❌

Normale Ansicht

KI und Offenheit vereinen: Open Source LLMs im Bildungsbereich

03. November 2026 um 08:57

Große Sprachmodelle, die sogenannten Large Language Models (LLMs), sind durch Anwendungen wie ChatGPT, Claude und Gemini in kurzer Zeit bekannt geworden. Die genannten Modelle sind kommerziell und bergen sowohl ethische als auch rechtliche Probleme, insbesondere bei Fragen des Datenschutzes und des Urheberrechts. Eine Anwendung dieser Modelle im schulischen Kontext kann daher herausfordernd sein. Eine Alternative sind so genannte offene LLMs. Die Offenheit der einzelnen Modelle unterscheidet sich jedoch deutlich.

Lila Stoffhintergrund, Bunter Sticker mit Spruch "Open Source F*ck Yeah" im Vordergrund
Open Source Fuck Yeah. Bild: Kirsten Comandich via flickr.com , CC BY-SA 2.0; Sternchen hinzugefügt von Angela Karnoll

Ein Beitrag von Jens Crueger

Was bedeutet Offenheit bei LLMs?

LLMs bestehen aus drei Kernbestandteilen, die für eine Freigabe unter offener Lizenz infrage kommen:

  1. Der Code, der die Modellarchitektur und den Code für Training, Konfiguration und Inferenz enthält,
  2. die Trainingsdaten, die dem Modell Wissen über die Welt vermitteln,
  3. die Modellgewichte (Weights), dies sind die im Training erlernten Parameter der Informationsverarbeitung, also der Gewichtung und Verknüpfung von Informationen.

Hinsichtlich der Offenheit von LLMs ist daher die entscheidende Frage, welche dieser Elemente frei zugänglich und nutzbar sind, und welche verwehrt bleiben. Grundsätzlich lassen sich zwei Typen von offenen LLMs unterscheiden: Open Weight LLMs und Open Source LLMs.

Nur begrenzte Offenheit bei Open Weight LLMs

Bei Open Weight Modellen sind die im Training erarbeiteten Modellgewichte und damit ihre erlernte Gewichtung und Verknüpfung von Informationen öffentlich zugänglich. Dadurch wird es für Dritte möglich, das Modell auf ihrem Rechner auszuführen, seine Funktionsweise zu untersuchen, und es für eigene Bedarfe anzupassen.

Allerdings werden bei Open Weight Modellen nicht sämtliche Elemente öffentlich gemacht. Insbesondere der für das Training verwendete Code und der Korpus an Trainingsdaten bleiben dem freien Zugriff und der Einsicht verwehrt.

Der fehlende Zugriff auf die Trainingsdaten bedeutet urheberrechtliche und ethische Risiken sowie Sicherheitsgefahren, beispielsweise im Hinblick auf technische Hintertüren der Systeme. Open Weight LLMs sind daher bei der Suche nach offenen LLMs für den Bildungsbereich nicht zu empfehlen.

Komplette Offenheit bei Open Source LLMs?

Open Source LLMs stellen neben ihren Modellgewichten sowohl ihren Code als auch die Trainingsdaten öffentlich. Die Open Source Initiative hat 2024 die Open Source AI Definition 1.0 veröffentlicht, in der die Voraussetzungen einer Open Source LLM weiter aufgeschlüsselt werden.

Unter den aktuell verfügbaren weit über 100 Open Source LLMs gibt es im Detail weitere Abstufungen der Offenheit. Die Linux Foundation hat deshalb mit dem Model Openness Framework (MOF) eine Einteilung in die drei Stufen Open Model, Open Tooling Model und Open Science Model vorgeschlagen. Auf Basis dieses Framework ordnet die Website isitopen.ai rund 80 Modelle ein.

Anwendungen im Bildungskontext

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) hat 2024 in einem Impulspapier zu Large Language Models und ihren Potenzialen im Bildungssystem dafür plädiert, die LLMs „in geeignete Lernplattformen zu integrieren oder Commons-Alternativen zu entwickeln“ (S.21).

Im Rahmen des bundesländerübergreifenden Projektes AIS (Adaptives Intelligentes System) wird seit November 2024 ein Open Source LLM für den Einsatz im Unterricht entwickelt. Der Chatbot dieses LLMs nennt sich „AIS.chat“. Dieses Angebot ist kostenfrei und soll alle rechtlichen Anforderungen, insbesondere im Hinblick auf den Datenschutz, erfüllen.

Manche Lehrkräfte und Schulen hegen jedoch den Wunsch nach einem LLM, das ohne einen externen Anbieter (sei es ein kommerzieller oder ein staatlicher) auskommt. Open Source-Modelle, die als lokale Systeme auf einem schuleigenen Rechner laufen, können eine Alternative sein (vgl. dazu https://linux-bildung.at/2025/05/lokale-ki-auf-eigenem-server/) und benötigen noch nicht mal eine stehende Internetverbindung. Initiativen zu eigenen Open Source-KI-Umgebungen sind an Hochschulen bereits öfter zu finden, beispielsweise an der Universität Paderborn.

Offenheit und Lokalität als Themen der Zukunft

Sowohl die Entwicklung von KI-Modellen als auch die Implementierung von KI in den Unterricht bewegen sich derzeit rasant voran. Die Relevanz, die Open Source-Anwendungen dabei entfalten können, ist aufgrund der rechtlichen und ethischen Probleme großer Tech-Konzerne und ihrer kommerziellen Modelle hoch. Lokale Open Source-Modelle kommen dem Ideal von Souveränität über Technologie und Daten sehr nahe. Initiativen wie OSOS (Open Source Open Schools) können für Lehrkräfte ein Anlaufpunkt sein, die sich für lokale KI-Modelle an Schulen interessieren.

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Jens Crueger, iRights.info für OERinfo – Die Informationsstelle OER

Der Beitrag KI und Offenheit vereinen: Open Source LLMs im Bildungsbereich erschien zuerst auf OERinfo – Informationsstelle OER.

KI, Cloud und Open Source: Die EU sucht die digitale Souveränität

02. November 2026 um 17:22

Die EU will mehr digitale Souveränität. Doch statt eigene hoch leistungsfähige KI-Modelle zu entwickeln, setzt die EU-Kommission nun auf industrielle Anwendung. Bei Plänen zu souveränen Clouds bleibt eine Tür für US-Konzerne offen und Open Source bräuchte mehr Verbindlichkeit. Ein Überblick.

Auf dem Weg in die digitale Unabhängigkeit sucht Brüssel seinen Kurs. – Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com: Denise Jans

In Berlin veranstaltet die Bundesregierung heute und morgen den Digitalgipfel. Während letztes Jahr die digitale Souveränität im Titel stand, geht es dieses Mal vor allem um Künstliche Intelligenz. Gleich im ersten Panel des Eröffnungstages ging es um die Frage, wie „Europas digitales Regelwerk zukunftsfähig“ gemacht werden kann. Doch wohin steuert die EU bei den Themen KI, Cloud und Open Source?

Im Juni stellte die EU-Kommission ihr „Souveränitätspaket“ vor. Das enthält eine Open-Source-Strategie sowie zwei Gesetze: den Chips Act 2 zur Förderung der europäischen Halbleiterindustrie und den „Cloud und AI Development Act“ (CADA) inklusive einer Definition souveräner Cloud.

Soll Europa am KI-Rennen teilnehmen?

Die Kommission erklärte, die Rechenkapazität in der EU bis 2035 verdreifachen zu wollen, um Europa in den Bereichen Cloud und KI unabhängiger aufzustellen. Für diesen Zweck soll der CADA den Bau von Rechenzentren vereinfachen, unter anderem durch beschleunigte Genehmigungen und erleichterte Investitionen. Der Gesetzesentwurf schränkt allerdings nicht ein, wer diese Rechenzentren bauen kann. Manche kritisieren deshalb, dass der CADA die Marktposition bereits etablierter Player – große US-Unternehmen – weiter festigen würde, statt alternative Anbieter zu stärken. So äußert sich zum Beispiel die Europäische Piratenpartei in ihrer Stellungnahme zu CADA. Das Gesetz muss noch verhandelt werden, aktuell arbeiten die Mitgliedstaaten im Rat und das Parlament an ihren Positionen.

Daneben treibt die Kommission gemeinsam mit den EU-Ländern eine andere Initiative voran: Die KI-Gigafabriken wurden schon im Februar 2025 angekündigt und beschreiben sehr große Rechenzentren, die die Entwicklung besonders leistungsfähiger KI-Modelle ermöglichen sollen, sogenannte Frontier-Modelle. „Das Rennen um die Führungsrolle im Bereich der KI ist noch lange nicht vorbei“, hieß es damals.

Doch vor Kurzem fand ein Kurswechsel statt, obwohl die Ausschreibung für die Giga-Rechenzentren noch läuft. Der Sonderbeauftragte der EU-Kommission für industrielle KI, Jim Hagemann Snabe, plädierte laut einem Bericht von Politico dafür, dass Europa weniger Energie darauf verwenden solle, im Wettbewerb mit den USA und China eigene Frontier-Modelle zu entwickeln. Stattdessen solle die EU den Schwerpunkt darauf legen, KI in der europäischen Wirtschaft und Industrie einzusetzen und dadurch die Produktivität zu steigern.

Kurz darauf bestätigte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Vision des Sonderbeauftragten, der gleichzeitig Vorstandsvorsitzender von Siemens ist. Bei ihrer Rede zur Lage der Union am 16. September sagte sie im Hinblick auf KI zwar, dass Europa eigene Rechenkapazitäten brauche, vor allem um die nationale Sicherheit zu schützen. Jedoch gehe es „bei der nächsten Etappe des Rennens“ nicht mehr nur um die fortschrittlichen Modelle: „Wir müssen nicht diejenigen sein, die die Frontier-Technologie entwickeln, um diejenigen zu sein, die den größten Wert daraus ziehen.“ Der Schlüssel liege vielmehr darin, KI „in die echte Wirtschaft und Gesellschaft zu bringen“. Hier befinde sich der echte Wert von KI und hier habe Europa große Vorteile. Damit meint sie Daten in hoher Qualität, aus denen „maßgeschneiderte industrielle KI-Modelle“ werden können.

