mit Eltern und Schülern wird zu einem echten Zeitfresser, die vielen Absenzen führen zu mehr Arbeitszeit, der Ruf der Lehrkräfte in der Gesellschaft leidet, während viele Lehrkräfte am Rande ihrer Kräfte arbeiten. Die individuelle Betreuung in den Klassenzimmern wird immer wichtiger, ohne dass wir dafür Kapazitäten haben. Einzelne Eltern und Schüler brauchen unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit und Zeit ohne gleichzeitige Entlastung, stark unterschiedliche Erziehungsstile erschweren die Zusammenarbeit und vor allem ist die Erwartungshaltung an Schule schier erdrückend: alles, was in Deutschland nicht läuft, muss durch bessere Bildung ausgeglichen werden – am besten mit 12 neuen Fächern, der Streichung des Lehrplans und bitte jedem persönlich angepasst die größtmögliche Freiheit, sich möglichst wenig anstrengen zu müssen. Ja, ich bin gestresst vom System Schule, gehe aber jeden Tag gerne dorthin. Wir sind das System und wenn nicht wir, wer dann kann es besser machen?

Fokus auf das Positive

Deshalb fokussiere ich mich darauf, vom Gelingen zu erzählen. Ich stelle mir vor, jemand möchte Lehrkraft werden oder sich erkundigen, wie Lernen funktioniert. Den möchte ich doch nicht verschrecken, sondern mit meiner eigenen positiven Einstellung zum Unterrichten anstecken. Denn sind wir doch mal ehrlich: es gibt nichts Schöneres, als wenn in einem Klassenzimmer Lernen funktioniert, eine neue Methode im dritten Anlauf einen tollen Effekt hat, Schüler dich anstrahlen, weil sie etwas verstanden haben, eine am Ende sagt, dass sie gerne in deinen Unterricht geht oder Jahre danach noch viele Schüler einen besuchen kommen, weil es doch eigentlich ganz schön war, auch wenn man sich immer wieder auch gefetzt hatte. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist so oft positiv, wenn man die wenigen negativen Einflüsse mal ehrlich ausklammert. Gleichzeitig haben wir das Privileg, in Deutschland zu leben und zu unterrichten. Klar liegen wir bei vielen Entwicklungen hinten dran, aber wir hätten wenigstens das Potential, alles zum Positiven zu bewegen. Nachdem ich nun seit über zwei Jahren jeden Freitag ein #wowdw poste, hatte ich zwischendurch Schiss, mir gehen die Ideen aus. Aber bisher läufts noch rund, man muss nur oft genug scheitern und reflektieren, dann klappt immer häufiger mehr.

Die Kraft der kollektiven Wirksamkeit

Bei John Hattie hatte ich natürlich kein #wowdw gefunden, dennoch aber etwas Passendes: Er beschreibt die kollektive Wirksamkeitserwartung als den gemeinsamen Glauben einer Gruppe an ihre Fähigkeit, positiv auf das Lernen der Schüler einzuwirken. Diese Überzeugung hat laut Hattie einen der stärksten Einflüsse auf den Lernerfolg der Schüler, mit einer Effektstärke von d=1.34. Diese kollektive Überzeugung fördert eine positive Lernumgebung und verstärkt die Bemühungen der Lehrer, gemeinsam bessere Lernergebnisse zu erzielen. Wie toll wäre es, wenn alle in Deutschland daran glauben, dass man im System Schule viel bewegen kann? Dann würde man wahrscheinlich auch viel bewegen. Wie schlimm wäre es, wenn alle denken, sich in einem kaputten System zu befinden, in dem Lernen nicht mehr möglich ist?

Ein Aufruf zum #wowdw

Ich freue mich, dass du bis hierhin mitgelesen hast. Vielleicht hast du jetzt ja auch Lust, von deinen positiven Erfahrungen und Situationen aus deinem Job rund um das Thema Schule zu berichten? Ich würde mich sehr darüber freuen. Aber nicht nur aus persönlichem Antrieb, sondern weil ich daran glaube, dass durch ein Mehr an #wowdw die #maudw übertrumpft werden können. Solange versuche ich weiter, jeden Freitag von etwas Positivem aus meinem Schulalltag zu berichten - auch in Wochen, in denen ich gestresst und manchmal auch frustriert bin. Frei nach dem Motto: "Was kann ich für das System tun" statt "Was kann das System für mich tun". Mein Wow der Woche #wowdw.

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Die Schule ist nicht kaputt!

In den letzten Jahren ist es immer mehr zum Trend geworden, das "System Schule" (was auch immer das ist und wer auch immer dafür verantwortlich ist) als kaputt zu bezeichnen. Zur Untermauerung des Arguments werden gerne aus vielen Bereichen Forderungen an Schulen getragen, wie man die Kids am besten auf die Welt von morgen vorbereiten sollte. 

Irgendwie kann ich das auch nachvollziehen, in einigen Bereichen braucht Schule ein Upgrade oder aber die Strukturen sind derart veraltet, dass Neuerungen oft nur on top kommen können. Ich sehe auch, dass viele "im System" mehr und mehr die Lust verlieren - das ist sehr schade und braucht eine Veränderung. 

Ich verfolge den Diskurs schon lange und möchte dann immer der Lösung auf dieses Problem auf den Grund gehen: allein ich finde sie immer seltener. Überspitzt formuliert: Fasst man alle Forderungen an Schulen zusammen, ist eine neue Schule wahrscheinlich gar nicht möglich? Wir bewegen uns mMn in den meisten Diskussionen bereits in der Utopie. Das ist ein verheerendes Signal: Untergangsszenarien und schlechte Beispiele für das Lernen finden wir mittlerweile zuhauf, echten Innovationsgeist immer weniger. Damit verhindern wir in meinen Augen eine pragmatische Veränderung, weil wir auf die Revolution warten - die in meinen Augen nicht kommt. Dazu sind viele Forderungen zu sehr von der Realität entfernt. Heute sorgen schon kleine Veränderungen in der Gesellschaft für einen Aufschrei (Beispiel Wegfall Bewertung bei Bundesjugendspielen), wie sollen radikale Veränderungen getragen werden? Aber ein neues Lernen ist jetzt möglich und dazu müssen wir nicht die Schulhäuser und "das System" einreißen.

Gestaltungsfreiheit fordern oder nutzen?

Häufig wird am System Schule bemängelt, dass Lehrpläne veraltet sind und keine Freiheiten beinhalten. Ich habe das in den letzten Jahren anders wahrgenommen. Ich werde dem Lehrplan gerecht und habe viele Freiheiten bei der Unterrichtsgestaltung und auch z.B. in der Notengebung. Vielleicht ist das "System Schule" zu sehr mit individuellen oder gedanklichen Traditionen (das war doch schon immer so) verheiratet, aber Freiheiten gibt es eigentlich auch genug.  

Schulhaus neu bauen oder in alten Räumen individuelles Lernen ermöglichen?

Im Gespräch mit einem Fernsehmoderator wurde mir das einmal schön gespiegelt: "In der Schule in Wutöschingen findet toller Unterricht statt, das Gebäude lädt regelrecht zum Lernen ein. Ihr in Pfuhl habt ein altes Schulhaus, macht aber ähnlichen Unterricht." Tatsächlich ist die Alemannenschule state of the art, ganz tolle Arbeit wird da geleistet - da kommen wir auch nicht hin. Aber brauchen wir dringend das neue Gebäude? Individuelles, kooperatives oder kreatives Lernen geht auch in bestehenden Schulhäusern. Es wäre schöner, wir würden alle in Wutöschingen unterrichten, aber unser Alternativgebäude sollte nicht verhindern, guten Unterricht zu ermöglichen. Die wiederum kann man auch neu denken, Raum und Lernen kann auch ohne Umbau geöffnet werden.  

Noten abschaffen oder Feedbackkultur verbessern?

Beinahe die populärste Forderung: Noten abschaffen, denn man konnte damit wenig Objektivität und kaum Auswirkungen auf das Lernen nachweisen. Ich sehe das ähnlich. Aber wie realistisch ist eine Schule ohne Noten, wenn sich halb Deutschland über das Abschaffen von Bewertungen bei den Bundesjugendspielen aufregt? Dabei wären Noten mMn deutlich aussagekräftiger, wenn man das Thema Feedback viel höher hängt. Ständige Begleitung von Prozessen, Feedback zu Zwischenergebnissen, ein gemeinsamer Plan fürs Bessermachen, ... die Note nach solchen Prozessen ist dann das Ergebnis eines Lernwegs. Gerade das Verwenden von Tools wie bettermarks, fiete.ai, Diagnose-Tools, ANTON... sie alle könnten Lehrkräfte entlasten, damit mit mehr Feedback auch objektivere Eindrücke beim Lernen entstehen können. 

Mehr von allem oder mit weniger mehr?

Bei Veränderungsprozessen wird auch auf die stärker werdende Belastung bei Lehrkräften verwiesen. Da ist auf jeden Fall etwas dran, vor allem, wenn immer weniger diesen Job machen wollen. Gleichzeitig haben wir in meinen Augen aber auch drei weitere Probleme, die behebbar sind: 1. Neuerungen planen wir on top (Hörempfehlung!), durch unsere Tradition an Schulen will man aber gleichzeitig Vieles beim Alten belassen. Das betrifft auch die Arbeit der Lehrkräfte. 2. In der Zusammenarbeit mit Kollegen könnte ich mir viel Zeit sparen - wird aber zu selten praktiziert. 3. Einige Lehrkräfte machen immer weniger, so dass andere immer mehr machen müssen.

Schüler das Lernen selbst gestalten lassen oder kompetenzorientiert fordern und fördern?

Ein gefährliches Thema. Mich nervt aber an der aktuellen Diskussion, dass man anscheinend den Kids nur genügend Freiheiten geben muss, damit Lernen gelingt. Das wiederum überfordert mMn das System Schule. Es gibt auch Schüler:innen, die mit Freiheiten (noch) nicht umgehen können oder diese für Dinge nutzen, die nichts mit Lernen zu tun haben. Das stört nicht nur deren Lernen. Wer den aktuellen Lehreralltag erlebt, ist immer wieder auch mit Disziplinlosigkeiten und einem Entfliehen vom Unterricht konfrontiert - nicht immer ist daran der Unterricht oder die Lehrkraft schuld. Wenn freiheitliches Lernen gelingen soll, muss auch Partizipation und einachtsames Wir hergestellt werden. Nicht durch Druck, Noten oder Disziplin, sondern durch Angebote und einer positiven Energie. Manchmal bleibt dann aber auch erst einmal die Pflicht, bis alle dabei sind und Lernangebote wahrnehmen können. Ein freiheitliches Lernen kann heute schon gestaltet werden, aber erst wenn Beteiligung sichergestellt ist.

Digitale Bildung oder Lernen in den Mittelpunkt

Die Digitale Transformation (oder Revolution?) überfordert unsere Diskussion und führt zu komischen Berichterstattungen aus dem Ausland. Die Überbetonung des Digitalen tut dem System Schule nicht gut. Unterricht ist so viel mehr als nur digital. Auch die Schulentwicklung hat mehr Themen als nur Tabletklassen.

Nimmt man das Lernen in den Mittelpunkt, können wir auch die heutige Generation gut auf die Welt von morgen vorbereiten. Dabei ist dann wieder "das Digitale" eine wunderbare Unterstützung. Aber eine Digitale Transformation braucht erst einmal eine Transformation des Lernens - und die ist schon seit Jahren möglich und hat nichts mit dem Dauerlehrervortrag zu tun. Mich nervt an der Diskussion erst die völlige Fokussierung auf das Digitale, um dann wieder zu fordern in den Wald zu gehen oder Smartphones zu verbannen. Das gesunde Mittelmaß wäre der Weg und der ist jetzt möglich. Wir brauchen nicht den "heiligen Grahl der Digitalen Transformation" suchen, wenn das Lernen im Klassenzimmer noch im Frontalunterricht festhängt. 

neue Fächer schaffen oder Fachunterricht zukunftsfähig machen?

Eine ewige Diskussion: je nachdem welche Unwucht in der Gesellschaft aktuell herrscht, brauchen wir neue Fächer: Glück, Resilienz, Informatik, Demokratie, Militär in die Schule, ... Manchmal würde ich das befürworten, aber auch hier gibt unsere Stundentafel nicht mehr her. Aber alle genannten "Fächer" und viele mehr können in den bestehenden Kanon integriert werden. In meinen Fächern kann ich alle oben genannten Themen unterbringen. Einerseits in der Methodik, andererseits lässt sich in so vielen Fächern ein Alltagsbezug zu aktuellen Themen auch inhaltlich darstellen. Dazu bräuchten wir eine kleine Verschlankung des Lehrplans, einen Fokus auf die Zukunftskompetenzen in jedem Fach, mehr fächerübergreifende Projekte oder sogar Projekttage zu Überthemen. Dann brauchen wir aber nicht auf neue Fächer warten, sondern können jetzt loslegen. Immer auf etwas zu warten verschleppt in meinen Augen die Veränderung. 

alternative Prüfungsformate oder... oder ... oder...

Ok. Die sind alternativlos. Diese Forderung ist in meinen Augen notwendig. Damit einhergehend auch andere Abschlussprüfungen. Hier wäre es nur fahrlässig, erst auf die veränderten Formate im Abitur zu warten, bevor man Leistungsnachweise davor in andere Formate überführt. Die Schulordnungen geben diesen Spielraum oft her, in der Notengebung gibt es bei reflektiertem Vorgehen erstaunlich viele Freiheiten. Daher: jetzt Prüfungsformate ändern. 

Mir ist bewusst, dass Lehrer entlastet, Bürokratie abgebaut, Infrastrukturen verbessert, Ängste ernst genommen, Lehrkräften und Schüler:innen mehr zugehört, ... werden muss/müssen. Aber das hält uns nicht davon ab, jeden Tag ein wenig mehr innovatives Lernen zu initiieren. Wenn Du nur lange allen sagst, dass das System Schule grundsätzlich geändert werden muss, glaubst Du irgendwann dran, dass es kaputt ist. Wenn dann aber die Veränderung nicht kommt, bist Du mit dem Status Quo unzufrieden. Das ist für mich ein circle of shit: dadurch wird Schule nicht besser, sondern sie verharrt in der Hoffnung auf die Zukunft: "Schule muss erst..." Dabei ist so viel Veränderung möglich und es wäre schade, den Kids von heute diese Chance zu lernen zu verwehren.

Mir gefällt diese Untergangsstimmung vor allem deshalb nicht, weil sie Innovation aufschiebt. Als gäbe es "ein System", das sich erst verändern muss. Das System sind wir: Lehrkräfte, Eltern, Schüler, Gesellschaft, Politik ... Die breite Mehrheit entscheidet, wie es weitergeht. Die Politik orientiert sich an der Mehrheit und immer nur lauter das SAstem kaputt reden ohne Konsnens in der Veränderung, wird das Problem verschieben, aber nicht ändern.

Mit mehr positivem Blickwinkel, einer wertschätzenden Haltung zu neuen Möglichkeiten des Lernens und einem reflektierten Machen, werden wir glaube ich mehr bewegen. Ich gehe wieder zurück zum #wowdw (Instagram, Bluesky, Twitter, Threads) und versuche weiterhin, Positives aus dem Lehreralltag in die Welt zu tragen.

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Digital-Detox: Nachbarländer überdenken Schul-Digitalisierung? Echt jetzt?

"Schulen kehren zurück zu Heft und Buch"

 

so ähnlich lauten in den letzten Wochen einige Schlagzeilen. Dänemark, Großbritannien, Niederlande, Schweden, ... sie alle scheinen der Digitalität den Rücken zuzukehren.

ICH KANN ES NICHT MEHR HÖREN!

Die Überschriften suggerieren: Die Schulen gehen zurück ins analoge Zeitalter. Damit werde ich dann u.a. in Fortbildungen konfrontiert. "Herr Schmidt - warum halten Sie denn an der Digitalisierung fest, wenn doch unsere Vorreiternachbarländer alle zurückrudern." Zunächst war ich etwas überrascht, gelten doch genannte Länder als Vorzeigeländer. Die haben wohl jetzt auch einen PISA-Schock erlitten, aber nehmen die jetzt Ihr Digitalisierungkonzept zurück? Nein, dazu weiter unten mehr. 

Estland wird hier nicht genannt, immerhin Spitzenreiter bei PISA. Dabei ist deren Schule sehr digital unterwegs. Es lohnt also ein zweiter Blick in diese Berichterstattung. 

Die digitale Balance finden

In diesen Ländern wurde einfach zu viel gemacht: digitales Heft/Schulbücher, Smartphone immer zur Verfügung, ...

Was hier passiert ist eine gesunde Reflexion und Gegenbewegung: nur digitaler Unterricht kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. 

Hört man Experten in D zu "digitalem Unterricht" (darf es so heißen?) zu, dann befürwortet kaum einer die vollständige Digitalisierung (geht das überhaupt?).

Im Gegenteil, da wo es Sinn macht, versuchen wir mündige Kids auf die Welt von morgen vorzubereiten: analog und digital.

Aber was wird jetzt konkret geändert?

Aus Dänemark schwappt dieser Beitrag über "ZDF heute" zu uns nach Deutschland: "Schule hat es mit Digitalisierung übertrieben." Dieser erzählt von einer Schule, welche die Smartphones scheinbar verbietet. Wenn man bis zum Ende liest, ist das mitnichten der Fall: "Digitalisierung ist wichtig. [...] dort wo es Sinn macht." Aus England ist zu hören, dass private Geräte oder Social Media Apps verboten werden sollen. Dem ist ja gar nichts entgegenzusetzen, aber daraus ein Verbot für die sinnvolle Nutzung abzuleiten ist hanebüchen und auch nicht beabsichtigt. Eventuell braucht es eine bessere Nutzungsordnung - viele Schulen schränken bereits sinnvoll ein, technisch wie pädagogisch.

Auch in anderen Artikeln kann man schnell erkennen, dass eine gänzliche Umkehr nicht gemeint ist. In Dänemark werden jetzt in der Grundschule wieder echte Bücher ausgeteilt, als alles nur auf einem Tablet zu transportieren. Schade, dass die Überschriften einen anderen Weg einschlagen und dann anscheinend oft nicht weitergelesen wird. Gehe ich in die Kommentarspalten dieses Videos, sehe ich ein echtes Problem im Verständnis um die Digitale Transformation: 

Digitale Transformation wird nicht verstanden?

