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Marode Schulen, leere Kassen: Warum der Sanierungsstau auch das Staatsvertrauen gefährdet – ein Gastkommentar

[]“>HAMBURG. Marode Schulgebäude, fehlende Räume für den Ganztag und eine digitale Infrastruktur, deren Betrieb nicht dauerhaft gesichert ist: Viele Kommunen können die bildungspolitischen Anforderungen kaum noch erfüllen. Der Investitionsrückstand bei Schulen beläuft sich laut KfW-Kommunalpanel 2026 inzwischen auf 68,9 Milliarden Euro. Während Bund und Länder neue Aufgaben beschließen, müssen Schulträger vor Ort häufig mit unzureichenden Mitteln zurechtkommen. Der Bildungsexperte Udo Beckmann warnt in seinem Gastbeitrag: Wo politische Versprechen im Alltag nicht eingelöst werden, leidet auch das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates.
Sanierungsstau. (Symbolbild.) Illustration: News4teachers

Wenn der Putz bröckelt, bröckelt das Vertrauen in die Politik gleich mit!

Ein Kind weiß nicht, welche staatliche Ebene für seine Schule zuständig ist. Es kennt weder die Einzelheiten des Bundeshaushalts noch die Finanzbeziehungen zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Es erlebt etwas sehr viel Konkreteres: Schließen die Fenster? Ist das Klassenzimmer warm? Funktionieren die Toiletten? Wird der Schimmel beseitigt?

Auch Eltern unterscheiden im Alltag kaum zwischen Bund, Land, Kommune und Schulträger. Sie sehen, unter welchen Bedingungen ihr Kind lernen muss. Sie hören politische Versprechen von Bildungsgerechtigkeit, moderner Ausstattung und guten Lernbedingungen – und erleben gleichzeitig sanierungsbedürftige Gebäude, überlastete Strukturen und jahrelange Provisorien.

Wo politische Ankündigungen und die Wirklichkeit vor Ort dauerhaft auseinanderfallen, bleibt das nicht ohne Folgen. Die Diskrepanz prägt nicht nur den Schulalltag. Sie berührt auch das Vertrauen von Familien in die Handlungsfähigkeit von Politik und Verwaltung.

Schulträger tragen die sichtbare Verantwortung

Für die Schulträger entsteht daraus eine schwierige Situation. Sie stehen vor Ort in der Verantwortung für die äußeren Schulangelegenheiten. Sie sollen Gebäude sanieren, Räume für den Ganztag schaffen, digitale Infrastruktur bereitstellen, Inklusion ermöglichen und Schulen zu zeitgemäßen Lern- und Lebensorten weiterentwickeln.

Wenn das Dach undicht ist, die Heizungsanlage ausfällt oder die digitale Ausstattung nicht funktioniert, richtet sich der Blick zunächst auf den Schulträger. Er ist für Schulen, Schulleitungen, Eltern und die Öffentlichkeit der unmittelbar erreichbare Ansprechpartner.

Viele der Anforderungen, die Schulträger erfüllen sollen, werden jedoch auf anderen staatlichen Ebenen beschlossen. Bund und Länder formulieren politische Ziele, schaffen Rechtsansprüche oder verändern Standards. Umgesetzt werden müssen diese Entscheidungen häufig von Städten, Gemeinden und Landkreisen. So wächst die Verantwortung der Schulträger – ohne dass ihre finanziellen und personellen Möglichkeiten automatisch mitwachsen.

Viele von ihnen fühlen sich deshalb von der Bundes- und Landespolitik im Stich gelassen. Nicht, weil sie sich gegen Ganztag, Digitalisierung, Inklusion oder moderne Schulgebäude stellen. Im Gegenteil: Die Schulträger wissen, wie wichtig diese Aufgaben sind. Sie erleben aber täglich, dass zwischen dem politischen Anspruch und den verfügbaren Mitteln eine immer größere Lücke entsteht.

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Wie können Schulträger die wachsenden Anforderungen an Schulen bewältigen – und wie lassen sich Investitionen, Ganztag, Digitalisierung und Schulentwicklung langfristig finanzieren? Der Deutsche Schulträgerkongress (DSTK) 2026 bietet Verantwortlichen aus Kommunen, Schulverwaltung und Bildungspolitik die Gelegenheit, sich über aktuelle Herausforderungen, Lösungsansätze und Erfahrungen aus der Praxis auszutauschen.

Im Mittelpunkt stehen die Fragen, die Schulträger derzeit besonders beschäftigen: Wie lassen sich knappe Ressourcen wirksam einsetzen? Welche Strukturen braucht eine zukunftsfähige Schulinfrastruktur? Und wie kann die Zusammenarbeit zwischen Schulträgern, Schulen und Politik verbessert werden?

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Neue Aufgaben, alte Finanzierungsprobleme

Besonders deutlich zeigt sich diese Lücke, wenn neue Aufgaben beschlossen werden, ohne ihre Umsetzung dauerhaft und auskömmlich zu finanzieren. Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, die Digitalisierung der Schulen, steigende Anforderungen an Inklusion, Klimaschutz und Gebäudesicherheit sowie der erhebliche Sanierungsbedarf sind jeweils große Aufgaben für sich. In den Kommunen treffen sie jedoch gleichzeitig aufeinander.

Dabei reicht es nicht, lediglich den Einstieg in eine neue Aufgabe zu finanzieren. Ein Ganztagsangebot benötigt nicht nur Räume, sondern dauerhaft Personal, Ausstattung, Reinigung, Energie und Instandhaltung. Digitale Technik muss nicht nur angeschafft, sondern administriert, gewartet und regelmäßig erneuert werden. Ein saniertes Schulgebäude verursacht auch nach Abschluss der Baumaßnahme laufende Betriebs- und Unterhaltskosten.

Förderprogramme berücksichtigen diese Zusammenhänge häufig nur unzureichend. Sie finanzieren einzelne Projekte oder Anschaffungen, nicht aber zwingend die dauerhafte Aufgabe, die daraus entsteht. Für die Schulträger bedeutet das: Sie sollen beginnen, ohne sicher zu wissen, wie es weitergeht.

Förderprogramme können Ungleichheiten verschärfen

Zeitlich begrenzte Förderprogramme sind nicht grundsätzlich falsch. Sie können Investitionen ermöglichen und wichtige Entwicklungen anstoßen. Sie ersetzen jedoch keine langfristig tragfähige Finanzierung. Hinzu kommt, dass Förderprogramme selbst erhebliche Anforderungen stellen. Kommunen müssen Anträge vorbereiten, Planungen vorlegen, Eigenanteile aufbringen, Fristen einhalten und Verwendungsnachweise erstellen. Dafür benötigen sie qualifiziertes Personal und freie Planungskapazitäten.

Gerade finanzschwache Schulträger verfügen darüber häufig nicht in ausreichendem Maß. Sie stehen deshalb vor einem doppelten Problem: Der Investitionsbedarf ist besonders hoch, gleichzeitig fehlen die personellen und finanziellen Voraussetzungen, um Fördermittel erfolgreich abzurufen.

Damit drohen Förderprogramme bestehende Unterschiede nicht nur abzubilden, sondern zu verstärken. Kommunen, die bereits über leistungsfähige Verwaltungen und eigene finanzielle Spielräume verfügen, können Programme häufig besser nutzen. Strukturell belastete Kommunen geraten weiter ins Hintertreffen. So entsteht ein Flickenteppich, der ausgerechnet dort am dünnsten ist, wo die Kassen ohnehin leer sind. Bildungschancen dürfen aber nicht davon abhängen, in welcher Kommune ein Kind aufwächst.

68,9 Milliarden Euro Rückstand bei den Schulen

Die Größenordnung der Herausforderung zeigt das KfW-Kommunalpanel 2026. Danach beträgt der von den Kommunen wahrgenommene Investitionsrückstand bei der Schulinfrastruktur 68,9 Milliarden Euro (KfW-Kommunalpanel 2026). Schulen weisen damit weiterhin den größten Rückstand unter den untersuchten kommunalen Infrastrukturbereichen auf. Insgesamt beziffert die KfW den wahrgenommenen kommunalen Investitionsrückstand auf 231,2 Milliarden Euro.

Das sind nicht nur Zahlen in einem Bericht. Dahinter stehen Kinder, die jeden Tag in Gebäuden lernen, deren Zustand dringend verbessert werden müsste. Dahinter stehen Eltern, die sich fragen, warum zwischen politischen Ankündigungen und der Lebenswirklichkeit ihrer Kinder eine so große Lücke besteht. Und dahinter stehen Schulträger, die die Situation verbessern wollen, die notwendigen Investitionen jedoch vielfach nicht aus eigener Kraft bewältigen können. Sie werden zu Verwaltern eines Mangels, den sie oft nicht verursacht haben und den sie mit ihren eigenen Mitteln nicht beheben können.

„Wer bestellt, bezahlt“

Beim Deutschen Schulträgerkongress 2025 rückte der frühere saarländische Ministerpräsident und ehemalige Richter des Bundesverfassungsgerichts Peter Müller das Konnexitätsprinzip in den Mittelpunkt. Seine Botschaft war ebenso einfach wie grundlegend: „Wer bestellt, bezahlt.“

Der vom Deutschen Städte- und Gemeindebund veröffentlichte Kongressbericht hält fest, dass Kommunen klare finanzielle Zuständigkeiten benötigen, um Ganztag, Digitalisierung und Schulentwicklung verlässlich umsetzen zu können. Wenn der Bund neue Aufgaben veranlasse, die von den Kommunen umgesetzt werden müssten, müsse das dafür benötigte Geld auch bei ihnen ankommen. Langfristige Planungssicherheit sei eine Voraussetzung dafür, Reformen tatsächlich zu realisieren.

Damit benennt Müller einen zentralen Konflikt der gegenwärtigen Bildungspolitik: Politische Entscheidungen entfalten ihre Wirkung nicht dort, wo sie beschlossen werden, sondern dort, wo sie umgesetzt werden müssen. Wird ein Rechtsanspruch geschaffen, ein Standard erhöht oder eine bestehende Aufgabe erweitert, entstehen vor Ort zusätzliche Kosten. Diese Kosten dürfen nicht nachträglich zu einem Problem der Schulträger erklärt werden. Konnexität bedeutet deshalb mehr als einen einmaligen Zuschuss. Sie bedeutet, dass die Ebene, die eine Aufgabe veranlasst, auch für deren vollständige und dauerhafte Finanzierung Verantwortung übernimmt.

Schulträger brauchen mehr als Anschubfinanzierungen

Es braucht einen grundlegenden Wechsel: weg von einer Abfolge befristeter Förderprogramme, hin zu einer verlässlichen Finanzierung dauerhafter Aufgaben. Investitionen, Instandhaltung, Betrieb und Personal müssen gemeinsam gedacht werden. Wer einen Ganztagsanspruch schafft, muss nicht nur den Bau oder Umbau der notwendigen Räume ermöglichen. Er muss auch berücksichtigen, welche dauerhaften Ausgaben daraus entstehen.

Wer Schulen digital ausstatten will, darf nicht nur Endgeräte und Netzwerke finanzieren. Er muss auch für Administration, Support, Ersatzbeschaffungen und die Weiterentwicklung der Infrastruktur tragfähige Lösungen schaffen. Wer Bildungsgerechtigkeit verspricht, muss dafür sorgen, dass finanzschwache Schulträger nicht dauerhaft schlechtere Bedingungen bieten können als wohlhabendere Kommunen.

Dazu braucht es mehrjährige Finanzierungsvereinbarungen, einen realistischen Ausgleich der tatsächlichen Kosten und Verfahren, die auch von personell belasteten Verwaltungen bewältigt werden können. Eigenanteile dürfen nicht dazu führen, dass gerade die bedürftigsten Kommunen von notwendigen Investitionen ausgeschlossen bleiben. Vor allem aber müssen Schulträger früher in politische Entscheidungen einbezogen werden. Sie sind nicht nur die letzte Station einer Umsetzungskette. Sie verfügen über das Wissen, welche Voraussetzungen vor Ort bestehen, welche Kosten tatsächlich entstehen und welche Zeiträume für eine seriöse Umsetzung erforderlich sind.

Verantwortung darf nicht weitergereicht werden

Die Debatte über Schulfinanzierung ist deshalb keine technische Auseinandersetzung zwischen staatlichen Ebenen. Sie berührt eine grundlegende Frage demokratischer Verantwortung. Für Bürgerinnen und Bürger ist der Staat vor allem dort sichtbar, wo sie ihm im Alltag begegnen: in der Verwaltung, im öffentlichen Nahverkehr, in der Kindertagesstätte – und in der Schule.

Wenn politische Versprechen im Klassenzimmer nicht ankommen, wird das Scheitern nicht nach Zuständigkeiten sortiert. Familien erleben nicht den Bund, das Land und die Kommune getrennt voneinander. Sie erleben einen Staat, der etwas angekündigt hat, es aber offenbar nicht umsetzen kann.

Der bauliche Zustand einer Schule sendet deshalb immer auch eine politische Botschaft. Eine funktionierende Schultoilette, ein warmes Klassenzimmer und ein sicherer, zeitgemäßer Lernort erscheinen auf den ersten Blick wie Selbstverständlichkeiten. Tatsächlich zeigen sie Kindern und Familien etwas Entscheidendes: Hier funktioniert öffentliche Verantwortung. Hier werden Versprechen ernst genommen. Hier ist der Staat handlungsfähig.

Bleiben notwendige Maßnahmen dagegen über Jahre aus, kann sich der gegenteilige Eindruck verfestigen.

Aus politischen Ansprüchen müssen verlässliche Mittel werden

Schulträger benötigen keine immer neuen Erwartungen ohne ausreichende Ressourcen. Sie brauchen die Möglichkeit, die Verantwortung, die ihnen übertragen wird, auch tatsächlich wahrzunehmen. Bund und Länder dürfen deshalb nicht nur darüber entscheiden, welche Aufgaben Kommunen erfüllen sollen. Sie müssen ebenso verbindlich klären, wie diese Aufgaben langfristig finanziert werden.

Eine der entscheidenden Fragen für die Glaubwürdigkeit von Politik lautet: Wie kann Bildungsgerechtigkeit unabhängig vom Wohnort gelingen, wenn immer neue Aufgaben auf strukturell unterfinanzierte Systeme treffen? Und wie können Schulträger gemeinsam so deutlich auftreten, dass aus politischen Ankündigungen verlässliche und auskömmliche Mittel werden? Denn wer politische Ansprüche schafft, darf nicht nur den Start finanzieren. Er muss dafür sorgen, dass die Verantwortung dauerhaft getragen werden kann.

Zur Person
Udo Beckmann., Illustration: News4teachers

Udo Beckmann ist Grund- und Hauptschullehrer, leitete zehn Jahre eine Hauptschule in herausfordernder Lage mit einer Schülerschaft, die zu 80 Prozent aus Familien mit Migrationshintergrund stammten.

Er war zudem 16 Jahre Vorsitzender der zweitgrößten Lehrergewerkschaft in Nordrhein-Westfalen (des VBE) und 13 Jahre Bundesvorsitzender. Heute ist er Leiter des Programmbeirats beim Deutschen Schulleitungskongress.

Hier geht es zu allen Beiträgen des Themenmonats “Schulbau & Schulausstattung”. 

Appell an Schulträger: Gesündere Klassenräume müssen kein Millionenprojekt sein

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Lehrer schlägt und tritt Schüler – 13 Monate Haft auf Bewährung

COTTBUS. Ein Musiklehrer gesteht vor Gericht, Schüler geschlagen und getreten zu haben. Das Amtsgericht Cottbus verurteilt ihn zu einer Bewährungsstrafe. Er muss auch Schmerzensgeld an die betroffenen Jungen zahlen – allerdings nur in symbolischer Höhe. 

Das Oberlandesgericht hat entschieden. Foto: Shutterstock

Ein Lehrer ist wegen Körperverletzung von mehreren Schülern und wegen Bedrohung vom Amtsgericht Cottbus zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der Mann, Quereinsteiger als Musiklehrer, sei im September 2023 in vier Fällen gewalttätig gegenüber Schülern an einer Cottbuser Oberschule geworden, urteilte das Gericht. Es verhängte ein Jahr und einen Monat Freiheitsstrafe auf Bewährung. Zudem muss der Angeklagte Schmerzensgeld zahlen: 100 Euro an einen Schüler, jeweils 200 Euro an zwei weitere.

Der Lehrer gab die Vorwürfe vor Gericht zu und entschuldigte sich. Er hatte den Angaben zufolge einen elfjährigen Jungen im Unterricht gegen die Hüfte getreten und mit der Hand gegen den Hinterkopf geschlagen. Der Junge musste im Krankenhaus behandelt werden. Zwei weitere Zwölfjährige bekamen von ihm Schläge. Zunächst war von zwei Opfern die Rede gewesen.