–––

Gegen Ausweiskontrollen im Netz.
Wir kämpfen für ein offenes Internet. Das geht nur mit deiner Unterstützung.

–––

Europäische Cloud-Anbieter stärken

Neben KI betrachtet die Kommission Cloud-Technologie weiterhin als zentral für die digitale Souveränität. Laut einer Studie des EU-Parlaments halten die drei US-amerikanischen Hyperscaler AWS, Microsoft Azure und Google Cloud etwa 70 Prozent des EU-Marktes. Der Anteil der europäischen Anbieter ist demnach auf 13 Prozent gesunken. Die Kommission sieht in der öffentlichen Beschaffung einen Weg, dies zu verändern, indem mehr europäische Lösungen nachgefragt werden.

Als die Kommission vor einem Jahr Cloud-Dienste für ihre eigene Nutzung ausschrieb, entwickelte sie acht Souveränitätskriterien. Im April beauftrage sie dann vier Konsortien mit überwiegend europäischen Anbietern und zeigte sich von der Qualität und den Preisen der Dienste überzeugt. Andere öffentliche Stellen sollen dem Beispiel folgen. Basierend auf den Kriterien der Ausschreibung beschrieb die Kommission in CADA eine vierstufige Definition von souveräner Cloud mit zahlreichen Anforderungen etwa zum Standort der Daten und der Kontrolle über die Infrastruktur. Für wenig sensible Daten soll eine Stufe-1-Cloud reichen, die nur wenige Souveräntitätskriterien erfüllen muss. Für besonders sicherheitsrelevante Daten würde die höchste Stufe gelten, die außereuropäische Anbieter komplett ausschließt.

Durch verschiedene Schlupflöcher könnten US-Hyperscaler aber sogar für die dritte Souveränitäts-Stufe zugelassen werden. Das könnten Kooperationen über Joint Ventures wie bei der Delos Cloud in Deutschland sein, die auf Microsoftprodukten aufbaut. Oder einzelne Länder könnten als vertrauenswürdig anerkannt werden. Nach Schätzungen der Kommission wären mit den Stufen eins bis drei 99 Prozent der Cloud-Anwendungsfälle im öffentlichen Sektor abgedeckt.

Die Macht ist nicht mit der Kommission

Ob sie einen höheren Souveränitätsgrad brauchen, sollen jedoch die Mitgliedstaaten eigenständig entscheiden. Wenn die nationalen Regierungen und beschaffenden Behörden also nicht aus dem vertrauten Hyperscaler-Umfeld herauswollen – was durchaus mühevoll ist–, könnte der Wille der Kommission daran wohl auch nichts ändern. Und natürlich dürfte das Stufensystem in den anstehenden Verhandlungen ohnehin verändert werden. Hier spielt auch die Frage hinein, wie sehr Regierungen dazu bereit sind, Trump möglicherweise zu verärgern, wenn US-Konzerne ausgeschlossen werden.

Aus diesen Gründen bezweifeln viele, dass die CADA-Klassifizierung den gewünschten Mehrwert für den europäischen Cloud-Markt bringen wird.

Die Kommission geht parallel noch einen anderen Weg. In diesem November wird Brüssel voraussichtlich die Hyperscaler AWS und Azure als Gatekeeper nach dem Digital Markets Act (DMA) bestimmen. Das Verfahren dazu startete vor einem Jahr. Vor dem Sommer kam die Kommission schon zum vorläufigen Ergebnis, dass beide Unternehmen die Voraussetzungen für eine solche Einstufung erfüllen könnten. Ob sich der Cloud-Markt mit dem DMA tatsächlich wirksam regulieren lässt, ist fraglich. Die europäische Cloud-Branche erwartet die Entscheidung aber dennoch gespannt und erhofft sich davon, dass der Wettbewerb für europäische Anbieter dadurch ein Stück weit fairer wird.

–––

Die Arbeit von netzpolitik.org finanziert sich aus den Spenden unserer Leser:innen.
Unterstütze auch du unseren gemeinwohlorientierten, werbe- und trackingfreien Journalismus. Spende jetzt..

–––

Welche Rolle spielt Open Source?

„Wenn Europa souverän sein will, bleibt kaum eine andere Wahl, als Open Source zu nutzen, um den Rückstand aufzuholen. Die Kosten für einen Neuanfang sind einfach zu hoch“, sagte der hochrangige Kommissionsbeamte Thibaut Kleiner bei einer Veranstaltung von Politico in Brüssel vor zwei Wochen. In der Generaldirektion Connect ist er als Direktor für „Future Networks“ auch für Cloud Computing verantwortlich. Mit seiner Aussage bezieht er sich darauf, dass Europa bereits ein großes Open-Source-Ökosystem habe. Es brauche nur noch mehr Zusammenschluss, um einen Binnenmarkt zu erreichen.

Mit der Open-Source-Strategie, welche die Kommission zusammen mit dem CADA im Juni vorstellte, will die Behörde ihren Beitrag dazu leisten. In der Community wurde sie insgesamt gut aufgenommen, auch weil die Kommission Open Source damit offiziell einen hohen Stellenwert gebe. Der größte Kritikpunkt ist die fehlende Verbindlichkeit.

Auch hier liegt der entscheidende Hebel letztlich wohl bei den einzelnen Staaten und ihren Behörden. Im Konsortium für eine europäische digitale Infrastruktur (EDIC) engagieren sich die fünf Länder Deutschland, Frankreich, Niederlande, Italien und Luxemburg und zeigen damit, dass sie an die Relevanz des Open-Source-Ökosystems für die digitale Souveränität glauben. Ob sich diese Position auch in den CADA-Verhandlungen abbilden wird, ist noch nicht absehbar.

In einer ersten Aussprache der europäischen Digitalminister kurz nach Veröffentlichung des Souveränitätspakets im Juni wurde Open Source immerhin neben vielen anderen Punkten erwähnt. Genau wie in einem Bericht, in dem das EU-Parlament schon vor einem Jahr Forderungen zur digitalen Souveränität aufstellte.

–––

Deine Spende für digitale Freiheitsrechte
Wir berichten über aktuelle netzpolitische Entwicklungen, decken Skandale auf und stoßen Debatten an. Dabei sind wir vollkommen unabhängig. Denn unser Kampf für digitale Freiheitsrechte finanziert sich aus den Spenden unserer Leser:innen. Jetzt spenden.

Open Roberta Lab

19. Oktober 2026 um 18:50

Open Roberta Lab ist eine frei verfügbare Open-Source-Plattform, auf der Nutzerinnen und Nutzer Roboter, Mikrocontroller und virtuelle Systeme in blockbasierter Programmiersprache per Drag-and-Drop programmieren können.

Entwickelt wurde das Open Roberta Lab als Open Source Projekt vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS). Die Programmierung erfolgt mit der grafischen Sprache NEPO. Programmbausteine werden ähnlich wie Puzzleteile zusammengesetzt, sodass keine Programmiervorkenntnisse erforderlich sind, wodurch sich Open Roberta Lab ideal zum Einstieg in die Programmierung eignet.

Die Plattform funktioniert browserbasiert und kann ohne Benutzerkonten genutzt werden. Möchte man jedoch Programme speichern oder mit anderen Nutzerinnen und Nutzern teilen, ist ein Benutzerkonto (kostenlos) notwendig. Schülerinnen und Schüler unter 16 Jahren tragen bei der Anlage eines Kontos die Mailadresse ihrer Eltern bzw. Erziehungsberechtigten ein, die das Nutzerkonto erst bestätigen müssen.

Viele unterstützte Systeme

Open Roberta Lab bietet eine Vielzahl an Programmiermöglichkeiten. Im Lab können unterschiedliche Robotersysteme und Mikrocontroller programmiert werden, wie z. B. micro:bit, Callipe mini, LEGO Mindstorms EV3, LEGO WeDo uvm.

Screenshot Open Roberta Lab – Überblick Robotersysteme und Mikrocontroller

Programmieren ohne Hardware möglich

Ein besonderer Vorteil von Open Roberta Lab: Auch ohne eigene Roboter können Schülerinnen und Schüler programmieren, da direkt in der Plattform eine Simulation zur Verfügung steht. Die einzelnen Blöcke werden somit nach dem Baukastenprinzip zu einem Programm aneinandergereiht und dieses lässt sich gleich virtuell testen – wie hier am Beispiel des Calliope mini.

Screenshot Open Roberta Lab – Programmierumgebung und Simulation zum Calliope mini

Die Programme können auch heruntergeladen werden und, im Fall, dass ein physischer Mikrocontroller oder ein entsprechender Roboter zur Verfügung steht, auf diesen übertragen werden. Auch der Quellcode kann direkt eingesehen werden.

Open Roberta Wiki und FAQ-Sammlung

In einem umfangreichen Wiki finden Nutzerinnen und Nutzer hilfreiche Antworten – angefangen von Tipps zum Einstieg in die blockbasierte Programmierung bis hin zu Hilfestellungen bei komplexeren Programmieraufgaben.

Open Roberta Lab
+ datensparsam – keine Nutzerkonten notwendig
+ niedrigschwelliger Einstieg in die blockbasierte Programmierung
+ keine Hardware notwendig, da integrierte Simulation
+ kostenlos nutzbar
+ Open Source Projekt

Der Beitrag Open Roberta Lab erschien zuerst auf Medienfundgrube.

