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KI und Offenheit vereinen: Open Source LLMs im Bildungsbereich

03. November 2026 um 08:57

Große Sprachmodelle, die sogenannten Large Language Models (LLMs), sind durch Anwendungen wie ChatGPT, Claude und Gemini in kurzer Zeit bekannt geworden. Die genannten Modelle sind kommerziell und bergen sowohl ethische als auch rechtliche Probleme, insbesondere bei Fragen des Datenschutzes und des Urheberrechts. Eine Anwendung dieser Modelle im schulischen Kontext kann daher herausfordernd sein. Eine Alternative sind so genannte offene LLMs. Die Offenheit der einzelnen Modelle unterscheidet sich jedoch deutlich.

Lila Stoffhintergrund, Bunter Sticker mit Spruch "Open Source F*ck Yeah" im Vordergrund
Open Source Fuck Yeah. Bild: Kirsten Comandich via flickr.com , CC BY-SA 2.0; Sternchen hinzugefügt von Angela Karnoll

Ein Beitrag von Jens Crueger

Was bedeutet Offenheit bei LLMs?

LLMs bestehen aus drei Kernbestandteilen, die für eine Freigabe unter offener Lizenz infrage kommen:

  1. Der Code, der die Modellarchitektur und den Code für Training, Konfiguration und Inferenz enthält,
  2. die Trainingsdaten, die dem Modell Wissen über die Welt vermitteln,
  3. die Modellgewichte (Weights), dies sind die im Training erlernten Parameter der Informationsverarbeitung, also der Gewichtung und Verknüpfung von Informationen.

Hinsichtlich der Offenheit von LLMs ist daher die entscheidende Frage, welche dieser Elemente frei zugänglich und nutzbar sind, und welche verwehrt bleiben. Grundsätzlich lassen sich zwei Typen von offenen LLMs unterscheiden: Open Weight LLMs und Open Source LLMs.

Nur begrenzte Offenheit bei Open Weight LLMs

Bei Open Weight Modellen sind die im Training erarbeiteten Modellgewichte und damit ihre erlernte Gewichtung und Verknüpfung von Informationen öffentlich zugänglich. Dadurch wird es für Dritte möglich, das Modell auf ihrem Rechner auszuführen, seine Funktionsweise zu untersuchen, und es für eigene Bedarfe anzupassen.

Allerdings werden bei Open Weight Modellen nicht sämtliche Elemente öffentlich gemacht. Insbesondere der für das Training verwendete Code und der Korpus an Trainingsdaten bleiben dem freien Zugriff und der Einsicht verwehrt.

Der fehlende Zugriff auf die Trainingsdaten bedeutet urheberrechtliche und ethische Risiken sowie Sicherheitsgefahren, beispielsweise im Hinblick auf technische Hintertüren der Systeme. Open Weight LLMs sind daher bei der Suche nach offenen LLMs für den Bildungsbereich nicht zu empfehlen.

Komplette Offenheit bei Open Source LLMs?

Open Source LLMs stellen neben ihren Modellgewichten sowohl ihren Code als auch die Trainingsdaten öffentlich. Die Open Source Initiative hat 2024 die Open Source AI Definition 1.0 veröffentlicht, in der die Voraussetzungen einer Open Source LLM weiter aufgeschlüsselt werden.

Unter den aktuell verfügbaren weit über 100 Open Source LLMs gibt es im Detail weitere Abstufungen der Offenheit. Die Linux Foundation hat deshalb mit dem Model Openness Framework (MOF) eine Einteilung in die drei Stufen Open Model, Open Tooling Model und Open Science Model vorgeschlagen. Auf Basis dieses Framework ordnet die Website isitopen.ai rund 80 Modelle ein.

Anwendungen im Bildungskontext

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) hat 2024 in einem Impulspapier zu Large Language Models und ihren Potenzialen im Bildungssystem dafür plädiert, die LLMs „in geeignete Lernplattformen zu integrieren oder Commons-Alternativen zu entwickeln“ (S.21).

Im Rahmen des bundesländerübergreifenden Projektes AIS (Adaptives Intelligentes System) wird seit November 2024 ein Open Source LLM für den Einsatz im Unterricht entwickelt. Der Chatbot dieses LLMs nennt sich „AIS.chat“. Dieses Angebot ist kostenfrei und soll alle rechtlichen Anforderungen, insbesondere im Hinblick auf den Datenschutz, erfüllen.

Manche Lehrkräfte und Schulen hegen jedoch den Wunsch nach einem LLM, das ohne einen externen Anbieter (sei es ein kommerzieller oder ein staatlicher) auskommt. Open Source-Modelle, die als lokale Systeme auf einem schuleigenen Rechner laufen, können eine Alternative sein (vgl. dazu https://linux-bildung.at/2025/05/lokale-ki-auf-eigenem-server/) und benötigen noch nicht mal eine stehende Internetverbindung. Initiativen zu eigenen Open Source-KI-Umgebungen sind an Hochschulen bereits öfter zu finden, beispielsweise an der Universität Paderborn.

Offenheit und Lokalität als Themen der Zukunft

Sowohl die Entwicklung von KI-Modellen als auch die Implementierung von KI in den Unterricht bewegen sich derzeit rasant voran. Die Relevanz, die Open Source-Anwendungen dabei entfalten können, ist aufgrund der rechtlichen und ethischen Probleme großer Tech-Konzerne und ihrer kommerziellen Modelle hoch. Lokale Open Source-Modelle kommen dem Ideal von Souveränität über Technologie und Daten sehr nahe. Initiativen wie OSOS (Open Source Open Schools) können für Lehrkräfte ein Anlaufpunkt sein, die sich für lokale KI-Modelle an Schulen interessieren.

