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Finanzbildung (Teil 3): Was ist ein ETF? – Geldanlage einfach erklärt

16. Oktober 2026 um 06:00

ETFs werden in sozialen Medien und in der Werbung häufig als einfacher Weg zum Vermögensaufbau dargestellt. Doch stimmt das immer? Auf Basis der folgenden Unterrichtsidee (ca. 45 min, optional erweiterbar auf 90 min) könnt ihr Chancen und Risiken von ETF mit eurer Lerngruppe erarbeiten.

Vorwissen und Ziele

Vor der Auseinandersetzung mit dem Thema ETF benötigen eure Lernenden ein Grundverständnis von Aktien. Nutzt hierzu zum Beispiel die Unterrichtsidee aus Teil 2 unserer Finanzbildungs-Serie. Aufbauend auf diesem Grundverständnis können eure Lernenden nun untersuchen, warum die Streuung über viele Unternehmen das Risiko einer Geldanlage vermindern kann und warum sich ETFs hier besonders anbieten.

In meiner Banking AG beobachte ich, dass die Jugendlichen oft schon von der Anlageform ETF (z.B. durch soziale Medien) gehört, aber das Konzept noch nicht vollständig erfasst haben. Zudem ist vielen Lernenden das Risiko nicht bekannt. Insgesamt ist das Interesse an dem Thema sehr groß.

Wie bei allen Unterrichtsimpulsen zur Finanzbildung gilt: Ziel ist die Entwicklung von finanzieller Urteilsfähigkeit, nicht die Empfehlung konkreter Finanzprodukte.

Einstieg (5 min)

Beginnt die Unterrichtsstunde mit einer einfachen Frage:

„Stellt euch vor, ihr müsst zwanzig rohe Eier nach Hause transportieren. Würdet ihr alle Eier in einen einzigen Korb legen oder sie lieber auf mehrere Körbe verteilen?“

Schnell dürfte deutlich werden: Wer alle Eier in einem einzigen Korb transportiert, riskiert, sämtliche Eier auf einmal zu verlieren. Wer sie hingegen auf mehrere Körbe verteilt, kann den möglichen Schaden begrenzen.
Bittet eure Lernenden, dieses Bild auf den Handel mit Aktien zu übertragen: „Ihr habt 1.000 Euro, die ihr in Aktien investieren könnt. Wie würdet ihr das Geld anlegen? Sammelt die Äußerungen und Begründungen. Der Begriff „Risikostreuung“ oder „Risiko verteilen“ dürfte von den Lernenden genannt werden. Damit könnt ihr in die Erarbeitung überleiten.

Erarbeitung I: Was ist Diversifikation? (7 min)

Führt den Begriff „Risikostreuung / Diversifikation“ ein, indem ihr die Lernenden bittet, eine Begriffserklärung zu formulieren. Teilt dazu die Kopiervorlage aus (Aufgabe 1).

Mögliche Definition: Diversifikation bedeutet die Streuung von Risiken und die Nutzung eines breiteren Angebots, um Abhängigkeiten zu reduzieren. So kann man zum Beispiel das zu investierende Geld auf viele unterschiedliche Aktien verteilen. Entwickelt sich der Kurs einer Aktie schlecht, können die positiven Kursverläufe der anderen Aktien mögliche Verluste teilweise ausgleichen.

Stellt anschließend zur Diskussion, ob Risikostreuung immer gut und einfach umsetzbar ist. Die Jugendlichen werden erkennen, dass der Rechercheaufwand aufwendig sein kann und dass viel Kapital nötig ist, wenn man Aktien von möglichst vielen unterschiedlichen Aktiengesellschaften kaufen möchte. An dieser Stelle könnt ihr zum ETF überleiten.

Erarbeitung II: Was ist ein ETF? (20 min)

Um möglichst unterschiedliche Aktien gleichzeitig kaufen zu können, bietet es sich an, in einen sogenannten ETF (Exchange Traded Fund) zu investieren. Bittet eure Lernenden, den Text auf der KV zu lesen und die dazugehörige Aufgabe zu erarbeiten (KV Aufgabe 1, Einzelarbeit). Im Anschluss vergleichen die Lernenden die Merkmale einer Geldanlage in Einzelaktien mit der Geldanlage in einen ETF. Nutzt dazu Aufgabe 3 auf der KV.

Weiterführung (8 min)

Um die Chancen und Risiken eines ETFs weiter zu vertiefen, bietet es sich an, eine mögliche Aussage eines Finanz-Influencers kritisch zu beurteilen (siehe KV Aufgabe 4): „Mit einem ETF kannst du kein Geld verlieren, weil du in viele Unternehmen gleichzeitig investierst.“ Diese Aufgabe könnt ihr auch im Plenum besprechen.

