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Interview zum Hospiztag: Was macht eine Sterbebegleiterin?

12. Oktober 2026 um 07:00

Am 14. Oktober findet der jährliche Hospiztag in Deutschland statt. Der Aktionstag macht auf oft tabuisierte Themen wie Tod, Sterben und Trauer aufmerksam und sensibilisiert für die Bedeutung der Hospiz- und Palliativversorgung. Im Beitrag findet ihr dazu passend ein Interview mit einer Sterbebegleiterin, das ihr auch für den Unterricht nutzen könnt!

„Nicht die Krankheit oder die verbleibende Lebenszeit stehen im Mittelpunkt, sondern der Mensch selbst.“

Mein Name ist Gabriela Carmanns, ich habe viele Jahre als Vertriebsleiterin beim Ernst Klett Verlag gearbeitet. Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben engagiere ich mich ehrenamtlich als Sterbebegleiterin im Hospizverein Wolfenbüttel.

Wie sind Sie dazu gekommen, Menschen an ihrem Lebensende zu begleiten?

Am Ende meines Berufslebens habe ich mich damit auseinandergesetzt, was ich mit dem vor mir liegenden, neuen Lebensabschnitt anfangen werde. Ich hatte den Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun und Menschen in einer schwierigen Lebensphase beizustehen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Sterben und Tod war für mich zwar ungewohnt, aber ich hatte im Laufe meines Lebens Erfahrungen mit Abschied und Trauer gemacht und dabei festgestellt, dass ich keine Angst vor der Begegnung mit Todkranken hatte, sondern ich ruhig und zugewandt mit dieser Situation und diesen Menschen umgehen konnte. Aus diesem Grund habe ich mich über Hospizarbeit informiert und mich um einen Platz im Vorbereitungskurs zur Sterbebegleiterin beworben.

Wie wird man Sterbebegleiterin?

Man besucht einen 140 Stunden dauernden Vorbereitungskurs bei einem Hospizverein und absolviert zusätzlich zwei Praktika (in einem Hospiz, einer Palliativstation und/oder bei der Spezialisierten Ambulanten Palliativ-Versorgung). Im Vorbereitungskurs befasst man sich intensiv mit Themen wie Würde und Selbstbestimmung, Sterben und Tod, Abschiednehmen und Trauer, aber auch mit Kommunikation, Selbstvorsorge und ethischen wie auch rechtlichen Fragen.

Welche Fähigkeiten sollte man „mitbringen“?

Man sollte Menschen „mögen“, besser noch „lieben“ und an ihnen und ihren Lebensgeschichten interessiert sein.

Wie sieht ein typischer Tag im Hospiz oder während einer Sterbebegleitung für Sie aus?

Ich selbst arbeite als ambulante Sterbebegleiterin. Das bedeutet, dass ich regelmäßig Menschen (mit einer lebensverkürzenden Diagnose) zu Hause besuche. Hierbei gehört es zu meinen Aufgaben, die Wünsche und Bedürfnisse des Menschen ernst zu nehmen und ihm das Gefühl zu geben, nicht allein mit seinen Ängsten und Sorgen zu sein.

Was sind konkrete Aufgaben, die Sie übernehmen – was tun Sie eigentlich?

Ich höre zu, wenn mein Gegenüber über sein Leben, seine Krankheit oder über religiöse/spirituelle Themen sprechen möchte. Ich bin da, wenn Menschen zu schwach zum Reden sind und die Nähe eines anderen Menschen spüren wollen. Dann lese ich ihnen z.B. etwas vor oder singe oder halte einfach nur ihre Hand. Darüber hinaus entlaste ich An- bzw. Zugehörige, stehe auch hier für Gespräche zur Verfügung oder „schenke“ ihnen ein wenig Zeit, damit sie sich von der häuslichen Pflege erholen können. Letztendlich geht es immer darum, mit Menschlichkeit und Offenheit präsent zu sein.

Wie gehen Sie damit um, wenn ein Mensch, den Sie begleitet haben, stirbt?

Im Vorbereitungskurs habe ich „gelernt“, dass der Tod nicht nur das Ende, sondern ein Teil des Lebens ist. Diesem Lebensende begegne ich mit großem Respekt. Gleichzeitig hat sich meine Sicht auf das Leben und den Tod verändert. Ich gehe mit mehr Demut durch mein Leben und ich akzeptiere den Tod als Teil des Lebens. Manchmal ist er eine Erlösung, vor allem wenn einem Menschen am Ende seines Lebens die Kraft fehlt, weiter gegen eine schwere Krankheit zu kämpfen. Ich nutze die Natur und vor allem meinen Garten als Kraftraum, „verarbeite“ dort meine Erlebnisse und tanke neue Kraft.

Bekommen Sie Unterstützung oder haben Sie Austausch mit anderen Sterbebegleiter:innen?

