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Lese-Ansicht

KI und Offenheit vereinen: Open Source LLMs im Bildungsbereich

Große Sprachmodelle, die sogenannten Large Language Models (LLMs), sind durch Anwendungen wie ChatGPT, Claude und Gemini in kurzer Zeit bekannt geworden. Die genannten Modelle sind kommerziell und bergen sowohl ethische als auch rechtliche Probleme, insbesondere bei Fragen des Datenschutzes und des Urheberrechts. Eine Anwendung dieser Modelle im schulischen Kontext kann daher herausfordernd sein. Eine Alternative sind so genannte offene LLMs. Die Offenheit der einzelnen Modelle unterscheidet sich jedoch deutlich.

Lila Stoffhintergrund, Bunter Sticker mit Spruch "Open Source F*ck Yeah" im Vordergrund
Open Source Fuck Yeah. Bild: Kirsten Comandich via flickr.com , CC BY-SA 2.0; Sternchen hinzugefügt von Angela Karnoll

Ein Beitrag von Jens Crueger

Was bedeutet Offenheit bei LLMs?

LLMs bestehen aus drei Kernbestandteilen, die für eine Freigabe unter offener Lizenz infrage kommen:

  1. Der Code, der die Modellarchitektur und den Code für Training, Konfiguration und Inferenz enthält,
  2. die Trainingsdaten, die dem Modell Wissen über die Welt vermitteln,
  3. die Modellgewichte (Weights), dies sind die im Training erlernten Parameter der Informationsverarbeitung, also der Gewichtung und Verknüpfung von Informationen.

Hinsichtlich der Offenheit von LLMs ist daher die entscheidende Frage, welche dieser Elemente frei zugänglich und nutzbar sind, und welche verwehrt bleiben. Grundsätzlich lassen sich zwei Typen von offenen LLMs unterscheiden: Open Weight LLMs und Open Source LLMs.

Nur begrenzte Offenheit bei Open Weight LLMs

Bei Open Weight Modellen sind die im Training erarbeiteten Modellgewichte und damit ihre erlernte Gewichtung und Verknüpfung von Informationen öffentlich zugänglich. Dadurch wird es für Dritte möglich, das Modell auf ihrem Rechner auszuführen, seine Funktionsweise zu untersuchen, und es für eigene Bedarfe anzupassen.

Allerdings werden bei Open Weight Modellen nicht sämtliche Elemente öffentlich gemacht. Insbesondere der für das Training verwendete Code und der Korpus an Trainingsdaten bleiben dem freien Zugriff und der Einsicht verwehrt.

Der fehlende Zugriff auf die Trainingsdaten bedeutet urheberrechtliche und ethische Risiken sowie Sicherheitsgefahren, beispielsweise im Hinblick auf technische Hintertüren der Systeme. Open Weight LLMs sind daher bei der Suche nach offenen LLMs für den Bildungsbereich nicht zu empfehlen.

Komplette Offenheit bei Open Source LLMs?

Open Source LLMs stellen neben ihren Modellgewichten sowohl ihren Code als auch die Trainingsdaten öffentlich. Die Open Source Initiative hat 2024 die Open Source AI Definition 1.0 veröffentlicht, in der die Voraussetzungen einer Open Source LLM weiter aufgeschlüsselt werden.

Unter den aktuell verfügbaren weit über 100 Open Source LLMs gibt es im Detail weitere Abstufungen der Offenheit. Die Linux Foundation hat deshalb mit dem Model Openness Framework (MOF) eine Einteilung in die drei Stufen Open Model, Open Tooling Model und Open Science Model vorgeschlagen. Auf Basis dieses Framework ordnet die Website isitopen.ai rund 80 Modelle ein.

Anwendungen im Bildungskontext

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) hat 2024 in einem Impulspapier zu Large Language Models und ihren Potenzialen im Bildungssystem dafür plädiert, die LLMs „in geeignete Lernplattformen zu integrieren oder Commons-Alternativen zu entwickeln“ (S.21).

Im Rahmen des bundesländerübergreifenden Projektes AIS (Adaptives Intelligentes System) wird seit November 2024 ein Open Source LLM für den Einsatz im Unterricht entwickelt. Der Chatbot dieses LLMs nennt sich „AIS.chat“. Dieses Angebot ist kostenfrei und soll alle rechtlichen Anforderungen, insbesondere im Hinblick auf den Datenschutz, erfüllen.

Manche Lehrkräfte und Schulen hegen jedoch den Wunsch nach einem LLM, das ohne einen externen Anbieter (sei es ein kommerzieller oder ein staatlicher) auskommt. Open Source-Modelle, die als lokale Systeme auf einem schuleigenen Rechner laufen, können eine Alternative sein (vgl. dazu https://linux-bildung.at/2025/05/lokale-ki-auf-eigenem-server/) und benötigen noch nicht mal eine stehende Internetverbindung. Initiativen zu eigenen Open Source-KI-Umgebungen sind an Hochschulen bereits öfter zu finden, beispielsweise an der Universität Paderborn.

Offenheit und Lokalität als Themen der Zukunft

Sowohl die Entwicklung von KI-Modellen als auch die Implementierung von KI in den Unterricht bewegen sich derzeit rasant voran. Die Relevanz, die Open Source-Anwendungen dabei entfalten können, ist aufgrund der rechtlichen und ethischen Probleme großer Tech-Konzerne und ihrer kommerziellen Modelle hoch. Lokale Open Source-Modelle kommen dem Ideal von Souveränität über Technologie und Daten sehr nahe. Initiativen wie OSOS (Open Source Open Schools) können für Lehrkräfte ein Anlaufpunkt sein, die sich für lokale KI-Modelle an Schulen interessieren.

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Jens Crueger, iRights.info für OERinfo – Die Informationsstelle OER

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OER rechtssicher veröffentlichen: Der Kurzcomic „Whirlpool statt Haifischbecken“

Meine Materialien offen lizenzieren, und das auch noch rechtssicher? Wie soll ich das in meiner Arbeitszeit schaffen? Diese Frage stellen sich viele Lehrkräfte und Lehrende regelmäßig – so auch Prof. Cocker im Kurzcomic Whirlpool statt Haifischbecken. Open Educational Resources veröffentlichen – Rechtlich entspannt & sicher der Hamburg Open Online University (HOOU). Der Comic zeigt auf, dass das Rechtliche keine Hürde sein muss.

Linke Hälfte: Mann mit Laptop und fröhlichem Gesicht, Sprechblasen, Rechte Hälfte: Mann mit Laptop und verängstigtem Gesicht, zwei Haie über ihm mit Sprechblasen
Auszug aus Comic „Whirlpool statt Haifischbecken“, Screenshot: Andrea Schlotfeldt, CC BY 4.0

Ein Beitrag von Andrea Schlotfeldt

Das Team der Hamburg Open Online University (HOOU) an der HAW Hamburg hat auf Grundlage eines HOOU-Storytelling-Workshops und in Zusammenarbeit mit der Studierenden Mara Wild (HAW Hamburg) ein Kurzcomic zum Thema Recht bei der OER-Produktion realisiert. Der Comic trägt den Titel „Whirlpool statt Haifischbecken. Open Educational Resources veröffentlichen – Rechtlich entspannt & sicher“ und steht auf Edusharing als OER zur Verfügung.

Der Comic hat das Ziel, die Bereitschaft von Lehrenden zu stärken, ihr Wissen und ihre Arbeitsergebnisse für eine größere Zielgruppe zugänglich machen, indem sie ihre Lehrmaterialien als offene Bildungsmaterialien bereitstellen. Er lädt dazu ein, eine recht weit verbreitete und mit Studien belegte Sorge von Lehrenden neu zu betrachten: die Angst vor rechtlichen Risiken bei der Erstellung und Veröffentlichung offener Bildungsmaterialien.

Viele Lehrende verbinden OER weiterhin mit rechtlicher Unsicherheit, etwa im Hinblick auf das Urheberrecht, Lizenzfragen, den Umgang mit fremden Materialien oder zunehmend auch KI-Erzeugnissen. Diese Bedenken sind nachvollziehbar, müssen jedoch kein Hindernis sein. Der Comic macht deutlich, dass Lehrende mit diesen Fragen nicht allein dastehen.

Unterstützung bei der OER-Produktion: Beratungsangebote, Leitfäden und Supportstellen

In den letzten Jahren ist eine sehr vielfältige Landschaft an Informations- und Beratungsangeboten entstanden. Sie unterstützen die Lehrkräfte und Lehrende gezielt dabei, OER rechtssicher und zielgruppengerecht zu erstellen. An Hochschulen und weiteren Institutionen gibt es eine große Bandbreite an OER-Supportstellen (z. B. HOOU, Orca.NRW, twillo), Bibliotheksmitarbeitende und teils explizite Rechtsberatungs- und Rechtsinformationsstellen, die Fragen zu Lizenzen, Bildrechten oder Nachnutzung verständlich erklären und konkrete Hilfestellung leisten. Ergänzend finden sich online zahlreiche Leitfäden, Tutorials, Checklisten und Community-Angebote, die den Einstieg erleichtern und Sicherheit geben.

Rechtliche Fragen als Teil des Lernprozesses verstehen

Der Comic zeigt auf, dass rechtliche Unsicherheiten nicht als Hürde, sondern als lernbarer Teil des OER-Prozesses verstanden werden können. Wer vorhandene Beratungsangebote nutzt, muss nicht jede Frage selbst klären oder jedes Risiko allein abschätzen. OER-Produktion kann so zu einer entspannten und Zufriedenheit stiftenden Praxis werden, die sich gut in den Lehr- bzw. Arbeitsalltag integrieren lässt.

Offene Bildungsmaterialien als Beitrag zu Bildung für alle

Gleichzeitig verweist der Comic auf die übergeordnete Perspektive: Mit jedem offen lizenzierten Material, also jedem Skript, Schaubild oder Lehrvideo wächst der OER-Fundus. Es ist ein gemeinsamer Wissensraum, von dem Lehrende und Lernende weltweit gleichermaßen profitieren können. Offene Bildungsmaterialien ermöglichen Zugang zu Bildung unabhängig von Hochschuleinschreibung, Herkunft, finanziellen Ressourcen oder institutionellen Grenzen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum UNESCO-Ziel und SDG 4 „Bildung für alle“.