Die Jungen haben laut dem Verein Opferperspektive einen Migrationshintergrund. Ein mögliches rassistisches Motiv hatte die Polizei deswegen nach der Anzeige der Eltern bei den Ermittlungen geprüft. Im Prozess spielte der Vorwurf nur am Rande eine Rolle. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. News4teachers / mit Material der dpa

Sollen Lehrkräfte Schüler bei massiven Unterrichtsstörungen körperlich stoppen dürfen? Dänemark plant das, Deutscher Lehrerverband widerspricht

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„Das sind unsere Jugendlichen“: Özdemir gegen Demo-Verbote nach Gen-Z-Protesten

STUTTGART. Der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir wirbt um Verständnis für junge Menschen und deren Anliegen. Was er trotz seiner Kritik an Demo-Verboten von künftigen Versammlungen erwartet.

Wirbt um Verständnis: Cem Özdemir (Grüne). Foto: BMEL / Janine Schmitz Photothek

Trotz Ausschreitungen rund um die Jugendproteste am Wochenende hat sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) gegen Einschränkungen des Demonstrationsrechts ausgesprochen. Versammlungsverbote seien nicht der richtige Weg, sagte er.

«Wir verteidigen das Demonstrationsrecht. Es ist kein gemütliches Recht, es soll uns herausfordern und das müssen wir aushalten», sagte der Grünen-Politiker in Stuttgart. Zugleich rief er zu Besonnenheit auf. Gewalt und Zerstörung seien in keiner Weise akzeptabel. An die Demonstrierenden richte sich deshalb eine klare Erwartung, ihre Anliegen friedlich zum Ausdruck zu bringen. Auch die Eignung der Anmelder möglicher künftiger Demonstrationen müsse geprüft werden.

Nach Ausschreitungen bei einer Demonstration in Frankfurt am Main hatte der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) weitere angekündigte Veranstaltungen infrage gestellt. Auch Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) hatte ein Versammlungsverbot für weitere Veranstaltungen nicht ausgeschlossen.

Özdemir: Thema Wehrpflicht nicht an die Wand fahren

Özdemir warb zugleich um mehr Verständnis für die junge Generation. Diese habe andere Sorgen und Erfahrungen als vorherige Generationen. Dazu gehörten die Folgen der Corona-Pandemie, verschiedene Krisen, Probleme im Bildungswesen und das Gefühl, mit ihren Anliegen nicht ausreichend gehört zu werden. «All diese Jugendlichen sind unsere Jugendlichen», sagte Özdemir.

Mit Blick auf die Wehrpflicht habe er eine Bitte an Berlin: «Lassen Sie uns die Debatte so führen, dass sie die gesellschaftliche Spaltung nicht noch weiter verstärkt.» An den Zahlen der jungen Menschen, die verweigern wollen, sehe man, dass Gefahr drohe, das Thema gegen die Wand zu fahren.

Auf Nachfrage zu der Aussage von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) gegenüber der «Bild», dass «gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu» die friedlichen Demonstrationen gekapert hätten, sagte Özdemir, dass man teilweise sehe, dass es da eine «statistische Häufung» gebe. «Das wird auch nicht schön gedreht, das wird auch nicht unter den Teppich gekehrt.» Er habe Innenminister Manuel Hagel (CDU) gebeten, dass er sich das genau anschaue.

Am Wochenende hatte die Initiative «Gen Z regelt» bundesweit zu Protesten aufgerufen. Zehntausende gingen größtenteils friedlich unter anderem gegen die Wehrpflicht, für mehr Klimaschutz und mehr Geld in Schulen auf die Straße. Die Initiative distanzierte sich anschließend von teils gewalttätigen Ausschreitungen, die größtenteils im Anschluss an die Proteste stattfanden. News4teachers / mit Material der dpa

Auschreitungen nach Schülerprotesten: Wie leichtfertig dürfen verantwortliche Politiker junge Migranten zur Haupttätergruppe erklären?

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Kompetenzen verbessert: Mehr Leseunterricht an Grundschulen zeigt Wirkung

SCHWERIN. Seit zwei Jahren gibt es den Leseband an den Schulen im Nordosten. 20 Minuten am Tag zusätzliches Lesen sind nicht viel, doch die ersten Ergebnisse machen Hoffnung.

Lesen fällt nicht immer leicht. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Das Bildungsministerium in Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich zwei Jahre nach Einführung des erweiterten Leseunterrichts zufrieden mit der Bilanz. Die Einführung des Lesebands 2024 für rund 76.000 Grundschüler sei wichtig gewesen, denn die Lesekompetenzen hätten sich dadurch deutlich erhöht, sagte Bildungsministerin Simone Oldenburg (Die Linke) auf einer Pressekonferenz. Sie beruft sich dabei auch auf Erkenntnisse einer wissenschaftlichen Studie. Klar ist aber auch: Das Bildungssystem im Land weist weiter Mängel auf.

20 Minuten zusätzlich Lesen am Tag, heißt es seit 2024 für alle Grundschüler in MV. Der Grund dafür waren schwache Fähigkeiten sowohl beim Lesetempo als auch beim Leseverständnis der Kinder. Vor Einführung des Lesebands hätten die Lesekompetenzen in MV fast durchgängig unter dem bundesweiten Durchschnitt gelegen, teilte Kathrin Mahlau von der Universität Greifswald mit. «Die Lücken zur Norm werden kleiner», lautet ihr Fazit.

Zweitklässler konnten am Ende der Testphase doppelt so viele Wörter lesen wie zuvor. In den Klassen 3 und 4 hat der Leseband auch effizient das Leseverständnis erhöht. Deswegen soll der Leseunterricht nach Vorstellung des Bildungsministeriums auch auf die Klassen 5 und 6 ausgeweitet werden. «Ich brauche Textverständnis für jedes Fach», begründet Oldenburg ihr Werben für mehr Lesen.

Bis zum Matheband dauert es noch eine Weile

Analog dazu plant die neu zu bildende rot-rot-grüne Koalition die Einführung eines Mathebands. Dabei gehe es um tägliche mathematische Übungen, sagte Oldenburg. Vor allem das Kopfrechnen soll gestärkt werden. Mit der Erarbeitung des Programms dafür hat das Ministerium vor zwei Jahren schon begonnen. Dennoch wird es wohl noch bis zum übernächsten Schuljahr dauern, bis es tatsächlich an die Schulen kommt. Oldenburg begründete dies unter anderem mit den nötigen Fortbildungen für Lehrer. News4teachers / mit Material der dpa

Mehr Zeit zum Lesenlernen: „Leseband“ wird (nach guten Erfahrungen) ausgeweitet 

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Pflicht-Wochenstunde für Berufsorientierung kommt – zulasten des Fachunterrichts? 

DÜSSELDORF. Mehr Berufsorientierung, längere Praktika und eine gezieltere Förderung: Nordrhein-Westfalen will Schülerinnen und Schüler künftig systematischer auf den Übergang ins Berufsleben vorbereiten. Dafür soll in den Klassen 8 bis 10 eine verbindliche Wochenstunde eingeführt werden, auch an Gymnasien sollen Jugendliche mehr Zeit in Betrieben verbringen. Wirtschaft und Handwerk begrüßen die Pläne. Doch Lehrkräfteverbände warnen vor zusätzlichen Belastungen und fehlenden Ressourcen. Der Philologenverband stellt darüber hinaus eine grundsätzliche Frage: Soll die Berufsorientierung an allen Schulformen gleich aussehen – und womöglich auf Kosten des Fachunterrichts gehen?

Weniger ist weniger. Karikatur: News4teachers

Die berufliche Orientierung in den nordrhein-westfälischen Schulen soll gestärkt und passgenauer auf die Jugendlichen zugeschnitten werden. Dazu soll in den Jahrgängen 8, 9 und 10 eine verbindliche Wochenstunde zur Berufsorientierung eingeführt werden.

Die Minister für Schule und für Arbeit, Dorothee Feller und Karl-Josef Laumann (beide CDU) sprachen bei der Vorstellung der Pläne in Düsseldorf von einem großen Sprung. Spitzenvertreter aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften, Arbeitsagentur, Kommunen und Wohlfahrt – zusammengeschlossen im sogenannten Ausbildungskonsens NRW – hatten sich zuvor auf ein Maßnahmenpaket geeinigt.

Mehr Praxis für Schüler

Dazu gehört auch, die Praxisphasen in den Unternehmen – derzeit je nach Schulform 18 bis 24 Tage – um ein Drittel auszubauen. Das gelte für alle Schulformen, auch Gymnasien, sagte Feller. «Alle Schülerinnen und Schüler sollen die Möglichkeit erhalten, bei Berufsfelderkundungen oder Praktika Handwerks- und Industriebetriebe kennenzulernen.»

Für die verbindliche Wochenstunde zur Berufsorientierung würden jetzt die Lehrpläne geschrieben. «Wir werden das zu Beginn des nächsten Schuljahres zunächst freiwillig anbieten und dann gemeinsam Erfahrungen sammeln», kündigte die Ministerin an. Erst danach werde die Neuerung verbindlich. Die Stunde solle von den regulären Lehrkräften erteilt werden. Eine erste Erprobungsphase an 16 Schulen habe bereits positive Rückmeldungen gebracht.

«Diese Stunde schafft Zeit, um praktische Erfahrungen vor- und nachzubereiten und die Jugendlichen kontinuierlich bei ihrer Berufswahl zu begleiten», erklärte Feller. Gleichzeitig sollten externe Partner stärker in die Schule geholt werden. «Wenn Beratungsfachkräfte oder Menschen aus Betrieben mit Jugendlichen ins Gespräch kommen, werden berufliche Möglichkeiten anschaulich.»

Kompetenzcheck für alle: Welcher Beruf passt?

Zudem soll ab dem Schuljahr 27/28 ein digital unterstütztes Instrument zur Kompetenzfeststellung und individuellen Förderung eingeführt werden, das bereits erfolgreich erprobt worden sei. Es erfasse Interessen und Kompetenzen und gleiche sie mit 16 Berufsfeldern ab, erläuterte Feller. «Die Ergebnisse sollen im Weiteren schulischen Prozess regelmäßig aufgegriffen werden.»

Darüber hinaus sollen Jugendberufsagenturen flächendeckend als Kooperationsstruktur etabliert werden, um vor allem denen zu helfen, die besonders große Unterstützung brauchen, um zu einer Lehrstelle zu kommen, wie Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) erläuterte. An dieser Schnittstelle von Arbeits- und Jugendämtern stehe eine sehr viel breiter angelegte Unterstützungsstruktur zur Verfügung.

«Es geht schlicht und ergreifend darum, dass man einen Beruf findet, der zu einem passt», sagte Laumann. Neben der Schule bleibe dies natürlich auch Aufgabe von Elternhäusern, die künftig ebenfalls stärker in die Berufsberatung und gemeinsamen Angebote eingegliedert werden sollen.

Unterstützung ja, Wolkenkuckucksheim nein

Die Beratung werde in allen Schulformen angeboten und solle über akademische wie berufliche Ausbildung gleichermaßen informieren, betonten die Minister. Dabei dürfe nicht vernachlässigt werden, die jungen Leute an realistische Ziele heranzuführen, sagte Laumann.

So sei er auf einer Berufsorientierungsmesse mit einer Hauptschülerin ins Gespräch gekommen, die Tierärztin werden wollte. Da müsse man dann auch klar sagen: «Also entweder machst du Abitur und kannst dir den Wunsch erfüllen, aber ohne Abitur wird es nicht gehen.» Bei aller Unterstützung sei es auch wichtig, dass «Wünsche aus dem Kuckucksheim rausgeholt werden».

Der VBE appellierte an die Landesregierung, die notwendigen Ressourcen für die beschriebenen Aufgaben nicht zu vergessen. «Wer Jugendliche auf ihrem Weg in den Beruf persönlich begleitet, braucht Zeit – Zeit für Gespräche, für Praktikumsbesuche und den Austausch mit den Betrieben und nicht zuletzt auch Zeit für die notwendige Elternberatung», mahnte die Landesvorsitzende Anne Deimel. Ähnlich äußerte sich der Deutsche Gewerkschaftsbund.

Der Philologenverband warnt davor, die zusätzliche Berufsorientierung zulasten des regulären Unterrichts einzuführen. „Wir fragen uns, wo die verbindliche Stunde pro Woche herkommen soll, die für die Berufliche Orientierung in den Klassen 8, 9 und 10 vorgesehen ist“, erklärte die Landesvorsitzende Sabine Mistler. „Wenn die Berufsorientierung wie geplant in die Schule verlegt wird, darf dafür kein Unterricht ausfallen.“ Angesichts des Lehrkräftemangels und bereits laufender Reformen, insbesondere der Rückkehr zu G9 und der bevorstehenden Oberstufenreform, bezweifelt der Verband, dass Schulen die zusätzlichen Aufgaben ohne weitere Ressourcen bewältigen können. Das gelte auch für die geplante intensivere Elternberatung. Mistler betonte: „Wir können auf Fachunterricht nicht verzichten!“

Grundsätzliche Bedenken äußert der Philologenverband zudem gegenüber einer einheitlichen Berufsorientierung für alle Schulformen. Da nur ein geringer Teil der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten die Schule nach der zehnten Klasse verlasse, sei fraglich, ob gerade in der Sekundarstufe I zusätzliche verpflichtende Angebote sinnvoll seien. „Deshalb sollte Berufsorientierung dort nicht verstärkt in der Sekundarstufe I stattfinden“, erklärt Mistler. „Sie muss den unterschiedlichen Bildungszielen der einzelnen Schulformen Rechnung tragen. Ungleiches darf nicht um jeden Preis gleichbehandelt werden.“ Der Verband fordert deshalb schulformspezifische Lösungen statt eines einheitlichen Konzepts.

Die Vizevorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Franziska Müller-Rech, schlug in die gleiche Kerbe: Die Landesregierung liefere nur Überschriften, aber nicht die Lehrkräfte, den Zeitplan und das Geld dafür, kritisierte die Oppositionspolitikerin. «Wir brauchen weniger Zentralsteuerung und Besserwisserei aus Düsseldorfer Ministerien und stattdessen mehr Freiheit für die Schulen und Betriebe vor Ort.»

Blick weiten aus «verkopfter Schule»

Unternehmerverbände versprechen sich von den Maßnahmen hingegen eine deutliche Verbesserung der beruflichen Orientierung. «Für uns ist klar: Schülerinnen und Schüler müssen ihre praktischen Kompetenzen in einer sehr „verkopften“ Schule entdecken können und die reale Arbeitswelt besser kennenlernen», hob der Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertags, Berthold Schröder, hervor. Der Landesverband Unternehmer NRW spricht sich sogar dafür aus, bereits in der fünften Klasse mit einem systematischen Berufsorientierungsprozess zu beginnen. News4teachers / mit Material der dpa

Ausbildungskrise: Zehntausende Jugendliche finden keine Lehrstelle – Arbeitgeber machen (auch) die Schulen verantwortlich

 

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Digitales Lernen in Bewegung: Technologie ohne Bildschirm in der Schule

Digitalisierung in der Schule bedeutet oft mehr Bildschirme. Tablets und Laptops gehören zum Unterricht, während sich Kinder und Jugendliche immer weniger bewegen. Laut der deutschen MoMo-2.0-Studie des Karlsruher Instituts für Technologie erreichen nur etwa 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen die WHO-Empfehlung von mindestens 60 Minuten Bewegung pro Tag (KIT, MoMo 2.0).

Picoo zeigt, dass digitales Lernen auch ohne Bildschirm funktioniert. Die Technologie steckt nicht in einem Tablet, sondern in den Picoo-Controllern, die die Schülerinnen und Schüler in der Hand halten. So verbindet Picoo den Reiz des Gamings mit Bewegung und Zusammenspiel, und die Aufmerksamkeit bleibt beim Miteinander und beim Lernstoff.

 

Von der Forschung auf den Schulhof

Die Idee hinter Picoo stammt aus der Wissenschaft. Picoo entstand aus einer Doktorarbeit über Motivation, soziale Interaktion und aktives Spielen an der Technischen Universität Eindhoven. Dieser forschende Ansatz ist geblieben: Wir entwickeln neue Spiele noch immer gemeinsam mit den Menschen, die damit spielen. Deshalb testen wir sie mit Schülerinnen und Schülern sowie Betreuungskräften an Schulen und in der Ganztagsbetreuung. So wissen wir sicher, dass ihnen die Spiele Spaß machen und verständlich sind.

Technologie, die du siehst, hörst und fühlst

Jede Spielerin und jeder Spieler bekommt einen Picoo-Controller. Licht, Ton und Vibration zeigen, was im Spiel passiert, zum Beispiel in welchem Team du bist oder wann du an der Reihe bist. Manche Spiele spielst du im Team, andere allein. Bei Teamspielen stellt Picoo die Teams automatisch zusammen. In jedem Spiel leitet Picoo den Ablauf, sodass die Schülerinnen und Schüler selbstständig nach klaren Regeln spielen. Der Controller erfasst auch Bewegung. Beim Spiel „Ampel“ rennst du zum Beispiel auf die andere Seite des Spielfelds. Leuchtet der Picoo-Controller rot, musst du stehen bleiben, und der Controller misst, ob du das auch wirklich tust.