Ja, wir haben alle vier bis sechs Wochen eine Supervision. Auch haben wir alle eine/n „Paten/Patin“ zugeordnet bekommen, um Fragen kurzfristig klären zu können. Darüber hinaus sind die Fachkoordinatorinnen unseres Hospizvereins für uns Ansprechpartnerinnen bei sachlichen Fragen.

Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit mit Sterbenden besonders deutlich geworden?

Ein wichtiger Lernprozess war für mich die Bedeutung des Zuhörens. Ich habe erkannt, dass Sterbende keine Ratschläge oder aufmunternde Worte benötigen. Manchmal ist es viel wichtiger, einfach da zu sein, die Hand zu halten oder gemeinsam zu schweigen. Das fiel mir anfangs nicht leicht. Ich hatte den Wunsch, etwas sagen zu können, das dem anderen Mut macht oder seine Situation verbessert. Im Kurs wurde mir bewusst, dass ich nicht für jedes Problem eine Lösung finden muss. Meine Aufgabe als Begleiterin ist es vielmehr, die Wünsche und Bedürfnisse des Menschen ernst zu nehmen und ihm das Gefühl zu geben, nicht allein zu sein.

Haben sterbende Menschen bestimmte Fragen oder Sorgen, die immer wieder auftauchen?

Die Fragen sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie stellen bzw. die wir begleiten. Allerdings sind Sorgen über die Zukunft ihrer Hinterbliebenen (Ehegatten oder Kinder, vor allem wenn sie noch jünger sind) nicht selten. Die Angst vor Schmerzen kann man den Menschen häufig nehmen, denn die palliative Versorgung und der gezielte Einsatz von schmerzlindernden Medikamenten ist heute (zum Glück!!) Standard.

Hat sich durch Ihre Begleitung Ihre Sicht auf das Leben verändert?

Ja, auf jeden Fall! Im Kurs lernte ich erstmals die hospizlichen Grundsätze kennen. Besonders beeindruckt hat mich der Gedanke, dass jeder Mensch bis zuletzt als eigenständige Persönlichkeit mit seiner Würde und seinen individuellen Bedürfnissen wahrgenommen wird. Nicht die Krankheit oder die verbleibende Lebenszeit stehen im Mittelpunkt, sondern der Mensch selbst.

Diese Haltung war für mich eine neue Sichtweise, denn in meinem bisherigen (Berufs-)Leben war ich es gewohnt, dass es vor allem darum ging, Aufgaben zu erledigen, Probleme zu lösen und möglichst schnell eine Verbesserung zu erreichen. Im hospizlichen Bereich lernte ich, dass es Situationen gibt, in denen nicht mehr das Heilen, sondern das Begleiten im Vordergrund steht.

Die hospizlichen Grundsätze haben mir gezeigt, wie wichtig Würde, Selbstbestimmung, Mitgefühl und menschliche Nähe sind. Sie sind für mich nicht nur Grundlagen der Sterbebegleitung, sondern Werte, die nun auch in meinem täglichen Leben eine immer größere Bedeutung haben.

Was wünschen Sie sich, dass Jugendliche über Sterben und Tod wissen oder anders sehen?

Sterben gehört zum Leben: Der Tod ist ein natürlicher Teil des Lebens, auch wenn er häufig verdrängt wird. Über Tod und Sterben (und damit verbundene Ängste) „darf“ gesprochen werden. Offene Gespräche sind entlastend. Trauer wird individuell unterschiedlich erlebt. Sie kann sich als Weinen, Wut, Rückzug, Angst, Schuldgefühle oder auch scheinbare Gefühllosigkeit zeigen. Wichtig: Es gibt keine „richtige“ Art zu trauern.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Phil und das Traurigsein — Mit Kindern über Depression nachdenken

01. Juni 2025 um 00:20

https://www.kika.de/schau-in-meine-welt/videos/phil-und-das-traurigsein-112

Der Unterrichtsvorschlag widmet sich dem gesellschaftlich hoch relevanten Thema Depression bei Kindern. In der gesellschaftlichen Wahrnehmung ist dies ein Randthema, denn oft kommen (auch bei Bilderbüchern) erkrankte Erwachsene in den Blick. Allerdings: „Leichte depressive Verstimmungen bis hin zu schweren depressiven Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Im Vorschulalter sind ca. 1 % der Kinder und im Grundschulalter ca. 2 % betroffen. Aktuell erkranken etwa 3–10 % aller Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren an einer Depression.“ [Quelle: https://www.deutsche-depressionshilfe.de]

Behutsam, authentisch und durchaus hoffnungsvoll nähert sich die Kika-Doku „Phil und das Traurigsein” dem Thema. Der 11jährige Phil berichtet von seiner Depression und davon, wie er und sein familäres und schulisches Umfeld gelernt haben, mit der Erkrankung zu leben. Es wird dabei deutlich, was eine Depression von zeitlich begrenztem Traurigsein unterscheidet und welche große Bedeutung das Sprechen über die Krankheit hat. Der Religionsunterricht kann durch die Thematisierung der gesellschaftlich relevanten Erkrankung einen wichtigen Beitrag leisten, um tabuisierenden Tendenzen entgegen zu wirken. Der Film ist laut Kika für Menschen ab 6 Jahre geeignet.