Ich habe das Gefühl, dass unter der Digitalisierung an Schulen in Deutschland häufig eines verstanden wird: Digitales Heft und Digitales Schulbuch (nur Kopie, keine Ergänzung). Das mag beim richtigen Einsatz seine Vorteile beim Lernen mit sich bringen, aber das (Digitale) Lernen der Kids wird damit weniger angebahnt. Auf die Aufgaben und Inhalte kommt es an. Dabei hatte man sich schon früh auf Kompetenzen festgelegt, wie "Bildung in einer digitalisierten Welt" ausschauen soll. Es geht nicht allein darum, dass die Lehrkraft das Unterrichtsmaterial digital macht, sondern dass mit guten digitalen Lernaufgaben der Kompetenzerwerb bei den Schüler:innen angebahnt wird: Suchen, verarbeiten, Kommunizieren, Kooperieren, Produzieren, Präsentieren, Analysieren und Reflektieren. Das und noch viel mehr (z.B. Medienbildung oder Medienerziehung) versteht man unter Digitaler Transformation. Schaut man in den Unterricht von Vorreiterlehrkräften, dann steht das Lernen und der Schüler im Mittelpunkt, das mobile Gerät ist dabei ein weiteres Medium, das nicht ausschließlich zum Einsatz kommt: ein Lernen mit/über und trotz Tablets. Kein Unterricht fördert ausschließlich digitale Kompetenzen, das wäre ja Quatsch. 

Was allerdings stimmt: die Kids verbirngen viel zu viel Zeit hinter dem Bildschirm. Das ist auch eine Frage der Erziehung. Aber wo sollen Sie eine gesunde und sinnvolle Bildschirmzeit erlernen? Das geht nicht, wenn wir die Geräte in der Schule ausschließen und das geht auch nicht, wenn sie dauerhaft in der Schule zur Verfügung stehen. Das Bewusstsein für sinnvolle und vernünftige Bildschirmzeit muss auf die Agenda unserer Gesellschaft, die meisten Eltern scheinen damit zu Hause überfordert zu sein. Deshalb erlaubt man Tablets in Dänemark jetzt nur dann, wenn man diese sinnvoll einsetzen kann: davon sollten wir in Deutschland lernen. 

Mal angenommen: zurück in die Kreidezeit...

Wer zeigt den Kids dann

  • den Umgang mit Phänomenen im Netz
  • Recherche-Kompetenzen
  • wie man Videos/Podcasts/ebooks/Flyer/... selbst erstellt, statt nur online konsumiert
  • wie man sich im Netz verhält, miteinander umgeht und sich schützt
  • was KI mit uns und der Gesellschaft macht
  • wie man ganzheitlich lernen kann

 ... und so vieles mehr?

Ein Aufruf zum Handeln

Während andere Länder die Digitalisierung an Schulen evtl. übertreiben, warten wir erst noch ein wenig ab und stürzen uns auf solche Überschriften.

Wir sollten die Geräte erst einmal sinnvoll einsetzen, wo es pädagogisch und didaktisch sinnvoll ist. https://www.swr.de/wissen/kommentar-digitalisierung-an-schulen-102.html

Kinder verdienen schon heute eine Zukunftsvorbereitung. Wir sollten von den Nachbarländern lernen und Unterricht zukunftsfähig machen: reflektiert, nachhaltig und schülerzentriert im analogen und digitalen Yin und Yang. 

https://www.sueddeutsche.de/politik/schule-digitalisierung-pisa-studie-schweden-1.6323950?reduced=true

Selbstreflexion: Berichte über die digitale Transformation suggerierten oft, Digitalisierung sei die Lösung für alles. Das stimmt nicht. Doch, reflektiert eingesetzt, bereichert sie die Methodenvielfalt von Lehrkräften und das Lernen. Auch meine Darstellung greift zu kurz. Unterm Strich ist es nicht einfach, das richtige Maß der Digitalen Transformation zu finden. Wichtig wäre mir, dass man sich über die Überschrift hinaus mit dem Thema befasst. Weiterlesen, sich aufklären lassen, besser machen, MACHEN!

Ein Fun Fact zum Schluss. Aus Dänemark kommt dann auch von Seiten der Agentur für Bildung und Qualität (auf Ersuchen des Ministers für Kinder und Bildung) eine Empfehlung für die Verwendung von Bildschirmen an Grundschulen, weiterführenden Schulen und Horten zu uns. Im Original hier und in der Übersetzung hier (danke Marc Albrecht Hermanns) zu finden. Das wiederum liest sich wie eine gesunde Mischung und wie eine Vorlage für eine vernünftige Nutzungsordnung - auch wenn mir hier der positive Aspekt der Nutzung zu kurz kommt. Diese Empfehlung wäre für England und natürlich auch fütr Deutschland passend: private Nutzung in der Schule nicht erlaubt, pädagogische oder technische Einschränkungen und eine klare Linie, wie man die Geräte sinnvoll einsetzt. Anschließend müssten das die Eltern privat auch so machen - da sehe ich flächendeckend allerdings schwarz. Daher sollte in meinen Augen die Schule hier als Vorbild für eine sinnvolle Nutzung voran gehen, die Eltern lassen zu oft einfach alles zu. 

 

Danke an Julelernt_lehrt , michaeleglmeier und Marc Albrecht Hermanns fürs gemeinsame Reflektieren :-)

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KI und Flipped Classroom - Treffer!

Seit einem Jahr probiere ich jetzt KI im Unterricht aus, manchmal hemdsärmlig, oft habe ich aber auch einen konkreten Plan, was ich damit bezwecken will. Denn tatsächlich hilft mir die Praxis des Flipped Classrooms ganz leicht, KI sinnvoll im Unterricht einzusetzen. Seit nunmehr 11 Jahren mache ich mir Gedanken, was ein Schüler zu Hause gut erledigen kann - zur Vorbereitung auf den Unterricht. Im Flipped Classroom nimmt man dafür oft ein Erklärvideo her, ich gebe den Schülern aber häufiger aktivierende Aufgaben, Problemstellungen oder Lösungsansätze, mit denen sie sich auf den Unterricht vorbereiten - jetzt auch mit KI? Ich möchte dadurch mein Klassenzimmer kognitiv aufwerten und die Schüler:innen in der Präsenz vermehrt ins Zentrum des Lernens stellen.

Nun, da sehr viele traditionelle Hausaufgaben (auch in Mathe) von ChatGPT oder andere KI-Tools erledigt werden können, hat sich Christian Spannagel schon im Januar 2023 mit drei Ansätzen zum Umgang mit KI beschäftigt. Grob zusammengefasst: 1. alles, was KI kann, soll kein Lernziel mehr sein oder 2. man muss Kids mehr überzeugen, warum man Dinge trotz KI lernen sollte oder 3. man verlagert wichtige zu erwerbende Kompetenzen in die Präsenz: Flipped Classroom.

Hier meine Gedanken zum Flipped Classroom und KI. 

asynchron und synchron

Bereite ich eine Flipped Classroom Lernsequenz vor, überlege ich mir immer zuerst, was meine Schüler zu Hause besonders gut allein können und welche Kompetenzen dringend im Klassenzimmer angebahnt werden sollen - auch im Sinne der Chancengerechteigkeit. 

Seit dem Lockdown lässt sich das auch gut in asynchron und synchron erklären. Schon seit 10 Jahren ergibt sich die Problematik, dass Kids immer weniger bereit sind, anspruchsvolle Aufgaben zu Hause selbstständig zu lösen, oft fehlt auch einfach jemand, der sich mit Ihnen zusammen hinsetzt. Bevor also Hausaufgaben nur abgeschrieben werden, denke ich zuerst darüber nach, wie sich die Kids bestmöglich auf die Präsenz im Klassenzimmer vorbereiten können. Ich versuche sie vorab zu aktivieren, dass wir im Unterricht schneller ins Thema kommen. Oder aber sie erhalten nach einer abgeschlossenen Einheit ein Erklärvideo, in dem alles, was wir im Unterricht erarbeitet haben für ihren Heftaufschrieb zusammengefasst wird. 

So habe ich viel mehr Zeit für das Lernen im Unterricht und für Kompetenzen, die vielleicht auch eine KI übernehmen kann - im Unterricht entscheide ich über die Wahl des Mediums beim Lernen. Zu Hause habe ich darauf keinen Einfluss. Also fokussiere ich mich auf die wichtigen Kompetenzen im Unterrichtseinsatz und vermeide es, diese nachmittags erledigen zu lassen. 

Aber auch der gezielte Einsatz von KI sollte mit bedacht werden, wie sonst könnte man Prompting, Umgang mit verwirrenden Antworten oder den Umgang mit einer möglichen FakeNews-Flut erlenen?

Es geht ums Lernen

Das Wichtige ist, dass die Kids am Ende etwas können. Ob Sie es dann von Mama, dem Lehrer, dem Buch, dem Erklärvideo oder von der KI gelernt haben, ist doch eigentlich zweitrangig. Nur der Einsatz von KI führt in meinen Augen aber noch nicht direkt zum Lernen. Dafür mangelt es noch zu oft an der Lesekompetenz oder an exakten Prompts. Witzigerweise ist das so wie mit dem Erklärvideo (das mit dem Flipped Classroom oft verbunden wird): nur ein Video führt nicht dazu, dass der Schüler etwas weiß.

In einer ersten Studie, die mir über den Bildschirm geflackert ist, kamen für mich vertraute Schlussfolgerungen bezüglich Einsatz von KI heraus. Problemorientiertes Lernen und anschließend der Einsatz von KI ist besser als nur KI einsetzen. Aber auch Erklärungen von Large Language Models hatten einen positiven Einfluss, vor allem, wenn man danach selbst Übungsprobleme löst. Das ist eine schöne Parallele zum Flipped Classroom - ersetze KI durch Erklärvideo, dann hat auch meiner Erfahrung nach der problemorientierte Ansatz bzw. das Übernehmen von Strategien positive Auswirkungen auf die Leistung. Auch wenn man versucht, immer wieder das eigenverantwortliche Lernen in den Mittelpunkt zu setzen, hätten die Kids lieber sofort ein Feedback oder eine persönliche Anleitung. Hier muss man als Lehrer oft auch widerstehen, es wäre ja schade, wenn man durch eine zu frühe Erklärung das Kompetenzerlebnis wegnähme. Dennoch ist lernförderliches Feedback eine wirksame Möglichkeit, im schülerzentrierten Unterricht Kids zu mehr Selbstständigkeit zu "erziehen". Sie zu motivieren, Ihnen Hilfestellungen zu geben, Peers zur Unterstützung anzuleiten,... 

Hier hat KI nun noch ein besonderes Upgrade parat: Feedback zu Lernergebnissen kann jetzt die KI geben. Dann braucht der Schüler nicht zu warten, bis der Lehrer Zeit hat. Aber wie auch beim Erklärvideo gilt: das Ziel ist etwas zu wissen und nicht ein Erklärvideo anzuschauen oder die KI zu fragen. Beim Flipped Classroom gibt es deswegen häufig Quizzes oder die Kids sollen nacherzählen, was Sie gelernt haben. Das gilt jetzt mMn auch beim KI-Einsatz: wenn Du etwas über Ki nachliest, musst Du danach erzählen können, was drin stand. Hast Du etwas nicht verstanden, könntest Du lernen besser zu fragen oder zu lesen - lerne, Dir selbst zu helfen.  

 

KI-Szenarien im Flipped Classroom - ein paar Beispiele

  • als Lerntutor: man kann der KI auch Rollen zuweisen, so z.B. auf der Plattform fobizztools, die ich meinen Schülern zur Verfügung stelle. Hauke Pöhlert hat hier eine tolle Übersicht zu verschiedenen Rollen auf einer Taskcard. Die KI erklärt nicht einfach, sondern frägt bei Anfragen Vorwissen ab und unterstützt die Kids dabei, neue Themen selbst zu erarbeiten. Das kann man gut bei weniger komplexen Themen als erste Anbahnung zur Hausaufgabe aufgeben.
  • direkte KI-Recherche zu Hause (oder auch im Unterricht). Man stellt den Kids einen geschützten KI-Raum zur Verfügung und die Kids sollen sich ein Verfahren wie z.B. das Lösen von Gleichungssystemen mit dem Einsetzungsverfahren mit der KI erklären lassen. (Achtung: erst ab 13 Jahren!)
  • Oder man gibt einen Prompt-Auftrag vor: "Morgen möchte der Lehrer von Dir etwas zum Thema Thales-Kreis wissen. Benenne 5 wichtige Aspekte" Lies Dir die Aspekte gut durch und versuche Sie zu verstehen. Wenn das noch nicht klappt, bitte die KI, es Dir einfacher zu erklären. Morgen sollst Du etwas über den Thaleskreis erzählen können. 
  • oder direkt im Unterricht. Bei Schreibprozessen, Argumenten in einer Diskussion, schnelle Hilfe bei individuellen Grundwissensproblemen,... ist eine KI nicht besser als der Lehrer, aber schneller und wahrscheinlich auch weniger gestresst und freundlicher?
  • ein ständiges Think-Pair-Share beim Einsatz von KI, so dass spätestens im Pair klar wird, wenn der Prompt zu falschen Ergebnissen führt. Das wäre gleichzeitig aber auch dialogorientiert und kritisch hinterfragend. 
  • Lernpläne erstellen lassen
  • Lösungen besser machen/umschreiben
  • Fachbegriffe erklären lassen
  • Texte einfacher machen / zusammenfassen lassen. 
  • Anleitungen - Schritt für Schritt
  • ...

Das ließe sich wahrscheinlich ewig so weiterführen. Tatsächlich ist KI beim Lernen mit vielen redundanten Möglichkeiten eine von vielen. Manchmal muss man auch lernen, wann eine KI hilfreich ist und wann der Dialog in der Gruppe (noch) die besseren Ergebnisse bringt - wobei Kommunizieren und Kooperieren mit Menschen auch aus anderen Gründen nie gestrichen werden darf. Und dann muss man die KI aber auch wieder weglassen, weil z.B. Problemlösekompetenz, Auseinandersetzung in der Gruppe oder das Schreiben eines Textes trotz KI wichtig ist fürs Lernen. Joscha Falck und Hendrik Haverkamp haben das in dieser großartigen Grafik schön auf den Punkt gebracht. Als Mathelehrer ist das wie mit dem Taschenrechner: mal muss ich ihn weglassen, weil im Kopf rechnen/überschlagen wichtig ist, mal hilft er mir bei kognitiv anspruchsvollen Aufgaben, mal darf ich ihn verwenden, mal nicht und manchmal liefert er nicht das was er sollte - auch das sollte ich verstehen lernen. 

Dennoch wird es auch in Zukunft nicht nur um Einsatzszenarien mit KI gehen, schlechter Unterricht bleibt dadurch schlecht. Uta Hauck-Thum bringt es auf den Punkt: vielleicht sollten Lehrpläne auch hinsichtlich neuer Zieldimensionen überarbeitet werden - die KI muss sich nicht dem Lernziel anpassen, sondern das Lernziel den heutigen Möglichkeiten. Nimmt man aber die Freiheiten aus dem Lehrplan ernst, ist das auch heute schon möglich.

Probleme beim Einsatz

Klar, es funktioniert nicht immer so, wie ich es wünsche. Selbst bei gutem Prompt und bei guter Antwort: sinnentnehmendes Lesen im Mathematikunterricht ist auch eine Herausforderung. Oft haben die Kids statt zu lesen nur dreimal gefordert, es einfacher und kürzer zu erklären, um dann mit der knappen Erläuterung am Ende festzustellen, dass sie nichts verstehen.  Aber das ist wahrscheinlich auch eine grundsätzliche Kritik an (meinem) Mathematikunterricht: wir lesen zu wenig. Wenn man KI sinnvoll nutzen möchte muss man auch lernen, richtig zu lesen. 

In einem Fall hatte ich den Schülern freigestellt, ob sie sich mit einem Erklärvideo oder mit ChatGPT auf das Thema Gleichsetzungsverfahren vorbereiten wollen. Leider hatten es am Ende fast nur die verstanden und anwenden können, die das Video gewählt hatten. Alle mit ChatGPT bekamen zwar eine gute Erklärung, trotz nachvollziehbar gut geschriebenen Prompts hatte die KI aber den Kids ein anderes Verfahren beigebracht. Damit waren sie dann doch etwas überfordert und beim "Pair" wussten sie nicht, was nun richtig ist. Aber auch das ist wichtig: die Kids müssen Lernen mit anderen oder Falschinformationen umzugehen. Wobei das wahrscheinlich viel Auseinandersetzung braucht. 

Bei einer anderen Unterstützung durch ChatGPT beschrieb die KI ein Vorgehen, dass zwar gut zum Thema passte, nicht aber in die Aufbereitung durch unser Buch. Bei der zentrischen Streckung wurden Ortsvektoren in einem Koordinatensystem gestreckt, laut unseres Lehrplans machen wir das an der Realschule nur mit einzelnen Punkten oder Figuren. Bei den speziellen Lehrplänen in unserem Bildungssystem kommt die KI halt nicht immer mit.

 

Damit man durch solche Szenarien nicht zu viel Zeit verliert, sehe ich in der Zuweisung von Rollen oder Kriterien vor der Nutzung einen hohen Wert. Denn aufgrund dieser Probleme ChatGPT nicht zu verwenden, wäre ein noch größerer Fehler. Die KI wird unser Leben und unser Arbeiten nachhaltig verändern. Daher müssen wir auch lernen, wie sie tickt und wann ein Einsatz sinnvoll ist und wie wir mit problematischen Ergebnissen umgehen. 

Fazit

Der Flipped Classroom kann also eine Antwort sein, wie man Kids zu einem Lernen mit, über und trotz KI anleiten kann. Das Warum in den Mittelpunkt stellen, Ki auch weglassen und bei sinnvollen Szenarien reflektiert einsetzen... Das hört sich an wie die Vorgehensweise beim Einsatz von Erklärvideos, wie der Einsatz von digitalen Tools und wahrscheinlich auch wie der Einsatz von Tablets im Unterricht ganz allgemein. Digitale Bildung ist nicht mehr wegzudenken und Angst vor der KI bedeutet vielleicht auch, dass der sinnvolle Einsatz im Unterricht noch nicht zu Ende gedacht war. Auch bei der Erstellung von Lernmaterial für Flipped Classroom -Szenarien ist KI für Lehrkräfte eine große Hilfe. 

Ich glaube, dass die Nutzung von KI im Unterricht zu einer höheren Lernbeteiligung führen kann und dass ein generelles Ausschließen aus dem Unterricht die Heterogenität unter den Schüler:innen weiter befeuert. Ziel ist die intuitive Nutzung für das eigene Lernen, auch wenn mal kein Lehrer mehr da ist. Angeleitet, dass die Heterogenität in den Klassenzimmern nicht noch größer wird. 

In Konzepten wie dem umgedrehten Unterricht ist es vielleicht einfacher umzusetzen wie in lehrerzentrierten Szenarien - die Kids müssen halt vorher lernen zu lesen, selbstständig arbeiten zu können, zu prompten,...

Nur der Einsatz von KI (oder auch Videos) macht noch keinen Flipped Classroom und nur das Etikett Flipped Classroom (oder KI) macht noch keinen guten Unterricht. 