Just calling it Open is not enough – Hürden öffentlicher Bildungsinfrastrukturen und erste Lösungsansätze mit Nostr

OER sind offen lizenzierte Bildungsmaterialien, die meist unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht werden. Sie lassen sich also nicht nur frei nutzen, sondern auch anpassen, weiterentwickeln und erneut veröffentlichen. Seit Jahren werden deshalb sowohl die Erstellung freier Materialien als auch Plattformen und Repositorien gefördert, die diese Materialien auffindbar machen sollen. Trotzdem lässt sich eine scheinbar simple Frage bis heute nicht eindeutig beantworten: „Wo kann ich mein OER-Material veröffentlichen?“

Ländliche Umgebung, Mann im Getreidefeld, mit Landkarte in der Hand
Herausforderungen öffentlicher Bildungsinfrastrukturen. Bild: Steffen Rörtgen, Gina Buchwald-Chassée und Jannik Streek, KI-generiert

Ein Beitrag von Steffen Rörtgen & Gina Buchwald-Chassée (Comenius-Institut), Jannik Streek (B310 Digital GmbH)

Die Problematik

Der Grund ist eine stark fragmentierte Bildungslandschaft. Es existieren zahlreiche OER-Plattformen, auf denen sich Materialien hochladen lassen. Doch die Inhalte bleiben meist innerhalb der jeweiligen Plattform eingeschlossen und sind anderswo weder sichtbar noch weiterverwendbar. Viele Angebote sind zudem an bestimmte Bildungskontexte gebunden oder veröffentlichen Inhalte erst nach eigenen Prüf- und Freigabeprozessen. Einfaches, öffentliches und plattformübergreifendes Teilen ist dadurch kaum möglich.

Das verweist auf ein grundlegenderes Problem: Heute sind Infrastruktur und Plattform meist untrennbar verbunden. Wer die Infrastruktur betreibt, betreibt zugleich den Service – und kontrolliert damit nicht nur Funktionen und Interaktionen, sondern auch den Zugang zu Daten und Inhalten. So entstehen dieselben Lock-in-Effekte, die man von großen Medienplattformen kennt: Inhalte, Metadaten und Nutzer*innen bleiben an einzelne Systeme gebunden und können ihre Daten nicht einfach auf andere Plattformen mitnehmen.

Eine echte öffentliche Bildungsinfrastruktur müsste dagegen offen zugänglich sein und den freien Austausch von Daten ermöglichen – unabhängig davon, welche Services darauf aufsetzen. Plattformen könnten dann weiterhin unterschiedliche Oberflächen, Communities oder Zusatzfunktionen anbieten, ohne Inhalte voneinander abzuschotten.

Der Ist-Zustand

Der heutige Zustand ist ungefähr so, als würde jeder Autohersteller eigene Straßen bauen – und zwar nur für die eigenen Fahrzeuge. Einzelne Verbindungsstraßen existieren bereits, beispielsweise zwischen OERSI und twillo sowie diversen anderen Hochschulrepositorien. Doch ein allgemeiner, offener „Verkehrsraum“ für Bildung fehlt.

Diese Fragmentierung zeigt sich an vielen Stellen. Lade ich ein Material auf Plattform A hoch, bleibt es meist auch dort. Nutzer*innen müssen sich entweder auf vielen Plattformen parallel registrieren und Inhalte mehrfach hochladen oder akzeptieren, dass ihre Materialien nur in einzelnen Ökosystemen sichtbar sind. Aggregatoren wie der Open Educational Resources Search Index (OERSI) mildern das Problem, indem sie Metadaten verschiedener Plattformen zentral indexieren. Doch auch dieser Ansatz bleibt begrenzt: Er funktioniert nur für Quellen, die aktiv eingebunden werden, fokussiert bestimmte Bildungsbereiche und beruht auf einem aufwändigen Pull-Prinzip, bei dem Plattformen Inhalte gegenseitig crawlen und importieren müssen.

Ähnlich verhält es sich bei Kuration und Metadaten. Sammlungen oder Listen, die auf einer Plattform entstehen, lassen sich selten auf andere übertragen oder dort kollaborativ weiterführen. Metadaten werden meist zentral vergeben, oft einmalig beim Upload durch Redaktionen oder Einzelpersonen. Nutzer*innen können ihr eigenes Wissen über Materialien kaum ergänzen oder alternative Nutzungskontexte sichtbar machen, obwohl genau darin ein großes Potenzial gemeinschaftlicher Wissensproduktion liegt.

Auch Suche und Indexierung sind ineffizient organisiert: Viele Plattformen entwickeln eigene Crawler, Schnittstellen und Suchindizes, oft parallel und redundant. Kleine Akteure ohne technische Ressourcen bleiben außen vor. Und selbst plattformübergreifende Zusammenarbeit – etwa bei Qualitätssicherung, Peer-Review oder gemeinsamen Empfehlungen – ist technisch kaum möglich, obwohl offene Bildungspraktiken (#OEP) intensiv diskutiert werden. Dasselbe gilt zunehmend für KI-Dienste: Werkzeuge zur automatischen Verschlagwortung, Suche oder Empfehlung funktionieren meist nur innerhalb der Plattform, für die sie entwickelt wurden, und entstehen vielerorts parallel.

So unterschiedlich diese Probleme wirken – fehlende Interoperabilität, doppelte Erschließung, isolierte Plattformen, nicht-portable Sammlungen, plattformgebundene KI-Services –, sie haben dieselbe strukturelle Ursache. Die meisten heutigen Bildungsplattformen koppeln drei Dinge eng aneinander:

  • User – die Menschen und Communities,
  • Services – Oberflächen und Anwendungen,
  • Daten – Inhalte, Metadaten, Sammlungen und Interaktionen.

Nutzer*innen interagieren über einen Service mit Daten, die innerhalb derselben Plattform gespeichert und kontrolliert werden. Genau daraus entstehen die bekannten Lock-in-Effekte. Für kommerzielle Plattformen ist das oft Teil des Geschäftsmodells. Für öffentliche Bildungsinfrastrukturen ist es jedoch problematisch, weil so genau die Silostrukturen reproduziert werden, die offene Bildung eigentlich überwinden will.

Von Plattformen zu Protokollen

Ein alternativer Ansatz besteht darin, diese drei Ebenen zu entkoppeln und statt auf isolierte Plattformen auf offene Protokolle zu setzen. Genau hier wird das Nostr-Protokoll für den Bildungsbereich interessant. Nostr steht für „Notes and Other Stuff Transmitted by Relays“ und ist ein offenes, dezentrales Protokoll, das ursprünglich für soziale Netzwerke entwickelt wurde. Im Kern beschreibt es kein konkretes Produkt und keine einzelne Plattform, sondern eine gemeinsame Sprache für den Austausch von Daten.

Der entscheidende Unterschied zu klassischen Plattformarchitekturen: Identität, Datenhaltung und Services werden voneinander entkoppelt. Ein Service besitzt die Daten nicht mehr exklusiv, sondern wird zur Oberfläche auf einer gemeinsamen Infrastrukturbasis. Nutzer*innen können dieselben Daten über verschiedene Anwendungen hinweg verwenden, ohne ihre Inhalte, Metadaten oder sozialen Beziehungen zu verlieren. Plattformen konkurrieren dann nicht mehr um exklusive Datenbestände, sondern um die besseren Interfaces, Communities oder Zusatzfunktionen.

Identitäten statt Accounts

In klassischen Plattformen wird Identität über Benutzerkonten organisiert: Die Plattform verwaltet Login, Passwort und Profil und bindet die Identität damit an sich.
Nostr verfolgt einen anderen Ansatz. Nutzer*innen besitzen ihre Identität selbst, in Form eines kryptografischen Schlüsselpaars aus einem Private Key und einem Public Key. Der Private Key bleibt geheim und funktioniert wie eine digitale Unterschrift: Mit ihm signieren Nutzer*innen Daten und beweisen, dass ein bestimmtes Event tatsächlich von ihnen stammt. Der Public Key ist die öffentliche Identität; andere können damit die Gültigkeit einer Signatur prüfen, ohne den privaten Schlüssel zu kennen, ähnlich einer E-Mail-Signatur.

Dieses Prinzip steckt bereits in vielen alltäglichen Technologien, etwa in HTTPS, Messengern oder digitalen Zertifikaten. Nostr nutzt es konsequent als Grundlage für digitale Identität in einem offenen Netzwerk. Dadurch gehört die Identität nicht mehr einer Plattform, sondern den Nutzer*innen selbst. Wer von Service A zu Service B wechselt, behält dieselbe Identität – und ebenso Inhalte, Kontakte und Interaktionen, sofern die verwendeten Relays die jeweiligen Daten bereitstellen.

Events statt proprietärer Datenmodelle

Die eigentlichen Daten werden bei Nostr als sogenannte Events gespeichert und verteilt. Ein Event ist ein signierter Datensatz in einem standardisierten JSON-Format; vereinfacht gesagt wird jede Aktion im Netzwerk als Event beschrieben – etwa ein veröffentlichter Beitrag, Metadaten zu einem OER-Material, eine Materialsammlung, ein Kommentar, eine Annotation, eine Bewertung oder ein Verweis auf externe Dateien wie PDFs oder Videos.

Jedes Event enthält unter anderem den öffentlichen Schlüssel des Urhebers, einen Zeitstempel, einen Typ (das „kind“, also etwa Termin oder Blogbeitrag), den eigentlichen Inhalt, zusätzliche Metadaten sowie eine kryptografische Signatur. Diese Signatur stellt sicher, dass ein Event nicht unbemerkt verändert werden kann und eindeutig einer Identität zugeordnet ist. Weil Events standardisiert aufgebaut sind, können unterschiedliche Anwendungen dieselben Daten lesen, interpretieren und weiterverarbeiten – unabhängig davon, von welchem Service sie ursprünglich veröffentlicht wurden.

NIPs: Gemeinsame Regeln für Interoperabilität

Damit unterschiedliche Anwendungen dieselben Daten verstehen, definiert Nostr sogenannte NIPs („Nostr Implementation Possibilities“). Das sind offene Spezifikationen, die beschreiben, wie bestimmte Eventtypen oder Funktionen strukturiert sein sollen – etwa wie Profile aussehen, wie Kommentare referenziert werden, wie Listen und Sammlungen funktionieren, wie Medien eingebunden oder wie Suchanfragen formuliert werden.