Eigener Lernstoff im Spiel

Neben Bewegung bringt der Controller auch Lernstoff aufs Spielfeld. Dafür nutzen Lehrkräfte die Smartsleeves. Ein Smartsleeve ist eine Karte mit RFID-Chip in einer durchsichtigen Hülle. Neben die Karte schiebst du eine eigene Druckvorlage, zum Beispiel mit Rechenaufgaben, englischen Wörtern oder Begriffen aus Erdkunde. Die Picoo-Controller scannen den Chip und verarbeiten den Inhalt direkt in Spielen wie Doppelpack, Dreiklang und Linienlauf. Bei Doppelpack und Linienlauf üben die Schülerinnen und Schüler einzeln, während sie über den Schulhof rennen. Bei Dreiklang suchen zwei Teams im Staffellauf die drei Karten, die zusammengehören. In unserer Online-Bibliothek findest du fertige Sets mit Druckvorlagen, erstellt von Picoo und von anderen Lehrkräften.

Immer aktuell mit der Picoo-App

Wie andere digitale Lernmittel bleibt Picoo über Software auf dem neuesten Stand. Mit der kostenlosen Picoo-App spielst du die neueste Version auf die Controller. Manche Spiele startest du direkt aus der App. Die Spielebibliothek umfasst mehr als 60 Spiele und wächst jedes Quartal. Mit dem Infinite Play Pass erhältst du Zugang zu mehr als 55 Spielen.

Aus der Praxis: Eine Klasse testet Picoo

Wie das in einer echten Klasse aussieht, zeigte Lehrer Bernd Heilgemeir. Er ist bekannt durch den Instagram-Account @bewegtes_lernen und hat Picoo Anfang dieses Jahres mit seinen Schülerinnen und Schülern getestet. Sie spielten unter anderem Zombierun, Ampel, Maulwurfsmanie und die Pfannkuchenparade. In diesem letzten Spiel sammeln die Kinder Zutaten, mixen sie, indem sie den Controller kräftig schütteln, und backen so schnell wie möglich drei Pfannkuchen. Zwei Kinder nannten dieses Spiel ihren Favoriten! Bernd beschreibt Picoo als vielseitig und schnell in den Unterricht einzubauen. Nach einer kurzen Einführung in den Startablauf hatte seine Klasse viel Spaß. Sein Fazit: eine klare Empfehlung. Sieh dir seine Erfahrungen im Video auf YouTube an.

Für den ganzen Schultag

Bernds Erfahrung zeigt, wie schnell Picoo seinen Platz im Schultag findet. Du setzt Picoo als bewegte Lernform im Unterricht ein, als kurze Bewegungspause, auf dem Schulhof oder im Sportunterricht. Für die Grundschule und die weiterführenden Schulen gibt es eigene Spielepakete mit jeweils 15 Spielen. Im Ganztag bringt Picoo Kinder unterschiedlichen Alters in einem Spiel zusammen. Pädagogische Fachkräfte bleiben mit ihrer Aufmerksamkeit bei den Kindern, statt ein Spiel erklären und organisieren zu müssen. Die Spiele sind kontaktlos und es geht nicht darum, wer am stärksten ist, sodass alle mitmachen können.

Erst erleben, dann entscheiden

Erlebe selbst, wie digitales Lernen ohne Bildschirm an deiner Schule funktioniert. Mit deiner Schule oder deinem Ganztagsangebot probierst du Picoo zunächst in einer Testphase von 2 oder 4 Wochen aus. Entscheidest du dich innerhalb von 2 Monaten nach der Testphase für den Kauf eines Premium Sets, ziehen wir die Kosten der Testphase vom Kaufpreis ab.

Ein guter Vorsatz für 2027: mehr Bewegung im Klassenzimmer. Wir helfen dir gern dabei. Mit dem Code N4T-2026-PC erhältst du als Leserin oder Leser von News4teachers 25 % Rabatt auf eine Testphase. Plane Picoo direkt nach den Weihnachtsferien ein und sieh zu, wie deine Schülerinnen und Schüler ins neue Jahr rennen. Buchen und spielen kannst du bis einschließlich 28. Februar 2027.

Testphase anfragen

Mehr erfahren? Vereinbare ein unverbindliches Online-Meeting über https://meetings.hubspot.com/sjannet/introduction-picoo oder schreib an info@picoo.com.

Dies ist eine Pressemeldung/ein Advertorial der Infinite Play B.V.

Hier geht es zu allen Beiträgen des Themenmonats “Digital lehren und lernen”. 

 

Lernen in Bewegung und ohne Bildschirm: Wie Picoo in der Schule die Fähigkeiten für das 21. Jahrhundert fördert

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Digitalpakt 2.0: Jetzt entscheidet sich, wie Schulen künftig digital arbeiten – der News4teachers-Themenmonat bietet Orientierung

DÜSSELDORF. Der Digitalpakt 2.0 ist auf den Weg gebracht, die Verwaltungsvereinbarung unterzeichnet. Damit beginnt für Schulen und Schulträger eine entscheidende Phase: Welche Investitionen sind notwendig, welche Technologien sinnvoll – und wie lässt sich sicherstellen, dass digitale Ausstattung den Unterricht tatsächlich verbessert? News4teachers greift diese Fragen im November mit dem Themenmonat „Digitales Lehren und Lernen“ auf. Geplant sind tägliche Beiträge mit Analysen, Praxisbeispielen und Orientierungshilfen. Auch Unternehmen, Stiftungen und andere Akteure aus der Bildungslandschaft können sich beteiligen.

Orientierungshilfe (Symbolbild.) Foto: Shutterstock

Mit der Unterzeichnung der Verwaltungsvereinbarung durch Bundesbildungsministerin Karin Prien ist der Digitalpakt 2.0 einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Bund und Länder wollen in den kommenden fünf Jahren insgesamt fünf Milliarden Euro für die Digitalisierung der Schulen bereitstellen. Während die Länder die Förderverfahren konkretisieren, beginnt für die Schulträger die heiße Phase der Entscheidungsfindung: Welche Investitionen sollen vorbereitet, welche Schwerpunkte gesetzt werden?

Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Anschaffung von Computern oder Tablets. Leistungsfähige Netzwerke, digitale Lernplattformen, interaktive Displays und zuverlässige IT-Betreuung gehören ebenso zu den Voraussetzungen zeitgemäßen Unterrichts wie geeignete Software und die Qualifizierung von Lehrkräften.

Hinzu kommt die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz. KI-Anwendungen können Lehrkräfte bei der Unterrichtsvorbereitung, der Differenzierung von Lernangeboten und der individuellen Förderung unterstützen. Gleichzeitig stellen sich neue Fragen nach Datenschutz, Urheberrecht, Prüfungskultur und Chancengerechtigkeit.

Welche Technologien brauchen Schulen wirklich?

Die Herausforderungen sind erheblich – nicht zuletzt, weil die Ausgangsbedingungen höchst unterschiedlich sind. Während manche Schulen bereits über eine leistungsfähige digitale Infrastruktur verfügen, fehlt es andernorts noch an stabilem WLAN, zeitgemäßen Endgeräten oder verlässlichem technischem Support.

Vor allem aber stellt sich eine pädagogische Frage: Welche digitalen Werkzeuge helfen Schülerinnen und Schülern tatsächlich beim Lernen? Welche Anwendungen erleichtern Lehrkräften die Arbeit? Und wie können Schulen verhindern, dass Investitionen in Technik an den Bedürfnissen des Unterrichts vorbeigehen?

Diesen Fragen widmet News4teachers im November einen eigenen Themenmonat unter dem Titel „Digitales Lehren und Lernen“. An jedem Werktag erscheinen redaktionelle Beiträge, die aktuelle Entwicklungen aufgreifen, wissenschaftliche Erkenntnisse einordnen und Beispiele aus der Schulpraxis vorstellen.

Geplant sind unter anderem folgende Schwerpunkte:

  • Digitalpakt 2.0: Was jetzt auf Schulen und Schulträger zukommt
  • Digitale Infrastruktur: WLAN, Netzwerke, Cloudlösungen und technischer Support
  • Digitale Ausstattung: Endgeräte, interaktive Displays und Präsentationstechnik
  • Lernplattformen und Unterrichtssoftware: Welche Lösungen sich im Schulalltag bewähren
  • Künstliche Intelligenz: Chancen für Unterrichtsvorbereitung, Diagnostik und individuelle Förderung
  • Neue Lernwelten: Robotik, 3D-Druck, Virtual und Augmented Reality
  • Schulorganisation: Wie digitale Anwendungen Kollegien entlasten können
  • Datenschutz und digitale Souveränität: Wie Schulen ihre Handlungsfähigkeit sichern
  • Fortbildung: Welche Kompetenzen Lehrkräfte für den digitalen Wandel benötigen
  • Praxisbeispiele: Wie Schulen digitale Technologien pädagogisch sinnvoll einsetzen

Der Themenmonat knüpft an einen Schwerpunkt an, den News4teachers bereits im November 2025 veröffentlicht hat. Auch damals standen die Erfahrungen von Schulen, aktuelle Entwicklungen und konkrete Lösungen für die Praxis im Mittelpunkt.

Gute Ideen und Erfahrungen aus der Praxis sind gefragt

Mit dem Themenmonat möchte News4teachers nicht nur über politische Entscheidungen und technische Entwicklungen informieren, sondern auch den Austausch zwischen Schulen, Wissenschaft, Bildungsverwaltung und Bildungswirtschaft fördern.

Denn die Digitalisierung von Schule ist eine gemeinsame Gestaltungsaufgabe. Schulträger müssen Investitionen planen und finanzieren, Schulleitungen tragfähige Konzepte entwickeln, Lehrkräfte neue Werkzeuge in ihren Unterricht integrieren. Wissenschaft und Bildungswirtschaft können dazu Erkenntnisse, Erfahrungen und Lösungen beitragen.

Deshalb sind auch Hinweise auf interessante Projekte, innovative Anwendungen und gelungene Praxisbeispiele willkommen. Unternehmen, Stiftungen, Verbände und andere Einrichtungen können sich darüber hinaus als Partner am Themenmonat beteiligen und passende Angebote vorstellen. Entsprechende werbliche Beiträge werden selbstverständlich transparent gekennzeichnet.

Die Beiträge erscheinen im November gebündelt auf der Startseite von News4teachers und bleiben anschließend dauerhaft online verfügbar.

Wer Anregungen zum Themenmonat hat, ein interessantes Praxisbeispiel vorstellen oder sich als Partner beteiligen möchte, kann sich an die Redaktion wenden: redaktion@news4teachers.de.

Eine Information der Agentur für Bildungsjournalismus.

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„Zukunftsstudie Schulmanagement 2026“ von Wolters Kluwer: Schon neun von zehn Schulleitungen nutzen Künstliche Intelligenz

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„Zukunftsstudie Schulmanagement 2026“ von Wolters Kluwer: Schon neun von zehn Schulleitungen nutzen Künstliche Intelligenz

KI gehört für viele zum Arbeitsalltag – doch rechtliche Unsicherheiten und fehlende gemeinsame Strategien bremsen die weitere Entwicklung

HÜRTH. Künstliche Intelligenz ist im Schulleitungsalltag angekommen: Rund 91 Prozent der befragten Schulleitungen nutzen inzwischen KI für ihre Leitungsarbeit. Rund 62 Prozent greifen täglich oder regelmäßig darauf zurück. Gleichzeitig zeigt sich: Die Nutzung ist vielerorts weiter fortgeschritten als die Entwicklung gemeinsamer Strategien und verlässlicher Rahmenbedingungen. Datenschutz- und Haftungsfragen sowie fehlende Zeit zur Einarbeitung erschweren einen stärkeren oder sichereren Einsatz.

Dies sind Ergebnisse der „Zukunftsstudie Schulmanagement 2026 – Digitalisierung im Schulleitungsalltag“ von Wolters Kluwer, führender Anbieter von Fachinformationen, Software und Services. Die mittlerweile fünfte Untersuchung der Studienreihe beleuchtet, wie Schulleitungen und Schulträger den digitalen Wandel erleben und welche Unterstützung sie benötigen.

„Schulleitungen benötigen nicht nur leistungsfähige Werkzeuge, sondern vor allem verlässliche Informationen, praxisnahe Unterstützung und rechtssichere Handlungsmöglichkeiten“, erklärt Thomas Henseler, Verlagsleiter Bildungswesen bei Wolters Kluwer Deutschland. „Unser Ziel bleibt es, Schulleitungen und Schulträger dabei zu unterstützen, fundierte Entscheidungen zu treffen und die Chancen der Digitalisierung verantwortungsvoll zu nutzen.“

KI wird bislang vor allem für Textarbeit, Recherche und Informationsaufbereitung sowie zur Ideenfindung und Strukturierung eingesetzt. Rund 43 Prozent der Schulleitungen geben an, dass KI ihnen vor allem hilft, Zeit zu sparen. Weitere 31 Prozent sehen den wichtigsten Nutzen in der Unterstützung bei organisatorischen Aufgaben. Nur rund vier Prozent betrachten die Unterstützung strategischer Entscheidungen als ihren wichtigsten Anwendungsbereich.

Von der individuellen Nutzung zur gemeinsamen Strategie

„Die Ergebnisse machen deutlich, dass die Frage nicht mehr lautet, ob KI genutzt wird. Entscheidend ist vielmehr, wie Schulen diese Nutzung pädagogisch, organisational und ethisch reflektieren“, sagt Prof. Dr. Mandy Schiefner-Rohs, Professorin für Allgemeine Pädagogik mit Schwerpunkt Schulentwicklung an der RPTU Kaiserslautern-Landau. Sie gehört zu den drei wissenschaftlichen Berater:innen der Studie.

An vielen Schulen fehlen bislang verbindliche Konzepte, Leitlinien oder gemeinsame Strategien für den KI-Einsatz im Schulleitungs- und Schulverwaltungsbereich. Nur rund sechs Prozent der befragten Schulleitungen berichten hier von einer klaren Strategie. Die große Mehrheit bewegt sich dagegen zwischen ersten Absprachen und Überlegungen, einzelnen Initiativen ohne Gesamtkonzept oder dem Fehlen einer bewussten Strategie. Die verbreitete individuelle Nutzung ist damit vielerorts noch nicht durch ein gemeinsames Vorgehen abgesichert.

„Die Herausforderung der Digitalisierung verschiebt sich von der technischen Ermöglichung zur institutionellen Verarbeitung. Entscheidend ist, wie Verantwortlichkeiten, Unterstützungssysteme und professionelles Handeln miteinander verbunden werden“, erklärt Prof. Dr. Kai Maaz, Geschäftsführender Direktor des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation und ebenfalls wissenschaftlicher Berater der Studie.

Rechtliche Orientierung und praxisnahe Fortbildungen gefragt

Rund 46 Prozent der befragten Schulleitungen nennen Datenschutz- und Haftungsfragen als Hürde für einen stärkeren oder sichereren KI-Einsatz. Rund 40 Prozent fehlt die Zeit zur intensiveren Einarbeitung, 38 Prozent sind unsicher, welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten. Eine grundsätzliche Skepsis gegenüber KI nennen dagegen nur rund neun Prozent.

Entsprechend deutlich fällt der Unterstützungsbedarf aus: Rund 84 Prozent wünschen sich speziell auf die Aufgaben von Schulleitungen zugeschnittene Fortbildungen. Nahezu ebenso viele halten praxisnahe Beispiele aus der Schulleitungsperspektive für hilfreich. Rund 81 Prozent wünschen sich rechtssichere Orientierungshilfen.

Die eigene KI-Kompetenz bewerten die Schulleitungen im Durchschnitt mit der Schulnote 2,84. Rund 40 Prozent schätzen ihre Fähigkeiten als gut oder sehr gut ein. Etwa jede fünfte befragte Schulleitung bewertet die eigene KI-Kompetenz dagegen nur als ausreichend, mangelhaft oder ungenügend.

Digitale Werkzeuge entlasten und schaffen neue Aufgaben

Auch über KI hinaus ist Digitalisierung fest in der Leitungsarbeit verankert. Rund 82 Prozent der Schulleitungen bezeichnen digitale Werkzeuge als festen Bestandteil ihres Leitungshandelns, 68 Prozent halten Digitalisierung dafür inzwischen für unverzichtbar. Zugleich berichten rund 65 Prozent, dass digitale Prozesse ihre Arbeit grundsätzlich erleichtern, aber auch zusätzlichen Aufwand verursachen. Weitere 32 Prozent erleben sie überwiegend als Erleichterung.

Dabei unterscheiden sich die Wahrnehmungen von Schulleitungen und Schulträgern: Nur rund 42 Prozent der befragten Schulträger sehen digitale Werkzeuge als festen Bestandteil des Leitungshandelns – gegenüber 82 Prozent der Schulleitungen selbst. Die beiden Gruppen beurteilen allerdings nicht zwingend dieselben Schulen. Schulträger setzen bei der Unterstützung vor allem auf schnellen, verlässlichen Support sowie geprüfte und datenschutzkonforme Werkzeuge.

„Die Studie zeigt, dass Schulleitungen den digitalen Wandel längst gestalten. Die eigentliche Zukunftsaufgabe besteht nun darin, aus persönlichen Erfahrungen gemeinsames Lernen in der Organisation hervorzubringen“, sagt Prof. Dr. Michael Schratz, Gründungsdekan der School of Education und ehemaliger Leiter der Leadership Academy an der Universität Innsbruck, der dritte wissenschaftliche Berater der Studie.

