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Lese-Ansicht

Axel Hoppenbrock – „Auf den Unterricht kommt es an.“

Axel Hoppenbrock – „Auf den Unterricht kommt es an. Die Ursachen des PISA-Desasters und wie unser Bildungssystem wieder leistungsfähig wird“, Kohlhammer, 182 Seiten 2026

Die Qualität des Unterrichts hat eine Schlüsselrolle im Bildungsauftrag der Schule. Das ist eine der zentralen Thesen von Axel Hoppenbrock. Nach dem jüngsten „PISA-Desaster“ widmet er sich der Optimierung des Systems Schule, vor allem aber des Unterrichts selbst, in einem „Weckruf“, wie Andreas Schleicher das Buch nennt.

Die Basisdimensionen des Unterrichts, also Klassenführung, konstruktive Unterstützung und kognitive Aktivierung, sind für Hoppenbrock die zentralen Bausteine besseren Unterrichts. Besonders anschaulich wird das, wenn er Unterrichtsgespräche aus der Forschung analysiert. Sie zeigen, wie schnell ein lebendig wirkendes Gespräch zum Erraten des richtigen Begriffs wird. Zugleich stellt er deutlich fest, dass guter, engagierter Unterricht Fachwissen und Zeit braucht. Kolleg:innen, die sich diesem Anspruch widmen, arbeiten entweder weit über das normale Maß hinaus oder gehen in Teilzeit, weil die Belastung schlicht zu hoch ist. Immer wieder wird spürbar, dass die vertretenen Thesen gelebt sind: Die Basisdimensionen bleiben keine Phrasen ohne Füllung, sondern werden durch eigene Erfahrungen untermauert.

Starke Kritik übt Hoppenbrock an symptomatischen Einzelprojekten im Bildungsbereich, denen er ein Gesamtkonzept gegenüberstellt. Dazu gehören gezielte Fachdidaktik ab dem ersten Semester, früher Praxisbezug, ein reduziertes Deputat und die Entlastung von unterrichtsfremden Aufgaben, nachhaltigere Fortbildung und ein qualitätssensibles Laufbahnkonzept nach dem Vorbild Singapurs. Mit diesen und weiteren sehr konkreten Vorschlägen formuliert er seinen „Dream“ von einer Schule, die Qualität in den Mittelpunkt stellt. Nicht alles davon wird sich schnell umsetzen lassen, und zur Finanzierung bleibt es bei allgemeinen Hinweisen. Beim Laufbahnmodell wäre zudem zu klären, wer Unterrichtsqualität für eine Beförderung beurteilt, ohne dass kollegiales Feedback unter Druck gerät.

Hoppenbrock schreibt als Praktiker, nicht als Wissenschaftler. Das macht das Buch zugänglich. Manche Belege sind allerdings eher Erfahrungsbericht als Forschungsbefund, und die Beispiele stammen überwiegend aus Gymnasium, Mathematik und Naturwissenschaften. Wer theoretisch vertiefen möchte, findet in der IBBW-Reihe „Wirksamer Unterricht“ den passenden Rahmen.

Es ist ein ermutigendes Buch, weil es nie um eine Schuldfrage geht. Stattdessen zeigt es allen Beteiligten, wie sie in ihrem Bereich wirken können: von politischen Strukturen über Hochschulkonzepte und die Perspektive der Eltern bis zum Engagement der einzelnen Lehrkraft. Der Autor macht deutlich, dass es immer möglich ist, zu handeln und Qualität als Anspruch für die Zukunft zu stärken. Lesenswert ist es für Lehrkräfte, die ihren Unterricht reflektieren wollen, für Ausbildende an Seminaren und Hochschulen und für alle, die über die Zukunft der Lehrerbildung mitdiskutieren.

Alex Weller

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Lern- und Lesepfade für das Schreiben- und Lesenlernen in der Grundschule

Wie lassen sich digitale Medien sinnvoll mit dem Schreiben- und Lesenlernen in der Grundschule verbinden? Mit dieser Frage haben sich Studierende der Universität Vechta im Seminar „Schreiben und Lesen lernen mit digitalen Medien“ beschäftigt.
Im Rahmen des Seminars haben die Studierenden eigene digitale Lern- und Lesepfade für den Einsatz in der Grundschule entwickelt. Dabei sind Materialien entstanden, die Kinder beim Lesen- und Schreibenlernen unterstützen und digitale Lernangebote mit analogen Aufgaben und Arbeitsblättern verbinden. Von Silbendetektiven über Wortarten, Rechtschreibbereiche und Kurzgeschichten zum Thema „Mutig sein“, so ist für alle Altersstufen der Grundschule etwas dabei. Die Kinder lernen dabei nicht nur Inhalte des Faches Deutsch, sondern auch selbstgesteuert und in ihrem eigenen Tempo zu arbeiten sowie den Umgang mit digitalen Medien. So können die Förderung von Schreib- bzw. Lesekompetenz und Medienkompetenz zielführend miteinander verbunden werden.
Die entstandenen Lern- und Lesepfade geben Einblicke in die vielfältigen Möglichkeiten, digitale Medien didaktisch sinnvoll in den Deutschunterricht der Primarstufe einzubinden.