Interoperabilität entsteht so nicht über zentrale Plattformen oder proprietäre APIs, sondern über gemeinsam genutzte Protokollregeln. Sammlungen, Annotationen, Metadaten oder Qualitätssiegel lassen sich dadurch unabhängig von der konkreten Anwendung plattformübergreifend verstehen und weiterverarbeiten.

Relays als gemeinsame Infrastruktur

Verteilt werden die Events über sogenannte Relays: vergleichsweise einfache Server, die Events entgegennehmen, speichern und an andere Teilnehmer*innen weitergeben. Sie bilden die gemeinsame Transport- und Verteilungsschicht der Infrastruktur.

Wichtig ist: Relays sind keine Plattformen im klassischen Sinn. Sie definieren weder Benutzeroberflächen noch Geschäftslogiken oder Nutzungsszenarien. Unterschiedliche Anwendungen können dieselben Relays nutzen und dieselben Daten unterschiedlich darstellen. Dadurch werden Services austauschbar: Eine Plattform ist nicht länger der Ort, an dem Daten existieren, sondern nur noch eine Oberfläche, die Daten sichtbar und nutzbar macht.

Das hat erhebliche Folgen für Nachhaltigkeit und Resilienz. Im heutigen Plattformmodell verschwinden Inhalte häufig gemeinsam mit der Plattform: Wird ein Projekt eingestellt, läuft eine Förderung aus oder verschwindet eine Institution, gehen oft auch Inhalte, Metadaten, Sammlungen und Interaktionen verloren. In einer relaybasierten Infrastruktur sind Daten dagegen verteilt gespeichert und nicht an eine einzelne Anwendung gebunden. Mehrere Relays können dieselben Events halten und weiterverteilen; fällt ein Relay oder ein Service aus, bleiben die Daten an anderer Stelle verfügbar, und neue Anwendungen können jederzeit darauf zugreifen.

Gerade für öffentlich finanzierte Bildungsressourcen ist das relevant. Wenn Materialien als Gemeingut verstanden werden, sollte ihre Verfügbarkeit nicht davon abhängen, ob eine bestimmte Plattform oder Förderung weiterhin existiert.

Binärdaten und Medieninhalte

Für größere Dateien wie Bilder, Videos oder PDFs gibt es ergänzende Ansätze wie sogenannte Blossom-Server („Blobs stored simply on mediaservers“). Dabei liegen die Binärdaten auf spezialisierten Medienservern, während Metadaten, Referenzen und Interaktionen weiterhin über Nostr-Events verteilt werden. Auch hier bleibt das Grundprinzip erhalten: Daten und Services sind voneinander entkoppelt, und Anwendungen greifen nicht auf proprietäre Silos zu, sondern auf gemeinsam verfügbare Inhalte.

Offenheit als Infrastrukturprinzip

Ein protokollbasierter Ansatz bedeutet nicht, dass alle Anwendungen gleich aussehen oder dieselben Funktionen bieten müssen. Unterschiedliche Communities können weiterhin eigene Plattformen, Qualitätsprozesse, Suchoberflächen oder KI-Dienste entwickeln. Der Unterschied: Diese Services operieren nicht mehr auf isolierten Datensilos, sondern auf einem gemeinsamen offenen Datenraum. Offenheit findet damit nicht nur auf der Ebene der Lizenzierung statt, sondern auch auf der Ebene der Infrastruktur selbst.

Vom Infrastrukturprinzip zur Anwendung – erste Prototypen auf Nostr-Basis

Der beschriebene Ansatz ist nicht rein theoretisch. Im Rahmen der Förderlinien OE_Space und OE_Sprint des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) sind bereits erste Anwendungen entstanden, die den Einsatz des Nostr-Protokolls in offenen Bildungsinfrastrukturen praktisch erproben:

  • ComCal – ein verteilter Veranstaltungskalender zur Vernetzung von Communities und Terminen,
  • ein Onboarding-Tool für niedrigschwellige Zugänge zu Nostr-basierten Bildungsanwendungen,
  • ein kollaboratives Kanban-Board für Inhaltsmanagement und Zusammenarbeit,
  • ein OER-Finder-Plugin zur plattformübergreifenden Suche offener Bildungsressourcen,
  • sowie der Edugraph zur Visualisierung von Inhalts- und Beziehungsnetzwerken.

Die folgenden Beispiele zeigen, wie Anwendungen auf Basis offener, protokollbasierter Bildungsinfrastrukturen aussehen können – Werkzeuge, die nicht in geschlossenen Datensilos operieren, sondern auf einem dezentralen, offenen Fundament aufsetzen. Perspektivisch soll das Nostr-Protokoll auch als infrastrukturelle Grundlage für den im FOERBICO-Projekt entstehenden Community-Hub dienen, der als „Community of Communities“ unterschiedliche Akteure und Netzwerke offener (religionsbezogener) Bildung verbinden soll.

ComCal – ein interoperabler Community-Kalender

Mit ComCal entstand in OE_Space ein erster Community-Kalender auf Basis des Nostr-Protokolls. Ausgangspunkt war eine vertraute Beobachtung: Veranstaltungen werden meist in geschlossenen Kalendersilos organisiert, häufig gekoppelt an einzelne Webseiten, Content-Management-Systeme oder Plattformen. Das führt zu Medienbrüchen, Mehrfacheingaben und Lock-in-Effekten. Wer Termine sichtbar machen will, pflegt sie oft parallel in mehreren Kalendern, und die Daten bleiben an einzelne Plattformen gebunden.

ComCal versteht Veranstaltungen stattdessen als offene, portable Datenobjekte innerhalb eines gemeinsamen Netzwerks. Unterschiedliche Anwendungen können auf dieselben Veranstaltungsdaten zugreifen, sie darstellen, filtern oder weiterverarbeiten. Ein Termin muss damit idealerweise nur einmal erstellt werden und lässt sich anschließend in verschiedenen Clients, Webseiten oder Kalenderanwendungen nutzen.

Technisch baut ComCal auf der Spezifikation NIP-52 auf, die standardisierte Eventtypen für Kalender- und Veranstaltungsdaten definiert – darunter zeitgebundene Veranstaltungen, Event-Sammlungen sowie Zu- und Absagen (RSVPs). Veranstaltungen werden als signierte Events über Relays verteilt und können von unterschiedlichen Anwendungen konsumiert werden. Erprobt wurden bereits diverse Funktionen: Communities pflegen gemeinsame Kalender, machen Veranstaltungen abonnierbar und integrieren Termine über Formate wie .ics in bestehende Desktop-Kalender. Veranstaltungen lassen sich mit Metadaten wie Ort, Zeit, Personen, Bildern, Tags oder Einschreibungsinformationen anreichern und nach Format (online, hybrid, vor Ort), Themen oder Zielgruppen filtern.

Eine besondere Herausforderung liegt in der Integration bestehender Systeme. Auf dem letzten HackathOERn wurde diesbezüglich ein Chat-Bot entwickelt, der Termine aus WordPress-Instanzen ausliest und als Nostr-Event veröffentlichen kann. Umgekehrt ist die Frage zu lösen, wie bestehende Plattformen sich leichtgewichtig an diese interoperable Infrastruktur so anschließen, dass sie Daten nicht nur abgeben, sondern die offen zugänglichen Daten anderer Anbieter in ihrer bisher geschlossenen technischen Konfiguration nutzen. Erkennbar wird damit aber jetzt schon, dass und wie bestehende Plattformen nicht abgelöst, sondern um eine interoperable Infrastrukturebene ergänzt werden.

Der Prototyp ist mittlerweile weiterentwickelt worden und unter https://dev.edufeed.org/discover?type=events erreichbar.

Onboarding-Tool – ein niedrigschwelliger Einstieg

Dezentrale Systeme sind strukturell leistungsfähig, scheitern in der Praxis aber oft an der ersten Hürde: dem Einstieg. Besonders der Umgang mit kryptografischen Schlüsselpaaren und das Verständnis eines nicht-plattformgebundenen Identitätsmodells sind für viele Bildungsakteur*innen eine Einstiegsschwelle. Das in OE_Sprint entwickelte Onboarding-Tool setzt hier an und führt Nutzer*innen schrittweise, intuitiv und interaktiv durch die erste Nutzung. Der Umgang mit dem eigenen Schlüsselpaar wird dabei erklärt und begleitet, sodass die Idee einer selbstverwalteten digitalen Identität verständlich wird ohne technisches Vorwissen.

Ergänzend bietet das Tool „Follow-Packs“: didaktisch und thematisch kuratierte Einstiegspakete, die erste sinnvolle Kontakte, relevante Accounts und passende Inhalte vorschlagen. Sie erleichtern den Aufbau eines initialen Netzwerks und helfen, sich schnell in thematische Communities einzufinden. Damit fungiert das Tool als zentraler Einstiegsknotenpunkt gerade für Lehrkräfte und Bildungsakteur*innen, die mit klassischen Plattformen vertraut sind, aber wenig Erfahrung mit dezentralen Systemen haben. Ziel ist, die Einstiegshürde insgesamt zu senken und die Motivation zu erhöhen, sich aktiv in eine offene, vernetzte OER-Landschaft einzubringen.

Der erste Prototyp ist unter https://onboarding.edufeed.org/ verfügbar; der Open-Source-Code steht unter https://github.com/edufeed-org/onboarding-tool zur Nachnutzung bereit.

Mehr dazu auch unter: https://oer.community/edufeed-pitch/

Onboarding-Tool-Screenshot
Onboarding-Tool-Screenshot; Comenius-Institut Münster e.V., CC BY 4.0

Kanban-Board – kollaboratives Arbeiten ohne Silos

Ebenfalls in OE_Sprint entstand ein lokal im Browser laufender Kanban-Editor als offenes Gegenstück zu proprietären Plattformen wie TaskCards oder Padlet. Wo solche Systeme geschlossene Arbeitsräume erzeugen, in denen Boards und Inhalte an die Plattform gebunden bleiben, verfolgt dieser Prototyp einen protokollbasierten Ansatz: Inhalte werden nicht zentral gespeichert, sondern lassen sich über das Nostr-Protokoll als portable, nachnutzbare Datenstrukturen teilen.