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KI in Schülerhand (beabsichtigt) - ein Praxisbericht

Seit fast einem Jahr nutze ich jetzt ChatGPT privat und vor allem in meinem Job. Ich habe aber etwas gebraucht, bis ich das Potential richtig nutzen konnte. Aktuell entscheidet noch der richtige Prompt über das Ergebnis. Wer noch nie KI ausprobiert hat, so kann man sich anmelden. In vielen Fortbildungen - aktuell z.B. auch über das Format E-Mail - habe ich Lehrkräfte und Schulleiter:innen für die Thematik sensibilisiert. Mich erschreckt es noch immer , wie viele Kolleg:innen noch nie die KI ausprobiert haben. Dabei nimmt das Thema so viel Fahrt auf, dass man sehr schnell den Anschluss verpassen kann - selbst, wenn man schon im Thema ist.

In diesem Blogartikel soll es aber um den Einsatz im Unterricht in Schülerhand gehen. Seit März darf ich einen fobizz.tools-Account nutzen, mittlerweile habe ich ihn mir auch selbst erworben, im nächsten Kalenderjahr sollen alle Lehrkräfte an unserer Schule die Möglichkeit dazu haben. Aktuell teste ich auch SchulKI.de.

Im Fach IT (Mathe/Reli gab es kaum Gelegenheiten) habe ich mit den Kids viel ausprobiert. Einige wichtige learnings haben wir dabei schon hinter uns, auf die ich gleich eingehen möchte. Darüber hinaus möchte ich mit diesem Artikel (auch auf andere Fächer übertragbar) meine Ideen teilen, die im Unterricht zu brauchbaren bis großartigen Ergebnissen geführt haben. 

Erkenntnisse in aufzählender Form

Mit meinen Schüler:innen habe ich nicht nur viel ausprobiert, sondern auch viel reflektiert. Unsere ersten Ideen zum sinnvollen Einsatz (sehr wahrscheinlich von meinen Erfahrungen geprägt)

  •  KI ist dann besonders hilfreich, wenn ich schon etwas weiß. Dann kann ich Halluzinationen oder Themaverfehlungen schneller erkennen.
  • Lesefähigkeit und sinnentnehmendes Lesen wird immer noch wichtiger. Sonst hilft der beste KI-Text auf meinem Niveau nichts.
  • Mit jedem Text sollte eine "Mündlichkeit" verbunden werden, sonst entstehen neue Schulbücher, aber das Lernen bleibt auf der Strecke.
  • Erst Recherche oder Wissen via Buch oder Internet, dann erst KI zum besseren Verständnis
  • Erst selbst schreiben, dann mit KI verbessern oder korrigieren lassen. Je mehr im Chat zu finden ist und je mehr Rückmeldung ich gebe, desto besser werden die Ergebnisse.
  • ich muss lernen, mit welchen Prompts gute Ergebnisse erzielt werden. (Fach, Klassenstufe, Arbeitsauftrag, Ergebnis, "Temperatur" ...) mit dem vorläufigen Ergebnis weiterarbeiten, reflektieren was noch fehlt und weiter chatten.
  • ich muss lernen, wann KI mir hilft und wann es (noch) eine Sackgasse ist.
  • ich darf keine personenbezogenen Daten in die KI eingeben.
  • ...

Sackgassen-Recherche

Am eindrucksvollsten haben meine Kids ChatGPT reflektieren können, nachdem sie Ergebnisse erzielt hatten, die für ihr Lernen mangelhaft waren. Die Schüler:innen haben ohne Beispielprompt mündlich einen Recherche-Auftrag erhalten. Das Thema im Fach IT war das EVA-Prinzip. Sie bekamen 10 Minuten Zeit, die KI dazu zu befragen und sollten anschließend erzählen können, um was es bei dem Thema geht. Es war eine der Erstbegegnungen mit der KI. Die Ergebnisse gingen (abhängig vom Prompt) weit auseinander. Nur fünf Kids bekamen Ergebnisse, die für das Fach und das Thema richtig gewesen wären. Viele erhielten ein EVA-Prinzip aus anderen Fachrichtungen und änderten (unwissend) auch nachträglich ihren Recherche-Auftrag nicht.

Im Plenum gingen wir dann auf die Ergebnisse ein und schauten uns die Prompts bei erfolgreichen Versuchen genauer an. Am Ende der Doppelstunde wussten dann dennoch die meisten, was sich hinter dem EVA-Prinzip verbirgt, aber noch viel mehr wussten alle, wie man eine KI bedienen muss, um brauchbare Ergebnisse erzielen zu können. Da aber auch gute Prompts zu Halluzinationen führen können, ist wohl zusätzlich eine gesicherte Information in der Zusammenarbeit mit der KI hilfreich. ChatGPT macht diese Quelle einfacher verständlich, aber sie gibt einem auch Sicherheit, dass man nicht ganz falsch liegt.

Feedback geben lassen, Texte besser machen

Bei einem anderen Arbeitsauftrag sollte der Text selbst erstellt werden. Die einhellige Meinung der Schüler:innen war: hört sich gut, hat aber wenig Tiefgang und sehr wenig Emotion (außer man hat das ausführlich im Prompt berücksichtigt). Die große Mehrheit der Klasse hätte diesen Text besser selbst geschrieben. Dies haben wir dann im nächsten Schritt gemacht und diese Arbeit dann von ChatGPT reflektieren lassen. Was fehlt meinem Text noch? Gib mir Tipps, wie ich meinen Text besser machen könnte! Schreibe meinen Text richtig/formaler/motivierter/lustiger. Meine Lehrkraft hat folgende Kriterien ausgegeben [...] welche Kriterien habe ich noch nicht erfüllt?

Konkret ging es im Unterricht um das Bewerbungsanschreiben für ein Praktikum. Die Anforderungen an einen solchen Text gibt es zuhauf im Text, dennoch war das Ergebnis oft sehr oberflächlich. Das lag wahrscheinlich auch daran, dass keine personenbezogenen Daten im Prompt landen durften. Mit dem eigenen ersten Entwurf zu einem solchen Anschreiben konnte die KI aber tolle Verbesserungsvorschläge und Rückmeldungen geben. Einige ließen die Texte direkt umschreiben. Natürlich hatten wir uns vorab darauf geeinigt, welche Platzhalter für personenbezogene Daten verwendet werden sollten. Fazit der Kids: wenn ich eine Idee habe und mir persönlich etwas überlege (eine Vorlage habe, die mich zufrieden stellt), wird die KI eine schriftliche Arbeit deutlich besser machen. Gelernt haben wir, dass KI ein mächtiges Tool für Feedback in jedem Unterricht ist, wenn der Lehrer nicht gleich helfen kann. Und dann ist ChatGPT auch noch besser gelaunt und verständlicher ;-). 

Produktionsorientierung

Das Ziel war es einen Podcast zu erstellen. Mit den Erkenntnissen aus den vielen Stunden mit KI zuvor hatte ich mir folgenden Plan dazu erstellt:

  1. Einlesen in das Thema durch eine von der Lehrkraft zur Verfügung gestellten Info-Seite
  2. Erstellen eines Skripts: das, was man kennen gelernt hat, wird in eigenen Worten in einem Word-Dokument festgehalten. 
  3. Einsatz von ChatGPT: man befragt die KI zu demselben Thema, lässt sich Passagen aus dem Internet leichter (auf das eigene Sprachniveau) schreiben, frägt nach Umschreibungen für Sachverhalte, die nicht klar waren, lässt sich Beispiele geben, die die eigene Lebenswelt betreffen, ... In der Hinsicht waren die Kids sehr kreativ.
  4. Das Skript wird vervollständigt, neu geschrieben, strukturiert und dann wieder an die KI gegeben: z.B.: "Ich soll einen Podcast über [xxx] im Fach [xxx] erstellen. Was kann ich an meinem Text noch besser machen?"
  5. Podcast mit Hilfe des Skripts erstellen.

Mit dem Podcast mussten mir die Schüler auch das Thema mündlich vorstellen, quasi verteidigen. Auf Rückfragen zu den eigenen Inhalten wollte ich so testen, ob Sie gelernt oder nur Texte erstellt hatten. Mit diesen Vorgaben entstanden tatsächlich innerhalb von vier Unterrichtsstunden großartige Ergebnisse. Die mündliche Verteidigung (grobe Struktur) zeigte mir, dass auch ein Lernen stattgefunden hatte. Das eigentlich sehr abstrakte Thema "von Neumann Architektur" wurde durchdrungen und mit schönen Vergleichen begreifbar gemacht. Das wäre im „normalen Setting“ so nicht möglich gewesen. Ich hatte es sogar geschafft, nie inhaltlich zu beraten, sondern immer nur Prozesstipps zu geben (ich musste mich stark zusammenreißen). Es hat zwar lange gedauert, aber dafür hatten die Kids das Thema komplett selbst erschlossen – Zusammenarbeit war außerhalb des Skripts erlaubt. 

"Think" - Pair - Share oder StEx-Gruppen

Mit diesen beiden Methoden setze ich am liebsten KI ein. Ein Recherche-/KI-Auftrag wird gesetzt und im "Think" soll sich anschließend jeder einzeln dem Thema annähern. Nebenbei ein Dokument zur Materialsammlung aufzumachen ist dabei Standard geworden. Die meisten suchen dann zunächst eine passende und vertrauenswürdige Seite im Netz, um diese dann einfacher schreiben zu lassen und passende Fragen bei Unklarheiten im Chat lösen zu lassen. Im Pair werden dann die Ergebnisse verglichen und die Notizen angepasst. So kann man noch einigermaßen aus einer Sackgasse geholt werden, wenn der Prompt einen in die falsche Richtung gespült hat. Im Plenum halten wir dann die Erkenntnisse fest, erstellen ein Tafelbild oder basteln aus einem Skript eines Schülers eine Ergebnissicherung.

Oft sind Themen komplexer, dass eine aufwändige Eigenrecherche zu lange dauern würde. Dann zerlege ich die Themen passend und gebe unterschiedliche Arbeitsaufträge. Anschließend treffen sich erst die Kids mit denselben Aufträgen zum Abgleich und erst dann werden die Ergebnisse arbeitsteilig in der Gruppe zusammengeführt.

 

Das hatte ich z.B. beim Thema Software (Freeware, Shareware, kommerziell, OpenSource,...) gemacht. In einem kollaborativen Word-Dokument wurden die Ergebnisse zusammengetragen. Am Ende der Doppelstunde musste mir jeder alle Ergebnisse grob zusammenfassen können. Das funktionierte leider nicht immer so gut, weil einzelne Schüler:innen Ihrer Verantwortung nicht so gewissenhaft nachkamen, so dass die anderen Gruppenmitglieder unvollständige Ergebnisse hatten. Hier mussten Gruppen noch einmal neu gemischt werden oder die KI wurde erneut befragt.

Fazit

Was als Spielerei begonnen hat, ist zum festen Bestandteil meines IT-Unterrichts geworden. Auch in Mathe setze ich es ein, allerdings noch nicht lange genug, um reflektiert davon berichten zu können. 

Wenn jetzt alle Lehrer derart unterrichten würden, wäre es wahrscheinlich zu viel KI-Einsatz. Auch ich setze es nicht in jeder Stunde ein. Oft lasse ich auch die Kids entscheiden, ob Sie KI zusätzlich verwenden wollen. Es muss auch gelernt werden, wann KI sinnvoll ist und wann nicht. Essenziell ist die Bereitschaft, sinnentnehmend zu lesen. Daran scheitern die meisten Schüler und wollen es lieber "erzählt bekommen". In der Hinischt bin ich auf den Co-Piloten im Unterrichtseinsatz gespannt. Ich entwickle mittlerweile mit der Bing AI (App) meine Projekte und Ideen im Ping-Pong mit der Ki mit Sprache ohne Eingabe. 

Das andere Phänomen ist das Erklärvideo-Syndrom. Nur weil ein guter Text in einfacher Sprache einen Sachverhalt gut erklärt, heißt das noch nicht, dass viel gewusst wird oder gelernt wurde. Es suggeriert einem, alles verstanden zu haben. Daher ist ein reflektierter Einsatz wichtig und die Mündlichkeit nach einer solchen KI-Phase wichtig für das Weitermachen. 

Insgesamt halte ich fest, dass die Themen mit (meist) viel mehr Tiefgang erfasst wurden und KI auch bei den Kids zum Helferlein geworden ist. Dennoch sind manche Prompts noch nicht gut, Ergebnisse unbrauchbar oder wir halten uns viele zu lange mit KI auf, obwohl sie es (noch) nicht kann. 

Klar ist auch: ist eine Kompetenz so wichtig, dass KI sie nicht erledigen sollte, darf man sie nicht als Hausaufgabe geben und KI auch im Unterricht nicht zulassen. Daher wird KI den Unterricht nicht ersetzen, aber man muss sich wahrscheinlich klarer darüber Gedanken machen, wann was erledigt werden soll und mit welchen Hilfsmitteln - das mache ich seit knapp 11 Jahren im Flipped Classroom. Aber dazu muss ich wahrscheinlich noch einmal extra bloggen.

Wer Lust hat, auch seine Kolleg:innen für das Thema zu sensibilisieren, dem empfehle ich mein neues Fortbildungsformat bei Cornelsen und der GfDB (Werbung, weil Bezahlung für den Inhalt). In sechs kurzen E-Mails an sechs Tagen führe ich knapp zu dem Thema hin und erläutere die Relevanz für Schule und Unterricht.

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Tabletklassen: Transformation vs. Heftersatz

In den letzten Jahren haben wir den Umstieg von Tabletkoffer auf Tabletklassen gewagt. Mit einem enormen Aufwand hinsichtlich Planung, Kommunikation und Zusammenarbeit sind wir letztes Jahr dann zusammen mit 250 anderen Schulen in Bayern in den Pilotversuch "Digitale Schule der Zukunft" mit eingestiegen. Da durfte dann am Ende die Evaluation bei Eltern, Schüler, und Lehrern nicht fehlen. Während wir uns von den Kids im Unterricht ein anonymes Feedback (dank Vorlagen vom KM) einholten und damit einen sehr guten Eindruck erhielten, nahmen an der Elternumfrage nur ein Drittel und an der Lehrerumfrage nur die Hälfte teil. Inwieweit dadurch die Ergebnisse noch aussagekräftig sind, lässt sich damit nicht sagen. Daher im Folgenden meine persönlichen Erkenntnisse aus den Umfragen und als Projektleiter.

Digitales Heft vs. Digitale Lernaufgaben?

Aus den Umfragen konnte man es vor allem bei den Schüler:innen gut herauslesen(90% haben tielgenommen): die überwiegende Mehrheit nutzt die Geräte im Unterricht, man hat viel Neues dazu gelernt und die Geräte haben den Unterricht verändert. In den Detailantworten konnte man dann lesen, dass u.a. Podcasts/Erklärvideos erstellt wurden, Internetrecherche häufiger zum Einsatz kam, vereinzelt KI im Unterricht verwendet wurde, uvm. Auf der anderen Seite stand da auch, dass oft nur das digitale Heft oder das digitale Schulbuch zum Einsatz kommt. Bei wenigen Lehrkräften scheint es nicht genutzt zu werden. 

Einerseits habe ich in meinen vielen Hospitationen übers Jahr auch großartige Umsetzungen z.B. zum eigenverantwortlichen Arbeiten mit dem Kursnotizbuch gesehen, andererseits hätte ich da aber gerne noch mehr Elemente herausgelesen, welche die "Digitalkompetenzen" auch im Feedback darstellen. Mit den "Digitalen Lernaufgaben" vom ISB hatten wir einen Fokus bei der Arbeit in Tabletklassen gesetzt. Weil aber sehr viele Kolleg:innen zuerst einmal eine digitale Heftführung einführten und andere darauf aufsprangen, ist der Fokus wieder etwas verloren gegangen. Daher haben wir dieses Thema noch einmal in den Pädagogischen Tag und in unseren Mikro-Schilf-Plan gepackt.

Tatsächlich scheint es aber auch einfach schwer, guten und schlechten Unterricht anhand dieser Tools zu bemessen. Daher unterstützen wir auch weiter die Führung von Kursnotizbüchern oder digitalen Schulbüchern. Der Fokus auf die Kompetenzen soll nur weiter forciert werden. 

großer Zuspruch und harsche Kritik

Sowohl bei Schüler:innen, Eltern und Lehrer:innen hatten wir hohe Zustimmungswerte für die Einführung. Während die Kids sehr euphorisch den Einsatz gutheißen, sind die Lehrkräfte und Eltern zwar positiv aber auch noch etwas skeptisch. Knapp die Hälfte der Eltern/Lehrer hätten sich noch etwas mehr erhofft. Das haben wir im Orga-Team aber auch gesehen: es gibt immer noch Potential nach oben.

Auf die Frage ob "die Geräte nützlich beim Lernen" sind, gab es eine breite Zustimmung. Schaute man dann aber in die (optionalen) Kommentare, konnte man in wenigen Einzelantworten auch eine sehr harsche Kritik an dem System erkennen. Das irritierte uns in dem letzten Jahr am meisten: bei einer sehr kleinen Gruppe von Eltern/Schüler:innen/Lehrkräften scheinen wir mit unserem Projekt einen wunden Punkt oder zumindest einen Nerv getroffen zu haben. Anders können wir uns diese Schärfe im Ton bei einer durchweg positiven Rückmeldung nicht erklären.

Auch bei einem Elternabend konnten wir das bemerken: Eine kleine Gruppe von Eltern sprach sich stark gegen das Projekt aus, so dass wir schon überlegten, es wieder abzubrechen. Bei einer anonymen Umfrage sprachen sich dann allerdings 95% für das Projekt aus. 

Ich glaube daher, dass die Gegner der Digitalen Transformation immer weniger werden, aber vielleicht auch immer lauter. Wir müssen vielleicht noch besser werden, dass der Mehrwert erkannt wird. mMn ist es vielleicht aber auch eine Utopie, alle ins Boot holen zu können. 

Regeln und Umsetzung

Auf die Frage, ob es an unserer Schule Regeln zum Einsatz von Geräten im Unterricht gibt, gab es eine klare Zustimmung. Das ist großartig, hat sich doch ein Team lange Gedanken gemacht, wie ein gemeinsames Miteinander in Tabletklassen organisiert werden könnte.

Liest man dann aber bei den Rückmeldungen der Schüler:innen weiter erkennt man, dass die Einhaltung wohl eher nicht so oft eingefordert wird. Zocken, Netflix, Chatten (trotz Sperre dieser Plattformen -> Umgehen durch Flugzeugmodus) während des Unterrichts scheint dennoch in manchen Klassenzimmern möglich gewesen sein. Auch spannend, dass viele Mitschüler dies als störend empfanden und sich mehr Durchsetzung erwünschten. 

Ein schwieriges Terrain. Einerseits wollen wir Schüler:innen, die sich eigenverantwortlich und mit einigen Freiheiten um ihr Lernen kümmern können. Andererseits glauben wir auch, dass dies nicht mit einer Netflix-Serie in der Gruppenarbeit möglich ist. Das bedeutet dann aber auch, dass es Phasen gibt, in denen die Geräte zugeklappt oder flach auf dem Tisch liegen. Da müssen wir noch besser werden, wir wollen ja, dass damit auch gelernt werden kann. 

