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Schuljahr 24/25 – wie war’s?

12. August 2025 um 20:16

Für das Schuljahr 24/25 hatte ich mir für den Ethikunterricht drei Ziele gesetzt. Ich habe hier kurz darüber geschrieben. Für mich selbst hatte ich die hier zu sehenden s/w-Kacheln gemacht, die ich am Schreibtisch stehen hatte. Damit werde ich nun die einzelnen Ziele kurz reflektieren.

Klassenstufe 5 & 7: so wenig Kopien wie möglich. Da wir kein Buch haben, versuchte ich mit anderen Medien (Lernstationen, Spiele, Projekte, Bücher, online), die Inhalte an die Schülerinnen und Schüler ran zu tragen. Außerdem gab ich das jeweilige „Sammelmedium“ vor – konkret hatte ich für die Klasse 5 linierte A5-Hefte und für die Klasse 7 Ordner. Für alles gab es in der Schule einen Platz, sodass das nicht mit hin und her getragen werden musste.

In der Klassenstufe 5 hatte ich insgesamt ca. zehn A5-Kopien, dazu noch vier Tests und zwei Rückmeldebögen. Einige der Blätter hatte ich nur mit z.B. drei Stachelschweinen gefüllt, andere nur mit Bildern von Personen, zu denen Steckbriefe erstellt wurden. Diese habe ich dann zusammen gezählt, weil sie jeweils nur einen Teil der Seite eingenommen haben (ich habe natürlich platzsparend kopiert). Das erscheint mir sehr wenig, allerdings habe ich bisher keine 5. Klasse in BW unterrichtet, sodass mir der Vergleichswert fehlt. Ich bekam von den Kindern auch die Rückmeldung, dass sie zu viel schreiben mussten. Mir ist aber auch aufgefallen, dass das Schreibtempo sehr unterschiedlich ist und dass das Abschreiben bzw. das eigenständige Formulieren von Erkenntnissen (z.B. nach einem Spiel) sehr viel mehr geübt werden muss. Deshalb würde ich es in dieser Klassenstufe wieder so machen.

In der Klassenstufe 7 hatte ich insgesamt 38 kopierte A4-Seiten, also 19 Blätter, dazu noch vier Tests und Rückmeldebögen. Im Vorjahr waren es ca. 50 Seiten, also 25 Blätter. Ich habe bei jeder Kopie überlegt, ob sie notwendig ist oder nicht – und auch gegenüber dem vorherigen Schuljahr einiges an Texten weg gelassen bzw. zusammengefasst. Optimierungsmöglichkeiten gäbe es noch bei Tabellen oder Vorlagen. Ich habe beispielsweise einen Religionssteckbrief (siehe Abbildung), den wir über alle 5 Weltreligionen ausfüllen – und natürlich drucke ich den dann auch 5x für jede*n aus.

Klassenstufe 9&10: Fokus auf den Wert Gleichberechtigung.

Beide Klassenstufen haben im ersten Halbjahr ein Portfolio zu einem Text aus den Unlearn Patriarchy-Büchern erstellt. Dazu habe ich hier schonmal geschrieben. Hier ist das OER-Material dazu. Die Portfolios zeigten teilweise eine sehr tiefgründige Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema. Auch die Aufgaben dazu, der Projekt-Charakter und auch der Druck, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, waren aus meiner Sicht hilfreich, raus aus der Komfortzone zu denken und zu arbeiten. Deshalb werde ich das so in der Form im kommenden Schuljahr fortführen. Die neue 10. Klasse bekommt die gleichen Texte, muss sich aber einen neuen aussuchen. Vielleicht schaffe ich es auch in den Ferien, noch mehr aufzubereiten. Zusätzlich werde ich die Prozessbesprechungen ausweiten und auch eine Reflexionsphase (sowohl individuell als auch mit Feedback für die Arbeitsweise) mit einführen.

Für die Oberstufe hatte ich mir vorgenommen, mehr Texte / Inhalte von Philosophinnen mit rein zu nehmen. Und hier bin ich aus meiner Sicht gescheitert. Ich habe die Denkerinnen verwendet, die ich auch schon im Jahr zuvor verwendet habe, mit der einen Ausnahme, dass ich statt Chimamanda Adichi (Danger of a single Story) einen Text aus dem Unlearn Patriarchy-Buch von Sarah Vecera verwendet habe. Konkret waren das also dieses Schuljahr:

  • Freiheit: Angela Davis (Freiheit ist ein ständiger Kampf)
  • Moralbegründungen: Martha Nussbaum (Neu-Aristotelikerin), Hannah Arendt (Eichmann-Prozess, Pflichtbegriff im Sinne Kants?)
  • Gerechtigkeit: Ayn Rand (Wirtschaftsethik), Alexandra Zykunov (Gleichberechtigung)*
  • Religion: Sarah Vecera (Wann wurde Jesus weiß?)**

*Diesen Text habe ich eigentlich in der Klassenstufe 9, aber mit der vergangene Oberstufe hatte ich den noch nicht gelesen, deshalb war sie hier neu drin, entfällt aber nächstes Schuljahr, weil er dann schon bekannt ist.