 

Creative Commons LizenzvertragDieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Jens Crueger, iRights.info für OERinfo – Die Informationsstelle OER

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YouTube — Tipps für Jugendliche

03. November 2026 um 07:00

Ein Video zum Zeitvertreib, ein kurzer Blick in die Kommentare oder die Suche nach einem Tutorial – und schon ist mehr Zeit vergangen als ursprünglich geplant. YouTube gehört für viele Jugendliche zum digitalen Alltag und bietet neben Unterhaltung auch zahlreiche Möglichkeiten, sich zu informieren, Neues zu lernen oder selbst kreativ zu werden. Gleichzeitig bringt die Nutzung der Videoplattform verschiedene Herausforderungen mit sich. Dazu zählen unter anderem eine übermäßige Bildschirmzeit, der Umgang mit beleidigenden Kommentaren sowie Fragen rund um Datenschutz, Privatsphäre und Urheberrecht. Um Jugendliche für diese Themen zu sensibilisieren, hat klicksafe in Kooperation mit Handysektor den vorliegenden Flyer erstellt.

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KI und Urteilsbildung: Was darf ich an KI delegieren?

02. November 2026 um 07:00

Ausführen lassen ja, urteilen lassen nein? Eine Einzel- und eine Doppelstunde ab Klasse 8 zeigen, wo beim Delegieren an KI die Grenze verläuft.

„Schreib mir eine Entschuldigung an Mira, ich hab ihren Geburtstag vergessen.“ Sätze wie diesen tippen Jugendliche heute ganz selbstverständlich in ein Chatfenster, und die Antwort kommt in Sekunden, sauber formuliert, freundlich, ohne einen einzigen Fehler. Ob das ein Problem ist, lässt sich mit Ja oder Nein kaum beantworten. Spannender ist eine andere Frage, und um die geht es in diesem Beitrag: Was gebe ich eigentlich ab, wenn ich etwas an KI delegiere – nur die Arbeit oder auch mein Urteil?

Kurz vorweg, worauf das hinausläuft. Ich stelle euch eine Einzelstunde ab Klasse 8 und eine darauf aufbauende Doppelstunde für die Klassen 9 und 10 vor. Beide kommen ohne Tablets, Konten und Datenschutzfragen aus, weil die Lernenden die Delegation an eine KI selbst durchspielen. Am Ende haben eure Schülerinnen und Schüler drei Prüffragen in der Hand, mit denen sie unterscheiden können, wann sie eine Aufgabe guten Gewissens abgeben dürfen und wann sie selbst urteilen müssen.

Ausführen, entscheiden, verantworten: worum es beim Delegieren an KI geht

Im Ethikunterricht behandeln wir KI häufig als Gegenstand, über den wir urteilen. Wir fragen, ob ein Algorithmus gerecht entscheidet oder ob ein autonomes Fahrzeug Leben gegeneinander abwägen darf (hier im Blog findet ihr einen Unterrichtsvorschlag dazu für die Oberstufe). Für Jugendliche in der Mittelstufe liegt die Frage meist sehr viel näher am eigenen Alltag. Sie wollen wissen, ob sie die Gliederung fürs Referat, die Bewerbung fürs Praktikum oder die Nachricht an die Freundin, mit der sie sich gestritten haben, einer KI überlassen dürfen.

Hilfreich ist dabei eine Unterscheidung, die sich im Unterricht gut einführen lässt. Wer eine Aufgabe delegiert, kann damit drei ganz verschiedene Dinge abgeben. Da ist zum einen die Ausführung, also das bloße Tun. Sie abzugeben ist meist unproblematisch, solange ich das Ergebnis prüfen kann.
Dann gibt es Entscheidungen, die in der Ausführung stecken und die eine KI oft stillschweigend trifft, ohne dass ich es bemerke. Schwierig wird es dort, wo eine solche Entscheidung eigentlich ein Urteil über Werte oder über andere Menschen ist.

Und schließlich die Verantwortung, die sich überhaupt nicht abgeben lässt. Unter einer Entschuldigung, einer Stellungnahme oder einer Bewertung steht am Ende mein Name und nicht der eines Programms.

Daraus ergeben sich drei Prüffragen, die eure Lernenden auf jede Delegation anwenden können:

  • Kann ich das Ergebnis selbst prüfen?
  • Trifft die KI dabei eine Entscheidung über Werte oder über andere Menschen?
  • Kann ich für das Ergebnis geradestehen, auch wenn ich nicht weiß, wie es zustande kam?

Lautet die Antwort auf die erste und die dritte Frage Ja und auf die zweite Nein, spricht wenig dagegen, die Aufgabe abzugeben. Bei jeder anderen Kombination lohnt es sich, genauer hinzusehen und den Auftrag so umzuformulieren, dass das Urteil bei mir bleibt.

Woher die Idee kommt: Delegieren lernen bei den Future Makers

An meiner Schule entwickeln Schülerinnen und Schüler in den Future Makers Lösungen für reale Probleme, von der ersten Idee bis zum funktionierenden Prototyp.

Generative KI ist dabei ein wichtiges Werkzeug, eigene Konten haben die Lernenden aber nicht. Sie formulieren jeden Auftrag selbst, ich führe ihn über meinen Zugang aus, und danach entscheidet die Gruppe, was sie übernimmt, verändert oder verwirft. Das löst nebenbei die Datenschutzfrage.

Im ersten Durchlauf mit 28 Jugendlichen über sechs Doppelstunden hat sich aber gezeigt, dass gerade dieser Umweg das eigentlich Lehrreiche ist. Wer einen Auftrag laut formulieren und vor der Gruppe begründen muss, merkt schnell, dass schon die Formulierung eine Entscheidung ist. Und wer sieht, was zurückkommt, fragt fast von selbst, wer hier gerade eigentlich entschieden hat.