Fünfte Untersuchung zur Digitalisierung im Schulmanagement

An der Zukunftsstudie Schulmanagement 2026 beteiligten sich insgesamt 577 Personen. Darunter waren 389 Schulleitungen und 79 Vertreter:innen von Schulträgern. Weitere 109 Teilnehmende, etwa Lehrkräfte und Beschäftigte der Schulaufsicht, ordneten sich der Kategorie „Sonstiges“ zu. Die Zahl der Antworten variiert je nach Frage; die Angaben zur Häufigkeit der KI-Nutzung beruhen auf den Antworten von 342 Schulleitungen.

Die vollständige Studie steht hier zum Download bereit. 

Für das Schul- und Kitamanagement bietet Wolters Kluwer in Deutschland unter anderem hochwertige Fachinformationen auf Wolters Kluwer Online sowie praxisnahe Lösungen.

Pressekontakt

Steffen Martini
Senior Communications Specialist Wolters Kluwer Deutschland GmbH
Telefon: +49 (0) 2233 3760-7706
E-Mail: presseinfo@wolterskluwer.com

Dies ist eine Pressemiteilung von Wolters Kluwer Deutschland. 

 

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„Schulen müssen immer mehr zu lernenden Organisationen werden“ – Wie eine Ex-Lehrerin Kollegien bei der Digitalisierung berät

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Wenn KI schwierigste Beweise führt: Was bedeutet das für den Mathe-Unterricht?

BERLIN. Künstliche Intelligenz löst mathematische Probleme, an denen Wissenschaftler teilweise jahrelang gearbeitet haben. Doch unter Mathematiker*innen stößt diese Entwicklung nicht nur auf Begeisterung. Denn ein korrektes Ergebnis bedeutet noch lange nicht, dass die zugrunde liegenden Zusammenhänge verstanden wurden. Die Debatte wirft damit auch eine grundsätzliche Frage für die Schulen auf: Was müssen Kinder und Jugendliche künftig in Mathematik lernen, wenn Maschinen die Lösungen in Sekunden liefern können?

Vorrechner. (Symbolbild.) Foto: Shutterstock

Damit war wohl zu rechnen: Mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) will OpenAI Antworten zu fast 400 mathematischen Rätseln gefunden haben, an denen die Fachwelt seit langem tüftelt. Was nach bahnbrechendem Erfolg klingt, feiern jedoch gerade viele Mathematikerinnen und Mathematiker nicht. Die Veröffentlichungen im Oktober und andere in den Monaten davor haben eine Debatte ausgelöst, die weit über die Mathe- und KI-Bubbles hinausreicht.

Es geht um viele grundlegende Fragen, etwa nach technischen Revolutionen und wie altehrwürdige Wissenschaften damit umgehen. Um Wissensklau und -austausch, Urheberrecht sowie Gefahren, wenn Ergebnisse ungeprüft sind.

Aktueller Anlass der Diskussion: Der ChatGPT-Entwickler OpenAI hat im Oktober mehr als 700 Manuskripte zu über 370 Themenkomplexen veröffentlicht, die nach seinen Angaben unter anderem mit einem noch nicht veröffentlichten KI-Modell erzielt worden sind – im Schnitt in drei Stunden pro Manuskript.

Dabei geht es etwa um die Riemannsche Vermutung, eines der berühmtesten ungelösten Probleme der Mathematik, das im Zusammenhang mit Primzahlen eine Rolle spielt. Auch das Unternehmen Anthropic hatte sich dem Thema vor einigen Monaten mit einem KI-Modell gewidmet. Gelöst ist das Problem zwar nicht, aber die Ergebnisse gelten als Fortschritte auf dem Gebiet.

Arbeitet KI unwissenschaftlich?

Was nach einer mehr oder weniger großen Sensation klingt, stößt allerdings auf heftige Kritik: „Mathematiker haben diese Arbeit nicht in Auftrag gegeben“, schrieb die von namhaften und preisgekrönten Fachleuten aus aller Welt gegründete Vereinigung für menschliche Mathematik in einer Reaktion. Die gleichzeitige Publikation von über 700 Dateien sei kein Beweis für wissenschaftliche Kompetenz, sondern eine Machtdemonstration.

Die Deutsche Mathematiker-Vereinigung (DMV) argumentierte unter anderem, KI arbeite bisher rein ergebnisorientiert, im Fokus stünden schnelle Lösungen. Bei mathematischer Forschung gehe es aber um den Weg dorthin. Darum, neue Methoden anzuwenden oder zu entwickeln – statt um maximale Rechenpower. „Der Beweis an sich liefert herzlich wenig Einsichten“, bringt es Demian Nahuel Goos im Podcast „Geschichten aus der Mathematik“ auf den Punkt.

Daher gehe es der Fachwelt auch darum: „Wer soll das jemals alles kontrollieren?“, erklärte Alke Martens, Professorin für Praktische Informatik und Didaktik der Informatik an der Uni Rostock, jüngst auf Instagram. Fragen seien, warum eine Antwort stimme, auf welchem Weg sie erreicht worden sei und was auch falsche Annahmen gezeigt hätten. Wenn Menschen die Ergebnisse der KI nicht alle durchgucken könnten, „dann sind diese automatisierten Ergebnisse quasi das virtuelle Papier nicht wert, auf dem sie entstanden sind“.

Goos betonte zudem die wissenschaftliche Integrität: Wer etwa Arbeiten anderer nutzt, müsse dies kenntlich machen. „Diesen Regeln nicht zu folgen, das ist halt unwissenschaftlich“, sagte der Mathematiker von der Humboldt-Universität zu Berlin. Bei einem Lösungsansatz für ein anderes Mathe-Problem gibt es genau hierüber Streit. Zwei Mathematiker fühlen sich übergangen.

Neue Schwerpunkte nötig?

Ein weiterer Punkt der DMV: KI-Modelle nutzten meist ungefiltert vorhandenes Wissen. Darunter auch solches, das Experten des jeweiligen Teilgebiets noch nicht geprüft und für korrekt befunden haben. „Abgesehen von dem Raub geistigen Eigentums bedeutet das auch, dass solches Wissen noch nicht gesichert ist, und daher bei der Beweisführung mit Vorsicht zu genießen ist“, so die Vereinigung.

Manche Forschende stellten ihre Erkenntnisse schon nicht mehr ins Internet. „Dies bremst den Fortschritt bei der mathematischen Forschung deutlich aus und verhindert einen offenen Austausch innerhalb der mathematischen Community, der für den Fortschritt des Faches jedoch von zentraler Bedeutung war und ist“, erklärte DMV-Präsident Jürg Kramer.

Der Stuttgarter Mathematik-Professor Christian Hesse, der derzeit als Gastwissenschaftler an der University of California in Los Angeles ist, teilt die Sorge um den wissenschaftlichen Nachwuchs. Wenn Doktoranden jahrelang an mathematischen Problemen arbeiteten, die eine KI in wenigen Minuten löse, gerate die bisherige Praxis unter Druck, erläuterte er. „Die mathematische Doktorarbeit wird sich neu erfinden müssen.“ Künftig sollten die Entwicklung neuer Fragestellungen, mathematisches Verständnis und die kritische Einordnung von Ergebnissen stärker zählen.

Was bedeutet das für den Mathematikunterricht?

Das berührt auch eine grundlegende Frage schulischer Bildung: Welche mathematischen Fähigkeiten müssen Kinder und Jugendliche künftig erwerben, wenn KI-Systeme selbst hochkomplexe Aufgaben in kürzester Zeit bearbeiten können?

Der Deutsche Verein zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts (MNU) warnt davor, mathematisches Wissen angesichts der technischen Entwicklung für verzichtbar zu halten. „Wer Ergebnisse beurteilen will, muss etwas wissen. Wer Fehler erkennen will, braucht fachliche Maßstäbe“, heißt es in einem Beitrag des MNU-Landesverbands Nordrhein. Die Fähigkeit, KI-generierte Lösungen zu überprüfen, setze gerade jene fachlichen Kenntnisse voraus, die Schülerinnen und Schüler im Unterricht erwerben sollen.

Für den Mathematikunterricht bedeutet das: Nicht allein das richtige Ergebnis zählt, sondern auch die Fähigkeit, Rechenwege nachzuvollziehen, Annahmen zu hinterfragen und Ergebnisse zu begründen. KI-generierte Lösungen könnten deshalb selbst zum Gegenstand des Unterrichts werden – etwa indem Schülerinnen und Schüler untersuchen, ob ein von der KI vorgeschlagener Rechenweg tatsächlich korrekt ist, wo möglicherweise Fehler liegen und ob sich das Ergebnis auf anderem Wege bestätigen lässt.

Diese Perspektive findet inzwischen auch bildungspolitischen Rückhalt: Die Bildungsministerkonferenz hat im Oktober ihren Kompetenzrahmen „Bildung in der digitalen Welt“ um KI-bezogene Kompetenzen erweitert und ausdrücklich festgelegt, dass Schülerinnen und Schüler KI-Ergebnisse kritisch bewerten und die Grenzen der Systeme erkennen können sollen (News4teachers berichtete).

Damit stellt sich auch die Frage nach der Leistungsbewertung neu: Wie lässt sich feststellen, ob Schülerinnen und Schüler mathematische Zusammenhänge tatsächlich verstanden haben, wenn KI-Systeme die geforderten Lösungen selbst erzeugen können? Und wie müssen Aufgaben gestaltet sein, damit nicht nur das Ergebnis, sondern auch die dahinterstehende mathematische Kompetenz sichtbar wird?

„Was OpenAI in der Mathematik derzeit vorführt, ist sensationell“

Nichtsdestotrotz finden manche Fachleute auch lobende Worte. „Was OpenAI in der Mathematik derzeit vorführt, ist sensationell“, erklärte Hesse. Gewiss müssten die präsentierten Beweise auf Richtigkeit und Neuheit überprüft werden. Aber wenn KI zunehmend Probleme löse, an denen menschliche Mathematiker jahrelang gearbeitet haben, scheine ihm zunächst einmal Beifall angebracht. Auch erwachse Mathematikern aus bisherigen Mankos der KI-Resultate „kein Recht auf einen wissenschaftlichen Artenschutz“.

Die Debatte würde es so auch nicht geben, wenn 500 Krankheiten mit KI geheilt worden wären, sagte Robert Lange, KI-Forscher und Gründungsmitglied beim japanischen Unternehmen Sakana AI, auf dem YouTube-Kanal „Everlast AI“. Hier gehe es aber noch um reine Wissenschaft, die Umwandlung in ein Gemeingut sei relativ weit weg.

Vielleicht werden Maschinen schon bald elegantere Beweise finden, überraschendere Vermutungen formulieren und Zusammenhänge entdecken, auf die Menschen nie gekommen wären, meint Hesse. „Und vielleicht müssen wir dann ausgerechnet von Maschinen lernen, was mathematische Kreativität wirklich bedeutet.“

Dass die Begeisterung unter Mathematikern nicht überall überschäumt, sei verständlich, so der Professor. „Wer zehn Jahre an einem Problem herumgewissenschaftelt hat und dann zusehen muss, wie eine KI es in zehn Minuten löst, dürfte erst einmal ziemlich bedient sein.“

Wie kann es weitergehen?

Aus Sicht der DMV könnte klassischen Wissenschaftsverlagen eine neue Rolle zukommen, weil sie nur Arbeiten veröffentlichen, die im Zuge eines Begutachtungsprozesses für gut befunden wurden. Diese Ergebnisse lägen dann hinter einer Bezahlschranke, die von den KI-Modellen bisher noch nicht einfach umgangen werden könne. Hesse hat dafür wenig Verständnis: „Wissenschaft lebt schließlich vom Austausch, nicht vom Aussperren.“

Auch OpenAI argumentierte bei der Präsentation: „Wir möchten mit diesen Fortschritten die Grenzen des menschlichen Wissens erweitern und weitere Fortschritte in der Mathematik ermöglichen.“ Die internen Modelle sollten in der Mathematik und anderen Wissenschaften evaluiert werden. „So können wir schneller Werkzeuge entwickeln, die diese Fachgebiete voranbringen.“

Die eigentliche Revolution könnte aus Hesses Sicht darin liegen, dass Mathematiker neu bestimmen müssen, worin mathematisches Verstehen eigentlich besteht. „Ein korrekter Beweis ist schließlich noch nicht dasselbe wie die Einsicht, warum ein Satz gilt, welche Zusammenhänge er offenlegt und welche neuen Fragen er aufwirft.“ KI werde die Mathematik nicht abschaffen, ist er überzeugt. „Aber sie wird uns Mathematikern einiges abnehmen – möglicherweise auch manche Illusion über unsere Unersetzlichkeit.“ News4teachers / mit Material der dpa

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„Physikunterricht muss Geschichten erzählen“:  Wie Gamification die MINT-Fächer beleben kann – ein Interview

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Auschreitungen nach Schülerprotesten: Wie leichtfertig dürfen verantwortliche Politiker junge Migranten zur Haupttätergruppe erklären?

BERLIN. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) warnt davor, nach den Ausschreitungen im Umfeld der bundesweiten Jugendproteste vor allem über die Herkunft mutmaßlicher Gewalttäter zu diskutieren. Doch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hält an seiner umstrittenen Darstellung fest und kündigt an, linksextreme und migrantische Gruppen bei weiteren Demonstrationen gezielt ins Visier zu nehmen. Dabei zeichnen die inzwischen bekannt gewordenen Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden ein deutlich differenzierteres Bild. Wie leichtfertig dürfen verantwortliche Politiker Gewalttaten jungen Menschen mit Migrationsgeschichte zuschreiben?

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hat davor gewarnt, die Debatte über die jüngsten Ausschreitungen nach den Protesten der Initiative „Gen Z regelt“ auf die Herkunft der mutmaßlichen Täter zu verengen. Sie bezeichnete entsprechende Diskussionen als „Nebenkriegsschauplätze“. Zwar sei die Frage, welche Rolle Menschen aus migrantischen Milieus bei den Gewalttaten spielten, durchaus wichtig – auch mit Blick auf die Integration. „Aber das sollte nicht der zentrale Diskussionspunkt in der aktuellen Debatte sein“, erklärte die Ministerin.

Prien plädierte dafür, stärker auf die Anliegen der jungen Generation zu schauen. „Man kann viel über Gewalt und Gewaltexzesse reden, aber es wäre sehr schade, wenn wir nicht über das Eigentliche reden, nämlich die Frage: Was bewegt sie, was bewegt Euch?“ Kinder und Jugendliche wollten gehört werden. Es sei dringend notwendig, ihre besonderen Belange ernst zu nehmen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Eine zentrale Herausforderung sieht Prien im Verhältnis zwischen den Generationen in einer alternden Gesellschaft. Der notwendige Ausgleich zwischen Jung und Alt sei nicht einfach.

„Diese Tätergruppe war überwiegend migrantisch geprägt. Und auch damit müssen wir uns auseinandersetzen“

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) setzt dagegen weiterhin auf eine ausdrückliche Zuordnung der Gewalttaten zu bestimmten Gruppen. Nachdem er bereits am Sonntag „gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu“ für die Eskalation verantwortlich gemacht hatte, kündigte er nun gegenüber der „Bild“-Zeitung an, diese Gruppen bei künftigen Protesten besonders beobachten zu lassen. „Wir werden die angekündigten folgenden Demonstrationen mit vergleichbarer massiver Polizeipräsenz begleiten und die Tätergruppen dabei gezielt im Blick behalten“, erklärte er.

Bereits unmittelbar nach den Protesten hatte Dobrindt erklärt: „Es gab friedliche Demonstrationen, die dann Richtung Abend gekapert worden sind von gewaltbereiten linken Gruppen und migrantischen Chaoten.“ Gewaltexzesse wie zuvor in Frankreich seien dank des massiven Polizeiaufgebots verhindert worden.

Die Zuschreibung ist nicht neu. Schon nach den schweren Ausschreitungen im Zusammenhang mit den Schülerprotesten in Frankreich hatte Dobrindt gegenüber der „Bild“-Zeitung behauptet: „Wer nicht klar benennt, dass sich hier Linksextremisten und ein migrantisches Milieu zum gemeinsamen Kampf gegen das demokratische System auf der Straße treffen, hat die Situation nicht verstanden.“ Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wies pauschale Schuldzuweisungen an Migranten ausdrücklich zurück (News4teachers berichtete).

Dobrindt erhält Unterstützung aus Hessen. Dort hatte es in Frankfurt am Main besonders schwere Ausschreitungen gegeben. Nach Polizeiangaben beteiligten sich zeitweise bis zu 1.500 Menschen an den Gewalttaten. Geschäfte wurden geplündert, Einsatzkräfte angegriffen und zahlreiche Brände gelegt. Die Polizei nahm 54 Verdächtige im Alter zwischen 13 und 29 Jahren fest.

Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) erklärte anschließend: „Diese Tätergruppe war überwiegend migrantisch geprägt. Und auch damit müssen wir uns auseinandersetzen.“ Es dürfe keine falschen Tabus geben. Poseck kündigte eine konsequentere Strafverfolgung und eine stärkere Konzentration der Sicherheitsbehörden auf entsprechende Tätergruppen an. Die Krawallnacht bezeichnete er als „Initialzündung für eine härtere Gangart“. Zugleich betonte Poseck, dass eine solche Schwerpunktsetzung nicht mit einem Generalverdacht gegen Menschen mit Migrationsgeschichte gleichzusetzen sei. „Ich will sehr deutlich sagen: Damit schützen wir auch die vielen Menschen mit Migrationshintergrund in unserem Land, die sich an Recht und Gesetz halten“, erklärte er.

Rückendeckung für Dobrindt kommt auch von der Gewerkschaft der Polizei. Der Vorsitzende des GdP-Bereichs Bundespolizei, Andreas Roßkopf, erklärte gegenüber der „Bild“, die Einsatzkräfte bestätigten in ihren Berichten die vom Bundesinnenminister benannten Tätergruppen. „Unsere Kolleginnen und Kollegen, welche ihren Kopf für unseren Rechtsstaat hingehalten haben und dies absolut professionell geleistet haben, bestätigen genau diese Tätergruppen in ihren Berichten“, sagte Roßkopf. Es sei unverständlich, dass aus einigen politischen Bereichen versucht werde, dies zu beschönigen.

Allerdings wird Dobrindts Einordnung inzwischen auch innerhalb der Union infrage gestellt. CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen widersprach dem Bundesinnenminister in der ntv-Sendung „Pinar Atalay“. „Es sind Einzeltäter, immer Einzeltäter“, erklärte er. Zwar seien unter den Gewalttätern viele Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit oder familiärer Einwanderungsgeschichte gewesen. Daraus lasse sich aber kein gemeinsames Merkmal ableiten. „Es gibt in Deutschland nicht das eine Milieu von Migranten“, betonte Röttgen.

Bereits zuvor hatte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) Dobrindts Wortwahl kritisiert. „Was sind denn migrantische Gruppen? Sind das Menschen, die in dritter Generation in Deutschland leben und deutsche Staatsangehörige sind? Wo hören wir auf, das zu differenzieren?“, fragte er im ZDF. „Das führt in die falsche Richtung.“ Er wolle sich die Definition des Innenministers nicht zu eigen machen, solange er die tatsächlichen Erkenntnisse nicht nachvollziehen könne.

„Es geht hier aber um die Frage nach dem Warum, nicht nach der Herkunft. Solche Gewaltausschreitungen immer gleich migrantischen Milieus zuzuschreiben, ist zu einfach“

Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Natalie Pawlik (SPD), warnte vor pauschalen Zuschreibungen. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte sie, die Ausschreitungen müssten konsequent verfolgt und bestraft werden. Wenn sich bei den Ermittlungen eine besondere Beteiligung bestimmter Gruppen herausstelle, müsse allerdings nach den Ursachen gefragt werden – etwa nach fehlenden Perspektiven, Ausgrenzungserfahrungen oder Integrationsproblemen. „Es geht hier aber um die Frage nach dem Warum, nicht nach der Herkunft“, betonte Pawlik. „Solche Gewaltausschreitungen immer gleich migrantischen Milieus zuzuschreiben, ist zu einfach.“ Pauschale Verdächtigungen träfen auch Menschen mit Einwanderungsgeschichte, die friedlich demonstriert hätten oder selbst als Polizei- und Rettungskräfte im Einsatz gewesen seien.

Bemerkenswert ist, dass selbst das Bundesinnenministerium die von Dobrindt verwendete Kategorie bislang nicht eindeutig definieren kann. Wie die FAZ berichtet, beruft sich das Ministerium auf ein vorläufiges Lagebild und Informationen aus mehreren Bundesländern. Abschließende Zahlen liegen dem Bund demnach nicht vor. Auf die Frage, wer genau zum „migrantischen Milieu“ gehöre, erklärte eine Sprecherin lediglich, gemeint seien Menschen mit Migrationshintergrund. Bis zu welcher Generation eine solche Zuordnung reichen solle, konnte sie nicht beantworten.

Dabei gibt es ein grundsätzliches Problem mit solchen Zuschreibungen: Bei der regulären polizeilichen Erfassung von Tatverdächtigen wird zwar die Staatsangehörigkeit festgestellt, nicht aber systematisch der Migrationshintergrund. Die familiäre Herkunft wird bei der Aufnahme der Personalien nicht standardmäßig abgefragt. Aus den regulär erfassten Personendaten lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres ableiten, wie viele Tatverdächtige einen Migrationshintergrund haben. Wenn Sicherheitsbehörden dennoch entsprechende Angaben machen, müssen diese auf zusätzlichen Erkenntnissen oder gesonderten Auswertungen beruhen.

Wenn Politiker von einem „migrantischen Milieu“ sprechen, bleibt deshalb erklärungsbedürftig, auf welche Erkenntnisse sie sich stützen und nach welchen Kriterien sie Menschen diesem Milieu zuordnen. Diese Frage stellt sich auch bei den  Angaben aus Frankfurt. Nach Recherchen der FAZ besitzen die 54 dort festgenommenen jungen Männer überwiegend die deutsche Staatsangehörigkeit. Zugleich sollen nach Informationen der Zeitung rund 95 Prozent aus Familien mit Einwanderungsgeschichte stammen. Woher diese genaue Prozentangabe stammt und anhand welcher Merkmale die familiäre Herkunft festgestellt wurde, geht aus den bislang vorliegenden Informationen nicht hervor. Eine abschließende Auswertung der Ermittlungen liegt ebenfalls noch nicht vor.

Noch deutlicher wird die Notwendigkeit einer Differenzierung beim Blick nach Köln. An der Kundgebung hatten rund 4.000 Menschen teilgenommen, die sich nach Behördenangaben weit überwiegend friedlich verhielten. Als sich anschließend eine größere Gruppe in Richtung Innenstadt bewegte, kam es zu gezielten Angriffen auf Polizeikräfte. Rund 1.000 Menschen widersetzten sich nach Auflösung der Versammlung den polizeilichen Aufforderungen. Ihre Personalien wurden aufgenommen. Nach Informationen der FAZ handelte es sich dabei überwiegend nicht um Menschen mit Migrationshintergrund. Zudem stellte die Polizei größere Mengen an Waffen, selbstgebauter Pyrotechnik, Molotowcocktails und Vermummungsmaterial sicher.

Die späteren Ausschreitungen in der Kölner Innenstadt ordnen die Sicherheitsbehörden dagegen einer anderen Gruppe zu. Dabei handelte es sich nach bisherigen Erkenntnissen um 200 bis 300 gewaltorientierte junge Männer, die offenbar im Zusammenhang mit Halloween unterwegs waren. Aus Sicherheitskreisen hieß es, sie hätten dem äußeren Erscheinungsbild nach überwiegend einen Migrationshintergrund gehabt. Eine Auswertung der Personalien liegt dazu allerdings nicht vor.

Die Debatte über die Krawalle wird von der extremen Rechten bereits instrumentalisiert. AfD-Chefin Alice Weidel erklärte: „Die gestrigen Ausschreitungen sind Ergebnis insbesondere einer CDU-Politik, die den Linksextremismus jahrelang hofiert und gefördert hat, gepaart mit einer unkontrollierten Migration, bei der Täter keinerlei Folgen zu befürchten haben. Die vergangene Nacht muss endlich Konsequenzen haben – und die zieht nur die AfD.“ Und an der Schraube wird weiter gedreht – so vom Sender Welt TV, der wie „Bild“ zu Springer gehört. Dort lief Berichterstattung über die Ausschreitungen bereits unter dem Titel: „GEN-Z-KRAWALLE: ‚Nennen wir sie migrantische Horden!‘“ (Versalien im Original.)

„Verantwortlich sind die Täterinnen und Täter selbst. Wer daraus Rückschlüsse auf ganze Bevölkerungsgruppen zieht, schafft keine Lösungen, sondern neue Gräben“

„Die entscheidende politische Frage lautet doch nicht, aus welchem vermeintlichen Milieu einige Gewalttäter stammen. Die entscheidende Frage lautet, warum so viele junge Menschen den Eindruck haben, dass ihre Sorgen bei Zukunftsthemen zu oft hinten anstehen“, sagte hingegen Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne). Klar sei, dass Gewalt keinen Platz habe und Gewalttäter konsequent zur Verantwortung gezogen werden müssen. „Aber verantwortlich sind die Täterinnen und Täter selbst. Wer daraus Rückschlüsse auf ganze Bevölkerungsgruppen zieht, schafft keine Lösungen, sondern neue Gräben“, befand die Grünen-Politikerin. Die eigentliche Lehre aus diesen Protesten sei deshalb nicht mehr Misstrauen gegenüber einer Generation. Die eigentliche Lehre sei, ihr endlich zuzuhören.

Auch Bundesbildungsministerin Prien betont, dass es bei der Aufarbeitung der Ausschreitungen auch darum gehen müsse, die Ursachen der Gewalt zu verstehen. „Und wenn die aus migrantischen Milieus stammen, dann muss uns das Sorgen bereiten und dann müssen wir da auch auf die Ursachen schauen“, sagte sie dem Deutschlandfunk. Die Frage nach der Herkunft möglicher Täter dürfe also nicht ausgeblendet werden. Sie solle aber nicht die eigentlichen gesellschaftlichen Probleme überlagern, die junge Menschen auf die Straße treiben.

43 Prozent, also ein großer Teil, der Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. News4teachers

Pistorius widerspricht Dobrindt: Zündelt der Bundesinnenminister mit unbelegten Vorwürfen gegen junge Migranten?

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Schülerproteste: Merz delegiert das Thema an seine Bundesbildungsministerin

BERLIN. Nach den Krawallen in mehreren Städten am Wochenende spricht sich Bundeskanzler Friedrich Merz für ein hartes Vorgehen gegen die Gewalttäter aus. Gleichzeitig zeigt er Verständnis für einige Anliegen der jungen Demonstranten – und delegiert das Thema an seine Bundesbildungsministerin.

Routiniert wegdelegiert: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Foto: Shutterstock / Juergen Nowak

„Gewalt hat auf unseren Straßen nichts zu suchen, und meine Regierung wird hier keine Toleranz zeigen“, heißt es im Redemanuskript von Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz für die heutige CDU-Kreisvorsitzendenkonferenz, das der Deutschen Presse-Agentur in Auszügen vorliegt. Darin betont der Kanzler: „Wer Polizisten und Einsatzkräfte angreift und Geschäfte plündert, greift unsere Freiheit an, verhöhnt die Gesellschaft und die berechtigten Interessen der jungen Leute.“ Die Straftäter würden die Härte des Gesetzes spüren.

Defizite bei bezahlbarem Wohnen

Merz dankte der Polizei. Diese habe vorbildlich reagiert. Er wies auch darauf hin, dass der Großteil der jungen Leute friedlich demonstriert habe. Als positive Botschaft nehme er mit: „Die junge Generation ist politisch und sie sorgt sich um ihre Zukunft.“ Merz räumte ein, dass es gerade beim Thema Wohnen Defizite gebe und die Haushalte entlastet werden müssten, damit die Länder mehr in Bildung investieren könnten. „All die Themen stehen ganz oben auf unserer Arbeitsliste.“ Bildungsministerin Karin Prien (CDU) werde das Gespräch mit der jungen Generation vertiefen.

Prien verurteilte die Krawalle, will wichtige inhaltliche Fragen der Jugendlichen aber ausdrücklich aufgreifen. Sie sagte: «Dass Gewaltbereite an einigen Orten die Demonstrationen regelrecht gekapert haben, verstellt den Blick auf die eigentlichen Anliegen der jungen Generation.» Dies bedauere sie besonders. Der überwiegende Teil sei friedlich auf die Straße gegangen. «Deren Stimmen höre ich, mit denen will ich tiefer ins Gespräch kommen.» Prien betonte: «Die Anliegen der Jugendlichen sind berechtigt und überaus relevant.»

Die mitregierende SPD forderte einen nationalen Bildungsgipfel mit Ländern und Kommunen. «Das Recht auf eine gute Bildung und Ausbildung ist ein Schwerpunkt der Proteste und ein Bereich, in dem wir die Pflicht haben, jetzt auch schnell zu handeln», sagte SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt.

Weitere Jugendproteste in Sicht

Grünen-Chefin Franziska Brantner verurteilte die Ausschreitungen. «Gewalt schadet dem berechtigten Anliegen der vielen, die friedlich protestiert haben», sagte sie der «Rheinischen Post». Die Linke-Vorsitzende Ines Schwerdtner sagte der Zeitung: «Weder die Bezahlbarkeitskrise noch der Sozialabbau noch der breit getragene Wille zu friedlichem Protest verschwindet, weil kleine Gruppen frustrierter Menschen danach randaliert haben.»

Die Initiative «Gen Z regelt» kündigte an, dass Protestaktionen fortgesetzt werden sollen. Im Blick steht eine Beteiligung an europaweiten Protesten am 20. November. Für diesen Tag ruft auch ein Bündnis zur Teilnahme an einem «Internationalen Jugendstreiktag» auf. Dazu gehört die Bundesschülerkonferenz, die sich von Aktionen von «Gen Z regelt» distanziert hatte – mit der Begründung, dass deren Organisationsstrukturen unklar seien. News4teachers / mit Material der dpa

Pistorius widerspricht Dobrindt: Zündelt der Bundesinnenminister mit unbelegten Vorwürfen gegen junge Migranten?

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Demos – wofür genau? Luisa Neubauer rät Gen-Z-Protestierenden: „Forderungen fokussieren“ 

BERLIN. Zehntausende junge Menschen gingen am Wochenende auf die Straße, danach dominierten Krawalle die Debatte. Klima-Aktivistin Luisa Neubauer sieht darin ein Problem für die Proteste – und hat einen strategischen Rat.

Kennt sich aus: Luisa Neubauer. Foto: Shutterstock / EUS-Nachrichten

Den Initiatoren der Gen-Z-Demonstrationen rät die Aktivistin Luisa Neubauer dazu, ihre Themen stärker einzugrenzen. «Es ist einfach leichter, Druck aufzubauen, wenn man Forderungen fokussieren kann», sagte Neubauer im RBB-«Inforadio».

Sie könne nachvollziehen, dass die Bewegung sich angesichts der vielen Krisen und Baustellen zerrissen fühle. «Das führt natürlich schnell dazu, dass man sagt, wir müssen das alles angehen.» Strategisch gesehen mache es aber Sinn, die Forderungen genauer zu schärfen, auch um sich von anderen abgrenzen zu können. Die Bewegung sei aber eben ein Kind der Zeit. «Und diese Zeit sagt uns, überall sind Krisen, wir wissen gar nicht, wo man anfangen soll.»

Neubauer: Junge Leute werden wie Fremdkörper behandelt

Zehntausende junge Menschen hatten am Wochenende deutschlandweit zumeist friedlich demonstriert. Im Anschluss kam es zu teils schweren Krawallen, besonders in Frankfurt am Main. Viele Politiker äußerten sich am Tag danach zu der Gewalt.

Auf die Frage, ob es sie nerve, dass mehr über die Gewalt als über die Sorgen der jungen Menschen gesprochen werde, antwortete Neubauer: Ja, sie habe den Eindruck, es sei für einige, die von Anfang an kein Interesse daran gehabt hätten, sich ernsthaft mit den Bedürfnissen junger Menschen auseinanderzusetzen, «so eine Art gefundenes Fressen».

Die Art und Weise, wie über die Proteste geredet werde, und dass die Gewalt von wenigen genutzt werde, um eine ganze Bewegung zu diskreditieren, symbolisiere eigentlich schon alles, was schieflaufe. «Junge Leute tun sich zusammen und man behandelt die wie so einen Fremdkörper, vor dem man erst mal Angst haben muss.»

Neubauer wünscht sich nach eigener Aussage, dass die Proteste weitergehen. Der politische Druck müsse weiter aufgebaut werden und wachsen. Es sei gut, dass es erste Gesprächsangebote wie die von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) gebe, durch ein nettes Gespräch allein würden die Probleme aber nicht gelöst. News4teachers / mit Material der dpa

Schülerproteste: Prien bietet Dialog an (sieht aber für Demonstrationen wenig Anlass)

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Schüler brutal zusammengeschlagen: Polizei verstärkt nach Ferien Präsenz an Schulen

FRANKFURT/ODER. Eine Attacke auf einen Schüler vor mehr als zwei Wochen löste in Frankfurt (Oder) Entsetzen aus. Die Polizei zeigt mit Wiederaufnahme des Schulunterrichts nach den Ferien Präsenz.

Die Polizei zeigt sich (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Zum heutigen Schulbeginn nach den Ferien hat die Polizei in Frankfurt (Oder) wegen eines Falls von Jugendgewalt ihre Präsenz verstärkt. Vor allem im Umfeld von zwei Schulen werden Beamte im Einsatz sein, wie ein Sprecher der Polizei vorab sagte.

