Ein hilfreicher Nordstern zu KI und Offenheit
Von den Kolleginnen bei der Wikimedia gibt es eine aus meiner Sicht super hilfreiche, neue Veröffentlichung zu Offenheit und KI in der Bildung.
Bemerkenswert und wichtig finde ich insbesondere, dass sie darin sehr gut konkretisieren, was Offenheit eigentlich heißt – und zwar mit Kriterien, die das Wozu der Offenheit deutlich machen.
Insgesamt finden sich diese fünf Dimensionen:
- Technische Vollständigkeit: Offenheit ist hier wichtig, damit mit einem Modell tatsächlich gearbeitet werden kann. Lässt es sich also nicht nur nutzen, sondern auch nachbilden und weiterentwickeln?
- Rechtliche Freiheiten (Lizenzierung): Das ist wohl das offensichtlichste Kriterium für Offenheit, weil sonst die Grundlage für selbstbestimmte Gestaltung und Nutzung fehlt.
- Transparenz und Dokumentation: Offenheit kann hier dazu beitragen, dass auch Nicht-Expert:innen Funktionsweise, Grenzen und Verzerrungen erkennen und auf diese Weise Nutzung und Output einschätzen können.
- Zugang und Interoperabilität: Offenheit ermöglicht hier im Sinne einer Schnittstellen-Perspektive, dass nicht einige wenige große Plattformen dominieren, sondern die Integration in bestehende und damit oft dezentrale Infrastrukturen gelingt. Hierzu gehört auch die Hoheit über die eigenen Daten.
- Ethische und pädagogische Responsivität: Offenheit ermöglicht hier, Verantwortung für die Förderung sozialer Gerechtigkeit, Bildungsteilhabe und Demokratie wahrzunehmen. Diesen Punkt finde ich ganz besonders entscheidend.
Sehr unterstützen kann ich die formulierten Handlungsempfehlungen. Besonders stark machen möchte ich diese beiden Aspekte:
- Eine Fokusverschiebung auf kleine Modelle. Diese erscheinen wahrscheinlich erst einmal weniger fancy, aber mit ihnen lässt sich im Sinne der obigen Kriterien in der Bildung wahrscheinlich sogar viel besser gestalten – und das, ohne all die Zerstörung in Kauf zu nehmen, die der LLM-Monopolismus mit sich bringt.
- Eine Orientierung an Communities of Practice bei KI in der Bildung und damit ein Ansatz der Gestaltbarkeit von Technologie als unbedingte Voraussetzung digitaler Mündigkeit. Der Gedanke, dass Technologieentwicklung Verbundenheit befördern soll, statt Menschen auseinanderzubringen, findet sich auch im Leitbild der konvivialen Technik wieder.
Auf dem Weg zu diesem Nordstern ist noch viel zu tun. Bei der Untersuchung der Wikimedia zu insgesamt 53 Modellen fand sich kein einziges Modell, das etwa bei technischer Vollständigkeit, Lizenzierung und ethischer und pädagogischer Responsivität vollständig offen war. Die klare Ausrichtung in dieser Veröffentlichung stimmt mich aber sehr zuversichtlich, dass damit gemeinsam in diese Richtung gewirkt werden kann!
Herzlichen Dank für die Veröffentlichung!
Der Beitrag Ein hilfreicher Nordstern zu KI und Offenheit erschien zuerst auf eBildungslabor.