Genau diese Erfahrung holen die beiden Stunden in den Ethik- und Religionsunterricht, und ihr braucht dafür keinerlei Technik. Die benötigten Kopiervorlagen findet ihr am Ende des Beitrags zum kostenlosen Download.

Einzelstunde ab Klasse 8: Die wörtliche Maschine

Einstieg (ca. 5 Minuten)

Kündigt an, dass ihr für fünf Minuten eine Maschine seid, die jeden Auftrag sofort und wörtlich ausführt, und lasst euch von der Klasse etwas auftragen. Schon bei „Schreiben Sie das Datum an die Tafel“ müsst ihr euch entscheiden, ob ihr „1.10.“, „Donnerstag, 1. Oktober 2026“ oder etwas ganz anderes schreibt. Die Lernenden sehen sofort, dass eine Maschine jede Lücke im Auftrag mit einer eigenen Entscheidung füllt. Hier ist das harmlos, aber es bereitet die Frage der Stunde vor.

Erarbeitung (ca. 20 Minuten)

Die Lernenden arbeiten zu zweit mit KV 1. Eine Person erhält Teil A und ist Auftraggeberin oder Auftraggeber, die andere erhält Teil B und spielt die KI. Die Maschine darf nur mit den vorbereiteten Antworten reagieren, nichts erklären und nicht nachfragen. Die drei Aufträge sind so gebaut, dass der Anteil an Urteil Schritt für Schritt wächst. Beim ersten Auftrag sortiert die Maschine fünf Wörter alphabetisch, was sich sofort überprüfen lässt. Beim zweiten schreibt sie eine Entschuldigung an die Freundin Mira, die schöner klingt als vieles, was Jugendliche selbst schreiben würden, aber eben nicht von ihnen ist. Beim dritten vergibt sie einen freien Platz in der Theater-AG und begründet ihre Wahl damit, dass Elifs Bewerbung fast doppelt so viele Wörter hat wie die von Jonas. Dieses Kriterium bemerken viele erst, wenn sie die Begründung ein zweites Mal hören, und genau darin liegt der Lerneffekt. Anschließend halten beide in einer Tabelle fest, was die Maschine getan und was sie dabei für sie entschieden hat, und ob sie das Ergebnis mit ihrem Namen unterschreiben würden.

Auswertung (ca. 20 Minuten)

Zeichnet an der Tafel eine Linie von „kann ich abgeben“ bis „muss ich selbst entscheiden“. Die Paare ordnen die drei Aufträge darauf ein und begründen ihre Position. Zu erwarten sind Sätze wie „Die Entschuldigung klang schöner als meine eigene, aber Mira hätte gemerkt, dass das nicht ich bin, und dann ist es keine Entschuldigung mehr“ oder „Die Maschine hat Elif genommen, weil ihr Text länger war. Das hätte ich nie als Grund genommen.“ Solche Äußerungen sammelt ihr im Tafelbild (KV 2) unter den Begriffen Ausführen, Entscheiden und Verantworten. Als Hausaufgabe notieren die Lernenden eine Situation aus ihrer Woche, in der sie etwas abgegeben haben, an einen Menschen oder an eine App, und was sie dabei eigentlich mit abgegeben haben.

Doppelstunde für Klasse 9 und 10: Delegieren mit drei Prüffragen

Einstieg (ca. 10 Minuten)

Einige Lernende stellen ihre Situation aus der Hausaufgabe vor (siehe Vorschlag für eine Einzelstunde). Daran knüpft der kurze Informationstext auf KV 2 an, der die Unterscheidung von Ausführen, Entscheiden und Verantworten einführt und die drei Prüffragen bündelt. Wenn ihr ohne die Einzelstunde startet, könnt ihr den Einstieg mit der wörtlichen Maschine auch hier verwenden.

Erarbeitung I (ca. 30 Minuten)

KV 3 enthält sechs Fälle aus dem Alltag Jugendlicher. Noah lässt sich eine Referatsgliederung vorschlagen, Lea bittet um eine Beileidsnachricht für ihre Freundin, Amira will einen Streit im Klassenchat von einer KI entscheiden lassen, Ben stellt als Co-Trainer die Fußballmannschaft nach Statistik auf, Mia lässt ihren Mathe-Lösungsweg prüfen, und eine Lehrkraft überlegt, Aufsätze von einer KI benoten zu lassen. Die Lernenden prüfen jeden Fall mit den drei Fragen. Der wichtigere Teil folgt danach: Für zwei Fälle, bei denen sie Bedenken haben, formulieren sie den Auftrag an die KI so um, dass das Urteil bei der Person bleibt. Aus „Schreib eine Beileidsnachricht an meine Freundin“ wird dann etwa „Ich möchte Sophie schreiben, dass ich an sie denke. An ihren Opa erinnere ich mich so: Er hat uns nach dem Training immer Kakao gemacht. Hilf mir, das in zwei, drei Sätze zu bringen.“ Hier zeigt sich, dass KI-Kompetenz weniger mit geschickten Prompts zu tun hat als mit der Frage, was ich gar nicht erst aus der Hand gebe. Der Fall der Lehrkraft dürfte für die lebhafteste Diskussion sorgen, weil die Lernenden hier selbst diejenigen sind, über die geurteilt wird. Eine Lösung mit möglichen Antworten liegt bei.

