❌

Normale Ansicht

Ein hilfreicher Nordstern zu KI und Offenheit

04. November 2026 um 10:33

Von den Kolleginnen bei der Wikimedia gibt es eine aus meiner Sicht super hilfreiche, neue Veröffentlichung zu Offenheit und KI in der Bildung.

Bemerkenswert und wichtig finde ich insbesondere, dass sie darin sehr gut konkretisieren, was Offenheit eigentlich heißt – und zwar mit Kriterien, die das Wozu der Offenheit deutlich machen.

Insgesamt finden sich diese fünf Dimensionen:

  • Technische Vollständigkeit: Offenheit ist hier wichtig, damit mit einem Modell tatsächlich gearbeitet werden kann. Lässt es sich also nicht nur nutzen, sondern auch nachbilden und weiterentwickeln?
  • Rechtliche Freiheiten (Lizenzierung): Das ist wohl das offensichtlichste Kriterium für Offenheit, weil sonst die Grundlage für selbstbestimmte Gestaltung und Nutzung fehlt.
  • Transparenz und Dokumentation: Offenheit kann hier dazu beitragen, dass auch Nicht-Expert:innen Funktionsweise, Grenzen und Verzerrungen erkennen und auf diese Weise Nutzung und Output einschätzen können.
  • Zugang und Interoperabilität: Offenheit ermöglicht hier im Sinne einer Schnittstellen-Perspektive, dass nicht einige wenige große Plattformen dominieren, sondern die Integration in bestehende und damit oft dezentrale Infrastrukturen gelingt. Hierzu gehört auch die Hoheit über die eigenen Daten.
  • Ethische und pädagogische Responsivität: Offenheit ermöglicht hier, Verantwortung für die Förderung sozialer Gerechtigkeit, Bildungsteilhabe und Demokratie wahrzunehmen. Diesen Punkt finde ich ganz besonders entscheidend.

Sehr unterstützen kann ich die formulierten Handlungsempfehlungen. Besonders stark machen möchte ich diese beiden Aspekte:

  1. Eine Fokusverschiebung auf kleine Modelle. Diese erscheinen wahrscheinlich erst einmal weniger fancy, aber mit ihnen lässt sich im Sinne der obigen Kriterien in der Bildung wahrscheinlich sogar viel besser gestalten – und das, ohne all die Zerstörung in Kauf zu nehmen, die der LLM-Monopolismus mit sich bringt.
  2. Eine Orientierung an Communities of Practice bei KI in der Bildung und damit ein Ansatz der Gestaltbarkeit von Technologie als unbedingte Voraussetzung digitaler Mündigkeit. Der Gedanke, dass Technologieentwicklung Verbundenheit befördern soll, statt Menschen auseinanderzubringen, findet sich auch im Leitbild der konvivialen Technik wieder.

Auf dem Weg zu diesem Nordstern ist noch viel zu tun. Bei der Untersuchung der Wikimedia zu insgesamt 53 Modellen fand sich kein einziges Modell, das etwa bei technischer Vollständigkeit, Lizenzierung und ethischer und pädagogischer Responsivität vollständig offen war. Die klare Ausrichtung in dieser Veröffentlichung stimmt mich aber sehr zuversichtlich, dass damit gemeinsam in diese Richtung gewirkt werden kann!

Herzlichen Dank für die Veröffentlichung!

Der Beitrag Ein hilfreicher Nordstern zu KI und Offenheit erschien zuerst auf eBildungslabor.

Zwischen Institution und Individuum: Die eigene Haltung zu Offenheit mit einem OER-Kodex kommunizieren

15. September 2026 um 08:59

OER-Strategien und OER-Policys formulieren den institutionellen Anspruch, Offenheit in Lehre, Forschung und Bildungsarbeit zu fördern. Doch Offenheit entsteht nicht allein durch formale Regelungen: Sie wird vor allem in Projekten, Teams und der individuellen Praxis gelebt. Ein OER-Kodex kann dazu beitragen, diese persönliche und gemeinsame Haltung sichtbar zu machen, Orientierung zu bieten und die Kommunikation über Offenheit zu stärken.