Optionaler Transfer / Erweiterung für Doppelstunde
(30–45 min)

Lasst die Jugendlichen im Internet nach unterschiedlichen ETFs recherchieren und lasst sie einen ETF ihrer Wahl präsentieren (siehe Zusatzaufgaben auf der KV, Partner- oder Gruppenarbeit).

Mögliche Abschlussreflexion (5 min)

Greift zum Abschluss noch einmal die Redewendung „Nicht alle Eier in einen Korb legen“ auf. Fragt eure Lernenden: „Warum ist es bei der Geldanlage sinnvoll, mehrere Körbe zu verwenden – und weshalb kann trotzdem etwas schiefgehen?“

Tipps für eine erfolgreiche Unterrichtseinheit

  • Stellt Einzelaktien im Vergleich zu ETFs nicht als „unsicher“ zu „sicher“ dar. Ein breit gestreuter ETF verteilt das Geld zwar auf viele Unternehmen und verringert dadurch die Abhängigkeit von dem Erfolg einzelner Firmen. Allerdings kann man auch bei einem ETF nicht von einer „sicheren“ Anlageform mit  „sicherer“ Rendite sprechen.
  • Legt Wert darauf, dass die Schülerinnen und Schüler verstanden haben, dass sich auch durch die Risikostreuung eines ETFs die allgemeinen Marktrisiken nicht minimieren lassen. In einer allgemeinen Wirtschaftskrise (wie beispielsweise der Corona-Krise) können die Kurse vieler Aktien gleichzeitig fallen.
  • Erwähnt, dass der Kauf bzw. Verkauf von ETFs mit unterschiedlichen zusätzlichen Kosten verbunden ist. Diese hängen vom jeweiligen ETF und der jeweiligen Bank ab. Diese Kosten mindern die Rendite.
  • Betont, dass ihr in keiner Weise eine Anlagebetreuung betreibt oder Empfehlungen zur Geldanlage ausgebt, sondern lediglich das Thema „Geldanlage in ETFs“ verständlich machen wollt. Die Jugendlichen sollen Chancen und Risiken der unterschiedlichen Anlageformen besser einschätzen können.

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Finanzbildung (Teil 2): Was ist eine Aktie? – Geldanlage einfach erklärt

29. September 2026 um 06:00

Apple, Adidas oder Coca-Cola – viele Jugendliche kennen große Aktiengesellschaften aus ihrem Alltag. Doch was bedeutet es eigentlich, einen Teil eines solchen Unternehmens zu besitzen? Diese Frage steht im Mittelpunkt der folgenden Unterrichtsidee (ca. eine Doppelstunde).

Warum das Thema in den Unterricht gehört

Aktien und Börsenkurse begegnen jungen Menschen heute nicht nur in Wirtschaftsmedien. Finanz-Apps, soziale Medien und sogenannte Finfluencer machen das Investieren zunehmend sichtbar und einfach zugänglich. Umso wichtiger ist es, grundlegende Zusammenhänge zu verstehen. Jugendliche sollten wissen, was eine Aktie überhaupt ist, warum Unternehmen Aktien ausgeben, wie Kurse entstehen und welche Chancen und Risiken bestehen.
Der Unterricht bietet dabei die Möglichkeit, nicht Anlageempfehlungen zu geben, sondern finanzielle Entscheidungs- und Urteilskompetenz aufzubauen.

Einstieg: „Bei welchen Unternehmen seid ihr Kunde?“ (ca. 5 min)

Zum Einstieg könnt ihr (auch mithilfe der KV) eure Lernenden fragen, welche Produkte bzw. Dienstleistungen sie von welchen Unternehmen in ihrem Alltag häufig und/oder gerne nutzen. Oft nennen die Jugendlichen dann sehr bekannte (und auch börsennotierte) Unternehmen wie Apple, Meta (WhatsApp, Instagram), Alphabet (Google), Nike, Adidas, Coca-Cola, McDonald’s etc.
Ihr könnt anschließend mit der Frage überleiten, ob es nicht eine gute Idee sei, als (zufriedene) Kundinnen und Kunden auch an dem Unternehmen und seinem Erfolg beteiligt zu sein. Hierbei ergibt sich die Frage, wie eine Beteiligung überhaupt möglich wäre. Eine Möglichkeit sind Aktien.

Erarbeitung I: Aktien und Aktiengesellschaften
(ca. 10-15 min)

Erarbeitet gemeinsam das Grundprinzip einer Aktie: Eine Aktie verbrieft als ein Wertpapier einen Anteil an einem Unternehmen (einer Aktiengesellschaft). Aktionäre werden damit Miteigentümer mit bestimmten Rechten.
Ihr könnt in diesem Zusammenhang folgende Leitfragen stellen:

Mögliche Antwort: Unternehmen verkaufen Anteile an ihrem Unternehmen, um dadurch neues Geld (liquide Mittel) für weitere Investitionen (z.B. neue Maschinen, Gebäude etc.) zu bekommen.