Erarbeitung II (ca. 30 Minuten)

Mit KV 4 wird die Klasse selbst zur Auftraggeberin, so wie die Gruppen bei den Future Makers. Die SMV (=Schülermitverantwortung) möchte eine neue Regel zur Handynutzung in den Pausen vorschlagen, und die Klasse soll dafür eine KI nutzen. Die Lernenden formulieren gemeinsam einen Auftrag und untersuchen dann drei vorbereitete Vorschläge der Maschine, ein striktes Verbot, eine völlige Freigabe und eine differenzierte Lösung. In jedem Vorschlag steckt eine Abwägung, etwa zwischen Schutz vor Cybermobbing und der Freiheit der Schülerinnen und Schüler, die die KI ungefragt vorgenommen hat. In einem Entscheidungsprotokoll halten die Gruppen fest, was sie übernehmen, verändern oder verwerfen, und warum. Wenn eure Schule ein datenschutzkonformes KI-Werkzeug zur Verfügung stellt, könnt ihr den Auftrag der Klasse auch live über euren eigenen Zugang am Beamer ausführen. Die Lernenden brauchen dafür keine Konten, und ihr arbeitet genau so, wie es bei den Future Makers geschieht.

Sicherung (ca. 20 Minuten)

Zum Abschluss schreiben die Gruppen eine Delegationserklärung. Sie halten darin fest, was sie der KI überlassen haben, was sie selbst entschieden haben und wofür sie mit ihrem Namen einstehen. Unterschreiben darf nur, wer dem Ergebnis zustimmt und es erklären kann. Gerade dieser letzte Schritt wirkt oft stärker als jede Diskussion, denn mit der Unterschrift wird Verantwortung plötzlich greifbar. Im Tafelbild ergänzt ihr den Merksatz: Die Ausführung darf ich abgeben, wenn ich das Ergebnis prüfen kann. Ein Urteil über Werte oder über andere Menschen treffe ich selbst, denn geradestehen muss am Ende ich und nicht die KI.

Kostenlos zum Download

Anknüpfungspunkte für den Religionsunterricht

Die Materialien sind so angelegt, dass ihr sie im Ethik- wie im Religionsunterricht einsetzen könnt. Im Religionsunterricht lässt sich die Frage nach der nicht delegierbaren Verantwortung gut mit dem Gewissen verbinden, das sich gerade nicht vertreten lässt. Auch biblisch ist der Mensch einer, der angesprochen und gefragt wird. Kains ausweichende Antwort auf die Frage nach seinem Bruder, „Soll ich meines Bruders Hüter sein?“ (Gen 4,9, Lutherbibel 2017), ist ein starker Impuls, um mit der Klasse darüber nachzudenken, was es heißt, Verantwortung von sich wegzuschieben. Weitere Ideen, wie ihr KI im Religionsunterricht aufgreifen könnt, findet ihr in diesem Beitrag.

Fazit

Die Frage, ob Jugendliche KI nutzen sollen, hat der Alltag längst beantwortet. Offen ist, ob sie dabei merken, was sie mit abgeben. Wer einmal die wörtliche Maschine gespielt hat, schaut genauer hin, und darum geht es mir. Ich wünsche euch spannende Diskussionen und bin gespannt, welche Fälle eure Lernenden selbst mitbringen.

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Klick & Klar: Was ist im Internet erlaubt?

27. Oktober 2026 um 07:00

Ein Foto von Freund in die WhatsApp-Gruppe schicken, eine gemeine Nachricht beantworten oder etwas in einem Onlinespiel kaufen: Was im Internet mit wenigen Klicks möglich ist, ist nicht automatisch auch erlaubt. Gerade jüngere Kinder können häufig noch nicht einschätzen, welche Regeln im digitalen Raum gelten und wann sie vorsichtig sein sollten. Das interaktive Quiz „Klick & Klar: Was ist im Internet erlaubt?“ von Saferinternet.at greift typische Situationen aus dem digitalen Alltag von Kindern im Grundschulalter auf und vermittelt auf spielerische Weise grundlegende Regeln für einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet.

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Claude

26. Oktober 2026 um 08:00

Claude ist ein Sprachmodell des US-Unternehmens Anthropic und kann im Browser, als Desktop-App und am Smartphone genutzt werden. Neben dem klassischen Chat bietet Claude eine Reihe von Funktionen, die ineinandergreifen: Recherchen mit Quellenangaben, die Arbeit mit Dateien auf dem eigenen Computer, interaktive Lernspiele, Präsentationen sowie Aufgaben, die regelmäßig von selbst erledigt werden. Im Screencast begleiten wir die Englischlehrerin Frau Hofer eine Woche lang bei der Vorbereitung einer Unterrichtsreihe zum Thema „Mit KI Englisch-Dialoge üben”.

Recherchieren und Material erstellen

Im Chat stellt man Fragen, lädt Dateien hoch und lässt Texte schreiben oder überarbeiten. Mit der Funktion Recherche durchsucht Claude selbstständig zahlreiche Quellen und fasst die Ergebnisse in einem Bericht mit Quellenangaben zusammen. Die Quellen sollten dennoch immer geprüft werden. In Cowork gibt man Claude einen Ordner auf dem eigenen Computer frei. Claude liest die darin enthaltenen Arbeitsblätter, übernimmt deren Layout und erstellt daraus neue Word-, Excel- oder PowerPoint-Dateien.

Lernspiele, Folien und Ordnung

Ohne Programmierkenntnisse lassen sich im Chat kleine Lernspiele, Quiz oder Webseiten erstellen. Diese sogenannten Artifacts laufen direkt im Browser und können über einen Link mit der Klasse geteilt werden. Für größere Programmierprojekte steht Code zur Verfügung. Mit Design entstehen Präsentationen und Plakate, die sich als PowerPoint oder PDF exportieren lassen. In Projekten werden Chats, Dateien und Anweisungen zu einer Klasse oder Unterrichtsreihe gebündelt.