Begleiten statt verbieten

Bei den Schüler:innen fragten wir, bei wem die Eltern die Zeit begrenzen, die am Gerät verbracht wird bzw. wie viele Eltern sich für deren Inhalte darauf interessieren. Die deutliche Mehrheit verneinte hier, die Kids werden mit den Geräten weitestgehend allein gelassen. Gleichzeitig beschwerten sich aber auch ein paar Eltern, dass Ihre Kinder jetzt zu viel Zeit am Bildschirm verbringen. Das ist eine Zwickmühle für uns: Wir wollen den Kids einen reflektierten Umgang beibringen und integrieren die Geräte in den Unterricht, gleichzeitig dürfen wir aber die elternfinanzierten Geräte nachmittags nicht einschränken, das wäre Aufgabe der Eltern.

Wir haben jetzt noch einmal in allen Elternabenden versucht aufzuklären und technische Anleitungen für das kindergerechte Einschränken von Inhalten aus dem www verfasst. Man muss nicht die Bildschirmzeit radikal beschneiden, aber allein das Beschränken einiger Inhalte, die wahrscheinlich selbst für Erwachsene ungeschickt wären, sollte eigentlich bei der Erziehung dazu gehören.

Einige Eltern haben uns aber auch zurückgemeldet, dass sie jetzt versuchen, ihre Kinder besser in dieser Welt zu begleiten. Für uns eine sehr wichtige Botschaft: mit den Tabletklassen ergibt sich auch eine Notwendigkeit für die ganze Schulfamilie sich Gedanken zu machen, wie die Kids mit dem Gerät groß werden sollen. Diese Reflexion wollen wir mit weiteren medienpädagogischen Angeboten für Eltern weiter vorantreiben und auch diskutieren.

In diesem Blogartikel hatte ich jetzt doch mehr die Kritik und die Unstimmigkeiten am Konzept im Blick. Als ich dann aber noch einmal das ganze Feedback von jemand anderem hab gegenlesen lassen, war der überrascht von dem starken positiven Feedback - trotz meiner Ausführungen. Alte Lehrerkrankheit, Lob rutscht durch, Kritik bleibt, man hat sich doch so angestrengt. Also habe ich es nochmal durchgelesen und mich auf die positiven Aspekte fokussiert. Das rate ich jedem, der ein solches Feedback angeht. Bei der immensen Arbeit, die in ein solches Projekt gesteckt werden muss, sollte man sich auch immer auf die Mehrheit fokussieren. An uns arbeiten können wir trotzdem, dann aber beschwingter :-) 

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10 Jahre Flipped Classroom - 10 Gedanken

Heute ist ein Festtag für mich! Wer mitfeiern will darf sich 8 Minuten Zeit für diesen Blogartikel nehmen: Genau heute vor 10 Jahren am 06.01.2013 begann für mich eine unglaubliche Lernreise: ohne es zu wissen begab ich mich auf den Weg des Flipped Classrooms indem ich ein Video für den Hefteintrag meiner Schüler:innen auf vimeo.com hochgeladen habe. Die Ferien hatte ich damit verbracht, es perfekt hinzubekommen und mein Equipment einzurichten. Schaut es Euch gerne an (ich habe es nicht durchgehalten), aber teert und federt mich nicht, das war echt noch von sehr minderer Qualität: https://vimeo.com/56990865

Heute möchte ich das aber feiern. Denn ohne diesen ersten Schritt voller Fehler (und es sollten noch einige folgen) wäre ich in meinem Unterricht nicht da gelandet, wo ich immer hinwollte. Ein Jahr später habe ich erfahren, dass es meine Idee, den Unterricht umzudrehen schon länger gibt und hab mich dann von Pionieren aus Deutschland und den USA noch weiter inspirieren lassen. Immer häufiger erstellte ich Erklärvideos und immer mehr wurde mir etwas anderes bewusst: der Flipped Classroom bedeutet nicht, den Unterricht in Erklärvideos zu packen, sondern aus der Unterrichtszeit das Beste für den Schüler herauszuholen. Daher geht es in diesem Blogartikel (mal wieder) nicht um Erklärvideos (das habe ich ausführlich hier getan), sondern um Tipps und Gründe für eine Neurhythmisierung von Unterricht. Und natürlich auch ein bisschen darum, mich selbst zu feiern: ich hätte niemals gedacht, dass dieser kleine Versuch einmal so große Wirkung auf meinen Unterricht hat und ich das 10 Jahre durchziehe. Daher meine 10 Gedanken, vielleicht kommt Ihr dadurch auch auf den Geschmack (und keiner muss ;-))

1. asynchron - synchron

Im Lockdown haben wir doch eines gut über unsere Schüler:innen gelernt: was sie gut allein (asynchron) zu Hause können und wofür es unbedingt das (synchrone) Zusammentreffen im Klassenzimmer braucht. Daher ist es jetzt noch viel relevanter, in Blended Learning - Formaten wie dem Flipped Classroom zu denken. Das virtuelle Klassenzimmer und das tatsächliche Klassenzimmer sinnvoll miteinander zu verzahnen. Dinge, die eine individuelle Auseinandersetzung brauchen wären geschickt für Selbstlernphasen (falls ohne Hausaufgabe auch in der Schule möglich), bei anderen Phasen wie Austausch, gegenseitige Unterstützung, ... wären gemeinsame Arbeitsphasen sinnvoll. Klar, das lässt sich nicht eindeutig trennen, auch virtuell können Gruppenarbeitsphasen sinnvoll gelingen. Was ich damit sagen will: mit dem Flipped Classroom kann man sich Gedanken machen, welche Phasen zwingend in das Schulgebäude oder gemeinschaftliche Arbeitsphase gehören und welche aus dem Klassenzimmer oder in eine Selbstlernphase sinnvoll ausgegliedert werden können. 

2. digital lehren und digital lernen

Bei der "Digitalen Bildung", "Zeitgemäßem Unterricht", "Kultur der Digitalität" (wie viele Begrifflichkeiten brauchen wir eigentlich noch, bevor es los geht?) ... geht es am Ende nicht nur darum, das eigene Lehrmaterial zu digitalisieren und auf eine Lernplattform zu bringen. Das kann - sinnvoll eingesetzt - die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Schüler:innen fördern. Digitale Bildung wird es, wenn es beim Unterricht auch um Kompetenzen geht, die auf die Lebens- und Berufswelt vorbereiten (digital lernen): Plattformen intuitiv nutzen und bewerten, zusammenarbeiten und sich verständigen, obwohl man nicht im selben Raum ist, richtig recherchieren und seine Daten/Dateien sinnvoll strukturieren, eigene digitale Produkte erstellen und sein digitales Tun und das anderer ständig zu analysieren und zu hinterfragen - sehr verkürzt die Kompetenzen zur Medienbildung. Der Flipped Classroom fördert Letzteres nicht automatisch, es handelt sich ja eher um ein Konzept des selbstgesteuerten und personalisierten Lernens. Darin lässt sich aber auch das digitale Lernen integrieren, vor allem wenn die Umgebung in Form einer Lernplattform schon zu digitalen Lernaufgaben einlädt. 

3. Schüler:innen ins Tun/Reden bringen

Was mich an meinem Unterricht immer am meisten nervte: ich musste zu viel reden, die Schüler:innen forderten das immer ein. Mit dem Flipped Classroom wollte ich vor allem das ändern. Wenn ich heute Unterrichtsbesuche mache, fällt mir das leider immer noch zu häufig auf. Der Lehrer redet meist mehr als der, der zu lernen hätte. Wenn ich den Flipped Classroom initialisiere, dann ist das Tun, das mit anderen Reden meist die größte Baustelle, die ersten Wochen muss ich immer wieder ermutigen, eigene Schritte zu gehen. Aber mein Setting ist so aufgebaut: die Kids bekommen alles, was sie für den Unterricht brauchen und darauf aufbauend sollen sie nun selbst lernen: mit dem Klassenkameraden, in Ruhe mit Kopfhörer, in Gruppen (vielleicht auch auf dem Gang), ... manche nehmen das sehr schnell an und machen große Schritte, andere müssen mehrfach ermutigt werden. Selten funktioniert das Konzept innerhalb weniger Wochen. Für mich am allerwichtigsten: wenn die Schüler:innen am Ende der Schule meine Klasse verlassen und gelernt haben, sich selbst zu helfen. Ich versuche mich nach und nach überflüssig zu machen. Das funktioniert mal mehr, mal weniger gut, ist mir aber das höchste Ziel meines Unterrichts/meines Flipped Classrooms. Daher ist es mir auch wichtig, dass meine Schüler:innen wissen, warum sie das machen, warum es so sinnvoller ist zu lernen und gebe Ihnen oft mehrere Möglichkeiten, im Konzept anzukommen.

4. Sei vorbereitet

Christian Spannagel (mein wichtigster Impulsgeber) hat einmal in einem Tedx-Talk diese Überschrift zum Thema gemacht. Vorbereitet zu sein bedeutet man weiß bereits, was auf einen zu kommt, man hat vielleicht schon etwas, mit dem man sich einbringen kann. "Darum ist es umso verwunderlicher, dass der Wert von Vorbereitung in vielen Bereichen noch nicht ausreichend gewürdigt wird." Nehmen wir als Beispiel den Impuls. Zu Beginn einer Stunde gibt es (fast) immer einen Einstieg. Etwas Motivierendes, eine Hinführung zum Thema, eine individuelle Auseinandersetzung, ... Warum diesen nicht auslagern? Dann müssen nicht alle gleichzeitig um 07:50 eine passende Idee dazu haben, sondern können sich dann darauf vorbereiten, wann sie Zeit haben. Gleichzeitig findet genug zeitlicher Versatz statt, dass der Impuls auch wirken kann. Vielleicht hat man am nächsten Tag in der Stunde schon eine weitere Idee, die man sich am Vortag gar nicht notiert hatte. Eine Erstbegegnung mit dem Thema (auch in Form einer Erklärung) kann hilfreich sein, um die Kids zu aktivieren oder gleich vertieft loslegen zu können. Man fühlt sich vor allem sicherer vor dem was auf einen zukommt, wenn man vorbereitet ist. Gleichzeitig hast Du dann auch viel "Mehr Zeit für Deinen Unterricht". Durch das Auslagern ins Asynchrone können die synchronen Phasen nun mit mehr Zeit versehen. "Das Beste darin ist: wir müssen weniger tun und haben viel mehr Zeit", so die Aussage einer meiner Schüler:innen. Einfache Vorbereitung, dann vergeht die Zeit beim Arbeiten schneller und intensiver. Auch für uns Erwachsene immer wieder sinnvoll, sich das vor Augen zu führen. 

5. Halt geben und entdecken lassen

Schüler:innen können sich nicht jeden Sachverhalt in der Schule selbst erarbeiten, gleichzeitig bringen sie aber schon so viel Vorwissen mit, dass ein ständiges Vormachen-Nachmachen im Unterricht auch keinen Sinn ergibt. So ist es immer eine Mischung aus beidem: möglichst viel Entdecken lassen und Kompetenzerlebnisse schaffen motiviert meine Schüler:innen vielleicht beim nächsten Mal wieder etwas auszuprobieren - Fehler machen ist kein Problem. Gleichzeitig gilt das aber nicht für alle und die fühlen sich schnell verloren, wenn man immer in Sackgassen rennt, weil man eben (noch) nicht selbstentdeckend lernen kann. Daher bemühe ich in meinem FC immer beides. Die Kids bekommen in Erklärungen Halt, um bei Verständnisschwierigkeiten nachlernen zu können. Gleichzeitig müssen Sie sich aber immer wieder selbst auf den Weg machen oder mit anderen zusammen erste Verstehensprozesse angehen. Je nach Klasse mal mehr, mal weniger. Etabliert man dieses System mache ich die Erfahrung, dass viel häufiger individuell oder im Dialog erst einmal ausprobiert wird. Die zusätzlichen Erklärungen am Schluss der Unterrichtseinheit werden dann oft gar nicht mehr benötigt und dennoch gibt es denen Halt, die so gar nicht am Unterricht teilhaben wollten/konnten. Am Ende will ich allen gerecht werden und unterwegs nicht die Hälfte verlieren. 

6. Selbst, Selbst, Selbst

"Meine Schüler:innen können das nicht, die sind nicht so selbstständig", so ähnlich höre ich das fast jedes Mal auf Fortbildungen. Das ist aber kein Grund, die Selbstständigkeit nicht zu fördern, meine können das (erst einmal) auch nicht. Ich hatte mir einmal Gedanken gemacht, wann lernen wirksam ist. Meiner Meinung nach, wenn dieser Aha-Effekt kommt, wenn ein Schüler von selbst auf etwas kommt und glaubt, Inhalte/Zusammenhänge verstanden zu haben. Um so weit zu kommen, braucht es ein hohes Maß an Selbstständigkeit. Man muss bereit sein, Fehler zu machen, etwas auszuprobieren, mehrere neue Wege gehen... um am Schluss Selbstwirksamkeit zu erleben: ich habe das selbst geschafft. Für diese Selbstständigkeit braucht es Selbstdisziplin: ich muss mich hinsetzen und etwas tun. Damit das erreicht wird, braucht es am Anfang vielleicht auch Disziplin von außen. Wer verweigert und nicht einmal einen Stift in die Hand nimmt, der wird auch ermahnt. Chancengleichheit bedeutet auch, erst einmal alle mitzunehmen und alle machen zu lassen. Gerade zu Beginn bedeutet das viel Aufwand für ein paar wenige. Innerhalb kürzester Zeit kann man dann aber auch viele fliegen lassen, die können schon viel selbst und das fordere ich dann auch ein.
Bei der ganzen Diskussion um Individualisierung im Bildungsbereich halte ich es wie Bob Blume: "Bildung bedeutet auch das zu lernen, gegen das man sich entscheiden kann." Selbstdisziplin und Selbstwirksamkeit am besten in vielen Fächern. Woher weiß man denn, für welches Fach man später brennt? Dort wo Selbstwirksamkeit erzeugt wird, besteht die Möglichkeit, Begeisterung zu wecken. Klar, die Lehrpläne gehören gekürzt, aber nicht hinsichtlich der Fächer, da brauchen wir viele Möglichkeiten. 

7. Lernen durch Redundanz

Lernen funktioniert nicht allein durch ein Medium, eine Methode oder ein geniales Tool. Das Potpourri aus vielen Zugangsmöglichkeiten machts. Mein bestes Beispiel: unter den Kommentaren meiner Videos steht immer wieder mal: "besser als mein Mathelehrer" und unter demselben Video: "Ich habe es nicht verstanden, erklären sie besser."  Das zeigt es schön: Einer hat sich angestrengt und es hat ihm im Unterricht noch ein bisschen was gefehlt. Mein Video konnte ihm helfen. Der andere schaute das Video wahrscheinlich als Erstbegegnung und war damit überfordert (cognitive load theory). Es wäre also fatal zu glauben, ein Video ersetzt den Unterricht. Viele redundante Zugänge geben mehreren die Chance, etwas zu verstehen. Im Gespräch, mit Visualisierungen, durch gemeinsames Lösen von Aufgaben, durch ein Erklärvideo oder einfach durch das menscheln im Klassenzimmer. 

8. Lehrer sein - Mensch sein

Als meine erste Flipped Classroom Projektklasse nach 5 Jahren mit mir zum Pizza essen gegangen ist, wollte ich nach dieser Zeit natürlich wissen, was Ihnen an meinem Unterricht am besten gefallen hat. Bei dem Aufwand, den ich betrieben hatte, hoffte ich auf viele Erinnerungen. Einheitlicher Tenor (Gedächtnisprotokoll): "Sie haben sich immer um uns gekümmert. Mal streng, mal lobend, mal fordernd. Wir waren Ihnen nicht egal."

Wow, ein großartiges Kompliment und doch hatte ich irgendwie etwas anderes erwartet. Aber ist es nicht das, was wir den Kids am meisten mitgeben müssen, Mensch zu sein? Schule ist auch ein sozialer Raum, wo man sich kümmert, wo man füreinander da ist - das hat im Lockdown wahrscheinlich die größten Lücken hervorgebracht. Im Flipped Classroom habe ich als Lehrer viel Zeit, ich agiere fast nur im Hintergrund, kann mich dann aber auch besser um Einzelne kümmern, einzelne fördern und von anderen mehr fordern. Ich bin streng, wer bei mir im Unterricht ist, muss auch etwas tun. Nicht mitmachen und bocken gibts nicht, Hausaufgaben mit "ich habs nicht kapiert" nicht zu machen geht auch nicht: dann schreib wenigstens drei Sätze auf, was Du nicht kapiert hast und wo die Probleme lagen. In Klassen mit hohem Konfrontationspotential kann das im FC auch nach hinten losgehen (aber selbst sehr viel Reibung hat am Ende auch viel Energie hervorgebracht). Viel wichtiger als Content zu erstellen ist es die Schüler:innen richtig zu begleiten, dafür braucht man die viel größeren Kapazitäten und einen Fokus in der Lehrer-Ausbildung. Denn Begleiten ist nicht so trivial, wie es sich anhört. An der Tafel stehen ist da viel leichter.  

9. Vernetzung/Kooperation

Mit Christian Spannagel, Felix Fähnrich, Carsten Thein und Sebastian Stoll fing es an - ich lernte über meinen eigenen Unterrichtsrand hinauszuschauen und mit Gleichgesinnten über Gelingen und Probleme zu diskutieren. Es folgten viele weitere, die meisten findet man hier und hier. Was ich dabei am meisten gelernt habe: jeder setzt seinen Flipped Classroom ganz anders um, bei manchen konnte ich mich inspirieren lassen, bei anderen glaubte ich nicht so viel lernen zu wollen. Kein Unterricht ist gleich, auch wenn man nach demselben Konzept arbeitet. Daher ist es auch schwer, den Flipped Classroom generell zu loben oder abzuwerten. 
Wir haben uns das zu Nutze gemacht und eine Kooperation ins Leben gerufen. Bis zu 60 Lehrer aus 10 Schulen erarbeiten gemeinsam. Das führt nicht nur zu weniger Arbeit, sondern auch zu einer wahnsinnigen Methodenvielfalt. Und trotzdem führen die gleichen Materialien nicht zu gleichem Unterricht, denn in der Begleitung der Kids liegt die Magie. Wenn also schon Blended Learning, das Beste aus zwei Welten, ... dann facettenreich und Ressourcen schonend in Kooperation. Schade, dass noch fast jeder Lehrer täglich seinen ganz speziellen Unterricht vorbereitet, wenn es doch mit dem Material des Kollegen auch gegangen wäre. 