Nutzer*innen können Inhalte erstellen, flexibel strukturieren und ganze Board-Arrangements plattformübergreifend verfügbar machen. Aus einem klassischen Projektmanagement-Tool wird so zugleich ein Werkzeug für Lernorganisation, Unterrichtsplanung und kollaborative Inhaltsentwicklung im OER-Kontext. Der Editor unterstützt KI-gestützte Zusammenfassungen und Vorschläge sowie Exporte nach Markdown, HTML oder JSON, sodass sich Inhalte leicht weiterverwenden oder in andere Systeme überführen lassen. Lehrende und Lernende können gemeinsam an Lernarrangements arbeiten und etwa Inhalte aus OER-Quellen wie OERSI oder edu-sharing direkt in Boards integrieren. Eine Integration in den LiaScript-Editor verbindet die dezentral gespeicherten Inhalte zusätzlich mit konkreten Lernanwendungen.

Der Kanban-Editor versteht sich damit als experimentelle Infrastrukturkomponente für offene Bildungspraktiken, die kollaboratives Arbeiten ermöglicht, ohne Inhalte in geschlossenen Plattformstrukturen zu isolieren. Ein eigenes Board lässt sich unter https://kanban.edufeed.org/ anlegen; der Code steht Open Source unter https://github.com/edufeed-org/kanban-editor bereit.

Kanban-Screenshot, Boardansicht
Kanban-Screenshot; Comenius-Institut Münster e.V., CC BY 4.0

OER-Finder-Plugin – die Suche kommt zur Anwendung

Wer schon einmal eine passende offene Bildungsressource für einen Kurs gesucht hat, kennt das Muster: Plattform durchsuchen, Lizenz prüfen, Bild herunterladen, Tab wechseln, Datei hochladen, Format prüfen und dann dasselbe noch einmal für die nächste Ressource auf der nächsten Plattform.

Dabei ist das OER-Ökosystem in den letzten Jahren bemerkenswert gewachsen: ARASAAC liefert Piktogramme für unterstützte Kommunikation, Wikimedia stellt Millionen frei lizenzierter Medien bereit, und über das Nostr-Edufeed-Netzwerk fließen Bildungsinhalte dezentral zusammen. An Material mangelt es also nicht. Das Problem ist, dass jede Plattform in ihrem eigenen Silo lebt mit eigenen Suchmasken, APIs und Metadatenformaten. Wer Inhalte integrieren will, muss jede Quelle einzeln anbinden; wer Inhalte finden will, jede Plattform einzeln durchforsten.

Das fehlende Puzzlestück ist eine bessere Verzahnung von Quellen und Anwendungen. Das OER-Finder-Plugin setzt genau hier an: Statt Nutzende zu den Quellen zu schicken, kommen die Quellen in die Anwendung. Ein wiederverwendbarer JavaScript-Baustein bringt die Suche über mehrere OER-Anbieter hinweg direkt in die Lernumgebung. Nach der Integration können Nutzende aus der Anwendung heraus über verschiedene Quellen suchen, ohne die Plattform zu verlassen, unter anderem über OpenVerse, ARASAAC, Wikimedia und das Nostr-Edufeed-Netzwerk. Einzelne Quellen lassen sich aktivieren oder deaktivieren, das Look & Feel ist konfigurierbar. Für Entwicklungsteams ist die Einstiegshürde bewusst niedrig: Dokumentation für die Integration in React, Angular und Svelte sind bereits im Projekt zu finden.

Offene Bildungsressourcen entfalten ihren Wert erst, wenn sie genutzt werden. Jeder zusätzliche Schritt zwischen dem reinen Wunsch und dem Finden einer korrekt lizenzierten Ressource verringert diese Wahrscheinlichkeit. Das Plugin verkürzt den Weg und setzt dabei auf Offenheit in beide Richtungen: Der Baustein selbst ist Open Source und aggregiert offene Quellen. Neue Anbieter lassen sich ergänzen, ohne dass Nutzende ihr Verhalten ändern müssen. So entsteht eine gemeinsame, integrierte Suche in der fragmentierten OER-Landschaft. Im Kanban-Board ist das bereits umgesetzt und wird aktuell verprobt: Dort lassen sich Bilder nun direkt zu Karten hinzufügen. Der Code  für das Plugin befindet sich auf GitHub.

Edugraph – inhaltsbezogene Kommunikation sichtbar gemacht

Der ebenfalls in OE_Sprint entwickelte Edugraph macht die dezentrale Struktur des Nostr-Protokolls für einen inhaltsbezogenen Austauschraum nutzbar. Die Idee: Kommunikation nicht losgelöst von Inhalten zu betrachten, sondern direkt an OER-Materialien, Kurs-URLs, Tags oder Klassifikationen zu koppeln. So entsteht ein protokollbasierter Kommunikationsraum rund um Lerninhalte, in dem Lehrende und Lernende unmittelbar am jeweiligen Material diskutieren, ergänzen und kontextualisieren statt in isolierten Kommentarspalten einzelner Plattformen.

Der Edugraph visualisiert diese Interaktionen als Netzwerke, Cluster oder Wolken: Thematisch verwandte Inhalte rücken visuell zusammen, Diskussionsräume verdichten sich um bestimmte Ressourcen, und Beziehungen zwischen Materialien werden als dynamische Graphen erfahrbar. Damit wird die Grundidee der dezentralen Infrastruktur auch auf der Anwendungsebene sichtbar: Inhalte sind nicht isoliert, sondern Teil eines vernetzten Wissensraums, der sich durch Nutzung, Austausch und Kontextualisierung weiterentwickelt.

Edugraph-Screenshot, 6 Rechtecke, die durch bunte Linien verbunden sind
Edugraph-Screenshot; Comenius-Institut Münster e.V., CC BY 4.0

Der erste Prototyp ist unter https://map.edufeed.org verfügbar, der Open-Source-Code unter https://github.com/edufeed-org/nostr-graph-explorer.

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Steffen Rörtgen & Gina Buchwald-Chassée, Comenius-Institut, und Jannik Streek, B310 Digital GmbH,  für OERinfo – Die Informationsstelle OER

Der Beitrag Just calling it Open is not enough – Hürden öffentlicher Bildungsinfrastrukturen und erste Lösungsansätze mit Nostr erschien zuerst auf OERinfo – Informationsstelle OER.

PaperMe

15. Juni 2026 um 14:15

Digitale Medien im Unterricht zu nutzen bedeutet keineswegs, das Analoge komplett zu verbannen. Oft scheitert aber der Unterrichtsalltag an ganz Banalem, etwa wenn für ein bestimmtes Projekt genau die eine spezielle Lineatur gerade nicht in der Schultasche steckt. Mit der kostenlosen Online-Ressource PaperMe können Sie im Handumdrehen individuelles Papier als Vorlage erstellen, egal ob liniertes Schreibpapier, Millimeterpapier, Punktraster für Skizzen oder strukturierte Lernzettel.

Was kann PaperMe?

PaperMe ist ein browserbasierter Papier-Generator, entwickelt von Pixzens. Ohne Hürden und ohne Registrierung lassen sich hier verschiedenste Papier-Layouts direkt im Browser individuell konfigurieren, adaptieren und exportieren.


Vorlage: Notenpapier

PaperMe Vorlagen

Es sind eine Vielzahl an Papiervorlagen vorhanden, linierte Seiten, Karos (Grid), Punktraster (Dot-Grid), Planer-Layouts, strukturierte Vorlagen für Lernzettel („Student Notes“ mit vordefinierten Randbereichen), Vintage-Notizpapier, Kalligrafieübungsraster bis hin zu chinesischen Vorschaukarten. Diese können direkt im Menü links ausgewählt werden oder aber auch über die Vorlagenbibliothek (inkl. Beschreibung).

Vorlage Millimeterpapier

Feinjustierung: Abstände der Linien oder Punkte, Linienstärken, Ränder (Borders) sowie die Farben (z. B. ein dezentes Hellgrau, um Tinte beim Drucken zu sparen) lassen sich stufenlos ebenfalls links im Menü einstellen. Dabei kann auch auf Design-Vorlagen zurückgegriffen werden.

Designanpassungen in PaperMe

Export: Die fertigen Layouts können sofort als PDF, PNG oder SVG exportiert und direkt ausgedruckt oder auch in Word nachbearbeitet oder in Notizapps als Hintergrund verwendet werden.

Exportmöglichkeiten

Einsatzmöglichkeiten

Aus schulpraktischer Sicht überzeugt PaperMe vor allem dadurch, dass keinerlei Anmeldung oder Registrierung auf der Seite notwendig ist. Man kann sofort loslegen und muss nicht in seiner Passwortdatenbank herumkramen. Die exportierten PDFs müssen auch nicht zwingend gedruckt werden. Sie eignen sich ebenso als individueller Hintergrund für digitale Notiz-Apps (wie GoodNotes, OneNote u.a.). Zudem macht PaperMe es Lehrenden leicht, personalisierte Arbeitsmaterialien mit bspw. größeren Linienabständen zu erstellen.

Papierformat: Mi Zi Ge

App: PaperMe

+ Kostenlos, Anmeldefrei
+ Flexibler Export ohne Qualitätsverlust
+ Ergebnisse sind anpassbar und weiterverwendbar.
– Keine Online-Speicherfunktion (weil es ja auch keine Benutzerverwaltung gibt)

Der Beitrag PaperMe erschien zuerst auf Medienfundgrube.

Das World Wide Web – Erfolgsbeispiel für Open Software

20. Mai 2026 um 16:58

Die Software, die das frühe Web zum Laufen brachte, entstand an einem Forschungsinstitut in der Schweiz. Statt sie zu kommerzialisieren, machte man sie frei verfügbar und schließlich sogar zu Public Domain. Ein Glück, denn wer weiß, wie die Geschichte des Web sonst verlaufen wäre?