Claude an die eigene Arbeit anpassen

Mit Skills speichert man Arbeitsanweisungen, etwa wie Lesetexte für eine bestimmte Klasse aufgebaut sein sollen. Claude wendet sie automatisch an, sobald sie zur Aufgabe passen. Unter Geplant richtet man Aufgaben ein, die Claude regelmäßig erledigt, zum Beispiel jeden Montag drei aktuelle Themen als Lesetexte aufzubereiten. Diese Aufgaben laufen auch dann, wenn der eigene Computer ausgeschaltet ist.

Datenschutz und Kosten

Da die Daten in die USA übertragen werden, dürfen keine personenbezogenen Daten von Schüler:innen, Kolleg:innen oder anderen Personen eingegeben werden. In den Einstellungen lässt sich deaktivieren, dass Chats zum Training der KI verwendet werden. Claude darf erst ab 18 Jahren genutzt werden und eignet sich daher ausschließlich für die Unterrichtsvorbereitung durch Lehrpersonen. In der kostenlosen Version stehen Stand Oktober 2026 der Chat, Artifacts und Skills zur Verfügung. Recherche, Cowork, Code, Design und geplante Aufgaben setzen ein Abo voraus. Alle Funktionen teilen sich ein gemeinsames Nutzungskontingent, das bei aufwendigen Aufgaben schnell aufgebraucht ist.

Fazit

Claude kann Lehrpersonen viel Vorbereitungsarbeit abnehmen und verbindet Recherche, Materialerstellung und Organisation in einer Anwendung. Prüfen und entscheiden muss die Lehrperson jedoch selbst. Vor der Nutzung lohnt es sich, zu überlegen, welche Funktionen tatsächlich benötigt werden, da der volle Funktionsumfang schnell kostenpflichtig wird.

Claude
+ Allrounder
+ Eignet sich für komplexe und umfangreiche Aufgaben
– Viele Funktionen gibt es erst in der bezahlten Variante
– Konto notwendig
– Erst ab 18 Jahren erlaubt

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Arbeitsblätter: Braucht es Regeln für das Internet?

22. Oktober 2026 um 07:00

Wie lange darf ich im Internet surfen? Warum brauche ich überhaupt Regeln? Und was tun, wenn im Klassenchat plötzlich jemand beleidigt oder bloßgestellt wird? Fragen wie diese beschäftigen Kinder und Jugendliche ebenso wie Eltern und Lehrkräfte. Die Kinderwebseite HanisauLand der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) greift diese Themen in zwei Unterrichtsmaterialien zur Medienkompetenz auf. Die Arbeitsblätter „Regeln für das Internet? Deine Meinung ist gefragt!“ für die Klassenstufen 3 und 4 sowie „Der Klassenchat – klasse oder nervig?“ für die Klassenstufen 5 bis 8 beschäftigen sich mit einem verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien und regen zur Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven an.

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Cœur fondant

20. Oktober 2026 um 07:00

Ein gefährliches Ungetüm, ein verschneiter Wald und ein kleiner Maulwurf, der sich von nichts und niemandem einschüchtern lässt. Was zunächst nach einer klassischen Abenteuergeschichte klingt, entpuppt sich schnell als eine Geschichte über Vorurteile, Freundschaft und die Frage, wie sehr wir uns von unserem ersten Eindruck täuschen lassen. Genau damit beschäftigt sich der elfminütige Animationsfilm „Cœur fondant“ von Benoît Chieux aus dem Jahr 2019. Das Filmbildungsportal kinofenster.de stellt den Kurzfilm zusammen mit einer Filmbesprechung und begleitenden Unterrichtsmaterialien zur Verfügung, die sich insbesondere für den Einsatz in der Grundschule eignen.Der Film selbst kann kostenlos über die Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) angeschaut werden.

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Open Roberta Lab

19. Oktober 2026 um 18:50

Open Roberta Lab ist eine frei verfügbare Open-Source-Plattform, auf der Nutzerinnen und Nutzer Roboter, Mikrocontroller und virtuelle Systeme in blockbasierter Programmiersprache per Drag-and-Drop programmieren können.

Entwickelt wurde das Open Roberta Lab als Open Source Projekt vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS). Die Programmierung erfolgt mit der grafischen Sprache NEPO. Programmbausteine werden ähnlich wie Puzzleteile zusammengesetzt, sodass keine Programmiervorkenntnisse erforderlich sind, wodurch sich Open Roberta Lab ideal zum Einstieg in die Programmierung eignet.

Die Plattform funktioniert browserbasiert und kann ohne Benutzerkonten genutzt werden. Möchte man jedoch Programme speichern oder mit anderen Nutzerinnen und Nutzern teilen, ist ein Benutzerkonto (kostenlos) notwendig. Schülerinnen und Schüler unter 16 Jahren tragen bei der Anlage eines Kontos die Mailadresse ihrer Eltern bzw. Erziehungsberechtigten ein, die das Nutzerkonto erst bestätigen müssen.

Viele unterstützte Systeme

Open Roberta Lab bietet eine Vielzahl an Programmiermöglichkeiten. Im Lab können unterschiedliche Robotersysteme und Mikrocontroller programmiert werden, wie z. B. micro:bit, Callipe mini, LEGO Mindstorms EV3, LEGO WeDo uvm.

Screenshot Open Roberta Lab – Überblick Robotersysteme und Mikrocontroller

Programmieren ohne Hardware möglich

Ein besonderer Vorteil von Open Roberta Lab: Auch ohne eigene Roboter können Schülerinnen und Schüler programmieren, da direkt in der Plattform eine Simulation zur Verfügung steht. Die einzelnen Blöcke werden somit nach dem Baukastenprinzip zu einem Programm aneinandergereiht und dieses lässt sich gleich virtuell testen – wie hier am Beispiel des Calliope mini.