Offene Lizenzen als Chance für Wissensaustausch und Gemeinwohl

Der Comic ermutigt Lehrende daher, den ersten Schritt zu wagen: sich zu informieren, Beratung in Anspruch zu nehmen und OER nicht als Risiko, sondern als Chance zu begreifen. Wer unterstützt und gut informiert ist, kann entspannt offene Bildungsmaterialien erstellen – und damit Wissen teilen, das über den Hörsaal, den Seminar- oder Klassenraum hinaus in die Gesellschaft wirkt. Dies ist in Zeiten von KI und Fakes News etc. ein wertvoller für das Gemeinwohl nicht zu unterschätzender Beitrag.

Hinweis: Auf der flexibel gestaltbaren Seite 4 können nach Wahl Informationsmaterialien für die OER-Produktion verlinkt oder Kontaktinformationen von Supportstellen an der eigenen Institution oder anderswo eingefügt werden.
 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Andrea Schlotfeldt, Hamburg Open Online University (HOOU) an der HAW Hamburg für OERinfo – Die Informationsstelle OER

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OER zu Halloween: Kostenlose Materialien und Lernideen für den Unterricht

Süßes oder Saures! Obwohl Halloween in Deutschland kein gesetzlicher Feiertag ist (in manchen Bundesländern ist der 31.10. zwar ein Feiertag, dieser ist aber mit dem Reformationstag zu begründen), erfreuen sich die Bräuche aus den USA auch hierzulande großer Beliebtheit. Besonders Kinder haben Spaß daran, in gruseligen Kostümen von Tür zu Tür zu gehen und Süßigkeiten zu sammeln. Um auch im Unterricht ein bisschen Gruselspaß zu verbreiten, haben wir eine kleine Sammlung offener Materialien rund um Halloween zusammengestellt.

Kürbis mit geschnitztem Gesicht, kleiner Kürbis obendrauf, rundherum Herbstblätter
Zwei Kürbisse. Foto: Lucyin via commons.wikimedia.org, CC BY-SA 4.0; Seitenverhältnisse geändert von Angela Karnoll

Ein Beitrag von Angela Karnoll

Arbeitsblätter Grundschule

Bilder und Video

Malvorlagen und Basteln

Apps

Bildbearbeitung, 3D-Druckvorlagen

Wiki

Audio

Kreuzworträtsel

Englischunterricht (Digitale Aufgaben)

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Angela Karnoll für OERinfo – Die Informationsstelle OER

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Die Mischung macht’s: Kennzeichnung und Lizenzierung von Materialien mit KI-Anteil

Künstliche Intelligenz unterstützt Schaffende auch bei der Erstellung von OERs in variablem Umfang. Häufig entstehen dabei so genannte ‚gemischte Materialien‘. Damit gemeint sind Materialien, die entweder aus einer Zusammenstellung von KI-generierten und persönlich erstellten Elementen bestehen oder aus einem Inhalt, für dessen Erstellung KI und Mensch zusammenwirken. Je nachdem, wie das gemischte Material beschaffen ist, gibt es dabei in Bezug auf die Lizenzierbarkeit und die Kennzeichnung des KI-Dienstes verschiedene Aspekte zu beachten.

Geöffnete Plastikverpackung, aus der bunte Bonbons herausfallen
Bunte Bonbons aus der Tüte – Süße Verlockung für Naschkatzen. Bild: Marco Verch via CCNull.de, CC BY 2.0; Seitenverhältnisse geändert von Angela Karnoll

Ein Beitrag von Lea Singson

Was sind gemischte Inhalte?

Bei gemischten Materialien ist zwischen Inhalten mit trennbaren Elementen und Inhalten mit einem Hauptelement mit zwei Erstellungsmethoden zu unterscheiden:

Verfasst eine Autorin für einen Online-Artikel beispielsweise einen Text und fügt diesem ein KI-generiertes Titelbild hinzu, handelt es sich bei der Kombination aus Text und Bild um ein gemischtes Material, wobei das Bild und der Text dabei zwei voneinander trennbare Elemente sind.

Lässt die Autorin den Text selbst teilweise mit KI erstellen und verfasst ihn teilweise selbst, liegt mit dem Text ein Hauptelement mit zwei Erstellungsmethoden vor.

Wann wird ein KI-Beitrag urheberrechtsrelevant?

Da ein urheberrechtlicher Schutz – und damit auch eine Lizenzierung mit CC BY – eine persönliche geistige Schöpfung voraussetzt, sind KI-generierte Materialien mangels menschlicher Schöpfung nicht schutz- und lizenzierfähig. KI-Output ist damit von sich aus gemeinfrei bzw. „open“.

Prompt versus persönliche geistige Schöpfung

KI-Outputs werden durch das Eingeben eines Befehls, eines so genannten Prompts, erzeugt. Eine persönliche geistige Schöpfung setzt voraus, dass eine Person ein Werk durch eigene kreative, individuelle Entscheidungen formt. Da ein Prompt als Steuerung eines technischen Systems zu verstehen und rein anweisend ist, erfüllt er nicht die Voraussetzung einer persönlichen geistigen Schöpfung.

In der Praxis wird der Output nach dem Prompt häufig noch verfeinert. In so einem Fall kann es urheberrechtlichen Schutzfähigkeit des Prompts kommen, wenn der kreative Beitrag der Erstellerin stärker hervortritt, als die KI-generierten Inhalte. Mehr dazu hier.

Wie lizenziere ich gemischte Inhalte?

Hier gilt Unterschiedliches, je nachdem, ob es sich um Inhalte mit trennbaren oder untrennbaren Elementen handelt.

  1. Inhalte mit trennbaren Elementen

Da die KI-generierten Inhalte naturgemäß gemeinfrei sind, sollten diese mit einem Public Domain Mark versehen werden. Die selbst erstellten, urheberrechtlich geschützten Inhalte können lizenziert werden. Damit der Inhalt als OER genutzt werden kann, empfiehlt sich die Lizenzierung mit der CC BY 4.0-Lizenz. Soll das gemischte Material einheitlich lizenziert werden, empfiehlt sich die CC0-Lizenz. Da diese Lizenz die lizenzierten Inhalte in die Gemeinfreiheit entlässt, eignet sie sich auch zur Kennzeichnung von vornherein gemeinfreien Inhalten. Genaueres dazu hier.

  1. Inhalte mit einem Hauptelement

Bei Inhalten, die aus einem Hauptelement bestehen, durch die Mischung aus KI-Generierung und persönlichem Schaffen entstanden sind und bei denen der Schwerpunkt der Erstellung im persönlichen Schaffen liegt, kann der Inhalt insgesamt mit einer Lizenz wie der CC BY 4.0-Lizenz versehen werden. Liegt der Schwerpunkt in der KI-Generierung, ist der Inhalt insgesamt als gemeinfrei zu kennzeichnen. In beiden Fällen kann auch hier eine CC0 Lizenz verwendet werden.

Wie mache ich KI-Anteile transparent?

Im Kontext der KI-Verordnung hat die EU-Kommission jüngst einen Verhaltenskodex für die Kennzeichnung von KI-Inhalten veröffentlicht. In diesem Leitfaden finden sich auch Vorschläge für KI-Kennzeichnungs-Symbole, die hier näher dargestellt werden. Auch wer individuelle OER-Materialien erstellt, kann hieraus Orientierungshilfen für die KI-Kennzeichnung ableiten. Generell empfiehlt es sich bei der Erstellung von OER-Materialien mit KI den verwendeten KI-Dienst zu nennen. Darüber hinaus sollten Erstellende darstellen, wofür KI genau verwendet wurde und der Prompt sollte allgemein beschrieben werden. Bei Materialien mit trennbaren Anteilen bietet sich die Kennzeichnung so nah am KI-Inhalt wie möglich an (beim Text-Bild-Beispiel also direkt unter dem Bild). Bei Materialien mit einem Hauptelement kann der Hinweis unter dem Inhalt erfolgen.

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Lea Singson, iRights.info für OERinfo – Die Informationsstelle OER

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Zwischen Institution und Individuum: Die eigene Haltung zu Offenheit mit einem OER-Kodex kommunizieren

OER-Strategien und OER-Policys formulieren den institutionellen Anspruch, Offenheit in Lehre, Forschung und Bildungsarbeit zu fördern. Doch Offenheit entsteht nicht allein durch formale Regelungen: Sie wird vor allem in Projekten, Teams und der individuellen Praxis gelebt. Ein OER-Kodex kann dazu beitragen, diese persönliche und gemeinsame Haltung sichtbar zu machen, Orientierung zu bieten und die Kommunikation über Offenheit zu stärken.

Links: Umriss eines Menschen, der ein Dokument hält, gezeichnet mit einer durchgehenden Linie. Rechts: Drei Sechsecke mit den Buchstaben O, E und R in der Mitte
OER-Kodex von Ombrella und Co-WOERK. Grafiken: Co-WOERK (Illustration Mensch) und Silvia Retzlaff (OER-Kodex-Grafik) , CC BY 4.0

Ein Beitrag von Sonja Philipp

Im Rahmen der OE_COM-Projekte Ombrella und Co-WOERK wurden verschiedene Ansätze für einen solchen OER-Kodex entwickelt. Die Idee entstand Ende 2024 im Austausch innerhalb der OER-Community. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie eine OER-Policy durch ein Instrument ergänzt werden kann, das nicht nur institutionelle Ziele beschreibt, sondern auch die Perspektive derjenigen berücksichtigt, die offene Bildungsmaterialien erstellen, nutzen und verbreiten.

Die Zusammenarbeit der beiden Projekte war für diesen Entwicklungsprozess besonders gewinnbringend. Ombrella ist im Südwesten Deutschlands an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg angesiedelt und bewegt sich damit im Kontext dualer Hochschulbildung. Co-WOERK arbeitet dagegen im Nordosten Deutschlands und ist im universitären Umfeld verankert. Der Austausch zwischen verschiedenen Hochschularten, regionalen Perspektiven und Arbeitsweisen hat die Entwicklung des Kodex bereichert. Unterschiedliche Erfahrungen mit offenen Bildungsmaterialien und institutionellen Rahmenbedingungen konnten zusammengeführt und in die Entwürfe aufgenommen werden.

Der OER-Kodex soll dabei keine zusätzliche bürokratische Vorgabe sein. Vielmehr soll er OER-Erstellenden, Multiplikator:innen und Hochschulangehörigen Sicherheit und Orientierung geben. Er kann beispielsweise verdeutlichen, welche Werte mit offener Bildung verbunden sind, wie Verantwortung im Umgang mit Materialien übernommen wird und welche Rolle Kooperation, Transparenz und gegenseitige Unterstützung spielen. Damit ergänzt er bestehende Strategien und Policys um eine persönliche sowie gemeinschaftliche Dimension.