Ich finde das frustrierend wenig und keinesfalls eine Steigerung zum Vorjahr. Ich behalte also dieses Ziel bei und muss schauen, wo ich mehr Denkerinnen in den fünf Schwerpunktthemen unterbringen kann. Den Kant oder Mill kann ich ja nicht ersetzen, aber zum Thema Freiheit oder Gerechtigkeit gibt es sicher noch mehr Frauen. (Wenn du weitere kennst / einsetzt, bitte unbedingt per Mail oder in die Kommentare schreiben. Danke!)

Ein weiteres (nicht notiertes) Ziel war es, entweder das Jahrbuch abzugeben oder eine Lösung zu finden, die dafür sorgt, dass ich nicht völlig gestresst und genervt ab Mai dahinvegitiere. Aus meiner Sicht haben wir diese Lösung gefunden. Es gibt ein Team, das mich tatkräftig unterstützen, sodass ich mich weitgehend aufs Layout konzentrieren kann. Und das mache ich tatsächlich sehr gern.

Auf den Zielen fürs nächste Schuljahr denke ich noch herum. Die Ausweitung der Denkerinnen, gerade in der Oberstufe, werde ich weiter fokussieren. Außerdem möchte ich stärker jeden einzelnen Schüler und jede einzelne Schülerin in den Blick nehmen, mehr beobachten, gemeinsam reflektieren, wertschätzen und begleiten. Ich glaube, ich werde bei einer oder zwei Klassenstufen schwerpunktmäßig anfangen und ausprobieren, wie das im Nebenfach läuft und ob das überhaupt zielführend ist.

#wildcampenBW25

25. Mai 2025 um 22:37

Ein schönes Wochenende im Mai fuhren wir in den Nordschwarzwald – Bad Wildbad lockte zum Barcamp „Wildcampen“ – Bildung in wilden Zeiten. Die allgemeine Dokumentation fand über eine TaskCard statt. Es gab wieder spannende Sessions, bei denen man sich nicht so richtig entscheiden konnte – vieles war wieder parallel. Die Stimmung glich einem gemeinsamen Riesen-Workshop und war wieder vergleichbar wie 2017, als ich das erste Mal dort war. Diesmal waren sehr viel mehr Kinder und auch die Angebote für Kinder waren gigantisch: einerseits gab es eine super Kinderbetreuung, andererseits boten viele Kinder auch eigene Sessions an, sodass sie ihre eigene Lernumgebung schufen – fern ab vom schulischen, formalisierten Lernen. Eine sehr schöne Erfahrung für Kinder.

Freitag

Das Barcamp begann am Freitagabend mit einem Vortrag von Myrle Dziak-Mahler über Bildung in wilden Zeiten. Ich nehme verschiedene Gedanken mit, unter anderem die Change-Kurve und die Erkenntnis, dass sich in einem Kollegium die Kolleg*innen an unterschiedlichen Stellen und Schleifen befinden (was tatsächlich für mich in meinem Kopf vieles erklärt).

Samstag

Mich beschäftigte die Frage, wie ich Schülerinnen und Schülern recht anschaulich zeigen kann, dass generative KI / LLM Fehler machen, dass wahrscheinlich nicht gleich wahr ist. Dazu bot ich eine Session an. Wir sammelten Prompts, die in vielen Fällen (aktuell) zu Fehlern führen, was auch Lernende schnell durchschauen. Darauf aufbauend ist die Frage, warum es bei komplexeren Fragen anders sein sollte. Wir kamen zu folgenden Ergebnissen:

konkrete Prompts, die in vielen Fälle zu Fehlern führen

  • Nenne mir 3 Früchte die nicht mit e oder o enden.
  • Nenne mir 3 Früchte, die ein H im Namen enthalten.
  • Angenommen, Garados kämpft gegen den Todesstern. Wer gewinnt? („Friedenszwang“ & teilweise falsche Attacken-Zuordnung)
  • Logikrätsel  (Maria hat 3 Brüder. Jeder Bruder hat 2 Schwestern. Wieviele Schwestern hat Maria? – dazu das Baumdiagramm von ChatGPT 4.0)
  • Nenne Wörter mit 5 Buchstaben.
  • Nenne Gemüsesorten mit 6 Buchstaben.
  • konkrete Zeichenanzahl für einen Text vorgeben.
  • Gib mir Tiernamen mit 7 Buchstaben.
  • Fasse das Märchen „Der Prinz mit dem blauen Schuhlöffel“ zusammen. (eigene Ideen für Farben und Accessoirs verwenden – es muss ein Märchen sein, was es nicht gibt)