10. Wirksamkeit reflektieren

Das Wichtigste, was wir Lehrer:innen ganz allgemein beim Unterrichten wieder lernen müssen, ist das ehrliche Reflektieren der eigenen Wirksamkeit. Auch der Flipped Classroom schwächelt, wenn man sich nicht ständig vor Augen führt, dass man als Lehrer entscheidend für den Erfolg ist. Ich hatte Schiss, den Karren vor die Wand zu fahren mit diesem neuen Konzept und hab mein Tun ständig (manchmal zu oft) reflektiert. Aber es hat mir nicht geschadet. Heute wünsche ich mir, dass dies mehrere so machen würden. Denn der Flipped Classroom wirkt, es gibt schon relativ viele Erhebungen dazu z.B. hier, oder hier in einer Meta-Analyse. 

Mit zunehmender Distanz zum Studium, habe ich mehr gefühlte Wahrheiten über den Unterricht in mir als evidenzbasierte. Mit dem Podcast von Benedikt Wisniewski reflektiere ich meinen Unterricht jetzt besser bzw. ich bekomme manchmal auch Bestätigung für mein Tun - nachträglich. 

Häufig werde ich mit Schwachstellen am Flipped Classroom konfrontiert. Je nach Ausführung gibt es die. Ich würde mir nur mehr wünschen, dass mit demselben Anspruch an ein "neues" Unterrichtskonzept auch der eigene Unterricht kritisiert wird. Ich kann nicht stundenlange Vorträge an der Tafel halten und gleichzeitig die Lehrerzentriertheit in 5 Minuten Erklärvideo in einem sonst schülerzentrierten Setting kritisieren. Gleichzeitig gilt es am Ende immer zu reflektieren, was der Schüler bei mir lernt. Dabei darf man eben nicht nur auf die Note in der Abschlussprüfung schauen, sondern muss sich auch fragen, ob genügend soft skills auf dem Weg gelernt werden, die später in den Betrieben und im Leben hard skills werden könnten. Wenn die ganze Klasse nichts lernt und keiner was macht, dann hat man als Lehrer auch seinen Anteil daran.

Fazit

Also macht morgen jeder Flipped Classroom? Nicht nötig, den viele von Euch werden sich in den 10 Punkten wiedergefunden haben, ohne den Unterricht umzudrehen. Wenn aber die Motivation oder die Wirksamkeit in Eurem Unterricht zu wünschen übriglässt, wären Elemente des Flipped Classroom vielleicht spannend auszuprobieren. Es ermöglicht einerseits einen sinnvollen Einstieg in die Nutzung einer Lernplattform und zeigt den Schüler:innen schnell, welche Vorteile es mit sich bringt. Gerade nach den coronabedingten Schulschließungen sollten Blended Learning Formate einen Boom erfahren, das Beste aus beiden Welten, Veränderung ist jetzt möglich! Aber ich glaube es wird noch sehr lange dauern, bis das auch überall angekommen ist. In Deutschland gibt es einfach zu viele Schwätzer und zu viele Utopien über die Transformation und zu wenige Kolleg:innen, die durch das Machen beitragen. 

Auch wenn ich mich irgendwann selbst nicht mehr hören kann, erzähle ich einfach weiter meine Geschichten vom praktischen Einsatz im Unterricht, in der Hoffnung auch her irgendwann überflüssig zu sein. 

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Mikro-SchiLFs konkret: Unterrichts- und Schulentwicklung

In der ergänzenden Empfehlung der Kultusministerkonferenz von 2021 wird der schulinternen Fortbildung ein besonderes Potential attestiert, nachhaltig zu wirken, wenn längerfristig und kooperativ mit der Wissenschaft angelegt (S. 28/29).

Das trifft sich ja, dass wir seit 2018 mit diesem Format experimentieren. Daher wollten wir unsere Erfahrungen damit hier anderen zugänglich machen, um es zu reflektieren und eventuell dadurch oder durch Kritik/Anregungen daran weiter zu lernen. Den ersten Mikro-Schilf-Plan hatten wir 2018 aufgestellt, weil ein pädagogischer Tag mit kleinen Workshops von Lehrern für Lehrer sehr gut ankam: 9 digitale Tools von 6 Lehrern vorgestellt. Heute sind es 22 Angebote von 20 verschiedenen Lehrkräften. Aber das ist alles gewachsen und 2018 wussten wir nicht, wo es hinführt. Aber wir haben losgelegt - anfangs etwas stümperhaft. Daher zunächst unsere learnings aus unseren Fehlern und erst danach Aufbau, Planung, Verbindlichkeit, Inhalte und Auswirkungen. Hier gibt es auch einen kostenlosen Selbstlernkurs zum Thema. 

Aus Fehlern lernen...

Hier gleich einmal ein paar Aufzählungen, was bei uns nicht funktioniert hatte (Gründe nenne ich nicht, die könnten einer falschen Wahrnehmung entspringen):

  • Titel mit hippen Wörtern/Tools: das schockte die Kolleg:innen, etwas nicht zu kennen. Da half dann auch die Beschreibung nichts. Jetzt soll der Titel möglichst ohne Anglizismen beschreiben.
  • lange Formate: Zeit hat keiner und gerade das knackige Format motiviert Kolleg:innen zum Impuls einholen, open end ist ja dennoch möglich. Vertiefung erfolgt meist daheim oder erneut mit Kolleg:innen.
  • Freiwilligkeit: nach einem erfolgreichen ersten Jahr kamen im zweiten nur noch wenige. Einige Kolleg:innen hatten umsonst etwas vorbereitet.
  • Bedarfe abfragen: fast gar nichts wurde hier genannt, das wenige ist meistens schon mehrfach geschult worden und war nicht Konsens an Bedarf im Kollegium. Bedarf ergab sich erst nach tollen Angeboten.
  • Ab April nimmt die Bereitschaft (und die zeitliche Verfügbarkeit) zur Teilnahme rapide ab. 
  • technische Ausrichtung bei Schilfs: oft waren die Experten bereits zu weit weg vom Rest oder hatten einen rein technischen Zugang gewählt.
  • Überhang an "digitalen Angeboten". Klar kannst Du heute Pädagogik und Didaktik nicht mehr ohne Digitalisierung denken. Aber durch die vielen "digitalen Themen" wurde der Eindruck vermittelt, alles digital machen zu müssen (in den Schilfs selbst war das nie der Fall, aber durch die Auflistung kam dieser Eindruck zu Stande). 

Aus all diesen Problemen haben wir über die Jahre versucht ein Angebot aufzustellen, das Teilnehmer, Referenten, Schulleitung und auch die Ressourcen zufrieden stellt. In meinen Augen ist es notwendig, bei Neuerungen Verständnis und Einfühlungsvermögen für die Bedürfnisse der an Schulen Beteiligten zu haben. Auch um so einen Anreiz zum Machen (Teilnahme, Anbieten, Umsetzung) zu schaffen. 

(empfohlener) Ablauf bei uns

Grundsätzlich ist jeder Referent frei bei der Gestaltung seiner kleinen Fortbildung. Als Anregung geben wir mit auf den Weg: höchstens 1/3 Vormachen (Lehrerperspektive), mindestens 1/3 selbst Ausprobieren (Schülerperspektive) und dann noch 1/3 Austausch/Feedback und Möglichkeiten für die Umsetzung in der Unterrichtspraxis. Wie beim Unterricht auch, soll der Fokus auf dem Lernenden liegen, nicht auf dem Referenten. Dafür vorgesehen sind 30 Minuten. Inhaltlich geht das in der kurzen Zeit meist nicht zusammen. Daher sind die Referent:innen angehalten, das Wichtigste in die ersten 30 Minuten zu packen. Dann können die mit Betreuungsproblemen oder Nachmittagsunterricht gehen und andere länger bleiben, denen das zu knapp war. Das funktioniert nicht so gut, wenn externe Referent:innen da sind. Manche besuchen dieselbe Fortbildung dann auch mehrfach, jeder Entwicklungsschritt braucht dann auch wieder eine neue Auffrischung.

Terminlich setze ich (Schilf-Koordinator mit freiwilligem Auftrag) entsprechend der Verfügbarkeit der Referent:innen ein Datum an und verteile alle Angebote im Zeitraum von Oktober bis März. Beginn ist immer um 13:00 Uhr, 10 Minuten nach Unterrichtsschluss. Die Umsetzung im Unterricht soll dann bestmöglich in den Fachschaften diskutiert/reflektiert werden - tatsächlich geschehen die aber mittlerweile auch unangeleitet. 

Planung und Themenfindung

Jahrelang habe ich das allein gemacht, heute setze ich mich mit Sandra (zweite Konrektorin und Schulpsychologin) zusammen und wir überlegen uns, was wir erneut und neu anbieten wollen. Dabei fragen wir vorher auch die Schulentwickler, das Medienkonzeptteam, den Rest der Schulleitung, Systembetreuer, Schulberatung, Schulsozialarbeiter, Fachschaftsleiter, ... welche Themen im nächsten Schuljahr hinsichtlich einer gemeinsamen Unterrichts- und Schulentwicklung nötig sein bzw. multipliziert werden könnten. Themen wie Defibrillator oder Einführung Klassenrat in der 5. Klasse gehören immer dazu. Darüber hinaus schauen wir, welche Lehrkräfte bei regionalen Lehrerfortbildungen multiplizierbares Wissen weitergeben könnten.

Bei den meisten Schilfs orientieren wir uns allerdings nicht an Themen, sondern an Personen. Wir wollen Expertise entdecken und machen so das Angebot attraktiv - mit einer pauschalen Abfrage der Bedarfe hatten wir das nicht hinbekommen. So gehen wir auf Einzelne zu und fragen einfach, ob Sie etwas anbieten wollen. Fun fact: fast keiner unserer Experten hat ein Vertrauen in seine Expertise "eigentlich mach ich das gar nicht so gut" - und es ist fast immer klasse.
Manche Kolleg:innen kommen von selbst und schlagen ein Thema vor, das sie zeigen oder in das sie sich einarbeiten wollen. Sandra und ich sammeln die Angebote und versuchen das mit unseren Entwicklungsplänen zusammen zu bringen. Das ist ein sehr langer Prozess, bis wir dann alle Themen und Lehrkräfte in einer Liste haben. Wir beginnen mit den Planungen meist schon im März und haben dann eine fertige Liste gegen Ende des Schuljahres. Je nach Stundenplan werden zu Beginn des Schuljahres noch kleine Änderungen vorgenommen, aber bei der Lehrerkonferenz hängt dann der Plan aus, so dass man gleich zu Beginn seine drei Termine fix machen kann. 

Verbindlichkeit und Anreiz

Nachdem nun beinahe die Hälfte aller Kolleg:innen Mikro-Schilfs anbietet, soll diese Arbeit auch mit Teilnahme honoriert werden. Gleichzeitig hat jeder Lehrer eine Fortbildungspflicht, die so abgedeckt werden kann. So muss jeder Lehrer an unserer Schule 3 dieser Mikro-Schilfs besuchen. Alternativ können auch andere Fortbildungen (z.B. eSessions an der Stabsstelle, elearning-Kurse, RLFB, ...) besucht werden. Durch die Einhaltung des Schilf-Besuchs haben wir auch schon auf einen pädagogischen Halbtag verzichtet, der ja oft auch nur durch ein Workshop-Angebot von Lehrern für Lehrer organisiert wäre. 

Neben der Pflicht ist aber das facettenreiche Angebot zum Anreiz geworden. Auch die Tatsache, dass die bekannten Kolleg:innen etwas erzählen, reißt gleich von Beginn an Mauern ein. Darüber hinaus habe ich das Gefühl, dass es auch attraktiv geworden ist, eine solche Schilf zu halten. 

Dennoch gibt es auch Stimmen, die diese Pflicht als übertrieben ansehen und denen die Verortung der Schilf direkt nach Unterrichtsschluss ein Dorn im Auge ist. Hierzu finden wir aber keine Lösung, weil die Mehrheit zu einem späteren Zeitpunkt nicht anwesend sein könnte.

Auswirkungen und Konsequenz

Ich will hier noch nicht behaupten, dass wir "new work"-Strukturen geschaffen hätten. Dazu fehlt an Schulen noch sehr viel. Allerdings ist es ein weiterer Schritt zur gemeinsamen Vernetzung und zur kooperativen Schule. Es findet hier Austausch über Unterrichtspraxis statt, Neuerungen werden kritisch reflektiert und dennoch erprobt. Es ist gar nicht immer nötig, dass sich eine ganze Schule im Gleichschritt weiterentwickelt. Manchmal reichen auch viele kleine Parzellen. Diese entstehen oft durch so kleine gemeinsame Nachmittagstermine. Nicht selten finden dann auch weitere Termine statt, die die Schulleitung nur am Rande mitkriegt. Mein Highlight: die Kolleg:innen, die sich nach einer Fortbildung noch einmal zu Kaffee und Kuchen trafen, um etwas zu vertiefen. Mittlerweile öffnen wir unsere Angebote auch für andere Schulen, selbst hybride Mikro-Schilfs haben wir schon stattfinden lassen. Manche Kolleg:innen lesen sich vorab in Publikationen ein oder recherchieren nach Erfahrungsberichten im Internet. Ein klein wenig entdecken wir auch den Forscher in uns. 

Aber: es braucht jemanden, der den Hut aufhat und den roten Faden durch alle Abteilungen der Schulfamilie zieht. Daher muss man viel über die Schule wissen, einen Chef haben, der einen machen lässt und viele Gespräche führen, um zu wissen, wo es hinlaufen soll. Selbst unser Plan deckt z.B. noch wenig Elternarbeit oder soziale Phänomene ab. Bildung ist so facettenreich, dass man es leider nicht mal ansatzweise mit einem solchen Plan schulen könnte. Aber es ist ein Anfang, der den Unterricht weiterentwickeln und Themen der Schulentwicklung anbahnen kann. Langfristig braucht es da Kapazitäten vor Ort, einen didaktischen Leiter oder gleich einen Schilf-Koordinator. Außerdem sollte man immer erst nach Angeboten beim eigenen Schulamt suchen. Oftmals gibt es da bereits Referent:innen, die erste Themen an die Schule tragen können. Bei uns sind jetzt ein paar Referentinnen auch im Schulamt tätig, weil sie sich mit Ihren Mikro-Schilfs ausgezeichnet haben. 

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Vernetzung im kabellosen Lehrerraum

Wie wahrscheinlich sehr viele Schulen machen wir uns seit Jahren Gedanken, wie wir unsere Klassenzimmer am besten mit der uns anvertrauten Technik nutzen können. Die ganz Progressiven werden sagen: Räume und Schulhäuser müssen komplett neugestaltet werden - der Meinung bin ich auch. Aber solange wir nur dieses eine Schulhaus zur Verfügung haben, verändern wir halt das zu einer neuen Lernkultur - so gut es geht. Gleichermaßen könnte man auch gleich das Pult aus dem Raum verbannen - mein Unterricht kommt ohne Lehrertisch aus. Allerdings ist in unserem Lehrerraumprinzip der Tisch auch Arbeitsplatz. Daher haben wir entscheiden, es drin zu lassen und dennoch den Unterricht von überall im Klassenzimmer ohne Kabel zu vernetzen. 
Wir haben nun einen Weg gefunden, der vielleicht der ein oder anderen Schule weiterhelfen könnte - von anderen haben wir uns inspirieren lassen oder sammeln weiter Eindrücke, die unsere Räumen optimieren.

Dreh- und Angelpunkt in unserem System ist das Stehpult. Dort laufen alle Kabel im Klassenzimmer zusammen, so dass das höhenverstellbare Lehrerpult kabellos ist. Man kann durch eine entsprechende Auswahl an einem Umschalter auswählen, welches Signal vom Beamer verwendet werden soll. Es gibt die Dokumentenkamera, einen EZCastPro zur Übertragung von Android/Microsoft-Geräten, einen Apple-TV für die Übertragung der Apple-Geräte und ein HDMI-Kabel für schnelle Anschlüsse. Damit sich keines der Geräte aufhängt, ist die komplette Technik im Stehpult und der Beamer mit einem Schalter für Strom-aus verbunden. Der Ton wird beim Beamer über den Audio-Ausgang abgegriffen und an die Stereoanlage geschickt, so läuft auch bei der kabellosen Übertragung der Ton im bekannten Format. Zur Sicherheit liegt auch ein Klinkenkabel am Stehpult. So kann jeder Lehrer mit seinem Lehrerdienstgerät und auch jeder Schüler mit seinem Tablet (1:1-Ausstattung in 2 Jahrgangsstufen) seine Ergebnisse präsentieren und muss dabei nicht am Lehrerpult sein. Das ändert auch unsere Rolle als Lehrer, weg vom Lehrerpult, rein ins Klassenzimmer. Meine Inhalte können jetzt ja überall übertragen werden. 

Probleme mit der vorherigen Ausstattung

Ich bin an meiner Schule u.a. für die Systemadministration zuständig. Daher ging es schon immer bei meiner Arbeit um die Instandhaltung der Technik in den Klassenzimmern. Folgende häufige Probleme führten dazu, dass man etwas ändern musste:

  • der Ton kam fast nur über den Beamer, trotz Anlage. Beim kabellosen Übertragen wird der Ton mit übertragen und die Lautsprecher der Beamer sind (bei uns) mies. -> Ton wird per Klinkenkabel an die Anlage geschickt.
  • wir hatten enorme Ausgaben für Kabel. Immer wieder brach das HDMI-Kabel, weil Tische diese einklemmten, Stecker unsachgemäß verwendet wurden, höhenverstellbare Tische unsachgemäß benutzt wurden... Bei einem HDMI-Kabel von 15 Metern Länge sind das Kosten, die kein Mensch braucht -> daher kein Kabel auf dem Lehrerpult.
  • EZCastProII soll eigentlich alle Formate übertragen. Beim Übertragen von Apple-Geräten ist dazu ein WLAN mit Internet im EZCast erforderlich. Dieses wiederum verlieren die immer wieder und ich muss es nachjustieren. Ergo: zwei Übertragungssysteme. Weil aber nur ein HDMI-Anschluss an den Beamern ist: ein Switch im Stehpult (bei uns der Aten HDMI Switch) der mit einem Kabel an den Beamer angeschlossen wird und die Signale der anderen Geräte verteilt. So gehen bis zu vier Geräte an einen Beamer.
  • Technik Pult mit Geräten und Kabeln. Wir Lehrer hatten am Lehrerpult eigentlich kaum mehr Platz: Laptop, Doku-Cam, Kabel, ... fast jeder nahm einen zusätzlichen Tisch dazu, um Platz zu haben. -> die Technik in das Stehpult und das Lehrerpult zurück auf Anfang zum Arbeiten.
  • Lehrer als Coach frontal am Lehrerpult. Ich bewege mich als Lehrer immer durch das ganze Klassenzimmer, bin nie an einem Ort länger. Im schülerzentrierten Unterricht darf Übertragung nicht lehrerzentriert nur am Lehrerpult möglich sein. -> zuverlässiges System zur kabellosen Übertragung für jeden. 
  • Dokumentenkamera-Projektionsfläche im Rücken. Viele Kollegen forderten, dass die DokuCam seitlich genutzt werden kann. Also richteten wir das Stehpult so ein, dass man fortan von der Seite auf die Klasse blickt und damit auch die Projektionsfläche sehen kann.
  • Umschalten zwischen zwei Eingängen. Mit dem Umschalten am Switch (fest verbaut) fällt das lästige Suchen nach der Fernbedienung des Beamers zum Umschalten zwischen zwei Signalen weg. 
  • freie Stecker und Kabel. Wenn irgendwann mal etwas nicht funktionierte, probierten die Betroffenen alles Mögliche aus und bei meinem Eintreffen musste ich erst wieder alle Stecker an den richtigen Ort bringen. Daher sind jetzt alle Kabel im Stehpult versteckt und nur ich habe den Schlüssel.