«Wir werden den Schulweg entsprechend absichern, wir werden auch in den Schulen entsprechend präsent sein», kündigte auch Oberbürgermeister Axel Strasser (parteilos) vor wenigen Tagen nach einer Sicherheitskonferenz im Rathaus an. Laut Bildungsministerium soll es Elternkonferenzen an Schulen geben.

Brutaler Angriff auf einen Schüler

Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren hatten vor einer Oberschule in Frankfurt (Oder) auf einen Schüler eingetreten und ihn geschlagen – auch gegen den Kopf und als er bereits am Boden lag. Ein Video der brutalen Attacke kursierte am 14. Oktober in sozialen Medien. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung. Es handele sich für Frankfurt (Oder) um einen Einzelfall, der aber eine schockierende Gewaltdimension erreicht habe, sagte Oberbürgermeister Strasser. News4teachers / mit Material der dpa

„Viele verspüren einen sehr tiefen Hass“: Bildungsforscherin erklärt, warum vor allem junge Männer immer öfter gewalttätig werden

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Schwesigs rot-rot-grüne Koalition in spe prüft verpflichtendes Kita-Jahr – und sonst?

SCHWERIN. Seit Wochen verhandeln SPD, Linke und Grüne über eine neue Koalition in Mecklenburg-Vorpommern. Nun stellten die Verhandler ein weiteres Kapitel vor: die Bildung. Möglicherweise ein verpflichtendes Kita-Jahr, mehr Lesen und Rechnen, vielleicht mehr Lehrerstellen und mehr Demokratiebildung – eine echte Bildungsrevolution ist von Rot-Rot-Grün offenbar nicht zu erwarten. 

Baut sich eine neue Koalition: Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Foto: Shutterstock / penofoto

Kinder mit Förderbedarf sollen dem Willen der möglichen neuen Regierung in Mecklenburg-Vorpommern nach ein verpflichtendes Jahr in der Kita vor der Einschulung absolvieren. Die neue Regierung prüfe die Möglichkeit einer solchen Neuerung, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) bei der Vorstellung der Verhandlungsergebnisse der geplanten neuen Koalition mit Linken und Grünen.

Wichtig sind dabei die Ergebnisse der künftig verbindlichen Sprachstands- und Entwicklungserhebung. Im Alter von vier Jahren würden Kinder auf ihre motorischen, sprachlichen und sozialen Fähigkeiten überprüft. Wer Nachholbedarf besitze, solle in den Kindergärten gefördert werden, sagte Schwesig.

Stärkung von Mathematik in der Grundschule

Laut dem Fraktionschef der Linken, Hennis Herbst, sollen die Grundschulen zudem Lesen und Rechnen stärken. Als sehr erfolgreich bezeichnete er in dem Zusammenhang die Einführung des Lesebands, «also, dass 20 Minuten am Tag gelesen wird». Ähnlich dazu solle ein Matheband eingeführt werden, «um einen Schwerpunkt bei den mathematischen Fähigkeiten zu setzen und das systematisch zu fördern», kündigte er an.

Der Schulcampus ist die nächste geplante Neuerung. Damit sollen Schulen im ländlichen Raum zusammengeführt werden, um mehr Kompetenzen abzudecken. Was das für die Schulwege der Kinder auf dem Dorf bedeutet, ist vorerst nicht bekannt. Die Sanierung von Schulen soll in den nächsten Jahren mit 600 Millionen Euro gefördert werden.

Ein großes Thema im Wahlkampf waren die vielen Ausfallstunden und die hohe Zahl an Schulabbrechern. Die neue Koalition will beide Zahlen deutlich drücken. Dafür sind neue qualifizierte Lehrer nötig. Durch die Reform der Lehrerausbildung an den Hochschulen mit mehr Praxisbezug wähnt sich die Regierung dafür auf dem richtigen Weg – die Zahl der Studienabbrecher sei zurückgegangen, heißt es.

Lehrerstellen bleiben leidiges Thema

Schwesig bezifferte den Bedarf an Lehrkräften in den nächsten Jahren auf 3.500. Das liegt weiterhin deutlich unter der Schätzung des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Deren Landesvorsitzender Michael Blanck hatte im September den Bedarf auf 5.000 Stellen in den kommenden fünf Jahren taxiert.

Keine Antwort gaben die Verhandler auf die Frage, wie viele zusätzliche neue Lehrkräfte sie einstellen wollen, um nicht nur aus dem Dienst scheidende Lehrer zu ersetzen, sondern auch ihr Ziel zu erreichen, die Ausfallstunden deutlich zu reduzieren. Dabei waren etwa die Linken hier mit konkreten Forderungen wie 950 zusätzlichen Lehrkräften in den Wahlkampf gegangen.

Stattdessen sprachen die Verhandler über «multiprofessionelle Teams», um den Schulalltag der Lehrer zu erleichtern. Dazu zählen Sozialpädagogen und Schulpsychologen.

Handyverbot und KI-Bildung

Nicht neu, aber schärfer durchgesetzt sollen die Handyregeln an den Schulen werden. Bislang sollten die Schulen eigene Regeln für den Umgang mit den Smartphones erarbeiten. Wenn Schulen das bis Jahresende nicht täten, dann gelte künftig die bisherige Empfehlung der Landesregierung als verbindlich; nämlich Handyverbot bis zur 9. Klasse, sagte Schwesig.

Zugleich will sich Rot-Rot-Grün den neuen Technologien nicht gänzlich verschließen. Der Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) soll so verstärkt Teil des Unterrichts werden. Zudem müsse die Medienkompetenz der Schüler gefördert werden, forderte die Chefunterhändlerin der Grünen, Claudia Müller. Einig sind sich SPD, Linke und Grüne vor allem bei einer Stärkung der Demokratiebildung. Lehrer dürften sich zwar nicht parteipolitisch äußern, aber das Eintreten für Demokratie und gegen Extremismus und Ausgrenzung werde die Regierung gezielt unterstützen, kündigte Schwesig an.

Die Finanzierung wird sich ersten Planungen nach kaum ändern: Sind in diesem Jahr genau zwei Milliarden Euro für den Bildungssektor vorgesehen, sind es 2027 2,1 Milliarden. News4teachers / mit Material der dpa

Nach der Landtagswahl: Bildungsverbände fordern mehr Lehrer von Schwesig

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Was Lehrkräfte am meisten belastet: Spitzenreiter bei VBE-Umfrage ist – Politik

STUTTGART. Die große Mehrheit der Lehrkräfte in Baden-Württemberg geht gerne zur Arbeit, versteht sich gut mit ihren Schülerinnen und Schülern und schätzt das eigene Kollegium. Doch die Zuversicht, den Beruf unter den gegebenen Bedingungen dauerhaft ausüben zu können, ist deutlich geringer. Eine neue repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) zeigt: Ein Drittel der Lehrkräfte sorgt sich, den beruflichen Anforderungen eines Tages nicht mehr gewachsen zu sein. Besonders auffällig ist, woher die größte Belastung kommt: Nicht schwierige Schülerinnen und Schüler oder Konflikte mit Eltern stehen an erster Stelle, sondern die Bildungspolitik.

Infografik: News4teachers

88 Prozent der Lehrkräfte in Baden-Württemberg gehen nach eigenen Angaben gerne oder sehr gerne zur Arbeit. 97 Prozent bewerten das Verhältnis zu ihren Schülerinnen und Schülern als gut oder sehr gut, 93 Prozent das Arbeitsklima im Kollegium. Zugleich sind 79 Prozent der Ansicht, dass sich die Rahmenbedingungen ihres Berufs in den vergangenen Jahren verschlechtert haben. Fast zwei Drittel rechnen damit, dass sich die Situation weiter verschlechtern wird.

„Die Motivation der Lehrkräfte ist keine unerschöpfliche Ressource“, warnt der baden-württembergische Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Brand. Seine Warnung erhält durch einen weiteren Befund Gewicht: Ein Drittel der Lehrkräfte macht sich große oder sehr große Sorgen, den beruflichen Anforderungen eines Tages nicht mehr gewachsen zu sein.

Die Ergebnisse stammen aus einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa, das zwischen dem 28. September und dem 11. Oktober 2026 im Auftrag des VBE Baden-Württemberg insgesamt 505 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen befragt hat. Die statistische Fehlertoleranz liegt nach Angaben des Instituts bei vier Prozentpunkten.

„Wer über Schule entscheidet, muss die Bedingungen kennen, unter denen Lehrkräfte arbeiten, und ihre Erfahrungen ernst nehmen“

Besonders deutlich richtet sich die Kritik gegen die Bildungspolitik. 90 Prozent der Befragten empfinden es als große oder sehr große Belastung, dass Politikerinnen und Politiker bei ihren Entscheidungen den tatsächlichen Schulalltag nicht ausreichend berücksichtigen. Damit steht dieser Aspekt an erster Stelle einer Liste vorgegebener Belastungsfaktoren – noch vor der Arbeitszeit, den Klassengrößen und den Schwierigkeiten im Umgang mit Schülerinnen und Schülern.

„Wer über Schule entscheidet, muss die Bedingungen kennen, unter denen Lehrkräfte arbeiten, und ihre Erfahrungen ernst nehmen“, fordert Brand. Der Verband verlangt unter anderem mehr Personal, multiprofessionelle Unterstützung und eine spürbare Entlastung im Schulalltag.

Die Kritik zieht sich durch sämtliche Schulformen. An Grundschulen sehen 91 Prozent der Lehrkräfte die mangelnde Berücksichtigung der schulischen Realität durch die Politik als große oder sehr große Belastung, an weiterführenden Schulen ohne Gymnasien sogar 94 Prozent. An Gymnasien liegt der Anteil bei 85 Prozent.

Neben der Kritik an der Bildungspolitik benennen die Lehrkräfte konkrete Belastungen ihres Arbeitsalltags. 74 Prozent empfinden die unzureichende Anrechnung außerunterrichtlicher Aufgaben als Arbeitszeit als große oder sehr große Belastung. 68 Prozent nennen zu große Klassen. 67 Prozent fühlen sich im Umgang mit schwierigen Schülerinnen und Schülern häufig alleingelassen. Eine hohe Zahl an Unterrichtsstunden belastet 54 Prozent, zu kleine Klassenräume 49 Prozent.

Arbeitszeiterfassung - leicht gemacht

Wer eine Überlastungsanzeige stellen will, um später einmal Ansprüche wegen Mehrarbeit anmelden zu können, muss seine Arbeitszeit dokumentieren. Ein aktuelles Urteil des Bundesverwaltungsgerichts legt das nahe. Die LehrZeit-App macht’s leicht möglich.

Wie viele Stunden fließen tatsächlich in Unterricht, Korrekturen, Konferenzen und Elterngespräche? Die meisten Lehrkräfte können diese Frage kaum beantworten. Die hessische Grundschullehrerin Stephanie Horing wollte sich damit nicht länger abfinden – und entwickelte gemeinsam mit ihrem Mann Jens, einem IT-Profi, eine Arbeitszeiterfassung, die den Schulalltag abbildet. Zusammen mit der GEW Hessen entstand daraus LehrZeit.

Nun wird die App in Partnerschaft mit 4teachers und News4teachers allen Lehrkräften angeboten: für vier Euro im Monat, mit besonders günstigen Tarifen für Gruppen und ganze Schulen. Aktuell erfassen schon mehr als 8.000 Lehrerinnen und Lehrer ihre Arbeitszeit mit der Anwendung.

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Dabei fällt auf, dass die Befragten die Unterstützung innerhalb der eigenen Schule deutlich günstiger beurteilen als die äußeren Bedingungen. Eine unzureichende Unterstützung durch die Schulleitung bezeichnen lediglich 25 Prozent als große oder sehr große Belastung.

Auch bei der Bewertung der konkreten Arbeitsbedingungen zeigt sich dieses Bild. Während nahezu alle Befragten das Verhältnis zu ihren Schülerinnen und Schülern positiv beurteilen, fallen die Urteile über Räume und Ausstattung deutlich schlechter aus. Nur 48 Prozent bewerten die Klassengrößen als gut oder sehr gut, lediglich 45 Prozent die Raumsituation. Den baulichen Zustand ihrer Schule beurteilen 53 Prozent positiv. Etwas günstiger fällt die Einschätzung der Ausstattung mit digitalen Lehr- und Lernmaterialien aus, die 68 Prozent für gut oder sehr gut halten.

Besonders ausgeprägt sind die Belastungen an Grundschulen. In einer offenen Frage nach den größten Problemen an der eigenen Schule nennen dort 44 Prozent den Lehrkräftemangel. An weiterführenden Schulen ohne Gymnasien sind es 16 Prozent, an Gymnasien 14 Prozent. Auch die Herausforderungen durch Heterogenität, Inklusion und Integration werden an Grundschulen besonders häufig angesprochen. 41 Prozent der Grundschullehrkräfte nennen diesen Bereich als eines der größten Probleme, gegenüber 25 Prozent an weiterführenden Schulen ohne Gymnasien und 16 Prozent an Gymnasien.

Deutlich werden die Unterschiede zwischen den Schulformen vor allem bei der Unterstützung im Umgang mit schwierigen Schülerinnen und Schülern. An Grundschulen empfinden 76 Prozent diesen Aspekt als große oder sehr große Belastung. An weiterführenden Schulen ohne Gymnasien sind es 69 Prozent, an Gymnasien 49 Prozent. Konflikte mit Eltern belasten Grundschullehrkräfte ebenfalls häufiger. 49 Prozent bezeichnen sie als große oder sehr große Belastung, gegenüber 41 Prozent an weiterführenden Schulen ohne Gymnasien und 21 Prozent an Gymnasien.

An den weiterführenden Schulen ohne Gymnasien stehen dagegen häufiger Probleme mit dem Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler im Vordergrund. Bei der offenen Frage nach den größten Problemen nennen 28 Prozent Respektlosigkeit oder Schwierigkeiten im sozialen Miteinander. An Grundschulen sind es 15 Prozent, an Gymnasien 13 Prozent. Auch mangelnder Lernwille, Disziplin und Konzentration werden an diesen Schulen häufiger angesprochen.

Gymnasiallehrkräfte wiederum nennen vergleichsweise oft Herausforderungen durch technische Entwicklungen. 22 Prozent sehen Digitalisierung und technische Ausstattung als eines der größten Probleme an ihrer Schule, 18 Prozent die Nutzung von Handys, sozialen Medien und Suchtmitteln. Künstliche Intelligenz wird von 13 Prozent genannt. An Grundschulen spielt dieses Thema bei der offenen Problemabfrage praktisch keine Rolle.

Wie verbreitet die Sorge um die eigene berufliche Belastbarkeit ist, zeigt die Abstufung der Antworten: Weitere 43 Prozent der Lehrkräfte machen sich weniger große Sorgen, den Anforderungen ihres Berufs eines Tages nicht mehr gewachsen zu sein. Nur 24 Prozent geben an, überhaupt keine entsprechenden Sorgen zu haben.

Frauen sind dabei häufiger besorgt als Männer. Unter den Lehrerinnen berichten 37 Prozent von großen oder sehr großen Sorgen, unter den Lehrern 25 Prozent. Auch die Altersgruppen unterscheiden sich: Besonders häufig äußern die 50- bis 59-Jährigen entsprechende Befürchtungen. In dieser Gruppe liegt der Anteil bei 38 Prozent, während er bei den mindestens 60-Jährigen 24 Prozent beträgt.

Unter den Grundschullehrkräften machen sich 35 Prozent große oder sehr große Sorgen, den Anforderungen künftig nicht mehr gewachsen zu sein. An weiterführenden Schulen ohne Gymnasien sind es 34 Prozent, an Gymnasien 25 Prozent.

Wer große oder sehr große Sorgen vor einer künftigen Überforderung hat, nennt dafür vor allem die steigenden Anforderungen, die Arbeitsbelastung und zusätzliche Aufgaben. 36 Prozent dieser Gruppe führen diese Gründe an. 26 Prozent nennen gesundheitliche Probleme, 22 Prozent Stress und psychische Belastungen. Das zunehmende Alter spielt für 18 Prozent eine Rolle, die veränderte und heterogenere Schülerschaft für 17 Prozent.

Umso bemerkenswerter ist die weiterhin hohe Identifikation mit dem Beruf. Jeweils 98 Prozent der Lehrkräfte geben an, dass ihnen bei ihrer Berufswahl die Freude an der Wissensvermittlung und an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wichtig oder sehr wichtig gewesen sei. Für 83 Prozent spielte das Interesse am eigenen Unterrichtsfach eine wesentliche Rolle, für 77 Prozent die Verantwortung und Eigenständigkeit des Berufs.

Materielle und organisatorische Vorteile waren demgegenüber weniger ausschlaggebend. Die Existenzsicherheit bezeichneten 59 Prozent als wichtiges Motiv, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf 55 Prozent. Ein hohes gesellschaftliches Ansehen spielte dagegen nur für zehn Prozent eine wichtige Rolle bei der Berufswahl.

Diese berufliche Motivation schlägt sich auch in der Einschätzung der eigenen Erfahrungen nieder. 81 Prozent der Befragten sagen, dass sich ihre ursprünglichen Erwartungen an den Lehrerberuf zumindest eher erfüllt haben. Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Bei den 40- bis 49-Jährigen geben 26 Prozent an, ihre Erwartungen hätten sich eher nicht oder überhaupt nicht bestätigt. Bei den unter 40-Jährigen sind es dagegen 13 Prozent, bei den mindestens 60-Jährigen lediglich acht Prozent.