Weitere Ideen: Als Schüler*in muss ich das Ergebnis beurteilen können (konkrete Beispiele für verschiedene Fächer finden); Verstehen, wie KI funktioniert – https://www.soekia.ch/GPT/ ; Kontrolle, ob KI-generierter Text, u.a. mit https://www.zerogpt.com/; Hilfe bei Entscheidungsfindung –> „Basierend auf unseren bisherigen Chats: Beschreibe mich“; KI will mir gefallen, welche Prompts muss ich verwenden, um eine neutrale Antwort zu bekommen?

Ansonsten war ich am Samstag in folgenden Sessions:

  • Sketchnotes mit Wibke – ich bekam Anregungen für gute Stifte, die fast von allein 😉 schöne Plakate malen
  • SOL, Materialien, Strukturen – ich stieß wieder auf das Problem, dass es eine Plattform braucht, auf der Kolleg*innen Material und Ideen sammeln und teilen können. Am besten schon als Lerngang und in verschiedenen Niveaustufen. Genau das machen wir ja auf ZUM-Unterrichten, aber scheinbar ist der Wiki- und OER-Gedanke nicht ganz so zündend.
  • critical thinking und KI – Das muss ich noch etwas sortieren, ich habe auch den Anfang verpasst. Ich nehme auf alle Fälle mit, dass ich als Philosophie/Ethiklehrerin schon vom Fach und seinen fachspezifischen Kompetenzen her um einiges weiter bin als andere. Darüber habe ich mir vorher keine Gedanken gemacht. Das schloss dann sehr schön an den Vortrag vom Vorabend an.
  • Verschwörungstheorien und Rassismus in Jugend-Subkulturen – Ich nehme mit, dass Kinder und Jugendliche den Dialog, manchmal auch einen Spiegel brauchen. Oder Leitplanken aus Werten. Denn: weitergedacht aus der Session: nach und außerhalb der Schule ist man dann oft in seiner Echokammer, wo einem wahrscheinlich weniger wertebasierte / demokratische Orientierung geboten wird. Außerdem werde ich in den Podcast „Denksport“ reinhören.
    Dann ging es auch schon zum Abendessen und anschließend zum Fußball-Schauen. Letzteres bot für mich die Chance, diesen Blogpost anzufangen.

Sonntag

Am Sonntag wollte ich eigentlich andere dazu animieren, ihre Ideen aus dem Wochenende direkt als OER zu teilen – wir hätten das ganz niedrigschwellig in einem ZUMPad gesammelt und dann überlegt, wo wir das in ZUM-Unterrichten einbauen können. Aber: wie schon erwähnt, OER zündet nicht. Das finde ich irre schade, weil es so viele Potentiale bietet, die wahrscheinlich einige der angesprochenen Probleme lösen könnte.
Dafür waren sehr viele KI-Themen und ich besuchte dann auch eine, die die Öffentlichkeitsarbeit mit KI erleichtern will. Das hat mich nicht überzeugt, weil ich ja recht schnell schreibe / formuliere und ich den Chatbot zu sehr viel füttern müsste um ein adäquates Ergebnis zu bekommen. In der Zeit habe ich das 3x selber geschrieben. Außerdem ist meine Presseaufgabe scheinbar anders zugeschnitten als bei anderen und die Kolleg*innen sind sehr flexibel mit ihren Exkursionen & Ausflügen, sodass mir ein Redaktionsplan vom Anfang des Schuljahres rein gar nichts nützt. Aber: aus der Session nehme ich einige Anregungen zur Prozessoptimierung und den Begriff Gantt-Chart mit. Ich habe das schon öfter verwendet und erstellt, aber scheinbar nie korrekt benannt. Genauso nehme ich das Konzept sozial-emotionales Lernen mit, für das ich nun auch den richtigen Begriff kenne.

Insgesamt war es für mich ein sehr bereicherndes und inspirierendes Wochenende. Ich habe gemerkt, dass sich auch Kind 3&4 in solch einer Umgebung gut ein und zurecht finden.

Das war mein 15. Barcamp.

Ein weiterer #wildcampenBW25 – Bericht von SEagent / Gratian Riter.

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