Das Stehpult und sein Innenleben


Die oberen beiden Fächer sind für die Kolleg:innen frei zugänglich. Unten drin ist die Technik verbaut und der Deckel kann abgenommen werden. Der Switch ist verklebt und damit fest. Sollte man mal einen größeren Switch brauchen, können die Holzleisten ummontiert werden. Im Schrank gibt es eine Steckdosenleiste (die war früher am Lehrerpult) und einen Mehrfachstecker. Alle Geräte liegen im unteren Fach und sind per HDMI an den Switch angeschlossen. Über den Boden geht ein HDMI-Kabel an den Beamer. Das ausgelegte Klinkenkabel geht über den Boden an die Stereoanlage. Das Stehpult ist fest auf den Boden geschraubt und kann nicht verrutscht werden. Es hat eine Fensterbreite Abstand zu den Fenstern. Die Dokumentenkamera ist so positioniert, dass man von der Seite und von vorne übertragen kann (unsere Dokumcam kann nur in zwei Richtungen geschwenkt werden)

Anschlüsse am (alten) Beamer

Ein HDMI-Kabel (mehr Anschlüsse hatten wir eh nicht) führt über die Decke und den Boden zum Switch im Stehpult. Der Ton wird über Audio-Out (Cinch) und die Decke zur Anlage geschickt. Dort wartet ein y-Stecker an der Stelle, wo auch das Klinkenkabel vom Stehpult ankommt. So wird jeweils der passende Ton am gleichen Eingang übertragen. 

Das VGA-Kabel, das früher zur Dokumentenkamera lief steckt noch, wird aber nicht mehr benötigt. 

Beschaffung und Kosten

ca. 1 Jahr haben wir überlegt, geplant und gezeichnet. Florian Klein (Werkenlehrer/Systembetreuer), Herr Koch (Hausmeister/Elektriker) und ich (erw. Schulleitung/Systembetreuer) haben nicht so lange dafür gebraucht, wir kamen einfach nicht immer dazu weiterzudenken. 

1 weiteres Jahr brauchte es, bis es dann auch die Kosten genehmigt wurden und ein weiteres halbes Jahr, bis die Herstellung und die Einkäufe fertig waren.

Ungefähre Kostenaufstellung:

Stehpult: 900 €; Höhenverstellbarer Tisch 500 €, Switch (Aten HDMI) 60 €, Elektroninstallation 250 €, Barhocker 70 €, AppleTV 160 €.
Was wir schon hatten: Beamer, DokuCam, EZCastProII, Soundanlage, bestehende Verkabelungen. 

Bisher sind es (leider) nur 6 Klassenzimmer auf diesem Weg. Der Rest folgt nächstes/übernächstes Kalenderjahr 2023. Und dann hoffentlich weniger Wartung und Instandhaltung als vorher. 

 

Nachtrag 2023: Alternativ zum EZCast/AppleTV wäre der Airserver bzw der Cynap geschickt und gut. Diese können anders als der EZCast auch per LAN ins Netz gebracht werden und halten dadurch natürlich die Verbindung besser. Dann gehen auch beide Systeme auf jedem einzelnen Gerät. Vom Strom muss man sie trotzdem regelmäßig nehmen. Geräte im Dauerstrom brauchen einfach manchmal eine Erholung :-)

 

Nachtrag 2024: alle (möglichen) Klassenzimmer sind ausgestattet. haaaaach :-)

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Tabletklassen - vernetzen, vernetzen, vernetzen...

Mit dem Pilotversuch "Digitale Schule der Zukunft" bekamen wir die einmalige Chance, unsere Ideen für zeitgemäßen Unterricht in einem größeren Kontext anzugehen. Mit u.a. reichlich Unterstützungsmaterial von Seiten des Ministeriums und Fördergelder für die elternfinanzierten Geräte wollen wir im neuen Schuljahr 9 Schulklassen zu so genannten Tabletklassen machen. Mit zwei solcher Klassen hatten wir im letzten Jahr schon sehr gute Erfahrungen gemacht, mit dem Einsatz von BYOD und Leihtablets in Koffern sind wir schon seit Jahren auf dem Weg, Unterricht anders zu denken - mal mehr , mal weniger erfolgreich. Die Magie des (digitalen?) Lernens hat sich aber erst so richtig eingestellt, als Schüler:innen Ihr eigenes Gerät in den Unterricht mitgebracht haben.

Gleichzeitig haben sich daraus aber auch neue Herausforderungen ergeben. So war uns auch klar, dass mit dem Pilotversuch (erneut) ein Prozess  angeschoben werden muss, der aus den Erfahrungen heraus viele Vorbereitungen braucht. Da wir an unserer Schule schon immer Aufgaben auf möglichst viele Schultern verteilen und Entwicklungen immer möglichst kooperativ denken, war es meine Aufgabe, Teams für die Umsetzung einzelner "Baustellen" zu finden. Der Charme liegt darin, Aufgaben einerseits besser zu stemmen (weil anders nicht machbar) und andererseits durch viele Teilgeber eine Kultur des Machens leichter zu aktivieren. Im Folgenden möchte ich zusammenfassen, was wir alles versucht haben zu berücksichtigen. Vielleicht hilft das ja der ein oder anderen Schule, eigene Prozesse auf dem Weg zur 1:1-Ausstattung zu reflektieren. 

 

Schulung der Schüler:innen

Im Laufe der ersten Tabletklassen haben wir gemerkt: eine einheitliche Schulung zu Beginn des Schuljahres wäre hilfreich gewesen. Während z.B. der Book Creator mehrfach in einzelnen Fächern geschult wurde hatten viele Schüler:innen am Ende des Schuljahres immer noch kein ordentliches System, Ihre erstellten Dokumente wiederzufinden.  

Unsere Chrissy Glöckler hat sich dann Gedanken gemacht, welche Inhalte vorab alle Schüler:innen brauchen: z.B. Login Lernplattform, Datei-Ablage, Nutzung Notizbuch, Dokumente gemeinsam bearbeiten,... Es wurden daraus so viele Inhalte, dass ein pädagogischer Tag ins Leben gerufen wurde. Passend zum digitalen Arbeiten wurden diese Inhalte in eine Vorlage zum selbstständigen Erarbeiten auf die Lernplattform gepackt. So kann jeder Schüler selbst mit Arbeitsaufträgen die Tipps und Tricks ausprobieren, der Lehrer betreut und hilft gegebenenfalls - die Kids aus den Tabletklassen des letzten Jahres stehen zur Hilfe bereit. Damit ist auch in Zukunft eine Einführung nicht abhängig vom Lehrer, sondern kann in die Verantwortung der Schüler:innen gelegt werden. Einen tollen Kurs zur ersten Nutzung der Tablets hatte das BDB-Team aus Oberfranken erstellt (DAAAAAANKE) - leider nur für Schulen in Bayern nutzbar. Den haben wir einfach in unsere Schüler: innen-Schulung integriert. Ressourcen so oft wie möglich zu schonen muss dauerhaft das Ziel eines jeden Projekts sein.

Schulung der Kolleg:innen

Seit Jahren setzen wir auf Mikro-Schilfs, um auch unsere Lehrer:innen fit für den Unterricht zu machen. Mit den beiden Tabletklassen haben sich auch neue Standards (Nutzung Lernplattform, Kursnotizbuch,...) aber auch neue Herausforderungen ergeben (Produktionsorientierung, Prüfungsformate,...). Daher wollen wir natürlich auch die Kolleg:innen auf den aktuellen Stand bringen, die nicht ein Jahr lang Erfahrungen mit den Tabletklassen sammeln konnten. Ich habe einfach Lehrer:innen aus den Tabletklassen gefragt, welche Standards man unbedingt an die Kolleg:innen weitergeben müsste. Daraus haben sich einige Schilfs ergeben, die wir jetzt am ersten pädagogischen Tag anbieten wollen. Um Nachhaltigkeit zu erzeugen, werden diese Fortbildungen aber auch in unserem Mikro-SchiLF-Konzept weitergeführt. Sehr wahrscheinlich können wir im nächsten Jahr noch mehr anbieten. Denn eines haben wir mit Sicherheit gelernt: Unterricht in Tablet-Klassen ist niemals gleich, jeder Lehrer schickt seine Schüler:innen auf eine andere Lernreise. Daher werden wir im nächsten Jahr auch wieder neue Ideen weitertragen können, die wir heute noch nicht kennen. 

Nutzungsordnung - technisch und pädagogisch

...und dann hatten wir einfach zwei Tabletklassen und die schalten das einfach an, wann sie wollen. Ziemlich schnell war uns klar, dass allein das Vorhandensein eines privaten Gerätes im Unterricht nicht automatisch alles erlaubt, was das Gerät kann. Also hat die liebe Sybille Ziegler gemeinsam mit einem Team einen "Leitfaden für das digitale Zusammenarbeiten" entworfen. Das war gar nicht so einfach, zu viel Eingriff auf private Geräte sollte man nicht nehmen und bei Verfehlungen Geräte abnehmen verhindert vielleicht das praktische Arbeiten in der nächsten Stunde. Gleichzeitig wollen wir auf den Gängen und im Klassenzimmer keine Kids, die ständig den Bildschirm aufklappen. Am Ende gestaltet der Lehrer in seiner pädagogischen Verantwortung seinen Unterricht und dann kann es auch sinnvoll sein, das Gerät im Schulranzen zu belassen oder es für digitale Lernaufgaben zum Unterrichtsgegenstand werden zu lassen. Manchmal entscheidet das auch der Schüler in Projekten selbst. Dies alles hat das Team im Leitfaden versucht zusammenzubringen. Das ist vor allem sehr hilfreich, um im Schulterschluss der Schulfamilie einen geeigneten Einsatz immer wieder auf die Probe zu stellen und zu hinterfragen. Vielleicht ist unser Leitfaden deshalb auch nie fertig oder offen genug für vielfältige Möglichkeiten. Einen Maßnahmenkatalog wollten wir verhindern, wir wollen die Kids ja beim Gut-Sein erwischen und nicht das Scheitern dokumentieren - was einzelne Maßnahmen bei Verfehlungen aber nicht ausschließen soll. Für die rechtliche Nutzungsordnung bekamen wir Unterstützung vom Ministerium. 

Pädagogische Standards?

Standards für Unterricht in Tablets zu setzen ist sehr problematisch, am Ende wollen wir keinen Einheitsbrei. Dennoch haben wir während der coronabedingten Schulschließungen auch gelernt, dass Dinge zu Hause bzw. digital ganz gut funktionieren. Also haben wir in der Schulleitung beschlossen, dass in den Tabletklassen (und gerne in den anderen Klassen auch) die Unterrichtsmaterialien (Arbeitsblätter, Arbeitsaufträge, Methoden,...) immer auf der Lernplattform zu finden sein müssen. Sei es um z.B. mit diesen selbstständig Lernaufgaben zu bewerkstelligen, den Unterricht vor-/nachzubereiten oder (un)verschuldet verpasste Unterrichtsinhalte nacharbeiten zu können. 

Darüber hinaus sollen in regelmäßigen Abständen digitale Lernaufgaben konzipiert werden. Danke an dieser Stelle an das ISB in Bayern für dieses wording und die vielen Beispiele. 

Ein offene Haltung für Neues, die Vernetzung in den Fachschaften und darüber hinaus, die Zusammenarbeit der Kolleg:innen um Vorbereitungszeit zu sparen, der Austausch über gute Praxisbeispiele,... soll zum Standard beim Unterrichten und Reflektieren des Unterrichts werden. In einer "Pädagogischen Checkliste" haben wir diese Ideen und "Standards" zusammengetragen.

Schulung/Unterstützung der Eltern

Beim ersten Elternabend zur Einführung der Tabletklassen kam gleich die Frage auf, wie wir gedenken, die Eltern in der privaten Nutzung der Geräte zu unterstützen. Einerseits gibt es hier wieder wundervolle Angebote des Ministeriums, um "die Medienerziehung in den Familien in den Blick zu nehmen" andererseits fanden wir auch auf der Homepage der Realschule Großostheim tolle Tutorials zur ersten Aufsetzung von gekauften Geräten. Auch hier: Jonas Herold und seine Kolleg:innen haben hier so starke Arbeit verrichtet, dass wir die Videos einfach 1:1 so auch an unsere Eltern weitergeben. Eine große Hürde stellte sich in der Kommunikation mit den Eltern dar: digital versendete Elternbriefe wurden nicht gelesen, analog ausgedruckte kamen nicht daheim an, Rückmeldungen waren nicht richtig,... In Sachen Elternarbeit sehen wir einen starken Nachholbedarf bei entsprechenden Projekten. Was uns hier an Argumenten gegen Tablets entgegengebracht werden würde, war uns so vorher nicht bewusst. Damit meine ich nicht die offensichtlichen Gefahren, Probleme und Verlockungen, die auch uns vor eine große Herausforderung stellen, sondern attackierend vorgetragene Falschbehauptungen. Wenigstens eine Kritik haben wir als Lob aufgenommen, sie zeigt aber auch den Bedarf an einer Diskussion mit den Eltern, was Lernen heute bedeuten soll.  Am Ende zeigte sich aber auch, dass die lauten Kritiker die einzigen waren und eine sehr große Mehrheit die Eltern hinter dem Weg der Schule stand.

Nutzung der Geräte im Lehrerraum

Uns ist es wichtig, dass die Vernetzung mit dem Klassenzimmer auch mit den Schülergeräten funktionieren soll. Daher planen wir seit Jahren parallel zu den Tabletprojekten auch die kabellose Nutzung unserer Klassenräume. Im Juli wurden jetzt die ersten fertig gestellt und mit den elternfinanzierten Geräten und den Lehrerdienstgeräten ergeben sich jetzt sehr viele neue Möglichkeiten für die Unterrichtsgestaltung und -präsentation. Man ist nicht mehr an das Pult mit Kabeln gebunden, sondern kann da etwas zeigen, wo man steht. Jeder.

Gleichzeitig hatten wir auch recherchiert, wie man die Schulbücher auf die Tablets bekommen könnte. Pro Jahr würde es uns pro Schüler 38 € kosten - das ist finanziell nicht machbar/vertretbar. Auch deshalb setzen wir nächstes Jahr wieder auf das (Klassen-)Lehrerraumprinzip. Dann nämlich können Klassensätze mit Bücher auch im Raum verbleiben und die verliehenen zu Hause. Ein neues Gerät on top im Schulranzen kann nur gut sein, wenn auf andere Weise dort Platz gespart wird. Mit den aktuellen Lizenzierungsmodellen der Verlage ist das aber fast nicht möglich. Da hoffen wir auf Vidis und den Bildungslogin. Viele Kolleg:innen haben sich aber auch schon vom Schulbuch gelöst, da bleibt es abzuwarten, wie die Entwicklung weitergeht.  

Technische Checkliste

Wir haben ein MDM im Hintergrund. Unsere Systembetreuerin Nicole Nägele hat sich zusammen mit dem verantwortlichen Systembetreuer beim Sachaufwandsträger ein System überlegt, wie die größtmögliche Freiheit auf den privaten Geräten gewährt und gleichzeitig bestimmte Apps, Restriktionen während der Schulzeit und ein Wiederfinden von verlorenen/gestohlenen Geräten gewährleistet werden können. Dazu brauchte es viele Überlegungen und Testungen und vielleicht finden wir die Balance aus passender Nutzung erst zu einem späteren Zeitpunkt. Aber ohne Administration der Geräte wollten wir nicht in den Pilotversuch starten, auch wenn es dafür ähnlich gute Argumente gibt. Als Standard gilt bei uns ein Tablet von Apple, eine Tastatur, ein Stift und eine Versicherung. Damit haben wir einfach die letzten Jahre gute Erfahrungen in der breiten Akzeptanz gemacht.

Aufgabe der Schulleitung

Ich habe mit Stefan Vielweib den besten Schulleiter, den man sich vorstellen kann. Er lässt mich das alles bisher Genannte organisieren und wenn er am fertigen Produkt etwas anders machen würde, verbessert sich das Ganze noch einmal.

Schulleiter haben viel zu viele Aufgaben und unvorstellbare Problemstellungen zu bewältigen, als dass sie Zeit für die Umsetzung eines solchen Großprojekts hätten. Daher ist es deren Aufgabe, konstruktiv zur Seite zu stehen, die Ideen der Kolleg:innen mitzutragen und zu erkennen, dass alle in der Schulfamilie dazu gehören und nicht nur Einzelkämpfer, die die Arbeit übernehmen. Haushaltsgespräche, Mitarbeitergespräche, die Schule und die Kolleg:innen nach Außen vertreten, mitzubekommen, wer alles gute Arbeit macht... -> ein guter Schulleiter weiß, dass er keine Zeit hat und erwischt seine Kolleg:innen beim gut sein bzw. hält Ihnen den Rücken frei, wenn möglich. 

Allerdings muss man hier auch erwähnen, dass die Organisation des Pilotversuchs unfassbar viel Zeit frisst. Auch wenn man die Aufgaben auf seine Kolleg:innen verteilen kann, einer muss den Hut aufhaben und die Ideen zusammenbringen/vernetzen. Diese Rolle fehlt in meinen Augen. In Hamburg z.B. gibt es den didaktischen Leiter, der wäre prädestiniert für so eine Aufgabe. Vor allem hätte es den Charme ein derartig technisches Projekt pädagogisch und didaktisch zu denken. Ich hoffe, dass in Bayern zukünftig eine solche Rolle geschaffen wird. Sollten wirklich irgendwann einmal alle Schüler ein Gerät in der Hand halten, kann das auch ein gut organisiertes Schulteam nicht mehr schaffen. Ich bin mehrfach in der Organisation an meine Grenzen gestoßen - obwohl ich die Arbeit wirklich nicht scheue. 

Fazit

Man kann nicht einfach nur Tablets kaufen lassen beim Pilotversuch, aber einen fertigen Plan kann auch keiner haben. Aber überall gemeinschaftlich mit einer beta-Version zu starten kann aus einem Versuch eine Schul- und Unterrichtsentwicklung anstoßen. Vernetzte Kollegen können bei anderen Lehrer:innen und Schulen spicken und profitieren, vernetzte Kollegien können sich der Herausforderung gemeinschaftlich stellen. Und das ist für mich der größte Auftrag bei jedem Projekt der Schulfamilie. Einer allein kann das alles niemals schaffen und dann fehlt vielleicht auch die Rückendeckung. Gemeinsam kann ein Flow entstehen und vor allem kann eine kooperative und vernetzte Schule ein großes Vorbild für die Schüler:innen von morgen sein. Fehler sind menschlich und perfekt ist kaum mehr erreichbar. Keine Ahnung, was in ein paar Jahren besser gewesen wäre, wir haben halt jetzt angefangen. Auch das ist für die Erwachsenen von morgen wichtig: sich Problemen zu stellen und das bestmögliche rauszuholen. Die Welt ändert sich zu schnell, als dass wir auf perfekt warten können. 