Austauschveranstaltung zum OER-Kodex

Am Donnerstag, 8. Oktober 2026, laden die Projekte Ombrella und Co-WOERK von 13:00 bis 14:30 Uhr zu einem offenen Online-Runden Tisch ein. Unter dem Titel „Zwischen Institution und Individuum: Die eigene Haltung zu Offenheit mit einem OER-Kodex kommunizieren“ stellen die Projekt-Beteiligten den aktuelle Entwicklungsstand der Kodex-Entwürfe vor. Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an OER-Multiplikator*innen, Hochschulangehörige sowie alle Interessierten aus dem OER-Netzwerk.

Neben Einblicken in den bisherigen Entwicklungsprozess bietet der Runde Tisch Raum für Austausch und Diskussion. Gemeinsam mit den Teilnehmenden sollen die Potenziale eines OER-Kodex für Hochschulen, Projekte und Communities ausgelotet werden. Besonders wichtig ist dabei das Feedback aus der OER-Community: Die vorliegenden Entwürfe sollen weiterentwickelt werden und unterschiedliche Erfahrungen sowie Anforderungen aus der Praxis aufnehmen.

Etwa zwei Wochen vor der Veranstaltung werden die aktuellen Kodex-Versionen und ergänzende Materialien bereitgestellt. Interessierte können diese per E-Mail unter oer@mosbach.dhbw.de anfordern. Der Zugangslink zur Online-Veranstaltung wird gesondert veröffentlicht. Alle Informationen zur Veranstaltung selbst sind auf der OER-Worldmap hinterlegt: https://oerworldmap.org/resource/urn:uuid:52c2976e-4016-4e13-9338-ab969f1bf774

Auch über den Runden Tisch hinaus soll die Diskussion fortgeführt werden. Zum Jahresende 2026 sind zwei Podcast-Folgen in Kooperation mit OERinfo geplant. Sie widmen sich dem Inhalt des OER-Kodex, seiner Entstehungsgeschichte sowie der projektübergreifenden Zusammenarbeit von Ombrella und Co-WOERK.

Weiterführende Links

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Sonja Philipp, DHBW Mosbach  für OERinfo – Die Informationsstelle OER

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Freie Bildungsmaterialien zu Pubertät und Organspende der Siemens Stiftung

Die umfangreiche Materialsammlung der Siemens Stiftung enthält Arbeitsblätter und Unterrichtsideen rund um die Themenwelten Umwelt, Energie und Gesundheit. Neu hinzugefügt wurden zuletzt Medienpakete mit freien Bildungsmaterialien zu Pubertät und Organspende. Mit interaktiven Übungen, Grafiken und Präsentationen können Schüler*innen an diese sensiblen Themen altersgerecht herangeführt werden. Lehrkräften stehen Leitfäden mit Hilfestellungen zur Verfügung.

Collage aus zwei Grafiken, Links oben Zeichnungen zu Geschlechtsorganen, Tampons und Achselhaaren; unten links Zeichnung zweier sich etwas fragenden Menschen
Grafiken: Siemens Stiftung, CC BY-SA 4.0; Collage: Angela Karnoll, CC BY-SA 4.0

Ein Beitrag der Siemens Stiftung

Medienpaket Pubertät Teil I – Körperliche Veränderungen

Die Pubertät markiert den Übergang von der Kindheit zum Erwachsenwerden. Das Medienpaket „Pubertät Teil I – Körperliche Veränderungen“ bereitet Kinder ab der 3. Klasse mit interaktiven Übungen und weiteren Medien wertschätzend und diversitätssensibel auf diese aufregende Entwicklungsphase vor. Es entstand in Kooperation mit der preisgekrönten Bildungsinitiative KNOWBODY UG.

Die Pubertät ist eine Zeit der Veränderung. Schon ab dem achten Lebensjahr können erste Anzeichen und körperliche Veränderungen auftreten, die den Übergang zwischen der Kindheit und dem Erwachsenwerden ankündigen. Deshalb ist es wichtig, Kinder frühzeitig über diese Lebensphase aufzuklären – und das mit einem wertschätzenden Blick, um ihnen eine gesunde körperliche und sozial-emotionale Entwicklung zu ermöglichen. Das Medienpaket „Pubertät Teil I – Körperliche Veränderungen“ gibt Lehrkräften dazu geeignete Medien und Ideen für die Umsetzung im Unterricht an die Hand.

Das Medienpaket entstand in Kooperation mit der preisgekrönten Bildungsinitiative KNOWBODY UG und umfasst 14 Einzelmedien, darunter interaktive Übungen, anschauliche Grafiken sowie einen ausführlichen Leitfaden für Lehrkräfte.

Die Unterthemen

Das Medienpaket behandelt die Themen:

  • wesentliche körperliche Entwicklungsschritte in der Pubertät
  • wertschätzende Kommunikation über den eigenen Körper und die Körper anderer
  • Körperhygiene, insbesondere das Waschen der Genitalien
  • Strategien für den Umgang mit Unsicherheiten und Ängsten in Bezug auf die Pubertät
  • sensible Betrachtung des Körpers gegenüber Diskriminierung und Scham

KNOWBODY UG setzt sich für einen zeitgemäßen Sexualkundeunterricht ein und hat bereits eine mehrfach ausgezeichnete und international beachtete App zu den Themen Beziehung, Sexualität, Geschlecht, Körper und Selbstbestimmung für die Sekundarstufe entwickelt. Umso mehr freuen wir uns als Siemens Stiftung, gemeinsam mit dem engagierten Team das Medienpaket „Pubertät Teil 1 – Körperliche Veränderungen“ entwickelt zu haben und als offene Bildungsressource (OER) anbieten zu können, um Schülerinnen und Schüler bereits in der Primarstufe mit dem wichtigen Thema der sexuellen Bildung zu erreichen.

Auf unserem Medienportal finden Sie auch das ebenfalls in Kooperation mit KNOWBODY UG entwickelte Medienpaket „Körper“. Es betont Einmaligkeit, Gemeinsamkeiten und Vielfalt und hat das Ziel, Kinder in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken, sodass sie Grenzen besser wahrnehmen und setzen können.
 

Medienpaket „Organspende – eine Entscheidung ohne richtig oder falsch?“

Organspende ist ein sensibles Thema, das viele Fragen aufwirft – gerade bei jungen Menschen. Das neue Medienpaket „Organspende – eine Entscheidung ohne richtig oder falsch?“ unterstützt Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse dabei, sich informiert mit dem Thema auseinanderzusetzen und eine eigene, fundierte Entscheidung zu treffen. Im Mittelpunkt steht ein gemeinschaftlich aufgebautes Impulsarchiv, das Fragen beantwortet, Informationen bündelt und Raum für persönliche Zweifel, Ängste und Perspektiven schafft. So werden Jugendliche dabei begleitet, eine informierte eigene Entscheidung zu treffen.

Jedes Jahr warten in Deutschland tausende Menschen auf ein Spenderorgan, gespendet werden allerdings deutlich weniger Organe. Für eine Organspende ist es entscheidend, ob eine Person zu Lebzeiten zugestimmt oder abgelehnt hat – Letzteres ist auch schon im Alter von 14 Jahren möglich. Deshalb wurde das Medienpaket „Organspende – eine Entscheidung ohne richtig oder falsch?“ entwickelt, das Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse auf dem Weg zu ihrer eigenen Entscheidung unterstützt.

Als Einstieg dient ein Comic, in dem sich zwei Figuren in einer Alltagssituation mit dem Thema Organspende auseinandersetzen und dabei den Organspendeausweis vorstellen. Die Schülerinnen und Schüler betrachten die Organspende anschießend aus vier verschiedenen Perspektiven, die die gesundheitlichen, emotionalen, sozialen und ethisch-religiösen Aspekte des Themenkomplexes hervorheben. In Teamarbeit widmen sich die Lernenden jeweils einem Impuls oder einer Frage, die sie durch selbstständige Recherche mit Informationen beantworten und als Impulskachel veranschaulichen. Alle Kacheln werden zu einem sogenannten Impulsarchiv zusammengefasst, das die Schülerinnen und Schüler bei ihren Entscheidungen unterstützt, ob sie selbst einer Organspende zustimmen oder widersprechen würden. Zum Ende der Unterrichtseinheit wechselt der Austausch auf die Meta-Ebene und die Klasse bespricht im Plenum ihren Umgang mit Diskussionen von emotionalen Themen.

Die Unterthemen

Das Medienpaket behandelt die Themen:

  • Ablauf und Regelung der Organspende in Deutschland und Europa
  • Betrachtung von und Auseinandersetzung mit Vorurteilen, Ängsten und Sorgen
  • Individuelle Einordnung der Bereitschaft zur Organspende – wertungsfrei und ohne Druck
  • Sichtweisen, die für die Betrachtung von Organspende wichtig sind
  • Respektvolle Kommunikation und Diskussionskultur in der Klassengemeinschaft

Das Medienpaket „Organspende – eine Entscheidung ohne richtig oder falsch?“ beinhaltet eine PowerPoint-Präsentation, die sich als roter Faden für Lehrkraft und Lernende durch den Unterricht zieht. Grafiken und Illustrationen veranschaulichen das Thema und ein Comic sorgt für einen szenischen Einstieg. Begleitet werden die Medien durch eine Handreichung zur Erstellung des Impulsarchivs, einen umfassenden Leitfaden mit Hilfestellungen für die Lehrkraft und eine Linkliste, die den Schülerinnen und Schülern bei der Recherche einen Startpunkt bietet und für die Lehrkraft weiterführende Informationen beinhaltet. Die Durchführung des Medienpakets nimmt insgesamt vier Schulstunden in Anspruch.

Durch die umfassende Behandlung verschiedener Themenaspekte kann das Medienpaket sowohl im Biologie- und Naturwissenschaftsunterricht als auch in Ethik- oder Religionsstunden durchgenommen werden. Des Weiteren eignet sich die Unterrichtseinheit für einen Thementag oder fächerübergreifende Schulstunden. Auch wenn die Lehrpläne eine Behandlung von Organspende vor ethischem Hintergrund erst in der Sekundarstufe II vorsehen, ist dieses Medienpaket explizit ab der 8. Klasse geeignet, da die Schülerinnen und Schüler schon ab 14 Jahren einer Organspende aktiv widersprechen können. Hier kann das Medienpaket dabei helfen, zu überlegen, ob die Lernenden diese Möglichkeit in Anspruch nehmen wollen.
 