Neugierig geworden? Auf der Projektseite im ZUM-Grundschullernportal gibt es einen Einblick in die entstandenen Materialien:
👉 Zu den Lern- und Lesepfaden der Universität Vechta

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Astronomie im Unterricht ohne Teleskop: kostenlose Browser-Werkzeuge

Astronomie hat ein Problem im Schulalltag: Der Unterricht findet tagsüber statt, der Sternenhimmel nachts. Ein Teleskop hat kaum eine Schule, und selbst wenn, hilft es um 10 Uhr morgens wenig. Die gute Nachricht: Für die wichtigsten Grundlagen braucht es gar keins. Größen, Abstände, Sternbilder und die Frage „Was sehe ich heute Abend?“ lassen sich mit ein paar kostenlosen Werkzeugen im Browser erarbeiten.
Wir stellen hier fünf davon vor. Alle laufen ohne App, ohne Konto und ohne Anmeldung, also auch auf Schul-Tablets und am Whiteboard. Eine Übersicht aller Werkzeuge finden Sie auf der Seite kostenlose Astronomie-Tools von Sterngucker.de.

1. Planetenweg-Generator: das Sonnensystem auf dem Schulhof

Die meisten Schulbuch-Abbildungen haben einen Haken: Die Planeten sind groß, die Abstände winzig. Dadurch entsteht ein falsches Bild. Wie leer das Sonnensystem wirklich ist, begreifen Kinder erst, wenn sie es ablaufen.
Genau dafür ist der Planetenweg-Generator gedacht. Sie geben die verfügbare Strecke ein, etwa 10 m im Flur, 100 m auf dem Schulhof oder einen Kilometer für einen Ausflug. Der Generator rechnet alle Stationen maßstäblich aus. Bei 100 m steht die Erde nur gut 3 m von der Sonne entfernt und ist knapp 0,3 Millimeter groß, während Neptun erst am Ende der 100 m kommt. Dieses Verhältnis bleibt hängen.
Dazu gibt es fertiges Material als PDF: Stationskarten, eine Wegtabelle, ein Arbeitsblatt und ein Lehrerpaket mit Lösungen. Sie wählen Klasse 3–4, 5–6 oder 7–9 sowie eine Stunde von 45 oder 90 Minuten, die Aufgaben passen sich an. Bei Regen funktioniert die 10-Meter-Variante mit einer Schnur im Flur.

Abbildung 1: Der Planetenweg für 100 m Strecke mit allen Stationen und Durchmessern.

2. Interaktive Sternenkarte: der Himmel für jeden Ort und jede Uhrzeit

Die interaktive Sternenkarte zeigt den Himmel für ein frei wählbares Datum, eine Uhrzeit und einen Ort in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Sternbildlinien und Namen lassen sich ein- und ausblenden. So können Sie im Klassenraum zeigen, wie der Himmel heute Abend um 21 Uhr über Ihrem Schulort aussieht.
Im Unterricht eignet sich die Karte gut, um die Drehung des Himmels sichtbar zu machen: Die Uhrzeit in Stundenschritten weiterstellen und beobachten, wie die Sternbilder um den Polarstern wandern.

Abbildung 3: Die interaktive Sternenkarte mit Sternbildlinien.

3. Heute am Himmel: Was ist heute Abend zu sehen?

Die Seite „Heute am Himmel” beantwortet die Frage, die Schülerinnen und Schüler am häufigsten stellen: „Was kann ich heute sehen?“ Sie zeigt, wann Mond und Planeten gut stehen, wann die ISS vorbeizieht, wann es richtig dunkel wird und welche Sternschnuppenströme gerade aktiv sind. Den ungefähren Standort ermittelt die Seite aus der IP-Adresse; gespeichert wird er nicht.
Daraus entsteht eine einfache Beobachtungs-Hausaufgabe: Am Vormittag gemeinsam nachsehen, welcher Planet abends sichtbar ist, und zu Hause mit bloßem Auge suchen.

Abbildung 4: Sichtbarkeit von Mond und Planeten im Verlauf einer Nacht.

4. Sternbilder-Spiel: Sternbilder erkennen üben

Sternbilder lernt man durch Wiederholung. Das Sternbilder-Spiel fragt 30 Sternbilder ab, die von Mitteleuropa aus zu sehen sind: als Strichfigur, als Name oder als reines Sternmuster ohne Linien, so wie am echten Himmel. Für jüngere Kinder gibt es einen Kinder-Modus mit großen Figuren und nur zwölf auffälligen Sternbildern. Der Fortschritt bleibt im Browser, eine Anmeldung ist nicht nötig.

5. Sternschnuppen-Kalender: Beobachtungsabende planen

Sternschnuppen sind der einfachste Einstieg in die echte Himmelsbeobachtung, denn man braucht nur die Augen. Der Sternschnuppen-Kalender listet alle Meteorströme mit dem Datum des Maximums nach dem Kalender der International Meteor Organization (IMO). Außerdem zeigt er, ob der Mond in der jeweiligen Nacht stört.
Ein guter Termin für ein Beobachtungsprojekt sind die Geminiden in der Nacht vom 14. auf den 15. Dezember 2026. Der Mond geht dann früh unter, und der Strom steht schon am späten Abend hoch am Himmel.

So passen die Werkzeuge zusammen

  • Einstieg: Planetenweg auf dem Schulhof, um Größen und Abstände zu begreifen.
  • Vertiefung: Sternenkarte am Whiteboard, um die Himmelsdrehung zu zeigen.
  • Übung: Sternbilder-Spiel als Wiederholung, auch zu Hause.
  • Beobachtung: Heute am Himmel und Sternschnuppen-Kalender für eine Hausaufgabe am Abend.

Alle Werkzeuge sind kostenlos und auf einer Seite gesammelt: www.sterngucker.de/tools/. Hintergrundwissen zu den einzelnen Planeten finden Sie in unserem Überblick zum Sonnensystem.

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