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(Meine) 10 Chancen. Die bleiben!!!

Ich bin ein unverbesserlicher Optimist. Das kann man als Vorteil sehen, war aber in den letzten Monaten ganz schön anstrengend. Denn in der öffentlichen Wahrnehmung lief Vieles falsch. Richtig machen konnte man es fast nicht mehr, denn dann gab es wieder jemanden, der das auch schlecht fand. 

Die coronabedingten Schulschließungen waren tatsächlich eine enorme Belastung, die Auswirkungen auf unsere Schüler:innen und auch uns Lehrkräfte werden wir wahrscheinlich nach und nach aufarbeiten müssen. Aber für mich haben sich in den letzten Monaten auch sehr viele Chancen entwickelt. Diese wollte ich für einen Vortrag zusammen fassen. Zuerst wollte ich drei, dann fünf aufzählen, aber am Ende musste ich mich sogar auf 10 reduzieren. Wahrscheinlich sehe ich die Welt manchmal auch durch einen rosa Filter, aber einige Dinge haben sich auch (wirklich?) zum Guten gewendet. Die sollen bleiben, die dürfen nicht wieder weg wenn wir so langsam wieder zum "normalen Unterricht" zurück gehen: 

 

1 asynchron + synchron

Wir haben gelernt, dass manche Dinge zu Hause sehr gut funktionieren, dass die Schüler:innen in ihrem eigenen Tempo auch sehr gut arbeiten konnten (hinführende Aufgabe, Kreativaufgaben, Recherche, Ergebnissicherung,...). Bei manchen Elementen haben wir uns aber stark gewünscht, wieder in ein Klassenzimmer zusammen zu kommen (Diskussionen, pair-share, Beziehungsarbeit, Feedback,...) - auch wenn es manchmal selbst digital gut geklappt hat. Für die Zukunft sollten wir Unterricht neu rhythmisieren mit dem, was wir während den Schulschließungen gelernt haben: was kann man in seinem eigenen Tempo (besser) und wo braucht es das Zusammenkommen im Klassenzimmer. Wie kann ich die Präsenz aufwerten, die alle so schmerzlich vermisst haben? Wir haben jetzt den einzelnen Schüler entdeckt und dennoch hat der Dialog viel zu oft gefehlt. Diese Erkenntnis sollten wir als Chance für die zukünftige Unterrichtsgestaltung nutzen. 

2. Lernerlebnisse schaffen - Wirksamkeit erzeugen

Mit dem Distanzunterricht mussten wir auch unsere Aufgabenkultur überdenken. Je mehr wir unseren Kids zugetraut haben, desto mehr konnten sie auch über sich hinaus wachsen. Bei einer Projektarbeit im Fach Mathematik habe ich nach dem Konzept "Lernen durch Lehren" meine Schüler:innen in Gruppenarbeit Videos erstellen lassen. Die meisten Ergebnisse waren toll und auch die für den Mathematikunterricht wichtigen Kompetenzen konnten gestärkt werden. Es ergaben sich damit Möglichkeiten, das Lernen auch zu messen. 
Meine Chance: Die Schüler:innen mehr zum Mitgestalter werden lassen. Das muss nicht immer ein großes Projekt sein, sondern kann auch mit einer kleinen Kreativaufgabe zu Beginn eines Lernszenarios starten. Die Kids können so viel, aber man muss es ihnen auch zutrauen. Vielleicht klappt das nicht gleich beim ersten Mal gut, aber dann bauen wir halt eine zweite Schleife ein und probieren es noch einmal. Viele Beispiele und Ideen in dieser Hinsicht findet man auch auf pruefungskultur.de

3. Beziehungsebene

"Ich kenn jetzt viel mehr von meinen Schülern, die von mir natürlich auch. Wir durften überall so einen Blick hinter die Kulissen wagen und es war gar nicht so gefährlich." Ich glaube so wie meiner Kollegin Gabriele ging es vielen Lehrer:innen. Wir haben teilweise mehr über einzelne Schüler:innen erfahren, als wir das vorher hinbekommen haben. Mein Erfahrung: Wenn Du zu Deiner Klasse eine gute Beziehung aufgebaut hattest, dann hat es auch im Distanzunterricht besser geklappt. Anders herum, Lehrkräfte, die im Distanzunterricht eine Klasse neu bekamen, taten sich oft schwerer.

Das sich kümmern, füreinander da sein, das braucht aber auch Zeit. Daher sollten wir Unterricht so planen, dass viel Zeit für den Dialog ist, dass wir immerzu miteinander im Austausch sind. Das überfordert aber vielleicht auch, denn alle individuell abzuholen könnte bei über 100 Schüler:innen pro Woche auch schwer werden. Daher braucht es die Beziehungsebene im Kollektiv: im Kollegium, mit den Eltern, Sozialarbeiter:in, Schulpsycholog:in,... Schule soll auch das Soziale Miteinander stärken durch Menschen, die sich kümmern. Woher die Zeit nehmen? Ich werde die Chance nutzen und mich mehr um das Begleiten kümmern, und werde Content und Unterrichtsmaterial auch von anderen Kollegen verwenden.  

4. Lob der Selbstständigkeit/Selbstdisziplin

Ich habe das Gefühl, dass meine Kids viel selbstständiger geworden sind, sowohl meine eigenen Kinder als auch meine Schüler:innen. Ist es nicht genau das, was wir unseren Schüler:innen beibringen sollen? Lernen sich selbst zu helfen?

Dazu benötigen die Kids aber auch Selbstdisziplin, die ich als Lehrkraft einfordern muss. Ein gefährliches Terrain, denn Pädagogik und Disziplin sind schon zu oft vermurkst worden. Ich bin ein großer Verfechter des freiheitlichen Ansatzes: gib den Schüler:innen so viel Freiheit wie möglich, lass sie kreativ sein, gib ihnen Flügel zum Fliegen. Wir haben aber auch gelernt, dass die Ablenkungsmöglichkeiten im Distanzunterricht zahlreich sind. Gegen Netflix, TikTok oder Fortnite kann die Diskussion im Religionsunterricht oder das Schreibgespräch in Deutsch nicht mithalten. Daher ist es auch wichtig, die Kids ins Boot zu holen. Chancengerechtigkeit heißt, keinen verloren gehen zu lassen. Bevor jemand gut sein kann, muss er auch dabei sein. Deswegen fördere ich nicht nur, ich fordere auch ein. Dann aber feiere ich alles, was klappt und versuche jeden beim Gut-sein zu erwischen. 

Das sollte bleiben: Die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung so oft wie möglich zu fördern, aber auch einzufordern. 

5. Lernräume öffnen

Das Lernen der 8d ist gar nicht an das Klassenzimmer gekoppelt, wir können überall lernen. Mit dem Verlagern der Arbeitsaufträge und den Unterrichtsinhalten konnte Unterricht jetzt überall stattfinden. Gleichzeitig sind in den virtuellen Räumen auch Schüler:innen über sich hinausgewachsen, haben sich stärker eingebracht als zuvor. Lernen ist das geworden, was das Internet schon immer versprochen hatte: orts-, raum- und zeitunabhängig. 

Tatsächlich muss man sich fragen, wie dieses (individuelle aber auch kooperative) Lernen zurück im Klassenzimmer mit 30 Schülern funktionieren soll. Vielleicht brauchen wir mehr Räume und Rückzugsgebiete für jeden (wie z.B. in Wutöschingen) Das kann man aber auch jetzt schon annähern, wenn man sich über das Fachraum-/Lehrerraumprinzip Gedanken macht. Warum nicht die Draußenschule mitdenken? Warum nicht durch Virtuelle Realitäten, die Welt ins Klassenzimmer holen (Beispiel Synagogenbesichtigung der Digitalen Relitanten), oder mit Partnerschulen sich online verabreden, Experten per ViKo ins Klassenzimmer holen, mit erweiterten Realitäten (AR) mehr sichtbar machen,... Der Lebensraum, der virtuelle Raum und der Unterrichtsraum haben sich angenähert und das darf auch so bleiben. 

6. Fortbildungsboom

In Bayern wurde im September die Stabsstelle aus dem Boden gestampft: seither (Stand Mai 2021) gab es 900 eSessions mit 150 000 Anmeldungen. Eine derartige Reichweite wäre vor Corona kaum denkbar gewesen. Ideen und Impulse konnten so in viele Lehrerzimmer getragen werden. Mit Jogginghose zur Fortbildung, mit dem Kind auf dem Schoß, beim Kochen oder auf der Couch: Lehrer:innen sind sehr motiviert, sich weiterzubilden, wollen Unterricht neu denken, aber am Ende haben wir halt zu wenig Zeit, um Fortbildungen in Präsenz mit langen Fahrten anzugehen. Gleichzeitig gibt es aber so viele weitere tolle Fortbildungsangebote: Selbstlernkurse beim E-Learning-Kompetenzzentrum, das Infoportal von mebis, Distanzunterricht vom ISB, Podcasts aus der Wissenschaft über die Schulberatung, Informationsseiten vom KM, uvm.. Es ist genug für alle da, aber noch nicht alle haben diese Möglichkeiten wahrgenommen. Langfristig sollte man den Austausch vor Ort in den Mittelpunkt der Weiterentwicklung setzen. Den Fortbildungsboom mitnehmen und sich dann vor Ort über Gelingensbedingungen austauschen oder gemeinsam ausprobieren. Mit einem Mikro-Schilf-Konzept den Dialog über Unterricht suchen: jeder kann was oder hat im Distanzunterricht als Lehrer etwas dazu gelernt. Jetzt sollte man dem auch Raum geben darüber zu sprechen, damit es nachhaltig wird. 

7. Zusammenarbeit der Lehrkräfte

"Oh Gott, wie sollen wir das alles schaffen?" berechtigte Frage in diesen herausfordernden Zeiten. Viele von uns sind am Limit, lange darf diese Form nicht mehr weitergehen. Langfristig sollte man sich daher Gedanken machen, wie man sich Zeit sparen kann. Für mich heißt die Antwort seit Jahren: gemeinsam anpacken, Strukturen für die Zusammenarbeit anlegen. Nicht jeder muss den Unterricht neu erfinden, man muss halt nur zufrieden sein mit dem, was ein anderer Kolleg fabriziert hat. Auch das ist in den letzten Monaten passiert: man hat gemeinsam neue Wege getestet, hat Materialien ausgetauscht, Unterricht abwechselnd geplant,... Diese Chance sollten wir strukturell angehen und Kooperationen langfristig planen. Wir sollten als Lehrer nicht diejenigen sein, die sich im "Content-erstellen-Hamsterrad" verlieren, sondern wir sollten ganz viel Zeit für die Begleitung unserer Schüler:innen haben. Gleichzeitig sind kooperative Lehrkräfte oder ist eine kooperative Schule ein gutes Vorbild für unsere Kids. Über meine Tipps für eine Lehrerkooperation hatte ich im letzten Monat gebloggt. 

8. Wertschätzung des Digitalen

Das Digitale ist gar nicht so schlimm wie immer befürchtet, es stecken viele Chancen darin. Die Digitalisierung an Schulen hat einen enormen Boost erfahren durch die Schulschließungen. Wir haben auch gelernt, dass unsere Schüler:innen manchmal gar nicht so digitalkompetent sind, wie wir uns das vorgestellt haben: richtig recherchieren, Plattformen intuitiv nutzen, sich bei der Zusammenarbeit an Gesprächsregeln halten bzw. auch virtuell für ein Gelingen sorgen, Lernprodukte digital erstellen, das eigen Handeln oder das Netz an sich zu reflektieren,... Diese Kompetenzen zur Medienbildung haben Einzug in den Unterricht erhalten und dürfen nicht mehr weg. Digitale Bildung bedeutet nicht Unterricht digital zu machen, sondern die Kids auf die Lebens- und Berufswelt von morgen vorzubereiten. Ein guter Pädagoge kann mit Technik jetzt noch viel besser unterrichten, gute Technik braucht aber auch einen guten Pädagogen, dass sie sinnvoll genutzt wird. Pädagogik und Technik!

Und tatsächlich hat trotz Schulschließung so etwas wie Weiterentwicklung von Unterricht stattgefunden. Wenn wir diese Chancen jetzt auch im "normalen Unterricht" nutzen,...

9. Ehrliches Reflektieren der eigenen Wirksamkeit

Mit dem Distanzunterricht hat es den Verstärker der Wirksamkeit gegeben: Manches hat super geklappt, Einiges so lala und Manches gar nicht. Tatsächlich gibt es zahlreiche Studien und Veröffentlichungen zur Wirksamkeit von Unterricht und Digitalen Medien. Einfach nur digital machen darf uns nicht ausreichen, die Wirksamkeit dahinter sollte immer wieder ehrlich in Frage gestellt werden und an die eigene Klasse angepasst werden. Dazu könnten wir den Wissenschaftler in uns entdecken. Wenn Praktiker und Wissenschaftler in einer Lehrkraft aufeinander treffen, kann sich dabei viel Magie entwickeln. Wenn im Unterricht oder in der Schule etwas nicht funktioniert, ist es auch an Dir etwas zu ändern. 

Auch hier sehe ich den Teamgedanken als essentiell: Gelingensbedingungen aufstellen, im wertschätzenden Umgang den Dialog suchen,... wir haben so viel gelernt im letzten Jahr, meistens aus Fehlern. Diesen Mut zu Fehlern und daraus zu lernen, den wollen wir uns nicht mehr nehmen lassen. 

10. Die Chance als Chance sehen

Wenn man glaubt, alles irgendwie hinzubekommen bzw. dass alles gar nicht so schlimm ist, dann hat man auch eine Krise gut meistern können. Da wir Lehrer auch Vorbild sind, schauen die Kids mehr auf unsere Charakterzüge als uns lieb ist. Meine Erfahrung: Wenn du ihnen viel Mut und Optimismus entgegenbringst, dann klappt das ein oder andere vielleicht auch besser. In Deutschland haben wir ein bisschen das Problem, alles etwas düsterer und kritischer sehen. Das ist in vielerlei Hinsicht auch wichtig/richtig, aber manchmal täte uns ein wenig mehr Optimismus auch gut. In den letzten Monaten hatte ich mich ganz oft auch ganz viel geärgert. Aber seit Jahren begleitet mich ein Gebet, das ein amerikanischer Theologe verfasst hat:
Gott, gib mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Das prägt mich: ich kann das Stoßlüften nicht ändern, Corona ist nicht auf meinem Mist gewachsen, dass die Kindern manchmal lieber bei TikTok sind als in meinem Unterricht werde ich nicht ändern,... Aber ich kann jeden Tag einen Funken entfachen. Vielleicht ist morgen der Tag, an dem (m)ein Schüler den ersten selbstständigen Schritt macht, vielleicht lächelt mich heute einer an, weil ich ihn anlächle... Ich werde die Probleme der Welt nicht lösen, aber ich kann in meiner Klasse alles dafür tun, dass meine Kids lernen, an sich zu glauben. Die Chance als Chance sehen. 

10 Chancen habe ich für mich gefunden und ich glaube ich hätte noch viel mehr finden können. Was habe ich vergessen?

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Lehrerkooperation - machen statt wollen

  • Es muss ja nicht jeder das Rad neu erfinden.
  • Man sollte sich die Arbeit aufteilen, allein ist das kaum mehr gut hinzubekommen.
  • Man lernt am besten, wenn man etwas gemeinsam macht.

So oder so ähnlich hat man es die letzten Monate immer wieder gehört. Traurig aber wahr, bezüglich gemeinsamer Unterrichtsvorbereitung gibt es bis heute (noch) nicht sehr viele komplexere Kooperationsvorhaben. Man hat das Gefühl, Lehrer:innen müssen das Material für ihren Unterricht eher selbst zusammenstellen/gestalten. Dabei hat man gerade in Zeiten der coronabedingten Schließungen gemerkt, dass die Begleitung und die Aktivierung der Schüler:innen im Mittelpunkt stehen sollte und der Content und die Arbeitsaufträge auch von Kollegen stammen können. Gleichzeitig lernt man als Lehrer sehr früh, dass verschiedene Sozialformen in kooperativen Settings einen höheren Lernerfolg versprechen (können). Beim eigenen Unterricht lässt man sich aber ungerne über die Schulter schauen, man würde es eigentlich auch ein wenig anders machen und überhaupt, was denken denn die Schüler:innen, wenn das Material von einem anderen Lehrer kommt.

Echte Kooperationsstrukturen findet man heute meiner Wahrnehmung nach eher selten. Meist stellt einer alle seine Dateien auf einer Festplatte zur Verfügung und andere sollen die verwenden oder auch etwas dazu laden. 

Wir (8 Lehrer von 2 Schulen, heute ca. 50 von 8 Schulen) hatten vor vier Jahren beschlossen, Unterrichtsvorbereitung in Kooperation zu denken. Dabei entstand nicht nur viel tolles Material, sondern noch vieles mehr: wir ertrugen es, dass man auch anders unterrichten kann; wir lernten uns aufgrund der Distanz virtuell zu organisieren; wir reflektierten unseren eigenen Unterricht und waren froh um die neuen Impulse der anderen; wir wurden effizienter und konnten uns gleichzeitig mehr auf die Begleitung unsere Schüler:innen konzentrieren,...

Aber am Allerwichtigsten: wir lernten die Magie der Kooperation kennen und haben heute vielleicht mehr Vertrauen in unsere Schüler:innen als vorher, dass die das auch können. Lernen funktioniert oft im Team am besten, warum soll das immer nur für die Gruppenarbeit im Unterricht gelten?

Ich schreibe diesen Blogartikel gerade und bereite gleichzeitig bereits die Kooperation für das Schuljahr 2021/2022 vor. Man muss weit im Voraus beginnen, sich im Klaren sein, was man will und bereits planen, welche Schritte und Treffen noch vor dem eigentlichen Schuljahr getätigt werden sollen. Beginnt man eine solche Zusammenarbeit am ersten Schultag des neuen Schuljahres, ist es bereits zu spät. Der Alltag holt einen so schnell ein, dass für eine Zusammenarbeit nebenher oft viel zu wenig Zeit bleibt. Aber ich möchte auch noch einige andere Tipps mit auf den Weg geben, damit vielleicht auch Eure Kooperation gelingen kann. Unsere Zusammenarbeit hakt zwar auch noch an der ein oder anderen Stelle, aber mit einem ordentlichen Kraftakt zu Beginn, haben wir viel Magie rund um die Lehrerkooperation erfahren können. Vielleicht auch Du/Ihr?  