Screenshot Open Roberta Lab – Programmierumgebung und Simulation zum Calliope mini

Die Programme können auch heruntergeladen werden und, im Fall, dass ein physischer Mikrocontroller oder ein entsprechender Roboter zur Verfügung steht, auf diesen übertragen werden. Auch der Quellcode kann direkt eingesehen werden.

Open Roberta Wiki und FAQ-Sammlung

In einem umfangreichen Wiki finden Nutzerinnen und Nutzer hilfreiche Antworten – angefangen von Tipps zum Einstieg in die blockbasierte Programmierung bis hin zu Hilfestellungen bei komplexeren Programmieraufgaben.

Open Roberta Lab
+ datensparsam – keine Nutzerkonten notwendig
+ niedrigschwelliger Einstieg in die blockbasierte Programmierung
+ keine Hardware notwendig, da integrierte Simulation
+ kostenlos nutzbar
+ Open Source Projekt

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Finanzbildung (Teil 3): Was ist ein ETF? – Geldanlage einfach erklärt

16. Oktober 2026 um 06:00

ETFs werden in sozialen Medien und in der Werbung häufig als einfacher Weg zum Vermögensaufbau dargestellt. Doch stimmt das immer? Auf Basis der folgenden Unterrichtsidee (ca. 45 min, optional erweiterbar auf 90 min) könnt ihr Chancen und Risiken von ETF mit eurer Lerngruppe erarbeiten.

Vorwissen und Ziele

Vor der Auseinandersetzung mit dem Thema ETF benötigen eure Lernenden ein Grundverständnis von Aktien. Nutzt hierzu zum Beispiel die Unterrichtsidee aus Teil 2 unserer Finanzbildungs-Serie. Aufbauend auf diesem Grundverständnis können eure Lernenden nun untersuchen, warum die Streuung über viele Unternehmen das Risiko einer Geldanlage vermindern kann und warum sich ETFs hier besonders anbieten.

In meiner Banking AG beobachte ich, dass die Jugendlichen oft schon von der Anlageform ETF (z.B. durch soziale Medien) gehört, aber das Konzept noch nicht vollständig erfasst haben. Zudem ist vielen Lernenden das Risiko nicht bekannt. Insgesamt ist das Interesse an dem Thema sehr groß.

Wie bei allen Unterrichtsimpulsen zur Finanzbildung gilt: Ziel ist die Entwicklung von finanzieller Urteilsfähigkeit, nicht die Empfehlung konkreter Finanzprodukte.

Einstieg (5 min)

Beginnt die Unterrichtsstunde mit einer einfachen Frage:

„Stellt euch vor, ihr müsst zwanzig rohe Eier nach Hause transportieren. Würdet ihr alle Eier in einen einzigen Korb legen oder sie lieber auf mehrere Körbe verteilen?“

Schnell dürfte deutlich werden: Wer alle Eier in einem einzigen Korb transportiert, riskiert, sämtliche Eier auf einmal zu verlieren. Wer sie hingegen auf mehrere Körbe verteilt, kann den möglichen Schaden begrenzen.
Bittet eure Lernenden, dieses Bild auf den Handel mit Aktien zu übertragen: „Ihr habt 1.000 Euro, die ihr in Aktien investieren könnt. Wie würdet ihr das Geld anlegen? Sammelt die Äußerungen und Begründungen. Der Begriff „Risikostreuung“ oder „Risiko verteilen“ dürfte von den Lernenden genannt werden. Damit könnt ihr in die Erarbeitung überleiten.

Erarbeitung I: Was ist Diversifikation? (7 min)

Führt den Begriff „Risikostreuung / Diversifikation“ ein, indem ihr die Lernenden bittet, eine Begriffserklärung zu formulieren. Teilt dazu die Kopiervorlage aus (Aufgabe 1).

Mögliche Definition: Diversifikation bedeutet die Streuung von Risiken und die Nutzung eines breiteren Angebots, um Abhängigkeiten zu reduzieren. So kann man zum Beispiel das zu investierende Geld auf viele unterschiedliche Aktien verteilen. Entwickelt sich der Kurs einer Aktie schlecht, können die positiven Kursverläufe der anderen Aktien mögliche Verluste teilweise ausgleichen.

Stellt anschließend zur Diskussion, ob Risikostreuung immer gut und einfach umsetzbar ist. Die Jugendlichen werden erkennen, dass der Rechercheaufwand aufwendig sein kann und dass viel Kapital nötig ist, wenn man Aktien von möglichst vielen unterschiedlichen Aktiengesellschaften kaufen möchte. An dieser Stelle könnt ihr zum ETF überleiten.

Erarbeitung II: Was ist ein ETF? (20 min)

Um möglichst unterschiedliche Aktien gleichzeitig kaufen zu können, bietet es sich an, in einen sogenannten ETF (Exchange Traded Fund) zu investieren. Bittet eure Lernenden, den Text auf der KV zu lesen und die dazugehörige Aufgabe zu erarbeiten (KV Aufgabe 1, Einzelarbeit). Im Anschluss vergleichen die Lernenden die Merkmale einer Geldanlage in Einzelaktien mit der Geldanlage in einen ETF. Nutzt dazu Aufgabe 3 auf der KV.

Weiterführung (8 min)

Um die Chancen und Risiken eines ETFs weiter zu vertiefen, bietet es sich an, eine mögliche Aussage eines Finanz-Influencers kritisch zu beurteilen (siehe KV Aufgabe 4): „Mit einem ETF kannst du kein Geld verlieren, weil du in viele Unternehmen gleichzeitig investierst.“ Diese Aufgabe könnt ihr auch im Plenum besprechen.