Links: Umriss eines Menschen, der ein Dokument hält, gezeichnet mit einer durchgehenden Linie. Rechts: Drei Sechsecke mit den Buchstaben O, E und R in der Mitte
OER-Kodex von Ombrella und Co-WOERK. Grafiken: Co-WOERK (Illustration Mensch) und Silvia Retzlaff (OER-Kodex-Grafik) , CC BY 4.0

Ein Beitrag von Sonja Philipp

Im Rahmen der OE_COM-Projekte Ombrella und Co-WOERK wurden verschiedene Ansätze für einen solchen OER-Kodex entwickelt. Die Idee entstand Ende 2024 im Austausch innerhalb der OER-Community. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie eine OER-Policy durch ein Instrument ergänzt werden kann, das nicht nur institutionelle Ziele beschreibt, sondern auch die Perspektive derjenigen berücksichtigt, die offene Bildungsmaterialien erstellen, nutzen und verbreiten.

Die Zusammenarbeit der beiden Projekte war für diesen Entwicklungsprozess besonders gewinnbringend. Ombrella ist im Südwesten Deutschlands an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg angesiedelt und bewegt sich damit im Kontext dualer Hochschulbildung. Co-WOERK arbeitet dagegen im Nordosten Deutschlands und ist im universitären Umfeld verankert. Der Austausch zwischen verschiedenen Hochschularten, regionalen Perspektiven und Arbeitsweisen hat die Entwicklung des Kodex bereichert. Unterschiedliche Erfahrungen mit offenen Bildungsmaterialien und institutionellen Rahmenbedingungen konnten zusammengeführt und in die Entwürfe aufgenommen werden.

Der OER-Kodex soll dabei keine zusätzliche bürokratische Vorgabe sein. Vielmehr soll er OER-Erstellenden, Multiplikator:innen und Hochschulangehörigen Sicherheit und Orientierung geben. Er kann beispielsweise verdeutlichen, welche Werte mit offener Bildung verbunden sind, wie Verantwortung im Umgang mit Materialien übernommen wird und welche Rolle Kooperation, Transparenz und gegenseitige Unterstützung spielen. Damit ergänzt er bestehende Strategien und Policys um eine persönliche sowie gemeinschaftliche Dimension.

Austauschveranstaltung zum OER-Kodex

Am Donnerstag, 8. Oktober 2026, laden die Projekte Ombrella und Co-WOERK von 13:00 bis 14:30 Uhr zu einem offenen Online-Runden Tisch ein. Unter dem Titel „Zwischen Institution und Individuum: Die eigene Haltung zu Offenheit mit einem OER-Kodex kommunizieren“ stellen die Projekt-Beteiligten den aktuelle Entwicklungsstand der Kodex-Entwürfe vor. Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an OER-Multiplikator*innen, Hochschulangehörige sowie alle Interessierten aus dem OER-Netzwerk.

Neben Einblicken in den bisherigen Entwicklungsprozess bietet der Runde Tisch Raum für Austausch und Diskussion. Gemeinsam mit den Teilnehmenden sollen die Potenziale eines OER-Kodex für Hochschulen, Projekte und Communities ausgelotet werden. Besonders wichtig ist dabei das Feedback aus der OER-Community: Die vorliegenden Entwürfe sollen weiterentwickelt werden und unterschiedliche Erfahrungen sowie Anforderungen aus der Praxis aufnehmen.

Etwa zwei Wochen vor der Veranstaltung werden die aktuellen Kodex-Versionen und ergänzende Materialien bereitgestellt. Interessierte können diese per E-Mail unter oer@mosbach.dhbw.de anfordern. Der Zugangslink zur Online-Veranstaltung wird gesondert veröffentlicht. Alle Informationen zur Veranstaltung selbst sind auf der OER-Worldmap hinterlegt: https://oerworldmap.org/resource/urn:uuid:52c2976e-4016-4e13-9338-ab969f1bf774

Auch über den Runden Tisch hinaus soll die Diskussion fortgeführt werden. Zum Jahresende 2026 sind zwei Podcast-Folgen in Kooperation mit OERinfo geplant. Sie widmen sich dem Inhalt des OER-Kodex, seiner Entstehungsgeschichte sowie der projektübergreifenden Zusammenarbeit von Ombrella und Co-WOERK.

Weiterführende Links

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Sonja Philipp, DHBW Mosbach  für OERinfo – Die Informationsstelle OER

Der Beitrag Zwischen Institution und Individuum: Die eigene Haltung zu Offenheit mit einem OER-Kodex kommunizieren erschien zuerst auf OERinfo – Informationsstelle OER.

❌