#1 Weg vom ich, hin zum wir

Ich: "Nicky, nimm doch mein ganzes Material, ist schon alles fertig."
Nicky: "Nein danke, was denken denn da die Schüler. Dass ich es selbst nicht kann?"

Ich: "Und wenn Du ein Kapitel machst und ich eines und wir nehmen es gegenseitig?"
Nicky: "Dann bin ich dabei!"
So lief das Gespräch mit meiner hochgeschätzten Kollegin. Kooperation soll nicht heißen, ich gebe Dir alles meins. Man muss sich zuerst davon lösen und das Wir akzeptieren. Bin ich bereit, das Material und die Arbeitsaufträge eines anderen einfach so zu verwenden?

#2 Team(-leiter) finden

In meinen Augen ist es wichtig, dass die Freiwilligkeit einer solchen Kooperation essentiell ist. Wer will mitmachen? Lieber klein beginnen, als sehr viel zerren müssen. Unsere Partnerschule hatte sogar eine Exit-Strategie: man testet ein paar Wochen und gegebenenfalls geht man wieder zurück - diese wurde allerdings nicht genutzt.

Gleichzeitig braucht es auch Teamleiter, irgendjemand muss sich verantwortlich fühlen und zumindest die organisatorische Gestaltung übernehmen. 

#3 Gemeinsamen Nenner finden - auch extern

Klar ist, dass jeder Lehrer seine pädagogische und didaktische Kreativität voll einbringen sollte. Gleichzeitig kann es dann aber auch sehr unübersichtlich werden. Daher hatten wir uns auf ein paar Standards geeinigt, dass ein roter Faden erkennbar ist. Gerade für Schüler:innen ist eine wiederkehrende Struktur wertvoll, um am Ende wirklich eigenverantwortlich und selbstständig arbeiten zu können. Aber auch wir Lehrer profitieren davon, weil man sich einfach in das Material des anderen einarbeiten kann. Keine Idee für gemeinsame Standards? Dann ab in die Fortbildung: als Team kann man sich verschiedenste fachdidaktische Impulse anhören und sich dann für einen gemeinsamen Plan zusammensetzen. Gemeinsam neu denken, gemeinsam anpacken, aber das schon weit im Voraus, dass man auch Zeit für die tatsächliche Gestaltung hat. 

#4 Projekt mit Rückendeckung

Es hat sich bei uns bewährt, dass von Anfang an die Schulleiter hinter uns standen. Das Projekt mit 2 Schulen, 8 Lehrern und 280km Distanz zueinander startete offiziell mit einem Telefonat der beiden Schulleitungen. Es wurde eine gemeinsame Freistunde geschaffen, um einen echten Austausch zu fördern. Das erzeugte von Anfang an Verbindlichkeiten, aber auch Rückendeckung. An den anderen Schulen gibt es zuweilen sogar eine Ermäßigung bzw. einen freien Tag für einzelne Lehrkräfte. Man muss es nicht so groß aufziehen, aber eine Kooperation ohne Wissen oder gar Anerkennung der Schulleitung ist wahrscheinlich sehr viel schwieriger umzusetzen. 

#5 Schülerzentrierte Strukturen

Wir wollten barrierefreies Arbeiten, Unterrichtsmaterial, das direkt eingesetzt werden kann. Also legten wir all unsere Links, Videos, PDFs, Arbeitsaufträge, h5ps, sonstige Textfelder,... so an, dass Sie bereits direkt an die Schüler freigeschaltet werden konnten. In einem gemeinsamen Redaktionskurs wurde von allen Lehrern gesammelt und dies dann in die digitalen Klassenzimmer der einzelnen Lehrkraft mit seinen Schüler:innen (bei mebis) kopiert (vielleicht auch Manches ergänzt oder weggelassen). Didaktische Hinweise oder Lehrermaterial wurde eingerückt und somit für jeden gekennzeichnet. Natürlich stellten wir nicht einfach nur Material online, wir überlegten uns immer, wie der Schüler möglichst kompetenzorientiert und selbstständig damit lernen kann. Mehr dazu hatte ich in diesem Blogartikel zusammengefasst. 

#6 Early bird

Fang früh an, sonst klappt es nicht. Wenn Du etwas gut machen willst - und vor anderen Lehrkräften will sich keiner die Blöße geben - kannst Du nicht eine Woche davor starten. Daher planen wir immer schon ab Ostern, verteilen ab Pfingsten die Themen und starten manchmal auch schon im alten Schuljahr mit der Gestaltung der Kurse. Neuankömmlinge warnen wir immer vor: wenn ihr es just in time macht, klappt es nicht oder es endet im Vollstress. 

#7 Feedback und Wertschätzung

Meiner Meinung nach geschieht Unterrichtsentwicklung schon dann, wenn man sich austauscht und miteinander redet. Daher versuchen wir immer wieder unsere Methoden zu reflektieren und uns in gemeinsamen Videokonferenzen Feedback zu den einzelnen Sequenzen zu geben. Wie lief es bei Dir/bei Euch? Kritisiert ist oft schnell, aber dadurch dass jeder etwas beiträgt steht im Mittelpunkt eine hohe Wertschätzung für die getane Arbeit. Nur wenn wir gemeinsam etwas besser machen täten, ändern wir es ab. Manchmal habe ich dabei auch gelernt, dass es an mir liegt, wenn etwas bei meinen Schüler:innen nicht ankommt und nicht an der Aufbereitung der Kollegen:innen. 

#8 Verbindlichkeiten schaffen

Wer dabei ist, macht mit. Einfach nur Material bekommen zählt nicht. Man bekommt ein Jahr Eingewöhnungszeit, aber dann trägt man (verpflichtend) seinen Teil dazu bei. Selbst ein Kapitel erstellen, zuarbeiten, Jahrgangskurse korrigieren,... Wenn etwas fehlt, fragen wir nach. Gleich zu Beginn eines Jahres erwarten wir auch, dass im Voraus erstellt wird. 

#9 Workflow (mit Checkliste)

Damit die Zusammenarbeit funktioniert, gibt es eine Checkliste: mit Zugängen zu den Kursen, inhaltliche Standards, Tipps zur Umsetzung, Links zur Themenverteilung, Kontaktmöglichkeiten,... Diese reicht aus, dass man weiß worum es geht (für Neuankömmlinge). Über Chats organisieren wir weitere Treffen, die Basis ist unsere Checkliste. 

#10 Fehler zulassen

Bisher war noch kein Kapitel fehlerlos, zwei weitere sind nicht vollständig, eines müssen wir nochmal ganz überarbeiten, didaktisch ist auch nicht alles so sinnvoll, wie wir das mal dachten. Aber das macht nichts. Jeder nimmt sich aus dem Redaktionskurs das, was er gut findet und brauchen kann, tendenziell ist eher zu viel Material dabei, als zu wenig. Fehler gehören zum Lernen dazu. Auch unsere Kooperation hat Mäkel (Warum nicht Teams statt mebis?), die nicht alle Teilnehmer begeistern. Wir wollten halt nicht auf Perfektionismus warten, bevor wir loslegen, wer weiß, wann es dann gestartet hätte.

Fällt Euch noch etwas zur Ergänzung ein?

Wenn ich in einer Fortbildung unsere Kooperation vorstelle, habe ich danach immer ein paar Anfragen, ob ich noch weitere ähnliche Projekte kenne. Traurig aber wahr, ich kenne nur sehr wenige. Dabei sollte die Zusammenarbeit unter Lehrkräften auch hinsichtlich der eigenen Gesundheit weiter verbreitet sein. Doch dazu braucht es Kollegen, die (mit-)machen und nicht nur wollen. Wie gut hätte es vielen im Distanzunterricht getan, wenn solche Strukturen bereits etabliert gewesen wären.

Mit diesem Blogpost will ich einerseits ermutigen, andererseits aber auch beschreiben, dass für eine gelingende Zusammenarbeit eine gesunde Portion Vorarbeit und reflektierter Austausch von Nöten sind. Dann aber kann etwas entstehen, dass einen persönlich und im Team weiterbringt. Das beste: am Ende lernen die Schüler:innen - vielleicht auch am Vorbild des kooperativen Lehrers. 

Tausend Dank an dieser Stelle der Gregor-von-Scherr-Schule in Neunburg vorm Wald mit Ferdinand für diesen gemeinsamen Weg. Danke an alle Schulen, die seitdem so aktiv daran teilhaben: 
Realschule am Europakanal Erlangen 

Städtische Realschule Weißenhorn

Franz-Xaver-von-Schönwerth-Realschule Amberg 

Ludwig-Fronhofer-Schule Ingolstadt 

Staatliche Realschule Feucht 

Staatliche Realschule Trostberg 

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Praxisbericht Schülerprodukte im Distanzunterricht - kreativ und kooperativ

Schon seit ein paar Jahren versuche ich immer wieder mit kleineren Projekten die Schüler:innen aktiv werden zu lassen. Kurz vor Schließung der Schulen im Dezember wollte ich nun ein größeres Projekt mit meinen Kids in der 8. Klasse durchführen:
Sie erarbeiten sich in Gruppenarbeit selbst ein Thema, überlegen sich, wie sie die Inhalte an Klassenkameraden weitergeben könnnen und erstellen kooperativ ein Produkt in Form eines Erklärvideos (Alternativen möglich). Die Idee geht in die Richtung "Lernen durch Lehren": Die Schüler:innen werden selbst zum Lehrer und müssen Ihre Materialien so aufbereiten, dass Klassenkameraden damit etwas verstehen können. Gleichzeitig wurden schnell die Schulen geschlossen, dass die Gruppenarbeit auf Distanz verlagert werden musste Dadurch erhoffte ich mir auch einen weiteren Kompetenzgewinn hinischtlich virtueller Zusammenarbeit und Kommunikation. Damit es für die Schüler:innen auch eine Relevanz hat, kündigte ich eine mündliche Note auf alle Produkte an - ich will zwar Lernen nicht an Noten fest machen, muss aber auch dies bedienen.
Die Reaktion der Schüler war positiv: "Wir schreiben dann echt einen Test weniger, wenn wir Ihnen zusammen was erstellen?" Die Motivation war da - traurig - aber gelernt wird halt immer noch dann, wenn am Ende eine gute Note rauskommen kann. Wenn die wüssten, dass Sie dadurch (in meinen Augen) mehr lernen, als durch das Auswendigpauken auf einen Test...
Im Folgenden werde ich meine Abfolge und Ideen zusammenfassen und reflektieren. Vorweg: ich hatte mir immer Feedbackschleifen eingebaut, damit ich weiß, was gerade in der Gruppe getan wird. Ich wollte nicht, dass ich am Ende der zwei Wochen (schließlich wurden es drei) erst merke, dass Gruppen nichts getan haben. Davon hat ja keiner was und von der Erfahrung hatte ich davor schon lernen müssen.

Transparenz und Einführung

Ich dokumentierte alle Arbeitsanweisungen auf mebis. Gleichzeitig besprach ich aber die Inhalte auch noch im Unterricht (die Schließung kam erst einen Tag nach Projektbeginn). Es beschwerten sich einige, dass dies zu viel zu lesen war, aber tatsächlich hatte ich alle Anweisungen auch mündlich abgegeben. Auf Distanz hätte ich das wohl in einer Viko transportiert. Ausführlich ging ich auf die Bewertungskriterien ein: jeder sollte in der Gruppe (von mir festgelegt) Kontakt aufnehmen und seinen Teil dazu beitragen. Neben dem Fachlichen war mir aber auch eine kreative Auseinandersetzung, die Sprache und die technische Qualität wichtig. Die Schüler:innen stellten hier zahlreiche Fragen. Das Wichtigste für die Schüler: "So einfach war es in Mathe ja noch nie, eine gute Note zu bekommen." (im ersten Lockdown hatte ich ähnliche Projekte, die durfte ich nur rechtlich nicht bewerten).

Gruppenbildung und Organisation

Das Thema "Gleichungen" zergliederte ich in sechs Bausteine und wies diese den Gruppen zu. Die Gruppen setzte ich so zusammen, dass die meisten gut miteinander konnten und in jeder Gruppe mindestens einer dabei war, der technisch bzw. mathematisch zu den besseren gehörte. Möglichkeiten zur technischen Organisation zeigte ich Ihnen anhand von zumpad, Teams und Word/PowerPoint online in einem Video. Eine Gruppe nutzte Signal, wahrscheinlich manche andere auch whatsapp, facetime... Ich erwähnte zwar mehrfach den datenschutzrechtlichen Aspekt, aber wenn private und schulische Kommunikation aufeinander trifft, gehen viele noch den bequemsten und nicht den sichersten Weg. Nachdem das virtuelle Zusammenarbeiten geklärt war, arbeitete sich jeder in sein Thema ein und versuchte auch mit seinen Gruppenteilnehmern zusammen die Inhalte zu begreifen. Hier gab es auch die erste Feedbackschleife: Schüler:innen mussten mir mitteilen, was sie gelernt haben, wie sie sich organisierten und welche Probleme es dabei gibt/gab. Schon da merkte man ein wenig, dass nicht alle (aber die meisten) sich gleichermaßen in die Gruppen einbrachten, macnhe erfüllten diesen Schritt durch das Schreiben von zwei Zeilen.

Bedienbarkeit und Datenschutz

In der nächsten Etappe ging es um die Auswahl des Produkts: Durch welches Tool soll es gestaltet werden?

Damit alle gleichermaßen informiert sind, habe ich Erklärvideos zu Tools aus dem Internet genommen und auch eigene erstellt. In einer Videokonferenz stellte ich die Vorzüge einzelner Programme noch einmal gegenüber. Leider fokussierten sich die meisten auf PowerPoint. Stop Motion, Adobe Spark,... wurde nicht genutzt. Das liegt wohl daran, dass ich als ihr Lehrer selbst diese Variante wähle und die Kids durch das Unterrichtsfach IT die Basics von PowerPoint beherrschten. In einer 6. Klasse hatte ein ähnliches Projekt deutlich facettenreichere Ergebnisse.

Darüber hinaus wurde mehrfach betont, dass aus Datenschutzgründen kein Name und kein Gesicht in den Videos zu sehen sein soll. Hier musste man allerdings oft nachbessern. In der zweiten Feedbackschleife stellten mir die Kids das weitere Vorgehen vor und ich konnte Tipps und Tricks, bzw. auch bei der Aufteilung der Aufgaben Hinweise geben. Leihgeräte hätten durch die Schule zur Verfügung gestellt werden können, wurden aber nicht in Anspruch genommen. Man konnte mit Smartphone, Tablet oder Laptop arbeiten.  

Produkt erstellen und Prozess reflektieren

Angelegt war das Projekt auf sechs Unterrichtsstunden (in zwei Wochen). Vor Ende der Ferien wäre Abgabe gewesen, allerdings wurde uns da untersagt Noten zu machen, so dass ich die Abgabe auf die Woche nach den Ferien legte. Frewillig durften aber alle schon vorher abgeben (die Ankündigung mit den Nicht-Noten kam einen Tag vor der Abgabe). Ich hätte dann ein erstes Verbalfeedback gegeben, so dass die Gruppen sich entscheiden konnten, ob sie daran noch weiterarbeiten wollten. Das kam mehreren Gruppen zu Gute, waren doch die ersten Versuche oft noch fehlerhaft oder manchmal sogar komplett am Thema vorbei. Für das nächste Mal werde ich mir genau das vormerken. Abgabe nach zwei Wochen, Rückmeldung dazu geben und dann noch einmal um eine Woche verlängern, etwas angelehnt an die "master or die" - Variante des hochgeschätzten Kollegen Björn Nölte. Denn das, was danach noch verbessert und damit auch gelernt wurde ist viel höher anzusetzen, als die bestrafende Note, die ich nach zwei Wochen hätte geben müssen. Das fertige Produkt wurde auf einem padlet allen Klassenkamerad:innen zur Verfügung gestellt, jeder musste aber noch individuell eine Rückmeldung zum Arbeitsprozess geben. Hier hakte ich des Öfteren nach, da diese Rückmledungen zu knapp ausfielen oder vergessen wurden. Dadurch konnte ich mir aber ein gutes Bild machen. Meine Lieblingsreflexion: "Ich habe mich um die technischen Aspekte gekümmert, Ton und Video zusammengeschnitten und noch etwas herumkonvertiert. Wahrscheinlich hatte ich am Wenigsten zu tun, aber das konnte ich halt." Das Ergebnis war der Hammer, denn die anderen hatten Ihre Expertisen woanders eingebracht und so wurde von drei Teilnehmern ein tolles Ergebnis erzielt, weil sie ihre Arbeit auch sinnvoll aufteilen konnten. Auch die beiden anderen meldeten, dass sie eigentlich wenig tun mussten.

Fazit

Ich hatte nicht nur tolle Produkte, sondern auch Noten (das war nicht meine Prio ist aber im Kontext Schule schwer von Lernen zu trennen). Es wurde für das Fach Mathe ein Erkenntnisgewinn erzielt, der im folgenden eigenständigen Erarbeiten der anderen Themen mit den Klassenkameraden geteilt werden konnte und nebenher wurden weitere Kompetenzen gewonnen. Auswirkung: manche blieben im Anschluss in Ihren Gruppen und organiserten sich bei weiteren Hausaufgaben gleichermaßen in Videokonferenzen.
Ich für mich sehe einen enormen Arbeitsaufwand bei der Vorbereitung und viel Unsicherheit in meiner Begleitung während des Prozesses. Die dritte Woche hat da Sicherheit hineingebarcht und die Ergebnisse haben mich stolz gemacht. Die Noten fielen viel besser aus als beim letzten Test. Dennoch bleibt eine kleine Ungewissheit bezüglich gerechter Aufteilung. Ich kann am Ende nicht sehen, ob Mama und Papa mitgeholfen haben oder einer alles machte, die Reflexionen aber dann fair auf alle verteilt wurden. Bei manchen habe ich dann noch angerufen, um mir ein besseres Bild zu machen.
Die Magie des Lernens steckte im Prozess. Das umzusetzen ist aber alles andere als einfach. Daher möchte ich hier nicht nur nach Projekten rufen, sondern diese auch machen. Dafür dürfen Sie meine Herangehensweise nicht als gesetzt sehen und einfach nachmachen, sondern vielleicht muss man ein wenig daran schrauben, dass es zu Ihnen und Ihren Schüler:innen passt. Sich Feedback zu holen ist da ein toller Weg, um das eigene Arbeiten zu reflektieren. Für mich war es arbeitsintensiv aber definitiv gewinnbringend. Nur alleinlassen durfte ich Sie nie. Hätte ich auf Fragen gewartet, wäre wahrscheinlich seltener etwas gekommen. Für mich heißt Projektarbeit und Lernen auch (Ein-)Fordern und Fördern. Manche brauchen die größtmögliche Freiheit und mit manchen spricht man erst ein paar direkte Worte, bevor dann auch wirklich etwas passiert - das Maß zu finden ist eine weitere Schwierigkeit.

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