Optionaler Transfer / Erweiterung für Doppelstunde
(30–45 min)

Lasst die Jugendlichen im Internet nach unterschiedlichen ETFs recherchieren und lasst sie einen ETF ihrer Wahl präsentieren (siehe Zusatzaufgaben auf der KV, Partner- oder Gruppenarbeit).

Mögliche Abschlussreflexion (5 min)

Greift zum Abschluss noch einmal die Redewendung „Nicht alle Eier in einen Korb legen“ auf. Fragt eure Lernenden: „Warum ist es bei der Geldanlage sinnvoll, mehrere Körbe zu verwenden – und weshalb kann trotzdem etwas schiefgehen?“

Tipps für eine erfolgreiche Unterrichtseinheit

  • Stellt Einzelaktien im Vergleich zu ETFs nicht als „unsicher“ zu „sicher“ dar. Ein breit gestreuter ETF verteilt das Geld zwar auf viele Unternehmen und verringert dadurch die Abhängigkeit von dem Erfolg einzelner Firmen. Allerdings kann man auch bei einem ETF nicht von einer „sicheren“ Anlageform mit  „sicherer“ Rendite sprechen.
  • Legt Wert darauf, dass die Schülerinnen und Schüler verstanden haben, dass sich auch durch die Risikostreuung eines ETFs die allgemeinen Marktrisiken nicht minimieren lassen. In einer allgemeinen Wirtschaftskrise (wie beispielsweise der Corona-Krise) können die Kurse vieler Aktien gleichzeitig fallen.
  • Erwähnt, dass der Kauf bzw. Verkauf von ETFs mit unterschiedlichen zusätzlichen Kosten verbunden ist. Diese hängen vom jeweiligen ETF und der jeweiligen Bank ab. Diese Kosten mindern die Rendite.
  • Betont, dass ihr in keiner Weise eine Anlagebetreuung betreibt oder Empfehlungen zur Geldanlage ausgebt, sondern lediglich das Thema „Geldanlage in ETFs“ verständlich machen wollt. Die Jugendlichen sollen Chancen und Risiken der unterschiedlichen Anlageformen besser einschätzen können.

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Die «Let them»-Theorie für Teenager

15. Oktober 2026 um 14:31

Mel Robbins hat mit ihrem Buch «The Let Them Theory» ein Mantra populär gemacht: Let them – lass die anderen tun, was sie tun. Du kannst es ohnehin nicht kontrollieren. Und Let me – kümmere dich stattdessen darum, wie du selbst agierst und auf andere reagierst. Dieser Gedanke ist der Kern der stoischen Philosophie, trifft aber offenbar heute einen Nerv.

Nur nicht bei der Mediennutzung von Jugendlichen. Hier sind Ratschläge populär, die primär auf strengen Regeln und viel Kontrolle beruhen. Eltern, so das verbreitete Mindset, müssten sich intensiv darum kümmern, was Teenager mit ihren Handys machen, und dafür sorgen, dass ihre Bildschirmzeit möglichst kurz ausfällt und sich auf medienpädagogisch wertvolle Aktivitäten beschränkt. Dieser Druck geht nicht nur von Eltern aus, sondern erhält auch politische Resonanz: Statt problematische digitale Plattformen rechtlich zu regulieren, denken viele politische Gremien über Handy- und Social-Media-Verbote für Teenager nach.

Ich plädiere für Let them. Teenager befinden sich in einer Lebensphase, in der sie Erfahrungen machen müssen, die ihnen auch schaden können. Das betrifft nicht nur ihre Mediennutzung, sondern auch ihre Ernährung, ihr Risikoverhalten, ihre Schlafhygiene, finanzielle Entscheidungen, ihre Modeentscheidungen, den Umgang mit Drogen, ihre Beziehungen und ihre Sexualität. Die Vorstellung, Eltern oder die Politik seien dafür verantwortlich, dass Jugendliche nichts tun, was negative Auswirkungen auf sie haben kann, ist in dieser Lebensphase nicht nur schräg, sie stellt schlicht eine Überforderung dar. Teenager spielen abends lange digitale Games und sind am Morgen müde? Let them. Sie geben zu viel Geld für ein T-Shirt aus? Let them. Sie hangen mit Freundn:innen ab, die seltsame Kleider tragen und wirre Dinge erzählen? Let them.

Robbins’ Ansatz wird zu Recht kritisiert. Er kommt zu glatt daher und ignoriert Bereiche, wo Menschen Verantwortung übernehmen sollten, sich kritisch positionieren könnten oder Widerstand gegen schädliches Verhalten leisten könnten. Wo Machtgefälle bestehen und wo Menschen tatsächlich Verantwortung für andere tragen, ist Let them verwerflich. Wenn Kinder Gefahr laufen, sich auf dem Spielplatz den Kopf aufzuschlagen, wenn sie vom Klettergerüst fallen, ist Let them keine Lösung.

Die Pointe bei der Mediennutzung Jugendlicher ist die, dass sie keine Kinder mehr sind, die Eltern vor Gefahren bewahren müssen, die sie nicht einschätzen können. Jugendliche können medienpädagogische Risiken oft deutlich besser beurteilen als ihre Eltern und Lehrpersonen. Nur nehmen sie diese halt oft bewusst in Kauf, weil sie die damit verbundenen Erfahrungen machen wollen oder machen müssen. Let them. Sie lernen dabei, wiederholen Fehler meist nicht und sind nach intensiven Phasen oft an Dingen nicht mehr interessiert, die ihnen nicht guttun.

Mel Robbins‘ Rat hat zwei Teile. Wir müssen über Let me sprechen: Was können Eltern tun, wie sollten sie agieren und reagieren?