Kernkompetenz: Die Schüler:innen können miteinander schmerzhafte Erlebnisse zur Sprache bringen und Erfahrungen der Bewältigung austauschen.

Jahrgang: 4.–6. Klasse

Arbeitsformen: Filmarbeit mit Unterrichtsgespräch,  Gruppenarbeit zu Kinderbüchern

Verlaufsplanung

Filmarbeit im Plenum

  1. Seht euch die Dokumentation „Phil und das Traurigsein” bis zur Minute 5:06 (stoppt bei der Szene, wo Phil Zettel an die Küchenwand klebt) an.
  2. Tauscht euch aus, wie es euch beim Anschauen der bisherigen Minuten ging. Was habt ihr nicht verstanden?
  3. Phil sagt, Depression ist „schon eher eine Krankheit”. Tragt eure Vermutungen zusammen, warum er das so für sich festlegt hat.
  4. Schreibt auf, welche Symptome einer Depression Phil benennt. Kennt ihr andere bzw. weitere Symptome? Ergänzt eure Liste!
  5. Überlegt: Was meint Phil, wenn er berichtet, dass er „ziemlich perfekt darin war, so zu tun, als würde es ihm gut gehen”?
  6. Diskutiert: Worin unterscheiden sich Traurigsein und Depression?
  7. Schaut nun den Film weiter bis zur Minute 10:02 (stoppt beim Ende der Abendbrotszene) und achtet dabei auf alles, was Phil hilft.
  8. Erstellt in Partnerarbeit eine Hilfe-Liste, auf der ihr alles sammelt, was Phil geholfen hat.  Tragt dann im Plenum eure Notizen zusammen. (wichtig: Notfallzettel in der Küche besprechen)!
  9. Überlegt: Werden in diesem Dokuabschnitt noch weitere Symptome der Depression benannt, die noch nicht auf eurer Liste stehen? Ergänzt!
  10. Schaut die Dokumentation weiter bis zur Minute 12:21 (stoppt am Ende Friedhofsszene).
  11. Tauscht euch über eure Gedanken aus, die euch beim Sehen des Abschnitts in den Kopf gekommen sind. Überlegt: Wieso kam Phil auf den Gedanken, er wäre schuld am Tod seines Vaters?
  12. Schaut die Dokumentation weiter bis zu Minute 15:59 (es klingelt an der Wohnungstür). Achtet dabei auf weitere Symptome einer Depression.
  13. Ergänzt dann eure Symptomliste!
  14. Tragt zusammen, wie die Klasse von Phil auf seine Erkrankung reagiert hat.
  15. Schaut nun die Dokumentation bis zum Ende. Achtet dabei auf alles, was Phil hilft.
  16. Tragt zusammen,was euch beim Schauen des letzten Abschnitts am besten gefallen hat. Klärt, was ihr nicht verstanden habt.
  17. Überprüft eure Hilfeliste! Was muss noch ergänzt werden?

Gruppenarbeit Depression in Kinderbüchern

  1. Prüft eines der drei unter 2. aufgeführten Kinderbücher zum Thema Depression mit Hilfe der Frage: Sollte dieses Buch in der Schulbibliothek angeschafft werden? Begründet eure Entscheidung schriftlich!
  2. Bildet interessengeleitet Kleingruppen zu den Büchern:
    Erdmute von Mosch, Mamas Monster, 7. Auflage 2024; Claudia Gliemann, Papas Seele hat Schnupfen-Papas bunte Brücke, 2022; Schirin Homeier, Sonnige Traurigtage, 2020 (Lehrkraftinformation: Das Buch „Sonnige Traurigtage” hat deutlich mehr Seiten als die anderen beiden- hier vielleicht mehrere Gruppen in Arbeitsteilung arbeiten lassen.)
  3. Stellt eure Ergebnisse im Plenum vor!

Metakognition

Beantwortet abschließend miteinander (oder in Einzalarbeit) folgende Fragen:

  1. Was habe ich gelernt durch das Anschauen und Besprechen der Dokumentation?
  2. Was ist für mich neu gewesen?
  3. Was habe ich nicht verstanden oder finde ich merkwürdig?
  4. Worüber will ich weiter nachdenken?

Weiterführender Link

https://www.deutsche-depressionshilfe.de/unsere-angebote/fuer-lehrkraefte

https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/depression-in-verschiedenen-facetten/depression-im-kindes-und-jugendalter

Der Beitrag Phil und das Traurigsein — Mit Kindern über Depression nachdenken erschien zuerst auf webcompetent.

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