Über das Medienportal für den MINT-Unterricht der Siemens Stiftung

Das „Medienportal für den MINT-Unterricht“ der Siemens Stiftung bietet Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern freie, kostenlose und qualitätsgeprüfte Unterrichtsmaterialien sowie Fortbildungsangebote etwa zu Design Thinking oder Service-Learning für naturwissenschaftlich-technische Fächer. Die rund 3.400 multimedialen Medien zu Energie, Umwelt und Gesundheit liegen als Open Educational Resources (OER) vor und dürfen somit bearbeitet, geteilt und verbreitet werden. Sie fördern einen wertebildenden Unterricht sowie Forschendes, Inklusives und Kooperatives Lernen. Die Materialien gibt es in Deutsch und Englisch für alle Altersstufen und Schularten. Spanische Medien liegen auf dem Bildungsportal für Lateinamerika – CREA (Centro de Recursos Educativos Abiertos).
 

Alle Links auf einen Blick

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Siemens Stiftung für OERinfo – Die Informationsstelle OER

Der Beitrag Freie Bildungsmaterialien zu Pubertät und Organspende der Siemens Stiftung erschien zuerst auf OERinfo – Informationsstelle OER.

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Zentrale Erkenntnisse aus den OERinfo-Austauschforen für Elementarbildung und berufliche Bildung

Im Juni 2026 führte das Team von OERinfo Online-Veranstaltungen mit Akteur*innen der Elementar- und Berufsbildung durch, um sich über aktuelle Herausforderungen, Bedarfe und Potenziale von offenen Bildungsmaterialien auszutauschen. Die Veranstaltungen schließen an die Ergebnisse des systematischen Mappings an, die dabei gezielt aufgegriffen wurden. Die Diskussionen in den Veranstaltungen und die flankierende Befragung der Teilnehmenden zeigen, welche Aspekte rund um OER die Akteur*innen in diesen Bildungsbereichen beschäftigen. 

Laptop mit Videokonferenz von neun Personen neben Tasse und Notizbüchern mit handschriftlichen Stichpunkten sowie Illustrationen von Figuren, Symbolen und Würfeln mit Texten zu Bildungsthemen
Digitale Austauschforen zu OER in Elementar- und Beruflicher Bildung. Bild: KI-generiert mit CoPilot, gemeinfrei

Ein Beitrag von Johannes Appel

Bei OERinfo verfolgen wir im Communitybuilding das Ziel, neue Zielgruppen für Open Educational Resources (OER) zu erschließen. Dabei sollen vor allem Bildungsbereiche gestärkt werden, die noch besonderes Entwicklungspotenzial aufweisen.

Analyse von Bildungsinstitutionen in Bezug auf OER

Rückblick

Ein Zwischenschritt, um auf empirischer Grundlage einen fundierten Überblick über konkrete Bildungsakteure und ihre OER-Aktivitäten zu erhalten, war das systematische Mapping. In verschiedenen Blogbeiträgen haben wir bereits die Konzeption, Methodik und Zwischenergebnisse des Mappings vorgestellt. Eine ausführliche wissenschaftliche Darstellung des Analyseverfahrens und der Ergebnisse findet sich zudem in einem Beitrag in der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft (Appel, Grimm & Rittberger 2026), ergänzt durch einen auf Zenodo verfügbaren “Leitfaden zur Durchführung des Systematic Mappings von OER-Communities“ (Appel 2026).

Die Methode

Kurz zusammengefasst wurden für das systematische Mapping ausgewählte Institutionen aus der Elementarbildung und der beruflichen Bildung mithilfe eines angepassten Stakeholderanalyse-Verfahrens untersucht. Die beiden genannten Bildungsbereiche wurden dabei aus dem Grund in den Blick genommen, da sie nach bisherigen Kenntnissen in Bezug auf OER noch nicht in dem Maße als erschlossen gelten wie etwa der Schul- oder der Hochschulbereich (vgl. OER-Statistik von WirLernenOnline und entsprechende Daten der OER World Map, sowie Informationen dazu im oben genannten Artikel). Im Rahmen der Analysen wurde auf Grundlage standardisierter Online-Recherchen der Einflussgrad der Institutionen im jeweiligen Bildungsbereich sowie die Art der erkennbaren OER-Aktivitäten systematisch eingeschätzt.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass zwar bei rund 70 Prozent der untersuchten Institutionen keine OER-Aktivitäten sichtbar waren; gleichzeitig wurden aber eine Reihe von OER-relevanten Aktivitäten unterschiedlicher Art sichtbar. Gute Ansatzpunkte für die Erweiterung der OER-Community bieten dabei aus unserer Sicht solche Institutionen, die sich mit ihren nach außen erkennbaren Aktivitäten und Angeboten „an der Schwelle” zu OER bewegen (vgl. Appel, Grimm, Rittberger 2026).

Austausch und Vernetzung fördern  – bildungsbereichsspezifisch

Die Diskussion der Ergebnisse des Systematic Mappings bestärkte uns darin, im nächsten Schritt die Gruppe der „OER-nahen Akteure“ gezielt mit Austausch- und Vernetzungsangeboten anzusprechen. Dazu konzipierten wir Online-Austauschforen, um im Dialog mehr über die  bildungsbereichsspezifische OER-bezogene Situation dieser Zielgruppen zu erfahren und anschließend im Austausch mit erfahrenen OER-Akteuren über mögliche Synergien und Potenziale ins Gespräch zu kommen. 

Durch gezielte Ansprache Beteiligung generieren 

Die Einladung der Teilnehmenden geschah durch eine gezielte Ansprache, die je nach Möglichkeit entweder direkt an konkrete, innerhalb der Institution für das Themengebiet zuständige Personen gerichtet wurde, oder über einen zentralen institutionellen Kontakt lief. Interessant ist, dass sich in einigen Fällen bereits an diesem Punkt ein ausführlicheres Gespräch zum Thema OER entwickelte, zum Beispiel wenn es um Rückfragen zur allgemeinen Einordnung der Thematik oder die zu erwartenden Inhalte der Veranstaltung ging. 

Ausgangslage einschätzen – Angebot bedarfsgerecht stricken 

Flankiert wurde die Einladung zu den Online-Austauschforen durch eine onlinebasierte Vorbefragung, um die bildungsbereichsspezifische OER-bezogene Ausgangslage aus Sicht der Teilnehmenden besser einschätzen und die Veranstaltungsinhalte darauf anpassen zu können. Sieben teils offene, teils geschlossene Fragen thematisierten die OER-bezogene Ausgangslage der Teilnehmenden und ihrer Institutionen, den wahrgenommenen Bedarf an OER, bestehende Hürden bei deren Verbreitung sowie Wünsche und Unterstützungsbedarfe für die weitere Entwicklung des Themenfeldes. Teilgenommen haben insgesamt 14 Personen, wobei sich diese Zahl jeweils zur Hälfte auf die beiden einbezogenen Bildungsbereiche aufteilt. 

OER ist als Phänomen durchgängig bekannt, aber in unterschiedlicher Weise präsent 

Als erstes Ergebnis der flankierenden Online-Vorbefragung zeigte sich, dass 13 von 14 Befragungsteilnehmenden die Begriffe Open Educational Resources, OER oder offene Bildungsmaterialien bekannt waren. Die selbstberichteten OER-Aktivitäten in den eigenen Institutionen ergaben als Nächstes ein insgesamt vielfältiges Bild: Nur eine befragte Person gab an, dass ihr bislang keine OER-Aktivitäten an ihrer Institution bekannt seien. Die übrigen Teilnehmenden berichteten von sehr unterschiedlichen Formen der Auseinandersetzung mit OER – von ersten Schritten, wie einer grundlegenden Beschäftigung mit dem Thema oder der vereinzelten Nutzung verfügbarer Materialien, über Pläne zur Erstellung eigener OER bis hin zur Veröffentlichung eigener Angebote und den internen Austausch von OER. Darüber hinaus gab es auch strukturierte OER-Angebote in Form eigener Portale oder Mediatheken und auch Beteiligungen an institutionenübergreifenden Angebotsstrukturen. Dies verdeutlicht, dass in den Institutionen der Beteiligten sehr unterschiedliche Berührungspunkte mit OER bestehen – ein aufgrund der Vorarbeiten im Rahmen des systematischen Mappings durchaus erwartbares Gesamtergebnis, das jedoch durch aufschlussreiche Einblicke ergänzt wurde: So wurde beispielsweise über eine Institution berichtet, dass ein dort bereits bestehendes, relativ breites Angebot an frei zugänglichen, bislang aber nicht offen lizenzierten Materialien künftig mit CC-Lizenzen versehen werden soll und hierzu bereits Gespräche mit Akteur*innen aus der OER-Community stattgefunden haben.

Erste Eruierung von OER-Mehrwerten und -Barrieren 

Bei der freien Nennung zentraler Mehrwerte von OER im jeweiligen Feld führten die Befragten dann bereits einige Punkte an, die später auch in den Diskussionen innerhalb der Veranstaltungen auftauchen sollten: Die allgemeine Förderung des Wissenstransfers auf unterschiedlichen Ebenen (Theorie/Praxis, Weiterbildung, kollegialer Austausch) wurde in beiden Bildungsbereichen wiederholt als zentraler Vorteil genannt. Daneben wurden die Flexibilität und Differenzierbarkeit von Materialien, die potenzielle Zeitersparnis bei der Materialerstellung sowie der Beitrag von OER zur Weiterentwicklung pädagogischer Prozesse und des pädagogischen Personals als wichtige Potenziale von OER hervorgehoben. 

Als vorrangige Barrieren für die Verbreitung von OER wurden von den Befragten der Beruflichen Bildung insbesondere fehlende Ressourcen (sowohl für Suchen und Finden als auch Erstellen und Verbreiten von OER), fehlende Qualitätssicherung und mangelnde Kenntnisse bei (potenziellen) Nutzer*innen gesehen, wobei Letzteres oftmals auch mit rechtlichen Unsicherheiten in Verbindung steht. Rechtliche Unsicherheiten und mangelnde Kenntnisse der Nutzer*innen standen hingegen bei den Befragten aus der Elementarbildung als häufige Barrieren im Vordergrund, ebenfalls in Verbindung mit fehlenden Ressourcen. 