Am Anfang ging es um Informationsmanagement

Als Ende der 1980er Jahre der Physiker und Informatiker Tim Berners-Lee für seine Vorgesetzten am CERN (der Europäischen Organisation für Kernforschung) einige Vorschläge für das Informationsmanagement formulierte, hätte niemand erwartet, was daraus entstehen würde.

Seine Kernidee: Eine Alternative zu hierarchischen Informationssystemen durch eine netzartige Struktur aus miteinander verlinkten Notizen. Dieses Konzept wurde zur Blaupause für das World Wide Web.

Offenheit des World Wide Web als Ziel von Anfang an

Am 12. November 1990 publizierten Tim Berners-Lee und sein Kollege Robert Cailliau dann gemeinsam ein Memorandum unter der Überschrift: „WorldWideWeb: Proposal for a HyperText Project“. Dieses Memorandum war ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Entstehung des World Wide Web.

Der Gedanke der freien Zugänglichkeit des „WorldWideWeb“ war bereits zum diesem Zeitpunkt enthalten. Denn ein in dem Memorandum definiertes Ziel des Projekts lautete, „soweit möglich Public-Domain-Software zu verwenden oder Schnittstellen zu bereits vorhandenen proprietären Systemen zu schaffen.“

Bis zur Public Domain-Software sollte es aber eine Weile dauern, denn noch war das Web kaum mehr als eine sehr spannende Idee. Die für das Web benötigte Software wurde in der Folge von einem kleinen Team am CERN entwickelt.

Dabei handelte es sich um die Webkernsoftware, die in einzelnen Programmkomponenten zu einer Softwarebibliothek zusammengestellt wurde. Mit diesen Softwarebausteinen sollte es externen Programmierern ermöglicht werden, eigene Projekte für das Web zu entwickeln, seien es Browser, Server oder andere Anwendungen.

Der Weg zur freien Zugänglichkeit des World Wide Web

Die Frage, die sich nun stellte, war die nach der Zugänglichmachung dieser am CERN entwickelten Software. Sollte sie gegen Gebühr an interessierte Web-Pioniere verkauft werden, oder sollte sie kostenlos bereitgestellt werden?

Es kostete Tim Berners-Lee einige Überzeugungsarbeit gegenüber seinen Vorgesetzten am CERN, um diese von der freien Zugänglichmachung der entwickelten Software zu überzeugen. So beschrieb es später sein Kollege Robert Cailliau in dessen Buch „Die Wiege des Web“: Berners-Lee habe mit der „stolzen akademischen Tradition“ argumentiert, der das World Wide Web folge, da es den „kostenlosen Austausch von Informationen fördere“. Daher solle, so sein Plädoyer, die für das Web notwendige Software ebenfalls kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Seitens der CERN-Leitung wiederum kursierte eine Kalkulation, die als Preis für die Software angesetzt werden sollte. Sie belief sich auf eine Preisspanne zwischen 100 und 200 Schweizer Franken pro Softwarepaket.

Allerdings ernüchterte ein Blick in das damalige sehr frühe Web das Management hinsichtlich der Preisvorstellung. Die geringe Zahl der damaligen Webnutzer ließ es dem CERN als schlichtweg nicht kostendeckend erscheinen, Gebühren für die Software zu erheben. Der Verwaltungsaufwand wurde schlicht als zu hoch erachtet.

„Collaborators welcome!“

So kam es, dass Tim Berners-Lee die Erlaubnis des CERN erhielt, die dort entwickelte Web-Software zur kostenlosen Nutzung ins Internet zu stellen. Am 6. August 1991 gab er über die Newsgroup alt.hypertext bekannt, dass die Software zum Download auf der CERN-Website bereitstünde. Er verband dies mit dem Aufruf „Collaborators welcome!“

Die Website des CERN unter der Webadresse Info.cern.ch wurde ab diesem Zeitpunkt zu einer wichtigen Anlaufstelle im frühen Web. Dort konnte von einem ftp-Server die Software heruntergeladen werden, die das Web nun allmählich wachsen ließ. Zu dieser Software gehörte eine Bibliothek von Programmcode (bekannt als CERNLIB), die Software für den Betrieb eines Servers, sowie für den Client. Kurze Zeit später ging dann auch schon der erste Webserver außerhalb Europas online. Er befand sich im US-amerikanischen Stanford, und der Rest ist Geschichte.

Client und Server
Das World Wide Web funktioniert, obwohl es von weit verstreuten, sehr unterschiedlichen Computern mit unterschiedlichen Softwareanwendungen und unterschiedlichen Dateiformaten genutzt wird. Das gelingt dank des sogenannten Client-Server-Modells. Der Client, beispielsweise ein Webbrowser oder ein Mailprogramm, ist der Anfragesteller. Er sendet eine Anfrage an einen Server. Dieser Server stellt die vom Client angefragten Daten in Hypertext-, Klartextform oder einem anderen Datenformat bereit.

Public Domain als Startschuss für den Siegeszug des World Wide Web

Als das World Wide Web 1993 Fahrt aufgenommen hatte, gelang es Tim Berners-Lee und Robert Cailiau schließlich, ihre Vorgesetzten am CERN zu überzeugen, die Software für das Web als Public Domain der Öffentlichkeit bereitzustellen. Mit einer Erklärung vom 30. April 1993 verzichtete das CERN auf seine sämtlichen geistigen Eigentumsrechte an dem Web-Code, sowohl am Quellcode als auch an den Binärdateien. Es erteilte jedem die Erlaubnis, den Code zu nutzen, zu vervielfältigen, zu verändern und zu verbreiten.

In den „World-Wide Web News”, einem monatlichen Newsletter des CERN, wurde in der Mai-Ausgabe 1993 berichtet (eigene Übersetzung):

„CERN-W3-Software wird gemeinfrei

Nach langen Diskussionen hat das CERN nun einen bestimmten Teil der W3-Software als gemeinfreien Code veröffentlicht. Dies geschah, um die Verbreitung des Webs voranzutreiben und sicherzustellen, dass die Protokolle einheitlich verwendet werden. Es bestand die Gefahr, dass Entwickler den Protokollcode neu erfinden und dabei erneut inkompatible Fehler machen würden. Da die Code-Bibliothek „libwww“, die die Grundlage vieler Browser bildet, nun gemeinfrei ist, kann sie als gemeinsame Basis dienen. […]“

Fast wäre es GNU geworden

Ursprünglich hatte Tim Berners-Lee übrigens erwogen, die Web-Software nicht als Public Domain, sondern unter einer GNU-Lizenz zu veröffentlichen. Die Kontakte zwischen dem CERN und der Free Software Foundation (FSF) mit ihrem GNU-Projekt waren gut.

Jedoch war man am CERN besorgt, große IT-Unternehmen könnten das Web möglicherweise ignorieren, sollte dort das Risiko irgendwelcher Lizenzprobleme bestehen. So entschied man sich für die offene Bereitstellung als Public Domain. Den Programmierern rund um den Erdball gab das die maximale Freiheit, die Software des CERN für ihre Projekte zu nutzen.

Open Software als Schlüssel zu Kreativität und Zusammenarbeit

Rückblickend äußerte Tim Berners-Lee im Jahr 2025 im The Guardian, dass seine Vision für das Web auf „auf Teilen, nicht auf Ausbeutung“ beruht habe. Sein Ziel sei es gewesen, mit dem Web einen Raum für Kreativität und Zusammenarbeit zu schaffen.

Dafür sei es nötig, dass alle Interessierten einen niedrigschwelligen Zugang zum Web erhalten und bereit seien, sich dort mit ihren Ideen und ihrem Können einzubringen. Dies habe er als zentrale Herausforderung gesehen. Man hätte daher unmöglich verlangen können, interessierte Nutzer „für jede Suche oder jeden Upload bezahlen“ zu lassen.

Freie Software als Schlüssel zu einer kollaborativen und kreativen Websphäre klingt vertraut. Wer in der heutigen Zeit nach Visionen für das Web künftiger Tage fragt, darf sich gerne solche Anregungen aus der Gründungsphase des Web entleihen.

Sie möchten iRights.info unterstützen?

iRights.info informiert und erklärt rund um das Thema „Urheberrecht und Kreativität in der digitalen Welt“. Alle Texte erscheinen kostenlos und offen lizenziert.

Wenn Sie mögen, können Sie uns über die gemeinnützige Spendenplattform Betterplace unterstützen und dafür eine Spendenbescheinigung erhalten. Betterplace akzeptiert PayPal, Bankeinzug, Kreditkarte, paydirekt oder Überweisung.

Besonders freuen wir uns über einen regelmäßigen Beitrag, beispielsweise als monatlicher Dauerauftrag. Für Ihre Unterstützung dankt Ihnen herzlich der gemeinnützige iRights e.V.!


DOI für diesen Text: https://doi.org/10.59350/gnsnh-61109 · automatische DOI-Vergabe für Blogs über The Rogue Scholar

The post Das World Wide Web – Erfolgsbeispiel für Open Software appeared first on iRights.info.

Proton Mail

13. April 2026 um 01:01

Im schulischen Alltag kommt dem Schutz der digitalen Identität eine hohe Bedeutung zu. Proton-Mail bietet hier eine Lösung für Lehrende und Lernende, um E-Mail-Postfächer ohne Preisgabe persönlicher Identifikationsmerkmale zu nutzen.

Beschreibung der Applikation

Proton-Mail ist ein E-Mail-Dienst aus der Schweiz, der den Schutz der Privatsphäre ins Zentrum stellt. Ein wesentliches Merkmal ist die Möglichkeit, ein Konto zu erstellen, ohne eine bestehende E-Mail-Adresse oder eine Telefonnummer hinterlegen zu müssen. Dies ermöglicht eine anonyme Registrierung.

Dadurch gibt es jedoch auch keine klassische „Passwort vergessen“-Funktion per E-Mail. Beim Einrichten wird ein PDF-Dokument mit einer Wiederherstellungsphrase generiert. Dieses Dokument muss sicher aufbewahrt werden (z. B. ausgedruckt oder auf einem USB-Stick). Geht die Phrase verloren, kann bei einem Passwortverlust der Zugriff auf das Konto nicht wiederhergestellt werden.