Mögliche Antwort: Miteigentümer wollen am Gewinn beteiligt sein. Deswegen zahlen einige Aktiengesellschaften eine Gewinnbeteiligung (=Dividende) aus. Miteigentümer wollen darüber hinaus auch über das Unternehmen mitbestimmen können. Aktionäre erhalten deswegen zusätzlich oft Stimmrechte auf der Hauptversammlung (=der jährlichen Versammlung aller Aktionäre einer Aktiengesellschaft) gemäß der Größenordnung ihrer Anteile an der Aktiengesellschaft.

Überleitung: Was macht Aktien als Geldanlage noch attraktiv?

Hierbei dürften einige Schüler:innen die Chance auf Wert- bzw. Kurssteigerungen nennen. Falls das nicht der Fall ist, könnt ihr der Lerngruppe ein Chart (= Kursverlauf) einer Aktie zeigen. (Solche Charts sind schnell online einsehbar, z.B. über die Google Suche oder TradingView oder Yahoo Finance). Anhand des Charts könnt ihr schnell zeigen, dass sich der Kurs bzw. Preis einer Aktie stark (sowohl positiv als auch negativ) verändern kann.

Erarbeitung II: Der Kurs einer Aktie (ca. 15 min)

Fragt eure Lernenden, ob sie bereits Dinge über einen Online-Marktplatz (wie eBay oder Vinted) ver- oder gekauft haben, und lasst sie Vermutungen darüber anstellen, wie der Preis für die dort angebotenen Produkte zustande kommt. Hier werden die Schüler:innen sicher das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage nennen.

Erläutert der Lerngruppe, dass dasselbe Prinzip von Angebot und Nachfrage auch bei der Entwicklung des Preises einer Aktie (=Aktienkurs) wirkt. Bei hoher Nachfrage nach einer bestimmten Aktie und geringem Angebot steigt der Kurs der Aktie. Bei geringer Nachfrage nach einer bestimmten Aktie und großem Angebot fällt der Kurs.

Lasst die Lernenden daraufhin in Partner- oder Gruppenarbeit folgende Fragen erarbeiten (siehe Kopiervorlage):

  1. Welche Gründe könnte es dafür geben, dass die Nachfrage nach einer bestimmten Aktie
    a. besonders groß ist?
    b. besonders gering ist?
  2. Welche Chancen und Risiken ergeben sich daraus für Aktionäre?

Sicherung und Abschluss (ca. 10-15 min)

Sichert eure Ergebnisse, indem ihr sie im Plenum vergleicht, ergänzt und kommentiert.
Zum Abschluss könnt ihr die Eingangsfrage wieder aufgreifen: Sollte man als (zufriedene) Kundinnen und Kunden eines Unternehmens auch dessen Aktie kaufen?

Weiterführung oder Hausaufgabe

Mit der folgenden Aufgabe könnt ihr das Thema vertiefen.

  1. Recherchiert ein Beispiel für eine besonders positive Entwicklung einer Aktie und ein weiteres Beispiel für eine besonders negative Entwicklung einer Aktie. Legt einen klaren Zeitraum fest.
  2. Welche Faktoren könnten die jeweilige Entwicklung des Aktienkurses erklären? Nennt eure Quellen.
  3. Erarbeitet auf Grundlage eurer gewählten Beispiele Kriterien für die Auswahl von Aktien als mögliche Geldanlage. Welche Informationen würdet ihr prüfen?

Tipps für eine erfolgreiche Unterrichtseinheit

  • Arbeitet mit bekannten Unternehmen aus der Lebenswelt der Lernenden, das ist besonders motivierend.
  • Setzt den Handel mit Aktien nicht mit kurzfristigem Trading gleich. Ein Investment in Aktien ist häufig eine langfristige und zielgerichtete Investition in ausgewählte Unternehmen. Beim Trading hingegen spekuliert man vor allem auf sehr kurzfristige Kursschwankungen.
  • Thematisiert Chancen und Risiken gleichermaßen.
  • Unterscheidet sorgfältig zwischen den Begriffen „Unternehmen”, „Aktiengesellschaft” und „Aktien“,
  • Betont, dass ihr in keiner Weise eine Anlageberatung betreibt oder Aktienempfehlungen ausgebt, sondern lediglich das Thema „Aktien und Börsen“ verständlich machen wollt.
  • Erläutert, dass nicht der schnelle Weg zu Reichtum, sondern finanzielle Urteilsfähigkeit das Ziel ist.

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