Vergleich von Innen- und Außensicht  

Aufschlussreich war auch der Vergleich der Einschätzungen der Teilnehmenden zu den OER-Aktivitäten ihrer Institutionen mit den Ergebnissen unseres zuvor durchgeführten Mappings. Dabei zeigten sich sowohl Übereinstimmungen als auch Abweichungen: In mehreren Fällen lagen unsere Einschätzungen und die der Betroffenen selbst nur leicht auseinander – etwa, wenn wir auf Grundlage der verfügbaren Informationen das öffentliche Engagement einer Institution für OER geringer eingeschätzt hatten, als es tatsächlich ist. Die Befragungsergebnisse zeigen damit die Grenzen einer reinen Außenperspektive auf Institutionen auf und unterstreichen zugleich die Relevanz des direkten Austauschs mit den jeweiligen Akteur*innen.  

Die Befragungsergebnisse lieferten damit einen ersten Eindruck davon, wie die Beteiligten OER in Bezug auf ihr Feld und ihre Institution einordnen. In den Veranstaltungen selbst wurden dann sowohl diese als auch weitere Aspekte vertiefend diskutiert. 

Diskussion in Austauschforen vertiefen 

Die zweistündigen Online-Austauschforen, an denen neun (Berufliche Bildung) bzw. elf (Elementarbildung) Personen teilnahmen, waren darauf ausgerichtet, einen strukturierten, aber ergebnisoffenen Austausch zwischen den unterschiedlichen Beteiligten zu fördern.  

Auf eine kurze Begrüßung und Einordnung der Veranstaltung folgte eine Vorstellungsrunde. Die Teilnehmenden konnten dabei Einblicke in ihre Institution, ihr Angebot oder Projekt sowie ihre bisherigen Berührungspunkte mit OER sowie damit einhergehenden Herausforderungen und Bedarfe geben. Darauf folgte entlang unterschiedlicher Leitfragen die Diskussion der übergeordneten zentralen Frage: Wie kann die Verbreitung von offenen Bildungsmaterialien im jeweiligen Bildungsbereich gefördert werden? Die Ergebnisse der Online-Vorbefragung wurden dabei jeweils als Gesprächsimpuls oder als Rückfrage in den Diskussionsverlauf eingeflochten. 

Lizenzierungsfragen, Qualitätssicherung und KI: Diskussionsergebnisse für die Berufliche Bildung 

Im Austauschforum mit den Akteur*innen der Beruflichen Bildung standen im Verlauf der Diskussion zunächst Fragen zum Thema offene Lizenzierung im Vordergrund, insbesondere im Hinblick auf Implikationen für den Aufbau von OER-Strukturen und Angeboten: Was gibt es diesbezüglich zu bedenken, welche Erfahrungen haben die Beteiligten in ihrem Umfeld bisher mit dieser Thematik gemacht? Hier zeigten sich bereits die mitunter sehr unterschiedlichen Perspektiven und Vorerfahrungen, was erneut auf die zentrale Bedeutung dieses Teilaspekts von OER hinweist. 

Ein weiteres, von den Teilnehmenden als zentral diskutiertes Thema war die Qualitätssicherung. Dies wurde zugleich als Vorteil als auch als Herausforderung gesehen: OER bieten die Möglichkeit, auf relativ einfachem Wege aktuelle und hochwertige Inhalte schnell zugänglich und flexibel nutzbar zu machen, was große Potenziale für die Aus- und Weiterbildung darstellt. Besonders im Falle hochspezialisierter Inhalte bringt dies allerdings auch die Notwendigkeit mit sich, deren Korrektheit sicherzustellen – auch mit Blick auf die Weiterverwendung bzw. Überarbeitung. Diesem Aspekt nähern sich die Beteiligten auch auf unterschiedliche, für ihren jeweiligen Kontext passende Art und Weise. 

Ein großes Augenmerk der Diskussion lag schlussendlich auf den aktuellen sowie absehbaren Entwicklungen rund um OER und Künstliche Intelligenz. Potenziale wurden hier insbesondere bei der Erleichterung der Suche nach OER oder Hilfen bei der Materialerstellung gesehen. Dem stehen jedoch mögliche Risiken auf Seiten der (zuvor bereits diskutierten) Qualitätssicherung sowie die mögliche kommerzielle Verwertung frei zugänglicher Inhalte durch KI-Tool-Anbieter gegenüber. Als grundlegend wurde hier von den Teilnehmenden eine allgemeine Sensibilisierung auf allen Ebenen gesehen. 

Wissenstransfer, offene Lizenzen und Medienkompetenz: Diskussionsergebnisse für die Frühe Bildung:  

Die Akteur*innen der Frühen Bildung waren sich einig bezüglich der großen Mehrwerte von OER für den Wissenstransfer, zwischen Wissenschaft und Praxis einerseits sowie zwischen den Fachkräften andererseits. OER bieten an der Stelle die Möglichkeit einer schnelleren und breiteren Wirkung von aktuellen Erkenntnissen in Praxis, wobei die tatsächliche Ausschöpfung dieses Potenzials immer noch ausbaufähig ist. Eine Rolle spielen dabei die fehlenden zeitlichen Ressourcen, vor allem bei den Praktiker*innen. Ein möglichst leichter und unkomplizierter Zugang zu den Materialien ist daher bei OER-Angeboten in diesem Feld ein wichtiger Faktor, um die in der Praxis oder praxisnah professionell Tätigen erreichen zu können. Dies setzt voraus, dass die Angebote sowohl zielgruppengerecht gestaltet als auch möglichst nutzerfreundlich aufbereitet sind.  

Relevant ist in dem Zuge einmal mehr – wie bereits bei der Veranstaltung zur Beruflichen Bildung – der Themenkomplex rund um Rechtsfragen und offene Lizenzierungen. Durch den allgemeinen Mangel an zeitlichen Ressourcen und eine gleichzeitig große Heterogenität hinsichtlich der Ausgeprägtheit von Medienkompetenzen bei den pädagogischen Fachkräften ist es in diesem Feld besonders schwierig, das Thema wirksam zu vermitteln oder Interesse dafür zu wecken. 

Die Notwendigkeit zum engen Austausch bzw. zur Zusammenarbeit mit der Praxis lässt sich daher als zentraler Punkt für die nachhaltige und wirksame Etablierung von OER in der Frühen Bildung festhalten, flankiert durch ein stetiges Hinweisen auf das Thema in Veranstaltungen, im persönlichen Kontakt und über bestehende Kanäle der Fachcommunity. 

Was wir aus den Austauschforen mitnehmen 

Wie erhofft haben die Ergebnisse der beiden Online-Austauschforen dazu beigetragen, das zuvor im Rahmen des Systematischen Mappings auf empirischer Basis gewonnene Bild zum Stand der Etablierung von OER in den beiden Bereichen der Frühen bzw. der Beruflichen Bildung um wichtige Einblicke zu ergänzen. Diese sind für weitere Maßnahmen zur OER Community-Erweiterung relevant. 

Es wird deutlich, dass in vielen Bildungsinstitutionen durchaus ein Bewusstsein für und zum Teil auch ausgeprägte Kenntnisse zu offenen Bildungsmaterialien vorhanden sind. Im Gespräch mit den beteiligten Akteur*innen wurde deutlich, dass sich einige “auf dem Weg” befinden, um die Nutzung oder Produktion von OER in der jeweiligen Fachcommunity zu fördern oder sogar konkrete Angebote aufzubauen bzw. zu etablieren.  

Neben der allgemeinen Einigkeit bezüglich der großen Potenziale von OER sehen sich die Akteur*innen in der Beruflichen und der Frühen Bildung aber auch Herausforderungen gegenüber, die die (Weiter-)Entwicklung des Themas in ihren Bereichen hemmen oder zumindest verlangsamen. Zentraler Faktor sind hier die fehlenden zeitlichen Ressourcen bei den jeweiligen Praktiker*innen, um sich mit den Grundlagen – ganz besonders rechtlicher Art (Stichwort CC-Lizenzen), aber auch technischer Art (u. a. Rolle von KI oder Tools) – auseinander zu setzen, oder auch um geeignete OER zu suchen, zu produzieren oder zu teilen.  

Die Vermittlung entsprechender Kenntnisse in den jeweiligen Fachcommunities wurde in beiden Veranstaltungen als eine Aufgabe verstanden, die mit Hilfe von Austausch und Vernetzung zwischen den unterschiedlichen Akteur*innen insgesamt wirksamer bewältigt werden kann. Der Mehrwert des direkten persönlichen Gesprächs wurde unserer Meinung nach auch durch die Online-Austauschforen einmal mehr deutlich.  

Für die Umsetzung weiterer Anschlussmaßnahmen stehen wir von OERinfo mit den Teilnehmenden weiterhin im Austausch. Über erste Aktivitäten hierzu werden wir zeitnah berichten und uns mit der OER-Community austauschen können. 

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Johannes Appel für OERinfo – Die Informationsstelle OER

Der Beitrag Zentrale Erkenntnisse aus den OERinfo-Austauschforen für Elementarbildung und berufliche Bildung erschien zuerst auf OERinfo – Informationsstelle OER.

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OER und das Urheberrecht – ein Überblick der Beiträge von iRights.info

Im Bereich der Offenen Bildungsmaterialien sind Fragen rund um das Urheberrecht und Künstliche Intelligenz ein Dauerbrenner. iRights.info hat als Kooperationspartnerin von OERinfo in den vergangenen Jahren zahlreiche Blogbeiträge hierzu beigesteuert. Der folgende Artikel gibt einen thematischen Überblick und soll als Orientierungshilfe dienen. 

Viele übereinanderliegende weiße Blätter mit dem Paragraphen-Zeichen
Paragraph, Attorney. Bild: Gerd Altmann/geralt via pixabay; Pixabay-Lizenz

Ein Beitrag von Jens Crueger

Möglichkeiten zur urheberrechtsfreien Nutzung von Bildungsinhalten

 

KI und OER

 

Creative-Commons-Lizenzen für OER-Materialien

 

Creative-Commons-Module

 

Änderungen und Rücknahmen

 

Besonderheiten und Herausforderungen

 

Wo findet man Material?

 

Ausblick für OER und das Urheberrecht

Die Künstliche Intelligenz fordert das Urheberrecht aktuell sehr heraus, und schafft damit auch im Kontext der Freien Bildungsmaterialien viele neue Fragen. Die Kooperation zwischen OERinfo und iRights.info wird daher auch in Zukunft spannende Themen bieten.

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Jens Crueger, iRights.info für OERinfo – Die Informationsstelle OER

Der Beitrag OER und das Urheberrecht – ein Überblick der Beiträge von iRights.info erschien zuerst auf OERinfo – Informationsstelle OER.