E-Mails zwischen Proton-Nutzer*innen werden automatisch verschlüsselt. Nur Absender und Empfänger können den Inhalt lesen. Auch eingehende Mails von anderen Anbietern werden verschlüsselt. Die Software ist quelloffen.

Einsatzmöglichkeiten im schulischen Kontext

  • Anonyme Anmeldung bei Drittanbietern: Für das Testen oder die Nutzung von Applikationen und Web-Plattformen bietet Proton-Mail die Möglichkeit, anonyme E-Mail-Adressen zu verwenden. Auf diese Weise lassen sich Benutzerkonten bei Drittanbietern erstellen, ohne private Daten mit externen Diensten verknüpfen zu müssen.
  • Schutz der digitalen Identität: Da keine Telefonnummer zur Verifizierung nötig ist, bleiben personenbezogene Daten geschützt. Dies ist besonders wertvoll, wenn Schüler*innen sich für zeitlich begrenzte Projekte bei Online-Applikationen registrieren müssen.

WEBSITE: PROTON-Mail

+ Anonyme Registrierung: Erstellung eines Kontos ohne Telefonnummer oder Zweit-Mail möglich.
+ Hoher Datenschutz: Keine Werbeanalysen oder Scans der E-Mail-Inhalte durch den Anbieter. Der Dienst unterliegt dem Schweizer Datenschutz.
+ Risiko des Datenverlusts: Ohne die Wiederherstellungsphrase führt ein vergessenes Passwort zum totalen Datenverlust.
– Begrenzter Speicherplatz: In der kostenlosen Basisversion weniger Platz als bei werbefinanzierten Anbietern.
– Eingeschränkte Suche: Da die Inhalte verschlüsselt sind, ist eine Volltextsuche auf dem Server technisch nicht möglich.

Der Beitrag Proton Mail erschien zuerst auf Medienfundgrube.

Wie offene KI die Schule verändert

06. August 2025 um 12:40

Wie kann KI sinnvoll und verantwortungsvoll in der Schule eingesetzt werden? Genau dieser Frage widmete sich im Juni 2025 die Tagung »Offene KI in der Schule«, organisiert vom Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung Niedersachsen (NLQ) und dem gemeinnützigen Verein Wikimedia Deutschland.

Zwei Tage lang trafen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Ministerien, Schulverwaltungen, Schulen und zivilgesellschaftlichen Organisationen in Lehrte bei Hannover, um über eine zentrale Zukunftsfrage zu diskutieren: Wie schaffen wir es, gemeinwohlorientierte, offene KI-Lösungen in der Schule nachhaltig zu verankern?

Warum betrifft das besonders Lehrkräfte?

Viele der diskutierten Themen zielen direkt auf den Alltag von Lehrkräften ab. Denn sie sind es, die neue KI-Tools im Klassenzimmer anwenden, beurteilen und mitunter kritisch hinterfragen müssen.

Ein zentraler Fokus lag deshalb auf der Entwicklung praxisnaher Fortbildungsformate, die Lehrkräften helfen sollen, den Überblick über aktuelle Entwicklungen zu behalten, Potenziale zu erkennen und gleichzeitig Risiken einordnen zu können. Es geht um die Stärkung pädagogischer Souveränität.

Auch eine potentielle Einführung einer zentralen KI-Informationsplattform (ähnlich wie OERinfo) wurde diskutiert. Sie könnte künftig Anlaufstelle für fundierte Informationen, Best-Practice-Beispiele und rechtliche Rahmenbedingungen werden.

Was ist »offene« KI und warum ist das wichtig?

Im Gegensatz zu proprietären Systemen großer Tech-Konzerne steht bei offenen KI-Lösungen das Gemeinwohl im Mittelpunkt. Sie sind transparent, datenschutzkonform und können an schulische Bedürfnisse angepasst werden. Das bedeutet: Schulen behalten die Kontrolle über Daten, Inhalte und Anwendungen.

In der Tagung wurde betont, wie wichtig es ist, Pilotprojekte zu starten, um konkrete Erfahrungen mit offenen KI-Systemen zu sammeln. Am besten in Zusammenarbeit mit engagierten Lehrkräften, die bereit sind, Neues auszuprobieren und mitzugestalten.

Drei große Themenblöcke wurden intensiv diskutiert

  1. Rechtlicher Rahmen: Was bedeutet die neue EU-KI-Verordnung für Schulen? Welche Qualitätskriterien sind für den Einsatz von KI notwendig
  2. Technische Umsetzung: Wie kommen offene KI-Lösungen überhaupt in die Schule? Was braucht es infrastrukturell?
  3. Fortbildung & Qualifizierung: Welche Art von KI-Fortbildung ist nachhaltig und alltagstauglich für Lehrkräfte?

Hier stehen die Ergebnisse zum Download zur Verfügung. 

Einladung zur Folgeveranstaltung im Februar 2026

Die Diskussion endet hier nicht, im Gegenteil: Die nächste Tagung findet am 23.–24. Februar 2026 wieder in Lehrte statt. Wer also aktiv mitgestalten will, wie KI sinnvoll und verantwortungsvoll in Schule eingesetzt wird, sollte sich den Termin vormerken. Denn klar ist: Ohne die Perspektive der Lehrkräfte wird keine KI-Anwendung in der Bildungspraxis funktionieren.

Die Anmeldung ist ab Herbst über das NLC-Portal möglich. Wer eine Einladung zur Anmeldung erhalten möchte, kann sich über mich auf die Mailingliste zur Veranstaltung setzen lassen, um informiert zu werden.

Warum es sich lohnt, dabei zu sein:

  • Du erhältst Einblicke in aktuelle Entwicklungen rund um KI und Schule
  • Du kannst eigene Erfahrungen, Fragen und Perspektiven einbringen
  • Du vernetzt dich mit engagierten Bildungspraktikerinnen und ‑praktikern und bildungspolitischen Entscheidungsträgerinnen und ‑trägern aus ganz Deutschland

Der Beitrag Wie offene KI die Schule verändert erschien zuerst auf kits.

Bloatware: Vorinstallierte Apps ersetzen (Android)

05. Dezember 2024 um 08:39

Bloatware: Smartphone mit Verstopfung

Handelsübliche Smartphones kommen mit vielen vorinstallierten Apps. Welche das sind, weiß man vorher nie ganz genau, denn das ist abhängig vom Gerätemodell, der Firma und dem Mobilfunkanbieter. Solche vorinstallierten Apps nennt man auch „Bloatware“, abgeleitet vom englischen Wort „bloat“ (deutsch: aufblähen).

Es ist nicht immer leicht zu durchschauen, von wem vorinstallierte Apps eigentlich stammen. Gleichzeitig haben sie oft weitreichende Zugriffsrechte, übertragen viele Daten an ihre Hersteller*innen und sind auch in Sachen Funktionalität häufig nicht die beste Wahl.

In dieser Liste findest du unsere Empfehlungen für privatsphärefreundliche Alternativen. Wenn du mehr zu einem App-Typ wissen möchtest, klick einfach auf den Link zum Ratgeber.

Du kannst die empfohlenen Apps oft nicht nur aus dem Google Playstore installieren, sondern auch aus dem verbraucherfreundlichen F-Droid-Store.

Browser

Diese Browser-Apps empfehlen wir:

  • Mozilla Firefox (Play-Store): Vollwertiger Open-Source-Browser der Mozilla-Stiftung. Integrierter Tracking-Schutz und viele Erweiterungen für mehr Privatsphäre. Wie du Firefox privatsphärefreundlich einstellst, haben wir hier zusammengestellt.
  • Fennec (F-Droid): App-Variante von Firefox ohne Analysedienste. Nutzt im laufenden Betrieb aber Dienste von Mozilla und Google, die Nutzer*innen tracken können.
  • Tor Browser: Basiert auf Firefox, nutzt aber das Anonymisierungsnetzwerk Tor. Ist standardmäßig für einen starken Schutz der Privatsphäre konfiguriert. Der Tor Browser wurde vom Tor Project gemeinsam mit dem Guardian Project entwickelt. Du findest ihn in F-Droid, sobald du unter Einstellungen > Paketquellen das Guardian Project aktiviert hast. Auch im Play-Store zu finden. Hinweis: Der Vorläufer „Orfox“ wurde eingestellt und sollte nicht mehr genutzt werden.

E-Mail

  • K-9 Mail (F-Droid, Play-Store): Open-Source-App, von einem Programmier-Team ehrenamtlich entwickelt. Dient der Verwaltung von E-Mails aus einem oder mehreren Postfächern und sammelt oder überträgt ansonsten keinerlei Daten. Schlichtes Design.
  • FairEmail (F-Droid, Play-Store): Open-Source-App des niederländischen Entwicklers Marcel Bokhorst. Dient der Verwaltung von E-Mails aus einem oder mehreren Postfächern und sammelt oder überträgt ansonsten keinerlei Daten. Basisversion mit einigen Sicherheitsfunktionen kostenlos, Vollversion kostenpflichtig.
  • Als E-Mail-Dienst empfehlen wir die kostenpflichtigen Dienste posteo.de oder mailbox.org, die optimale Privatsphärebedingungen bieten.[/box]

Fotogalerie

Diese Galerie-Apps empfehlen wir:

  • Fossify Galerie (F-Droid): Ein simpler Foto-Manager aus der Fossify-Reihe. Fossify ist ein Kollektiv aus freiwilligen Entwicklern, die unabhängige Varianten der „Simple Mobile Tools“ zur Verfügung stellen. Simple Mobile Tools, früher unsere Empfehlung für schlanke und trackingfreihe Funktions-Apps, wurde 2023 verkauft. Wir erwarten daher, dass die Apps künftig mittels Werbung und Tracking monetarisiert werden. Man kann an Fossify spenden.
  • Aves (Playstore, F-Droid): Quelloffene, werbefreie App des Entwicklers Thibault Deckers. Bietet mehr Funktionen zur Bilderverwaltung als die Fossify Galerie, unter anderem Geotagging mit OpenStreetMap.