Welche Lehrkraft würde jungen Menschen heute noch zum Lehrerberuf raten?

Auch bei der Frage, ob sie jungen Menschen heute noch zum Lehrerberuf raten würden, sind die mittleren Altersgruppen zurückhaltender. Insgesamt würden 61 Prozent der Befragten einem jungen Menschen empfehlen, den Beruf zu ergreifen. 32 Prozent würden eher davon abraten. Unter den Lehrkräften unter 40 Jahren würden 71 Prozent den Beruf weiterempfehlen. Bei den 60-Jährigen und Älteren liegt der Anteil ebenfalls bei 71 Prozent. Von den 40- bis 49-Jährigen würden dagegen nur 55 Prozent jungen Menschen zum Lehrerberuf raten, bei den 50- bis 59-Jährigen sind es 58 Prozent.

Die Arbeitsbelastung spielt auch bei der Frage nach der Weiterempfehlung eine zentrale Rolle. Von denjenigen, die jungen Menschen vom Lehrerberuf abraten würden, nennen 41 Prozent sie als Grund. Jeweils 22 Prozent verweisen auf Stress und psychische Belastungen, eine schwierige Schülerschaft oder anspruchsvolle Eltern. Bürokratie und Verwaltungsaufgaben werden von 18 Prozent genannt, schlechte Arbeitsbedingungen von 17 Prozent und mangelnde gesellschaftliche Wertschätzung von 16 Prozent.

Dass sich die Arbeitsbedingungen künftig verbessern werden, erwarten lediglich vier Prozent der befragten Lehrkräfte. News4teachers

Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte: Bayern lässt sich Widerstand juristisch absichern – und provoziert damit Streit unter den Kultusministern

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Rassismus-Debatte: „Kein Kind sollte das Gefühl bekommen, dass sein Name entscheidet“

BERLIN/LEIPZIG. Was macht es mit Kindern und Jugendlichen, wenn prominente Erwachsene öffentlich erklären, dass sie Menschen mit vermeintlich fremdländischen Namen nicht in Spitzenpositionen sehen wollen? Der Leipziger Kinder- und Jugendpsychologe Prof. Dr. Julian Schmitz warnt davor, die psychischen Folgen solcher Äußerungen zu unterschätzen. Anlass ist eine Aussage des früheren ARD-Sportmoderators Waldemar Hartmann über die Berliner Linken-Politikerin Elif Eralp, die parteiübergreifend Rassismusvorwürfe ausgelöst hat.

„Ein Problem damit“: Waldemar Hartmann. Foto: Shutterstock / Matthias Wehnert

Der Leipziger Psychologieprofessor Julian Schmitz hat die Äußerungen des früheren ARD-Sportmoderators Waldemar Hartmann – der öffentlich erklärt hatte, er habe ein Problem damit, dass eine Regierende Bürgermeisterin von Berlin „Elif Eralp heißt“ – zum Anlass genommen, vor den Auswirkungen rassistischer Vorstellungen auf Kinder und Jugendliche zu warnen. In einem Beitrag auf LinkedIn schreibt der Professor für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie und Psychotherapie an der Universität Leipzig: „Es ist 2026. Und Kinder und Jugendliche müssen in Deutschland immer noch erleben, dass ihr Name darüber entscheiden soll, ob sie wirklich dazugehören.“

Der Beitrag von Hartmann habe ihn erschüttert. „Als Kinder- und Jugendpsychologe beschäftigt mich daran besonders eine Frage: Was macht es mit jungen Menschen, wenn ihnen öffentlich vermittelt wird, dass sie aufgrund ihres Namens nicht wirklich zu unserer Gesellschaft gehören?“

Schmitz macht die Problematik an einem Gedankenexperiment deutlich. Man solle sich ein 13-jähriges Mädchen vorstellen, das Elif heißt, in Berlin aufwächst, dort zur Schule geht und vielleicht selbst einmal politisch aktiv werden möchte. Welche Botschaft erhalte dieses Mädchen, wenn ein prominenter Erwachsener öffentlich erkläre, dass er eine Frau mit ihrem Namen nicht an der Spitze der Hauptstadt sehen wolle?

„Wir diskutieren ständig darüber, wie Schulen Demokratie vermitteln, Integration fördern und Kinder in ihrer psychischen Gesundheit stärken können“

„Wir wissen, wie wichtig soziale Zugehörigkeit, Anerkennung und die Entwicklung einer positiven Identität für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sind. Und wir wissen auch, dass Diskriminierung und Ausgrenzung erhebliche psychische Belastungen darstellen können.“ Dabei gehe es nicht allein um unmittelbare Diskriminierungserfahrungen. „Kinder und Jugendliche nehmen sehr genau wahr, wie Erwachsene über Menschen sprechen, die ihnen ähnlich sind.“

„Wir diskutieren ständig darüber, wie Schulen Demokratie vermitteln, Integration fördern und Kinder in ihrer psychischen Gesundheit stärken können“, schreibt Schmitz. „Aber was vermitteln wir jungen Menschen eigentlich, wenn prominente Erwachsene öffentlich infrage stellen, ob jemand mit einem bestimmten Namen an die Spitze unserer Hauptstadt gehört?“

Gerade für Schülerinnen und Schüler, deren Namen oder familiäre Herkunft im Alltag bereits Anlass für Vorurteile sind, können solche öffentlichen Äußerungen eine zusätzliche Belastung darstellen. Wenn prominente Erwachsene Menschen aufgrund ihres Namens die Eignung für bestimmte gesellschaftliche Positionen absprechen, steht dies im Widerspruch zu dem Gleichheitsversprechen, das Schulen im Rahmen demokratischer Bildung vermitteln sollen.

Schmitz kritisiert jedoch eine Entwicklung, die ihn über den Einzelfall hinaus beunruhigt: „Mich erschreckt nicht nur die Aussage selbst, sondern auch die Selbstverständlichkeit, mit der solche rassistischen Vorstellungen inzwischen wieder öffentlich geäußert werden.“ Er fordert, die Verantwortung Erwachsener für das gesellschaftliche Klima stärker zu berücksichtigen. „Wir sollten uns viel häufiger bewusst machen, welche Verantwortung Erwachsene für das gesellschaftliche Klima tragen, in dem unsere Kinder aufwachsen.“ Und er betont: „Kein Kind sollte in Deutschland das Gefühl bekommen, dass sein Name darüber entscheidet, wie weit es kommen darf.“

Laut aktuellen Daten des Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes haben rund 43 Prozent aller Schülerinnen und Schüler an allgemein- und berufsbildenden Schulen in Deutschland einen Migrationshintergrund.

Ausgelöst wurde die Stellungnahme durch einen Beitrag des früheren ARD-Sportmoderators Waldemar Hartmann auf der Plattform X. Der 78-Jährige hatte sich darin kritisch über die Berliner Linkspartei und deren Spitzenkandidatin Elif Eralp geäußert. Im Wortlaut: „Mal abgesehen von den aberwitzigen politischen Vorstellungen der Linken in Berlin und ihrer Abhängigkeit von kriminellen Clans und islamistischen Terrororganisationen habe ich einfach ein Problem damit, dass eine Regierende Bürgermeisterin der deutschen Hauptstadt Berlin Elif Eralp heißt.“ Eralp ist Juristin und Spitzenkandidatin der Berliner Linken. Ihre Eltern stammen aus der Türkei.

„Wer Name und Herkunft mit Inhalt und Handeln auf eine Stufe stellt, ist einfach ein handelsüblicher Rassist“

Deutlich reagierte die CDU-Politikerin Serap Güler, Staatsministerin im Auswärtigen Amt. Man könne Eralp und ihre Partei „heftig kritisieren“. Hartmanns Aussage sei jedoch „ohne Wenn und Aber blanker Rassismus“. Auch Dennis Radtke, CDU-Politiker und Bundesvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, kritisierte die Äußerung. „Wer Name und Herkunft mit Inhalt und Handeln auf eine Stufe stellt, ist einfach ein handelsüblicher Rassist“, schrieb er auf X.

Kritik kam ebenso von der früheren Linken-Vorsitzenden Janine Wissler, die sich insbesondere gegen Hartmanns Verweis auf Eralps Namen und die Herkunft ihrer Eltern wandte. Auch die Grünen-Politikerin Ricarda Lang reagierte. Sie kommentierte die Äußerung mit dem englischen Satz: „You‘re not supposed to say the quiet part out loud.“ Die Redewendung beschreibt, dass jemand eine Haltung offen ausspricht, die gewöhnlich unausgesprochen bleibt.

Hartmann selbst weist die Rassismusvorwürfe zurück. Gegenüber der „Bild“-Zeitung erklärte er am Montag, die Anschuldigungen hätten ihn tief getroffen. „Ich bin jetzt 78 Jahre alt, kein Mensch kann mir auch nur ansatzweise irgendetwas vorlegen, das mit Rassismus zu tun hat. Ich war kein Rassist, ich bin keiner und ich werde auch keiner werden.“ Dass Politiker der Linken und der Grünen ihm Rassismus vorwürfen, überrasche ihn nicht. Unverständnis äußerte er dagegen über die Kritik aus der CDU. Diese sei aus seiner Sicht heuchlerisch. News4teachers

Pistorius widerspricht Dobrindt: Zündelt der Bundesinnenminister mit unbelegten Vorwürfen gegen junge Migranten?

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Starke Stimmen, neue Partner, frische Perspektiven: Der Deutsche Schulleitungskongress (DSLK) feiert 15 Jahre

DÜSSELDORF. Düzen Tekkal, Maja Göpel, Almuth Schult, Jutta Allmendinger und Christoph Kramer: Der Deutsche Schulleitungskongress bringt vom 12. bis 14. November 2026 wieder Menschen nach Düsseldorf, die Schule aus unterschiedlichen Perspektiven weiterdenken. Als Kern des Schul-Summits verbindet der DSLK hochkarätige Fortbildung mit dem Austausch zwischen Schulleitungen, Schulträgern und Schulaufsichten. Im Jahr seines 15-jährigen Bestehens stärken zudem fünf neue Bildungspartner sein Netzwerk.

Der Deutsche Schulleitungskongress (DSLK) ist die zentrale Plattform für Schulleitungen. Foto: fleet events

Wer eine Schule leitet, muss täglich Entscheidungen treffen, Menschen zusammenbringen und Veränderungen gestalten. Zwischen Personalengpässen, Unterrichtsentwicklung, Elterngesprächen und Digitalisierung bleibt dabei oft wenig Gelegenheit, neue Ideen zu entwickeln und die eigene Führungsarbeit zu reflektieren. Genau diesen Freiraum eröffnet der Deutsche Schulleitungskongress: Vom 12. bis 14. November 2026 wird das Congress Center Düsseldorf zum Treffpunkt für schulische Führungskräfte, die Impulse für ihre Schule suchen und sich mit anderen über gelungene Lösungen austauschen möchten.

Seit 15 Jahren bringt der DSLK Schulleitungen unterschiedlicher Schulformen zusammen. Seine Stärke liegt in der Verbindung von Fortbildung und persönlicher Begegnung: Wissenschaftliche Erkenntnisse treffen auf Erfahrungen aus dem Schulalltag, neue Konzepte auf die Fragen ihrer praktischen Umsetzung. Das Jubiläumsprogramm bietet dafür eine breite Auswahl an Keynotes, Praxisforen, Workshops, Masterclasses und Intensivseminaren.

Sechs neue Bildungspartner erweitern das Netzwerk

Zum Jubiläum wächst auch das Netzwerk hinter dem Kongress. Mit dem Allgemeinen Schulleitungsverband Deutschlands (ASD), die Bundesdirektorenkonferenz Gymnasien (BDK), dem Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB), dem Bundesverband Reale Bildung (BVRB), dem Deutschen Philologenverband (DPhV) sowieder Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) engagieren sich sechsbedeutende Organisationen als neue offizielle Bildungspartner.

Sie bringen unterschiedliche Erfahrungen, schulische Perspektiven und bildungspolitische Positionen ein. Gemeinsam mit ihnen will der DSLK den Dialog über die Zukunft von Schule intensivieren. Geplant ist unter anderem ein Verbändebeirat, der den Austausch über aktuelle Herausforderungen und gemeinsame Handlungsansätze fördern soll.

„Bildung braucht mehr denn je Vernetzung, Dialog und die Bereitschaft, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen“, betont Udo Beckmann, Leiter des Programmbeirats. Gerade für Schulleitungen bietet ein solches Netzwerk einen besonderen Wert: Es verbindet die Erfahrungen vor Ort mit einem bundesweiten Austausch über gute Führung und wirksame Schulentwicklung.

Demokratie stärken und Zukunft gestalten

Wie können Schulen jungen Menschen Orientierung geben und demokratisches Miteinander erfahrbar machen? Diese Frage greift die Menschenrechtsaktivistin, Politologin und Journalistin Düzen Tekkal auf. Ihre Keynote am 12. November trägt den Titel „Mut zur Haltung – Warum Schulen Demokratieorte sein müssen“. Damit setzt bereits der Intensivtag einen Akzent für alle, die Schule als Ort gelebter Werte und gesellschaftlicher Verständigung gestalten wollen.

Am 13. November richtet die Politökonomin und Transformationsforscherin Prof. Dr. Maja Göpel den Blick auf „Schulen als wichtige Räume in verrückten Zeiten“. Sie beleuchtet, wie Schulen angesichts gesellschaftlicher Umbrüche Orientierung und Handlungsfähigkeit fördern können. Ihre Perspektive verbindet Nachhaltigkeit mit Selbstwirksamkeit, Zusammenarbeit und der Frage, wie junge Menschen lernen, Zukunft mitzugestalten.

Was erfolgreiche Teams ausmacht und wie Bildung Chancen eröffnet

Einen Perspektivwechsel verspricht Almuth Schult. Die ehemalige Fußballnationalspielerin und TV-Expertin kennt die Herausforderung, unterschiedliche Persönlichkeiten unter hohem Erwartungsdruck zu einem erfolgreichen Team zusammenzuführen. In ihrer Keynote „Teamerfolg als oberstes Ziel“ geht es um den Umgang mit Dissonanzen – und damit um eine Führungsaufgabe, die auch Schulleitungen bestens kennen. Kommunikation, gegenseitiges Verständnis und das gemeinsame Ziel stehen im Mittelpunkt.

Die Bildungssoziologin Prof. Dr. h. c. Jutta Allmendinger widmet sich unterdessen einem zentralen Thema der Schulentwicklung: Bildungsarmut und sozialer Segregation. In ihrem Praxisforum nimmt sie die Wirksamkeit des Startchancenprogramms in den Blick. Für Schulleitungen eröffnet sich damit die Gelegenheit, eines der wichtigsten bildungspolitischen Programme mit einer profilierten Wissenschaftlerin zu diskutieren.

Auch Christoph Kramer gehört zum Programm. Der Fußballweltmeister und Autor engagiert sich beim DSLK für ökonomische Bildung. Unter dem Titel „Anpfiff für Finanzbildung“ greift seine Masterclass die Frage auf, warum ökonomische Bildung in jedes Klassenzimmer gehört. Zudem beteiligt er sich am Panel „Finanzwissen, Demokratie, Zukunft“. Damit rückt ein Thema in den Fokus, das unmittelbar an die Lebenswelt junger Menschen und ihre Möglichkeiten zur selbstbestimmten Lebensgestaltung anknüpft.

Rund 90 Programmpunkte für den Führungsalltag

Die genannten Highlights sind nur ein Ausschnitt aus einem umfassenden Angebot: Rund 90 Programmpunkte – von Keynotes über Workshops und Praxisforen bis zu Masterclasses und Intensivseminaren – eröffnen vielfältige Möglichkeiten, die eigene Führungsarbeit weiterzuentwickeln. Die Teilnehmenden stellen sich ihr persönliches Kongressprogramm zusammen und wählen gezielt die Themen, die ihre Schule voranbringen.

Wie lassen sich Veränderungsprozesse steuern? Was hilft bei Konflikten im Kollegium? Wie gelingt gesunde Führung? Und welche Rolle kann Künstliche Intelligenz für Unterricht und Schulentwicklung übernehmen? Neben den prominenten Stimmen bietet der DSLK zahlreiche Gelegenheiten, an konkreten Fragen der eigenen Schule zu arbeiten.

Fachforen widmen sich unter anderem digitaler Schule und KI, dem Startchancenprogramm, zeitgemäßen Lernorten sowie ökonomischer Bildung. Das Forum Digitale Schule und KI richtet sich auch an Digitalisierungsbeauftragte und diejenigen, die Schulleitungen bei der Konzeptentwicklung unterstützen. Es greift die Auswirkungen von KI auf Lehren, Lernen und Leistungsbeurteilung auf. So können Schulen gezielt Expertise für ihre nächsten Entwicklungsschritte aufbauen.