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Wie OER in die Hochschul-Praxis kommt: Recap Barcamp TriebfedOERn 3.0

Das Barcamp TriebfedOERn 3.0 in der Jugendherberge Mannheim brachte 17 Teilnehmende zusammen, die sich zu OER, KI, offenen Wissenskulturen und didaktischen Fragen austauschten. Besonders sichtbar wurde dabei die Breite des Feldes: Im Gespräch waren Professor*innen, Mitarbeitende aus Supporteinheiten, Projektmitarbeitende sowie Personen aus weiteren Bereichen der Förderung von OER. Diese unterschiedlichen Perspektiven prägten den Tag und sorgten dafür, dass Fragen aus Lehre, Beratung, Projektarbeit und struktureller Entwicklung immer wieder zusammenliefen.

Menschen mit Laptops am Tisch sitzend
Gesprächsrunde beim Barcamp TriebfedOERn 3.0. Bild: Ombrella, nicht unter freier Lizenz

Ein Beitrag von Sonja Philipp

Themen, die die Community beschäftigen

Schon bei der Sessionplanung zeigte sich, wie viele unterschiedliche Themen die Teilgebenden im Bereich OER beschäftigen. Es ging um die Erstellung und Nachnutzung offener Materialien, KI als Querschnittsthema, Lizenzierungsfragen, Unterstützungsstrukturen, Prüfungsformate und um den Umgang mit offenen Wissensbeständen.

Die Sessions

Beispielhaft dafür stand die Session „Bilder/Lizenzen/Formate“. Dort wurden Fragen rund um Lizenzmodelle, Bildquellen, Quellenangaben und geeignete Formate für OER aufgegriffen. Im Mittelpunkt standen unter anderem unterschiedliche Creative-Commons-Lizenzen, weitere Lizenzformen und der Umgang mit KI-generierten Bildern. Auch Überlegungen zu Formaten und Werkzeugen wie Präsentationen, Markdown, H5P, Jupyter Notebooks oder LaTeX fanden hier Platz.

Auch die Session „OER und/oder Wikipedia“ lässt sich als Beispiel für die Bandbreite der Diskussionen nennen. Hier ging es um Wikipedia als Wissensquelle, als kollaborative Arbeitsumgebung und als möglichen Bezugspunkt für Lehre und Prüfungen. Zur Sprache kamen dabei Fragen der Zitierfähigkeit und der Nachvollziehbarkeit von Änderungen. Außerdem sprachen wir über das Verhältnis von Wikipedia zu anderen Formen der Wissensaneignung, etwa zu KI-Systemen oder wissenschaftlichen Publikationen.

Ein weiteres Beispiel war „Heiter scheitern – Don’ts and Do’s in OER-Projekten“. Dort wurden Erfahrungen aus Projekten gesammelt, in denen Vorhaben an Lizenzfragen, Werkzeugentscheidungen, formalen Anforderungen oder an der praktischen Umsetzbarkeit ins Stocken geraten waren. Daran knüpften Fragen an, wie früh OER in Projekten mitgedacht werden müssen und die Rolle von Infrastrukturen, Standards und Arbeitsprozessen.

Daneben wurden in weiteren Sessions unter anderem das Verhältnis von Tempo, Qualität und nachhaltiger Nachnutzbarkeit von OER, OER in Verbindung mit KI, OER-Support, Infos für Jurymitglieder, OER als Prüfungsform, Content Clubs sowie ein möglicher OER-Kodex im Zusammenhang mit DFG und KI diskutiert.

So zeigte das Barcamp TriebfedOERn 3.0, wie vielfältig die aktuellen Gespräche rund um OER sind. Neben Materialien und Lizenzen rückten auch Arbeitsweisen, Infrastrukturen, Zuständigkeiten und didaktische Fragen in den Blick. Die Zusammensetzung der Teilnehmenden machte es möglich, diese Themen aus verschiedenen Richtungen zusammenzuführen und weiterzudenken.

Dokumentation

Durchgeführt wurde TriebfedOERn 3.0 durch das BMBFSFJ-geförderte Projekt Ombrella an der DHBW Mosbach. Die gesamte Dokumentation ist unter CC BY 4.0 lizenziert und hier abrufbar: https://bwsyncandshare.kit.edu/s/A4Fnst5RcQeSJeK

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Sonja Philipp, DHBW Mosbach für OERinfo – Die Informationsstelle OER

Der Beitrag Wie OER in die Hochschul-Praxis kommt: Recap Barcamp TriebfedOERn 3.0 erschien zuerst auf OERinfo – Informationsstelle OER.

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Just calling it Open is not enough – Hürden öffentlicher Bildungsinfrastrukturen und erste Lösungsansätze mit Nostr

OER sind offen lizenzierte Bildungsmaterialien, die meist unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht werden. Sie lassen sich also nicht nur frei nutzen, sondern auch anpassen, weiterentwickeln und erneut veröffentlichen. Seit Jahren werden deshalb sowohl die Erstellung freier Materialien als auch Plattformen und Repositorien gefördert, die diese Materialien auffindbar machen sollen. Trotzdem lässt sich eine scheinbar simple Frage bis heute nicht eindeutig beantworten: „Wo kann ich mein OER-Material veröffentlichen?“

Ländliche Umgebung, Mann im Getreidefeld, mit Landkarte in der Hand
Herausforderungen öffentlicher Bildungsinfrastrukturen. Bild: Steffen Rörtgen, Gina Buchwald-Chassée und Jannik Streek, KI-generiert

Ein Beitrag von Steffen Rörtgen & Gina Buchwald-Chassée (Comenius-Institut), Jannik Streek (B310 Digital GmbH)

Die Problematik

Der Grund ist eine stark fragmentierte Bildungslandschaft. Es existieren zahlreiche OER-Plattformen, auf denen sich Materialien hochladen lassen. Doch die Inhalte bleiben meist innerhalb der jeweiligen Plattform eingeschlossen und sind anderswo weder sichtbar noch weiterverwendbar. Viele Angebote sind zudem an bestimmte Bildungskontexte gebunden oder veröffentlichen Inhalte erst nach eigenen Prüf- und Freigabeprozessen. Einfaches, öffentliches und plattformübergreifendes Teilen ist dadurch kaum möglich.

Das verweist auf ein grundlegenderes Problem: Heute sind Infrastruktur und Plattform meist untrennbar verbunden. Wer die Infrastruktur betreibt, betreibt zugleich den Service – und kontrolliert damit nicht nur Funktionen und Interaktionen, sondern auch den Zugang zu Daten und Inhalten. So entstehen dieselben Lock-in-Effekte, die man von großen Medienplattformen kennt: Inhalte, Metadaten und Nutzer*innen bleiben an einzelne Systeme gebunden und können ihre Daten nicht einfach auf andere Plattformen mitnehmen.

Eine echte öffentliche Bildungsinfrastruktur müsste dagegen offen zugänglich sein und den freien Austausch von Daten ermöglichen – unabhängig davon, welche Services darauf aufsetzen. Plattformen könnten dann weiterhin unterschiedliche Oberflächen, Communities oder Zusatzfunktionen anbieten, ohne Inhalte voneinander abzuschotten.

Der Ist-Zustand

Der heutige Zustand ist ungefähr so, als würde jeder Autohersteller eigene Straßen bauen – und zwar nur für die eigenen Fahrzeuge. Einzelne Verbindungsstraßen existieren bereits, beispielsweise zwischen OERSI und twillo sowie diversen anderen Hochschulrepositorien. Doch ein allgemeiner, offener „Verkehrsraum“ für Bildung fehlt.

Diese Fragmentierung zeigt sich an vielen Stellen. Lade ich ein Material auf Plattform A hoch, bleibt es meist auch dort. Nutzer*innen müssen sich entweder auf vielen Plattformen parallel registrieren und Inhalte mehrfach hochladen oder akzeptieren, dass ihre Materialien nur in einzelnen Ökosystemen sichtbar sind. Aggregatoren wie der Open Educational Resources Search Index (OERSI) mildern das Problem, indem sie Metadaten verschiedener Plattformen zentral indexieren. Doch auch dieser Ansatz bleibt begrenzt: Er funktioniert nur für Quellen, die aktiv eingebunden werden, fokussiert bestimmte Bildungsbereiche und beruht auf einem aufwändigen Pull-Prinzip, bei dem Plattformen Inhalte gegenseitig crawlen und importieren müssen.

Ähnlich verhält es sich bei Kuration und Metadaten. Sammlungen oder Listen, die auf einer Plattform entstehen, lassen sich selten auf andere übertragen oder dort kollaborativ weiterführen. Metadaten werden meist zentral vergeben, oft einmalig beim Upload durch Redaktionen oder Einzelpersonen. Nutzer*innen können ihr eigenes Wissen über Materialien kaum ergänzen oder alternative Nutzungskontexte sichtbar machen, obwohl genau darin ein großes Potenzial gemeinschaftlicher Wissensproduktion liegt.

Auch Suche und Indexierung sind ineffizient organisiert: Viele Plattformen entwickeln eigene Crawler, Schnittstellen und Suchindizes, oft parallel und redundant. Kleine Akteure ohne technische Ressourcen bleiben außen vor. Und selbst plattformübergreifende Zusammenarbeit – etwa bei Qualitätssicherung, Peer-Review oder gemeinsamen Empfehlungen – ist technisch kaum möglich, obwohl offene Bildungspraktiken (#OEP) intensiv diskutiert werden. Dasselbe gilt zunehmend für KI-Dienste: Werkzeuge zur automatischen Verschlagwortung, Suche oder Empfehlung funktionieren meist nur innerhalb der Plattform, für die sie entwickelt wurden, und entstehen vielerorts parallel.

So unterschiedlich diese Probleme wirken – fehlende Interoperabilität, doppelte Erschließung, isolierte Plattformen, nicht-portable Sammlungen, plattformgebundene KI-Services –, sie haben dieselbe strukturelle Ursache. Die meisten heutigen Bildungsplattformen koppeln drei Dinge eng aneinander:

  • User – die Menschen und Communities,
  • Services – Oberflächen und Anwendungen,
  • Daten – Inhalte, Metadaten, Sammlungen und Interaktionen.