Messenger und Video-Chat

Diese Messenger-Apps empfehlen wir:

  • Signal (Play-Store, Website des Herstellers): kostenloser, quelloffener Messenger, von Whistleblower Edward Snowden empfohlen. Standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt, bietet auch Videotelefonie. Einziges Manko: Erfordert eine Telefonnummer zum Registrieren – die kann aber verborgen bleiben.
  • Threema (Play-Store): kostenpflichtiger, quelloffener Messenger, der ebenfalls über eine standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Einzel- und Gruppenchats sowie für Videotelefonie verfügt. Anonym nutzbar. Im Funktionsumfang der Business-Version Threema Work (Play-Store) steht er großen Konkurrenten wie Skype in nichts nach.
  • Senfcall (keine Installation, nur Video-Chat): Per Web-Zugriff unter senfcall.de nutzbar. Basiert auf der quelloffenen Software BigBlueButton, von Studierenden der Universitäten Darmstadt und Karlsruhe entwickelt. Server in Deutschland, nach Ende eines Meetings werden alle Daten gelöscht.

Kalender

Diese Kalender-Apps empfehlen wir:

  • Fossify Calendar (F-Droid, Play-Store): Schlanker Kalender ohne Schnickschnak aus der Fossify-Reihe. Fossify ist ein Kollektiv aus freiwilligen Entwicklern, die unabhängige Varianten der „Simple Mobile Tools“ zur Verfügung stellen. Simple Mobile Tools, früher unsere Empfehlung für schlanke und trackingfreihe Funktions-Apps, wurde 2023 verkauft. Wir erwarten daher, dass die Apps künftig mittels Werbung und Tracking monetarisiert werden. Man kann an Fossify spenden.
  • Etar (F-Droid, Play-Store): Quelloffene, werbefreie App, entwickelt von dem saudi-arabischen Programmierer Suhail Alkowaileet. Die App kann komplett offline verwendet werden, unterstützt aber auch die Einbindung des Google-Kalenders und Exchange.
  • Kalenderchen (Play-Store): Diese Kalender-App für Android und Windows synchronisiert deinen Kalender über mehrere Geräte hinweg. Alle eingetragenen Daten werden Ende-zu-Ende-verschlüsselt online gespeichert. Um den Kalender dezentral zu nutzen, musst du unter kalenderchen.de einen Cloud-Kalender anlegen. Du erstellst dabei einen privaten Schlüssel (Passwort), den du für das Einrichten von Kalenderchen auf jedem Gerät benötigst. Kosten: Einen Kalender mit Synchronisationsfunktion gibt’s für 1,50 Euro pro Monat, ohne Synchronisation genügt ein selbstgewählter Spendenbetrag. Für komplett anonyme Nutzung können Geldscheine per Post geschickt werden. Mehr Infos auf der Webseite.

Kontakte

Diese Kontakte-App empfehlen wir:

  • Fossify Contacts (F-Droid, Play-Store): Einfaches Adressbuch aus der Fossify-Reihe. Fossify ist ein Kollektiv aus freiwilligen Entwicklern, die unabhängige Varianten der „Simple Mobile Tools“ zur Verfügung stellen. Simple Mobile Tools, früher unsere Empfehlung für schlanke und trackingfreihe Funktions-Apps, wurde 2023 verkauft. Wir erwarten daher, dass die Apps künftig mittels Werbung und Tracking monetarisiert werden. Man kann an Fossify spenden.
  • MyLocalAccount: Falls dein Gerät Kontakte nur im Google-Konto abspeichern kann und keinen lokalen Speicherort anbietet, kannst du mit Hilfe der App MyLocalAccount ein entsprechendes lokales Verzeichnis auf deinem Handy anlegen. Die App entwickelt ein österreichischer Programmierer, der unter dem Namen FJ Softwaredevelopment auch den von uns empfohlenen MyPhoneExplorer anbietet.

Hinweis: MyLocalAccount ist keine App zum Verwalten oder Beabeiten von Kontakten, sondern richtet nur einen Speicherort auf deinem Gerät ein. Wenn man sie installiert, erscheint kein App-Icon auf dem Startbildschirm. Gehe nach der Installation zu:Geräteeinstellungen > Konten > Hinzufügen und tippe in der Liste auf MyLocalAccount. Wenn du nun deine Kontakte-App öffnest und einen neuen Kontakt hinzufügst, solltest du eine Auswahl haben, den Kontakt entweder im Google-Konto anzulegen oder im MyLocalAccount-Konto.

Suche

Diese Suchmaschinen empfehlen wir:

Hinweis: Suchmaschinen-Apps bringen einige Nachteile mit sich – es handelt sich dabei um abgespeckte Browser-Apps, die mit der Sicherheit eines vollwertigen Browsers wie Firefox nicht mithalten können. Stattdessen empfehlen wir, die Suchmaschine deiner Wahl beispielsweise im Firefox-Browser als Standard festzulegen. Öffne dazu das Menü des Browsers und tippe auf den Punkt „Suche“.

  • Startpage: Die niederländische Suchmaschine sucht in der Google-Trefferliste, ohne dass dabei Nutzer*innendaten zu Google gelangen. Die Suchmaschine speichert keine Daten über dich und bietet beim Öffnen von Webseiten einen anonymen Modus. Startpage kann als Suchmaschine für Browser eingestellt und als Webseite aufgerufen werden.
  • DuckDuckGo: US-amerikanische Suchmaschine, nutzt Ergebnisse von anderen Suchmaschinen, zum Beispiel Bing – nicht aber Google. Speichert keine Suchanfragen und erstellt keine Profile. Erhältlich als App im Google Play-Store oder in F-Droid, als Suchmaschine für den Browser und als Webseite.
  • Suchfeld (F-Droid): Wenn du nicht auf das Suchfeld verzichten willst, das viele von der Google-Suche auf dem Startbildschirm gewöhnt sind, kannst du dieses mit der App Simple Search ersetzen. Installiere die App, stelle darin die Suchmaschine deiner Wahl ein und füge sie dann als Widget auf dem Startbildschirm hinzu.

Tastatur

Diese Tastatur-Apps empfehlen wir:

  • HeliBoard (F-Droid): Basiert auf OpenBoard und wird aktiv von freiwilligen Entwickler*innen weitergeführt. Unterstützung ist willkommen.
  • Typewise Offline Keyboard (Play-Store): Lokale Offline-Version der App „Typewise Keyboard“, sendet keinerlei Daten. Entwickelt von einem Schweizer Start-up, das besonderen Wert auf intuitive Benutzbarkeit und wenige Tippfehler legt. Finanzierung durch App-Verkäufe, entsprechend hoch sind die Kosten: einmalig 25 Euro.
  • FlorisBoard (beta F-Droid): Quelloffene, kostenlose und vollwertige Tastatur-App des österreichischen Entwicklers Patrick Goldinger. Nach einer Unterbrechung soll das Projekt wieder aktiv vorangetrieben werden. Enthält interessante Features, wie Shortcuts, Sliding und viele Tastaturlayouts.
  • AnySoftKeyboard (F-Droid, Play-Store): Quelloffene App, die nicht ins Internet geht. Das deutsche Sprachpaket muss zusätzlich geladen werden (F-Droid, Play-Store). Derzeit von Entwickler Menny Even Danan aus New York City betreut, finanziert durch Spenden.

Telefon

Diese Telefon-App empfehlen wir:

  • Fossify Phone: (F-Droid, Play Store): Auch hinter dem Button, mit dem ihr einen Telefonanruf startet, steckt eine App. Dieser simple Dialer stammt aus der Fossify-Reihe. Fossify ist ein Kollektiv aus freiwilligen Entwicklern, die unabhängige Varianten der „Simple Mobile Tools“ zur Verfügung stellen. Simple Mobile Tools, früher unsere Empfehlung für schlanke und trackingfreihe Funktions-Apps, wurde 2023 verkauft. Wir erwarten daher, dass die Apps künftig mittels Werbung und Tracking monetarisiert werden. Man kann an Fossify spenden.

Textbearbeitung

Alternative Textbearbeitungs-Apps:

  • Collabora Office (Play-Store): Diese quelloffene App für Android kann fast alles, was ihr von der Textbearbeitung am Desktop kennt: Verschiedene Schriftarten und -farben einstellen, Absätze formatieren sowie Grafiken und Fotos einfügen. Bearbeiten könnt ihr Dokumenttypen aus Microsoft Office und Libre Office. Die App erlaubt auch das Erstellen und Ändern von Tabellen und Präsentationen. Frei von Werbung und Tracking, keine unnötigen Berechtigungen. Kostenlose Version für Einzelnutzer*innen, Zusammenarbeit mit anderen kostenpflichtig.
  • Writer (Play-Store): App mit Lese- und Schreibfunktion für die meisten Formate. Wer ein Profil in der App anlegt, kann Dokumente teilen und gemeinsam mit anderen bearbeiten. Die App läuft aber auch offline und ohne Profil. Angeboten von der Software-Firma Zoho Corp. Die Nutzungsanalyse kann in den Einstellungen abgewählt werden.

Überflüssige Apps

Ihr werdet auch viele Apps auf dem Gerät finden, die ihr überhaupt nicht braucht. Geht einmal durch die App-Liste und deinstalliert konsequent alles, was überflüssig ist. Wenn euch eine App nachträglich doch fehlt, könnt ihr sie einfach wieder neu aus dem Play-Store installieren. Wenn ihr bei einer App nicht sicher seid, was sie tut, startet eine kurze Internetsuche.

Hinweis: Folgende Apps solltet ihr auf eurem Smartphone lassen, da sonst grundlegende Systemfunktionen nicht mehr ausgeführt werden können:

  • Google Play-Store
  • Google Play Dienste / Services
  • Android System WebView
  • Einstellungen

 

Der Beitrag Bloatware: Vorinstallierte Apps ersetzen (Android) erschien zuerst auf mobilsicher.de.

❌