Nachhaltige Schulentwicklung auf der Bühne

Ein besonderer Höhepunkt am 13. November ist die Verleihung des DSLK-SchulpreisesBildung für nachhaltige Entwicklung. Fünf Schulen werden ausgezeichnet und erhalten jeweils 10.000 Euro für ihre Nachhaltigkeitsprojekte. Der von SIGNAL IDUNA gestiftete Preis ist mit insgesamt 50.000 Euro dotiert. Er macht sichtbar, wie Schulen nachhaltige Entwicklung im Schulalltag verankern – und würdigt das Engagement der Menschen, die solche Veränderungen voranbringen.

An die Preisverleihung schließt sich die Keynote von Claudia Kleinert an: „Von Wetterextremen zu Zukunftschancen – Was wir heute lernen müssen, um morgen zu bestehen“. Die bekannte Wettermoderatorin verbindet Klima- und Zukunftsfragen mit der Bedeutung von Bildung. Im Mittelpunkt steht, wie aus Wissen Handlungskompetenz wird und wie Schulen Mut, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein fördern können.

Kontakte knüpfen und Ideen mitnehmen

Zum DSLK gehört auch die Gelegenheit, Gespräche jenseits des offiziellen Programms fortzuführen: nach einem Vortrag, beim gemeinsamen Kaffee oder in der begleitenden Ausstellung. Wenn Schulleitungen aus verschiedenen Bundesländern und Schulformen zusammenkommen, werden andere Wege sichtbar, mit vertrauten Herausforderungen umzugehen. Aus einer solchen Begegnung kann eine Idee für die nächste Teamsitzung entstehen – oder ein Kontakt, der auch nach dem Kongress weiterhilft.

Das macht den DSLK zu einer lohnenden Investition in die eigene Führungsarbeit: Die Teilnehmenden gewinnen fachliche Anregungen, erweitern ihr Netzwerk und nehmen neue Perspektiven für die Entwicklung ihrer Schule mit.

Teil des Schul-Summits

Der DSLK ist Teil des Schul-Summits, der den Deutschen Schulleitungskongress, den Deutschen Schulträgerkongress und den Deutschen Schulaufsichtskongress unter einem Dach vereint. Hier begegnen sich Schulleitungen, kommunale Entscheidungsträger und Schulaufsichten, um Erfahrungen auszutauschen, Lösungen zu diskutieren und gemeinsame Vorhaben anzustoßen. Das eröffnet kurze Wege zwischen denjenigen, die Schule pädagogisch gestalten, ihre Ausstattung finanzieren und ihre Entwicklung begleiten – und schafft wertvolle Kontakte für Veränderungen vor Ort.

Der Deutsche Schulträgerkongress und der Deutsche Schulaufsichtskongress finden jeweils am 12. und 13. November 2026 statt. Der Deutsche Schulleitungskongress läuft vom 12. bis 14. November 2026, mit dem Intensivtag am Donnerstag und dem Hauptkongress am Freitag und Samstag. Veranstaltungsort ist das Congress Center Düsseldorf.

Programm, Informationen und Tickets: www.deutscher-schulleitungskongress.de

Dies ist eine Pressemitteilung der FLEET Events GmbH.

Deutscher Schulleitungskongress: Wege aus der Bildungskrise – „Was hilft, sind Erfahrungen der Selbstwirksamkeit“

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iPad, AirPods, Galaxy Buds: UPDATE-Newsletter empfehlen & Tech-Preise gewinnen

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UPDATE Empfehlung

Von Anfang November bis Nikolaus verlosen wir tolle Preise unter allen, die unseren UPDATE-Newsletter an Freunde und Kollegen weiterempfehlen. Zu gewinnen gibt es ein Apple iPad, Apple AirPods und Samsung Galaxy Buds.

UPDATE empfehlen & gewinnen: So funktioniert’s

  1. Link holen: Deinen persönlichen Einladungslink findest du bis zum 6. Dezember 2026 in jeder UPDATE-Ausgabe. Über diesen Link können wir dir neue Abonnenten zuordnen. Wenn du UPDATE noch nicht abonniert hast, kannst du das hier kostenlos nachholen.
  2. Link verschicken: An Kollegen, Freunde oder Familie, die sich für KI und Tech interessieren. Bitte nur ehrliche und ausgewählte Empfehlungen, Massenmails, Spam und Manipulationsversuche werden disqualifiziert.
  3. Los bekommen: Sobald sich jemand über deinen Link anmeldet und die Anmeldung bestätigt, bekommst du ein Los. Jede Anmeldung entspricht einem Los. Je mehr Lose du hast, desto höher deine Chance auf einen der drei Gewinne bei unserer Ziehung am 7. Dezember 2026.

Fragen und Antworten

Wann und wie wird gezogen? Einladen kannst du bis Sonntag, 06.12.2026 (Nikolaus) um 23:59 Uhr. Am Montag, 07.12.2026 ziehen wir die drei Gewinner aus allen gültigen Losen. Gelost wird nach dem Zufallsprinzip, das erste Los gewinnt das iPad, das zweite Los gewinnt die AirPods, das dritte Los gewinnt die Galaxy Buds. Wer gewinnt, bekommt eine E-Mail an die Adresse, mit der er oder sie UPDATE abonniert hat.

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Pistorius widerspricht Dobrindt: Zündelt der Bundesinnenminister mit unbelegten Vorwürfen gegen junge Migranten?

BERLIN. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat sich von den Äußerungen seines Kabinettskollegen Alexander Dobrindt (CSU) über die Ausschreitungen nach den bundesweiten Protesten der Initiative „Gen Z regelt“ distanziert. Der Bundesinnenminister hatte gewaltbereite linke Gruppen und junge Menschen mit Migrationshintergrund für die Krawalle verantwortlich gemacht – ohne dafür bislang öffentlich bekannte Belege vorzulegen. Pistorius stellt diese Zuschreibung infrage und warnt davor, Menschen pauschal nach ihrer Herkunft einzuordnen. 

Streit im Kabinett: Boris Pistorius (SPD) widerspricht Alexander Dobrindt (CSU). Fotos: Shutterstock / Gints Ivuskans, Shutterstock / EUS-Nachrichten

„Was sind denn migrantische Gruppen? Sind das Menschen, die in dritter Generation in Deutschland leben und deutsche Staatsangehörige sind? Wo hören wir auf, das zu differenzieren?“ Mit diesen Fragen hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) auf die Äußerungen seines Kabinettskollegen Alexander Dobrindt (CSU) reagiert. In der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ distanzierte er sich von dessen Darstellung, wonach bei den Ausschreitungen nach den Demonstrationen der Initiative „Gen Z regelt“ insbesondere gewaltbereite Linke und Menschen mit Migrationshintergrund eine Rolle gespielt hätten.

Pistorius erklärte, er halte eine solche Einordnung ohne gesicherte Erkenntnisse für problematisch. „Wenn es so wäre, wäre es sicher richtig, es so zu benennen. Ich weiß nicht, ob es so ist.“ Er ergänzte: „Ich mache mir diese Definition nicht zu eigen, weil ich die Fakten nicht nachvollziehen kann auf die Schnelle.“

Zugleich ließ der Verteidigungsminister keinen Zweifel daran, dass er die Ausschreitungen entschieden verurteilt. „Klar ist, es gab hier Extremisten, und ich nenne sie nicht Randalierer, weil das viel zu niedlich klingt.“ Wer Polizisten angreife, verletze oder schwere Sachbeschädigungen begehe, sei ein Straftäter und müsse entsprechend bestraft werden. Entscheidend sei jedoch das tatsächliche Verhalten der Beteiligten – nicht eine pauschale Zuordnung zu bestimmten Bevölkerungsgruppen.

Dobrindt hatte nach den bundesweiten Demonstrationen gegenüber der „Bild am Sonntag“ erklärt, die Polizei habe durch ihre starke Präsenz und eine dezentrale Aufstellung größere Gewaltexzesse verhindern können. „Gewaltexzesse wie in Paris wurden dank unserer hoch engagierten Polizeikräfte verhindert“, sagte er. Allerdings hätten „gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu“ die zunächst friedlichen Proteste gekapert. „Auf diesen Landfriedensbruch müssen harte Strafen folgen.“

Auch der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) machte vor allem junge Menschen mit Migrationshintergrund verantwortlich. „Diese Tätergruppe war überwiegend migrantisch geprägt“, sagte er. „Es darf hier keine falschen Tabus geben.“ Die Behörden würden gewaltbereite junge Menschen mit Migrationshintergrund künftig noch stärker in den Blick nehmen. „Damit schützen wir auch die vielen Menschen mit Migrationshintergrund in unserem Land, die sich an Recht und Gesetz halten.“

Was weiß die Polizei über die Herkunft von Tatverdächtigen?

Für die Behauptung, Menschen mit Migrationshintergrund seien maßgeblich an den Ausschreitungen beteiligt gewesen, liegen bislang allerdings keine öffentlich bekannten Belege vor. In Bezug auf die Ausschreitungen in Frankfurt am Main sagte Poseck, die Festgenommenen hätten „überwiegend die deutsche Staatsangehörigkeit“. Im Springer-Sender Welt TV sagte er später, es habe sich bestätigt, dass zwar „durchaus viele Festgenommene die deutsche Staatsangehörigkeit haben“. Aber auch diese hätten überwiegend einen Migrationshintergrund. Über die Nationalität von Tatverdächtigen kann die Polizei grundsätzlich Angaben machen. Ob jemand etwa der Enkel eines Zuwanderers ist, bildet die Polizeistatistik dagegen gar nicht ab.

Der Vorsitzende des Bereichs Bundespolizei bei der Gewerkschaft der Polizei, Andreas Roßkopf, beschrieb die Täter gegenüber der Rheinischen Post vielmehr als „autonome und zum Teil vermummte Personen“. Eine Zuordnung nach Herkunft nahm er demnach nicht vor. Auch Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) machte Linksextremisten und gewaltbereite Gruppen junger Männer für die Eskalation verantwortlich. Diese hätten die Proteste gezielt für ihre Zwecke genutzt. Eine besondere Verantwortung migrantischer Gruppen lässt sich daraus ebenfalls nicht ableiten.

Laut aktuellen Daten des Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes haben rund 43 Prozent aller Schülerinnen und Schüler an allgemein- und berufsbildenden Schulen in Deutschland einen Migrationshintergrund.

„Wer nicht klar benennt, dass sich hier Linksextremisten und ein migrantisches Milieu zum gemeinsamen Kampf gegen das demokratische System auf der Straße treffen, hat die Situation nicht verstanden“

In mehreren deutschen Großstädten war es in der Nacht zum Sonntag nach zunächst überwiegend friedlichen Demonstrationen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. In Frankfurt am Main wurden nach Polizeiangaben Geschäfte geplündert und zahlreiche Verdächtige vorläufig festgenommen. Auch in Hamburg, Köln und Berlin kam es zu größeren Polizeieinsätzen. Einsatzkräfte wurden mit Feuerwerkskörpern beworfen, in Köln wurden Hausfassaden und Streifenwagen beschädigt.

Dobrindt hatte bereits nach den schweren Ausschreitungen im Zusammenhang mit den Schülerprotesten in Frankreich eine Verbindung zwischen Linksextremisten und Menschen aus migrantisch geprägten Milieus behauptet. „Wer nicht klar benennt, dass sich hier Linksextremisten und ein migrantisches Milieu zum gemeinsamen Kampf gegen das demokratische System auf der Straße treffen, hat die Situation nicht verstanden“, erklärte er gegenüber der „Bild“.

Damit stellte sich der Bundesinnenminister in eine Reihe mit US-Präsident Donald Trump, dessen Vize JD Vance und AfD-Chefin Alice Weidel, die die Gewalt ebenfalls mit Einwanderung in Verbindung brachten. Vance machte die Zuwanderung aus ärmeren Ländern für die Ausschreitungen verantwortlich. Trump erklärte auf seiner Plattform Truth Social: „Die Zuwanderung von Menschen aus einer komplett anderen Welt, von Menschen mit hasserfüllten Herzen, hat dieses einst so großartige Land zerrüttet.“ Weidel wiederum bezeichnete die Ereignisse als Alarmsignal für Europa und machte offene Grenzen und Massenmigration dafür verantwortlich. Belastbare statistische Belege für die Behauptung, Einwanderung sei eine wesentliche Ursache der Ausschreitungen gewesen, lagen nicht vor.

„Es gab Leute, die behaupteten, wir seien von Horden von Migranten und Islamisten überrannt worden, was völlig falsch ist“

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wies diese Schuldzuweisungen ausdrücklich zurück. „Es gab Leute, die behaupteten, wir seien von Horden von Migranten und Islamisten überrannt worden, was völlig falsch ist“, erklärte er am 21. Oktober.

Macron wies zugleich darauf hin, dass es keine erkennbaren Hinweise darauf gebe, dass die Proteste und Ausschreitungen von ausländischen Akteuren gesteuert worden seien. Allerdings seien die Ereignisse im Nachhinein gezielt für politische Zwecke instrumentalisiert worden. So hätten sich in sozialen Netzwerken falsche Darstellungen der Gewalt verbreitet, darunter mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugte Bilder angeblicher Ausschreitungen, die tatsächlich nie stattgefunden hätten. Auf diese Weise sei ein verzerrtes Bild der Ereignisse entstanden, das auch ausländische Politiker für ihre Argumentation gegen Einwanderung aufgegriffen hätten.

Macron kritisierte, dies habe zu „ebenso inakzeptablen wie dummen Äußerungen seitens vieler, darunter auch ausländischer Politiker“ geführt. Er warf politischen Akteuren vor, die Ereignisse in Frankreich für eigene Zwecke auszunutzen. „Es gibt Leute, die auf Kosten Frankreichs Wahlkampf betreiben“, erklärte der Präsident. Politiker würden ungeprüft KI-generierte Inhalte oder gezielt verbreitete Falschinformationen übernehmen, um ein bestimmtes Bild der französischen Proteste zu zeichnen. Nun auch von denen in Deutschland? News4teachers

Schülerproteste: Wie rechte Politiker die Ausschreitungen für Hetze gegen Migranten nutzen

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„Zugang gestalten!“ vom 30. September – 02. Oktober 2026 in der Staatsbibliothek zu Berlin

Zum 16. Mal findet vom 30. September – 02. Oktober 2026 die Internationale Konferenz Zugang gestalten! – Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe statt. Schwerpunkt der diesjährigen Konferenz sind Geschichtspolitik und Erinnerung. In diesem Jahr ist die Konferenz zu Gast bei der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Die Schirmherrschaft hat die Deutsche UNESCO-Kommission.

Themenschwerpunkt Geschichtspolitik und Erinnerung

Wie gehen Einrichtungen des Kulturerbes mit den Zeugnissen der Vergangenheit um? Nutzen sie diese, um bestimmte Sichtweisen historischer Entwicklungen zu stützen, oder überlassen sie die Bewertung den Nutzenden und ermöglichen vor allem den Zugang zu den Quellen?

Aus Perspektive des Urheberrechts ist dabei das Hinterfragen der impliziten und expliziten Folgen rechtlicher Rahmenbedingungen auf die Geschichtspolitik und die Erinnerungskultur besonders relevant. Das Urheberrecht beeinflusst maßgeblich die Zugänglichkeiten von Zeugnissen der Vergangenheit, und es wirkt damit auf den öffentlichen wie auch auf den wissenschaftlichen Diskurs ein. Laufende Schutzfristen oder ein unklarer Rechtsstatus von Zeugnissen der Vergangenheit können Überlieferungslücken produzieren. Fehlende historische Perspektiven und Verzerrungen des Geschichtsbildes können die Folge sein. Gerade, weil diese Effekte nicht beabsichtigt sind, ist eine kritischen Reflexion der Bedeutung des Urheberrechts für geschichtswissenschaftliche, geschichtspolitische und erinnerungskulturelle Diskurse wichtig. Auf der diesjährigen Konferenz Zugang gestalten! – Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe werden daher Geschichtspolitik und Erinnerung im besonderen Fokus stehen.

Programm und Anmeldung

Das Programm, die Anmeldung und weitere Informationen stehen auf der Konferenzwebsite Zugang-gestalten.org bereit.

16. Internationale Konferenz Zugang gestalten! – Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe

30. September bis 02. Oktober 2026
in der Staatsbibliothek zu Berlin (Potsdamer Straße)

Das Abendprogramm am 30. September 2026 findet im Deutschlandmuseum statt. Das Abendprogramm am 01. Oktober 2026 findet in der Staatsbibliothek zu Berlin statt.

Der Eintritt frei, eine Anmeldung ist erforderlich.

Über Zugang Gestalten

Die Konferenzreihe Zugang gestalten! begann im Jahr 2011 und findet seitdem jährlich statt. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich. Zu den Partnern gehören – neben dem iRights e.V. – das Bundesarchiv, die Deutsche Digitale Bibliothek, die Deutsche Nationalbibliothek, das DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz, das Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin (digiS), das Jüdische Museum Frankfurt, die Stiftung Historische Museen Hamburg, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Wikimedia Deutschland, das ZKM Karlsruhe sowie die Kolleg-Forschungsgruppe „Zugang zu kulturellen Gütern im digitalen Wandel“. Konferenzleiter ist iRights-Vorstandsmitglied Paul Klimpel.

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