Nutzer*innen interagieren über einen Service mit Daten, die innerhalb derselben Plattform gespeichert und kontrolliert werden. Genau daraus entstehen die bekannten Lock-in-Effekte. Für kommerzielle Plattformen ist das oft Teil des Geschäftsmodells. Für öffentliche Bildungsinfrastrukturen ist es jedoch problematisch, weil so genau die Silostrukturen reproduziert werden, die offene Bildung eigentlich überwinden will.

Von Plattformen zu Protokollen

Ein alternativer Ansatz besteht darin, diese drei Ebenen zu entkoppeln und statt auf isolierte Plattformen auf offene Protokolle zu setzen. Genau hier wird das Nostr-Protokoll für den Bildungsbereich interessant. Nostr steht für „Notes and Other Stuff Transmitted by Relays“ und ist ein offenes, dezentrales Protokoll, das ursprünglich für soziale Netzwerke entwickelt wurde. Im Kern beschreibt es kein konkretes Produkt und keine einzelne Plattform, sondern eine gemeinsame Sprache für den Austausch von Daten.

Der entscheidende Unterschied zu klassischen Plattformarchitekturen: Identität, Datenhaltung und Services werden voneinander entkoppelt. Ein Service besitzt die Daten nicht mehr exklusiv, sondern wird zur Oberfläche auf einer gemeinsamen Infrastrukturbasis. Nutzer*innen können dieselben Daten über verschiedene Anwendungen hinweg verwenden, ohne ihre Inhalte, Metadaten oder sozialen Beziehungen zu verlieren. Plattformen konkurrieren dann nicht mehr um exklusive Datenbestände, sondern um die besseren Interfaces, Communities oder Zusatzfunktionen.

Identitäten statt Accounts

In klassischen Plattformen wird Identität über Benutzerkonten organisiert: Die Plattform verwaltet Login, Passwort und Profil und bindet die Identität damit an sich.
Nostr verfolgt einen anderen Ansatz. Nutzer*innen besitzen ihre Identität selbst, in Form eines kryptografischen Schlüsselpaars aus einem Private Key und einem Public Key. Der Private Key bleibt geheim und funktioniert wie eine digitale Unterschrift: Mit ihm signieren Nutzer*innen Daten und beweisen, dass ein bestimmtes Event tatsächlich von ihnen stammt. Der Public Key ist die öffentliche Identität; andere können damit die Gültigkeit einer Signatur prüfen, ohne den privaten Schlüssel zu kennen, ähnlich einer E-Mail-Signatur.

Dieses Prinzip steckt bereits in vielen alltäglichen Technologien, etwa in HTTPS, Messengern oder digitalen Zertifikaten. Nostr nutzt es konsequent als Grundlage für digitale Identität in einem offenen Netzwerk. Dadurch gehört die Identität nicht mehr einer Plattform, sondern den Nutzer*innen selbst. Wer von Service A zu Service B wechselt, behält dieselbe Identität – und ebenso Inhalte, Kontakte und Interaktionen, sofern die verwendeten Relays die jeweiligen Daten bereitstellen.

Events statt proprietärer Datenmodelle

Die eigentlichen Daten werden bei Nostr als sogenannte Events gespeichert und verteilt. Ein Event ist ein signierter Datensatz in einem standardisierten JSON-Format; vereinfacht gesagt wird jede Aktion im Netzwerk als Event beschrieben – etwa ein veröffentlichter Beitrag, Metadaten zu einem OER-Material, eine Materialsammlung, ein Kommentar, eine Annotation, eine Bewertung oder ein Verweis auf externe Dateien wie PDFs oder Videos.

Jedes Event enthält unter anderem den öffentlichen Schlüssel des Urhebers, einen Zeitstempel, einen Typ (das „kind“, also etwa Termin oder Blogbeitrag), den eigentlichen Inhalt, zusätzliche Metadaten sowie eine kryptografische Signatur. Diese Signatur stellt sicher, dass ein Event nicht unbemerkt verändert werden kann und eindeutig einer Identität zugeordnet ist. Weil Events standardisiert aufgebaut sind, können unterschiedliche Anwendungen dieselben Daten lesen, interpretieren und weiterverarbeiten – unabhängig davon, von welchem Service sie ursprünglich veröffentlicht wurden.

NIPs: Gemeinsame Regeln für Interoperabilität

Damit unterschiedliche Anwendungen dieselben Daten verstehen, definiert Nostr sogenannte NIPs („Nostr Implementation Possibilities“). Das sind offene Spezifikationen, die beschreiben, wie bestimmte Eventtypen oder Funktionen strukturiert sein sollen – etwa wie Profile aussehen, wie Kommentare referenziert werden, wie Listen und Sammlungen funktionieren, wie Medien eingebunden oder wie Suchanfragen formuliert werden.

Interoperabilität entsteht so nicht über zentrale Plattformen oder proprietäre APIs, sondern über gemeinsam genutzte Protokollregeln. Sammlungen, Annotationen, Metadaten oder Qualitätssiegel lassen sich dadurch unabhängig von der konkreten Anwendung plattformübergreifend verstehen und weiterverarbeiten.

Relays als gemeinsame Infrastruktur

Verteilt werden die Events über sogenannte Relays: vergleichsweise einfache Server, die Events entgegennehmen, speichern und an andere Teilnehmer*innen weitergeben. Sie bilden die gemeinsame Transport- und Verteilungsschicht der Infrastruktur.

Wichtig ist: Relays sind keine Plattformen im klassischen Sinn. Sie definieren weder Benutzeroberflächen noch Geschäftslogiken oder Nutzungsszenarien. Unterschiedliche Anwendungen können dieselben Relays nutzen und dieselben Daten unterschiedlich darstellen. Dadurch werden Services austauschbar: Eine Plattform ist nicht länger der Ort, an dem Daten existieren, sondern nur noch eine Oberfläche, die Daten sichtbar und nutzbar macht.

Das hat erhebliche Folgen für Nachhaltigkeit und Resilienz. Im heutigen Plattformmodell verschwinden Inhalte häufig gemeinsam mit der Plattform: Wird ein Projekt eingestellt, läuft eine Förderung aus oder verschwindet eine Institution, gehen oft auch Inhalte, Metadaten, Sammlungen und Interaktionen verloren. In einer relaybasierten Infrastruktur sind Daten dagegen verteilt gespeichert und nicht an eine einzelne Anwendung gebunden. Mehrere Relays können dieselben Events halten und weiterverteilen; fällt ein Relay oder ein Service aus, bleiben die Daten an anderer Stelle verfügbar, und neue Anwendungen können jederzeit darauf zugreifen.

Gerade für öffentlich finanzierte Bildungsressourcen ist das relevant. Wenn Materialien als Gemeingut verstanden werden, sollte ihre Verfügbarkeit nicht davon abhängen, ob eine bestimmte Plattform oder Förderung weiterhin existiert.

Binärdaten und Medieninhalte

Für größere Dateien wie Bilder, Videos oder PDFs gibt es ergänzende Ansätze wie sogenannte Blossom-Server („Blobs stored simply on mediaservers“). Dabei liegen die Binärdaten auf spezialisierten Medienservern, während Metadaten, Referenzen und Interaktionen weiterhin über Nostr-Events verteilt werden. Auch hier bleibt das Grundprinzip erhalten: Daten und Services sind voneinander entkoppelt, und Anwendungen greifen nicht auf proprietäre Silos zu, sondern auf gemeinsam verfügbare Inhalte.

Offenheit als Infrastrukturprinzip

Ein protokollbasierter Ansatz bedeutet nicht, dass alle Anwendungen gleich aussehen oder dieselben Funktionen bieten müssen. Unterschiedliche Communities können weiterhin eigene Plattformen, Qualitätsprozesse, Suchoberflächen oder KI-Dienste entwickeln. Der Unterschied: Diese Services operieren nicht mehr auf isolierten Datensilos, sondern auf einem gemeinsamen offenen Datenraum. Offenheit findet damit nicht nur auf der Ebene der Lizenzierung statt, sondern auch auf der Ebene der Infrastruktur selbst.

Vom Infrastrukturprinzip zur Anwendung – erste Prototypen auf Nostr-Basis

Der beschriebene Ansatz ist nicht rein theoretisch. Im Rahmen der Förderlinien OE_Space und OE_Sprint des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) sind bereits erste Anwendungen entstanden, die den Einsatz des Nostr-Protokolls in offenen Bildungsinfrastrukturen praktisch erproben:

  • ComCal – ein verteilter Veranstaltungskalender zur Vernetzung von Communities und Terminen,
  • ein Onboarding-Tool für niedrigschwellige Zugänge zu Nostr-basierten Bildungsanwendungen,
  • ein kollaboratives Kanban-Board für Inhaltsmanagement und Zusammenarbeit,
  • ein OER-Finder-Plugin zur plattformübergreifenden Suche offener Bildungsressourcen,
  • sowie der Edugraph zur Visualisierung von Inhalts- und Beziehungsnetzwerken.

Die folgenden Beispiele zeigen, wie Anwendungen auf Basis offener, protokollbasierter Bildungsinfrastrukturen aussehen können – Werkzeuge, die nicht in geschlossenen Datensilos operieren, sondern auf einem dezentralen, offenen Fundament aufsetzen. Perspektivisch soll das Nostr-Protokoll auch als infrastrukturelle Grundlage für den im FOERBICO-Projekt entstehenden Community-Hub dienen, der als „Community of Communities“ unterschiedliche Akteure und Netzwerke offener (religionsbezogener) Bildung verbinden soll.

ComCal – ein interoperabler Community-Kalender

Mit ComCal entstand in OE_Space ein erster Community-Kalender auf Basis des Nostr-Protokolls. Ausgangspunkt war eine vertraute Beobachtung: Veranstaltungen werden meist in geschlossenen Kalendersilos organisiert, häufig gekoppelt an einzelne Webseiten, Content-Management-Systeme oder Plattformen. Das führt zu Medienbrüchen, Mehrfacheingaben und Lock-in-Effekten. Wer Termine sichtbar machen will, pflegt sie oft parallel in mehreren Kalendern, und die Daten bleiben an einzelne Plattformen gebunden.

ComCal versteht Veranstaltungen stattdessen als offene, portable Datenobjekte innerhalb eines gemeinsamen Netzwerks. Unterschiedliche Anwendungen können auf dieselben Veranstaltungsdaten zugreifen, sie darstellen, filtern oder weiterverarbeiten. Ein Termin muss damit idealerweise nur einmal erstellt werden und lässt sich anschließend in verschiedenen Clients, Webseiten oder Kalenderanwendungen nutzen.

Technisch baut ComCal auf der Spezifikation NIP-52 auf, die standardisierte Eventtypen für Kalender- und Veranstaltungsdaten definiert – darunter zeitgebundene Veranstaltungen, Event-Sammlungen sowie Zu- und Absagen (RSVPs). Veranstaltungen werden als signierte Events über Relays verteilt und können von unterschiedlichen Anwendungen konsumiert werden. Erprobt wurden bereits diverse Funktionen: Communities pflegen gemeinsame Kalender, machen Veranstaltungen abonnierbar und integrieren Termine über Formate wie .ics in bestehende Desktop-Kalender. Veranstaltungen lassen sich mit Metadaten wie Ort, Zeit, Personen, Bildern, Tags oder Einschreibungsinformationen anreichern und nach Format (online, hybrid, vor Ort), Themen oder Zielgruppen filtern.

Eine besondere Herausforderung liegt in der Integration bestehender Systeme. Auf dem letzten HackathOERn wurde diesbezüglich ein Chat-Bot entwickelt, der Termine aus WordPress-Instanzen ausliest und als Nostr-Event veröffentlichen kann. Umgekehrt ist die Frage zu lösen, wie bestehende Plattformen sich leichtgewichtig an diese interoperable Infrastruktur so anschließen, dass sie Daten nicht nur abgeben, sondern die offen zugänglichen Daten anderer Anbieter in ihrer bisher geschlossenen technischen Konfiguration nutzen. Erkennbar wird damit aber jetzt schon, dass und wie bestehende Plattformen nicht abgelöst, sondern um eine interoperable Infrastrukturebene ergänzt werden.

Der Prototyp ist mittlerweile weiterentwickelt worden und unter https://dev.edufeed.org/discover?type=events erreichbar.

Onboarding-Tool – ein niedrigschwelliger Einstieg

Dezentrale Systeme sind strukturell leistungsfähig, scheitern in der Praxis aber oft an der ersten Hürde: dem Einstieg. Besonders der Umgang mit kryptografischen Schlüsselpaaren und das Verständnis eines nicht-plattformgebundenen Identitätsmodells sind für viele Bildungsakteur*innen eine Einstiegsschwelle. Das in OE_Sprint entwickelte Onboarding-Tool setzt hier an und führt Nutzer*innen schrittweise, intuitiv und interaktiv durch die erste Nutzung. Der Umgang mit dem eigenen Schlüsselpaar wird dabei erklärt und begleitet, sodass die Idee einer selbstverwalteten digitalen Identität verständlich wird ohne technisches Vorwissen.

Ergänzend bietet das Tool „Follow-Packs“: didaktisch und thematisch kuratierte Einstiegspakete, die erste sinnvolle Kontakte, relevante Accounts und passende Inhalte vorschlagen. Sie erleichtern den Aufbau eines initialen Netzwerks und helfen, sich schnell in thematische Communities einzufinden. Damit fungiert das Tool als zentraler Einstiegsknotenpunkt gerade für Lehrkräfte und Bildungsakteur*innen, die mit klassischen Plattformen vertraut sind, aber wenig Erfahrung mit dezentralen Systemen haben. Ziel ist, die Einstiegshürde insgesamt zu senken und die Motivation zu erhöhen, sich aktiv in eine offene, vernetzte OER-Landschaft einzubringen.

Der erste Prototyp ist unter https://onboarding.edufeed.org/ verfügbar; der Open-Source-Code steht unter https://github.com/edufeed-org/onboarding-tool zur Nachnutzung bereit.

Mehr dazu auch unter: https://oer.community/edufeed-pitch/

Onboarding-Tool-Screenshot
Onboarding-Tool-Screenshot; Comenius-Institut Münster e.V., CC BY 4.0

Kanban-Board – kollaboratives Arbeiten ohne Silos

Ebenfalls in OE_Sprint entstand ein lokal im Browser laufender Kanban-Editor als offenes Gegenstück zu proprietären Plattformen wie TaskCards oder Padlet. Wo solche Systeme geschlossene Arbeitsräume erzeugen, in denen Boards und Inhalte an die Plattform gebunden bleiben, verfolgt dieser Prototyp einen protokollbasierten Ansatz: Inhalte werden nicht zentral gespeichert, sondern lassen sich über das Nostr-Protokoll als portable, nachnutzbare Datenstrukturen teilen.

Nutzer*innen können Inhalte erstellen, flexibel strukturieren und ganze Board-Arrangements plattformübergreifend verfügbar machen. Aus einem klassischen Projektmanagement-Tool wird so zugleich ein Werkzeug für Lernorganisation, Unterrichtsplanung und kollaborative Inhaltsentwicklung im OER-Kontext. Der Editor unterstützt KI-gestützte Zusammenfassungen und Vorschläge sowie Exporte nach Markdown, HTML oder JSON, sodass sich Inhalte leicht weiterverwenden oder in andere Systeme überführen lassen. Lehrende und Lernende können gemeinsam an Lernarrangements arbeiten und etwa Inhalte aus OER-Quellen wie OERSI oder edu-sharing direkt in Boards integrieren. Eine Integration in den LiaScript-Editor verbindet die dezentral gespeicherten Inhalte zusätzlich mit konkreten Lernanwendungen.

Der Kanban-Editor versteht sich damit als experimentelle Infrastrukturkomponente für offene Bildungspraktiken, die kollaboratives Arbeiten ermöglicht, ohne Inhalte in geschlossenen Plattformstrukturen zu isolieren. Ein eigenes Board lässt sich unter https://kanban.edufeed.org/ anlegen; der Code steht Open Source unter https://github.com/edufeed-org/kanban-editor bereit.

Kanban-Screenshot, Boardansicht
Kanban-Screenshot; Comenius-Institut Münster e.V., CC BY 4.0

OER-Finder-Plugin – die Suche kommt zur Anwendung

Wer schon einmal eine passende offene Bildungsressource für einen Kurs gesucht hat, kennt das Muster: Plattform durchsuchen, Lizenz prüfen, Bild herunterladen, Tab wechseln, Datei hochladen, Format prüfen und dann dasselbe noch einmal für die nächste Ressource auf der nächsten Plattform.

Dabei ist das OER-Ökosystem in den letzten Jahren bemerkenswert gewachsen: ARASAAC liefert Piktogramme für unterstützte Kommunikation, Wikimedia stellt Millionen frei lizenzierter Medien bereit, und über das Nostr-Edufeed-Netzwerk fließen Bildungsinhalte dezentral zusammen. An Material mangelt es also nicht. Das Problem ist, dass jede Plattform in ihrem eigenen Silo lebt mit eigenen Suchmasken, APIs und Metadatenformaten. Wer Inhalte integrieren will, muss jede Quelle einzeln anbinden; wer Inhalte finden will, jede Plattform einzeln durchforsten.

Das fehlende Puzzlestück ist eine bessere Verzahnung von Quellen und Anwendungen. Das OER-Finder-Plugin setzt genau hier an: Statt Nutzende zu den Quellen zu schicken, kommen die Quellen in die Anwendung. Ein wiederverwendbarer JavaScript-Baustein bringt die Suche über mehrere OER-Anbieter hinweg direkt in die Lernumgebung. Nach der Integration können Nutzende aus der Anwendung heraus über verschiedene Quellen suchen, ohne die Plattform zu verlassen, unter anderem über OpenVerse, ARASAAC, Wikimedia und das Nostr-Edufeed-Netzwerk. Einzelne Quellen lassen sich aktivieren oder deaktivieren, das Look & Feel ist konfigurierbar. Für Entwicklungsteams ist die Einstiegshürde bewusst niedrig: Dokumentation für die Integration in React, Angular und Svelte sind bereits im Projekt zu finden.

Offene Bildungsressourcen entfalten ihren Wert erst, wenn sie genutzt werden. Jeder zusätzliche Schritt zwischen dem reinen Wunsch und dem Finden einer korrekt lizenzierten Ressource verringert diese Wahrscheinlichkeit. Das Plugin verkürzt den Weg und setzt dabei auf Offenheit in beide Richtungen: Der Baustein selbst ist Open Source und aggregiert offene Quellen. Neue Anbieter lassen sich ergänzen, ohne dass Nutzende ihr Verhalten ändern müssen. So entsteht eine gemeinsame, integrierte Suche in der fragmentierten OER-Landschaft. Im Kanban-Board ist das bereits umgesetzt und wird aktuell verprobt: Dort lassen sich Bilder nun direkt zu Karten hinzufügen. Der Code  für das Plugin befindet sich auf GitHub.

Edugraph – inhaltsbezogene Kommunikation sichtbar gemacht

Der ebenfalls in OE_Sprint entwickelte Edugraph macht die dezentrale Struktur des Nostr-Protokolls für einen inhaltsbezogenen Austauschraum nutzbar. Die Idee: Kommunikation nicht losgelöst von Inhalten zu betrachten, sondern direkt an OER-Materialien, Kurs-URLs, Tags oder Klassifikationen zu koppeln. So entsteht ein protokollbasierter Kommunikationsraum rund um Lerninhalte, in dem Lehrende und Lernende unmittelbar am jeweiligen Material diskutieren, ergänzen und kontextualisieren statt in isolierten Kommentarspalten einzelner Plattformen.

Der Edugraph visualisiert diese Interaktionen als Netzwerke, Cluster oder Wolken: Thematisch verwandte Inhalte rücken visuell zusammen, Diskussionsräume verdichten sich um bestimmte Ressourcen, und Beziehungen zwischen Materialien werden als dynamische Graphen erfahrbar. Damit wird die Grundidee der dezentralen Infrastruktur auch auf der Anwendungsebene sichtbar: Inhalte sind nicht isoliert, sondern Teil eines vernetzten Wissensraums, der sich durch Nutzung, Austausch und Kontextualisierung weiterentwickelt.

Edugraph-Screenshot, 6 Rechtecke, die durch bunte Linien verbunden sind
Edugraph-Screenshot; Comenius-Institut Münster e.V., CC BY 4.0

Der erste Prototyp ist unter https://map.edufeed.org verfügbar, der Open-Source-Code unter https://github.com/edufeed-org/nostr-graph-explorer.

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Steffen Rörtgen & Gina Buchwald-Chassée, Comenius-Institut, und Jannik Streek, B310 Digital GmbH,  für OERinfo – Die Informationsstelle OER

Der Beitrag Just calling it Open is not enough – Hürden öffentlicher Bildungsinfrastrukturen und erste Lösungsansätze mit Nostr erschien zuerst auf OERinfo – Informationsstelle OER.

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