  1. Das Wichtigste ist Interesse: Eltern sollten sich darüber informieren, was jungen Menschen wichtig ist, wie sie die Welt wahrnehmen, welche Ziele sie haben, wie sie Entscheidungen fällen.
  2. Eltern unterstützen Teenager, wenn sie sich mit Problemen konfrontiert sehen, die sie selber nicht lösen können. Sie schaffen eine Umgebung, in der Teenager sich wohl fühlen und sicher sind.
  3. Sie dürfen und müssen mit Jugendlichen über Gefahren, Probleme und langfristige Auswirkungen von problematischem Medienkonsum sprechen. Dabei dürfen sie auch ihre Erfahrungen und Ängste ansprechen.
  4. Sie reflektieren ihren eigenen Lebensstil und ihre Mediennutzung, verantworten ihre Entscheidungen und versuchen ihre Rolle positiv zu gestalten. Sie wissen, was ihnen selbst guttut und was nicht.
  5. Sie können sich von ihren Ängsten lösen und schaffen es, sie zu relativieren, statt sich von ihnen beherrschen zu lassen. Sie halten nicht besserwisserisch an dem fest, was sie über Medien und ihre Auswirkungen zu wissen meinen, sondern sie offen für andere Praktiken und Sichtweisen.

Let them bedeutet nicht, Teenager Gefahren auszusetzen und sie nicht zu begleiten. Es bedeutet aber, sie das tun zu lassen, was sie gerne tun. Darüber darf man mit ihnen sprechen, auch um zu verstehen, warum das Spass macht und ihnen wichtig ist. Selbstverständlich darf man auch Alternativen anbieten. Aber Zwang und Kontrolle sind immer etwas, was mehr mit Erwachsenen zu tun hat als mit Jugendlichen. Let them bedeutet auch, unnötige Konflikte zu vermeiden, die in diesem Alter eine enorme Belastung für Eltern wie Kinder darstellen und den möglichen Nutzen, den eine reduzierte oder gefahrenfreie Mediennutzung hätte, meist aufheben. Eine gute Orientierung stellt das dar, was man sich als Teenager selbst von den Eltern gewünscht hätte.

Roblox – Tipps für Jugendliche

15. Oktober 2026 um 07:00

Nur noch eine Runde, schnell ein paar Robux kaufen und dann noch eine Nachricht im Chat beantworten. Was zunächst nach einem ganz normalen Nachmittag auf Roblox klingt, kann auch mit einigen Risiken verbunden sein. Denn auf der beliebten Spieleplattform können Nutzer:innen nicht nur zahlreiche virtuelle Welten erkunden und eigene Spiele entwickeln, sondern auch mit anderen Menschen in Kontakt treten und echtes Geld ausgeben. Doch worauf sollten insbesondere jüngere Spieler:innen achten? Antworten darauf liefert der vorliegende Flyer von klicksafe, der sich gezielt an Jugendliche richtet und ihnen praktische Hilfestellungen für einen sicheren Umgang mit der Plattform bietet.

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Cyber-Mobbing: Wenn Kinder online gemobbt werden

13. Oktober 2026 um 07:00

Ein verletzender Kommentar, ein weitergeleitetes Foto oder eine abwertende Nachricht können sich innerhalb kurzer Zeit über Messenger, Soziale Netzwerke oder Gruppenchats verbreiten. Für Betroffene endet die Situation dabei häufig nicht mit dem Verlassen des Schulhofs oder des Vereins, denn digitale Angriffe erreichen sie auch zu Hause. Der vorliegende Ratgeber von klicksafe und der Medienanstalt Rheinland-Pfalz „Cyber-Mobbing: Wenn Kinder online gemobbt werden. Warnsignale erkennen und richtig reagieren“ greift diese Besonderheiten auf und unterstützt Eltern und Pädagog:innen dabei, Cyber-Mobbing früh zu erkennen, angemessen darauf zu reagieren und Kinder im Umgang mit digitalen Konflikten zu stärken. Neben möglichen Warnsignalen und Maßnahmen zur Prävention thematisiert die Broschüre auch konkrete Handlungsschritte im Ernstfall, rechtliche Möglichkeiten sowie Beratungs- und Meldestellen.

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Machtmissbrauch in pädagogischen Beziehungen

12. Oktober 2026 um 10:28

Für pädagogische Beziehungen zwischen Lehrenden und Lernenden gibt es klare Rechtsnormen. Art. 188 des Strafgesetzbuchs verbietet in der Schweiz etwa sexuelle Handlungen mit Abhängigen in Erziehungsverhältnissen. «Machtmissbrauch» hat sich als Begriff für problematische oder übergriffige Verhaltensweisen etabliert, die rechtlich erlaubt sind.

Der Tages-Anzeiger hat im Oktober 2026 ausführlich über einen solchen Fall berichtet: Ein Lehrer an einem Zürcher Gymnasium hat längere Zeit mit einer Schülerin gechattet, die er in einem Freifach betreut und gefördert hat. Auf einer Reise hat er sich zudem mit einem Schlüssel Zutritt zu ihrem Zimmer verschafft und sich auf ihr Bett gelegt.

Einen anderen Fall beschreibt Lisa Niendorf in einem LinkedIn-Post: Sie habe als Studentin eine intensive Beziehung mit einem Professor geführt:

Über mehrere Jahre habe ich im Geheimen bis in die Nacht an seinen Artikeln mitgeschrieben, ihm bei seiner Lehre geholfen und Vorträge ausgearbeitet. Und weil ich so verliebt war, habe ich es damals alles als einvernehmlich betrachtet. Doch bei einem Professor, der mit einem Anruf Türen öffnen und schließen kann, ist das rückblickend bei weitem nicht so gewesen. Heute sehe ich vor allem das Machtgefälle, auf dem diese Liebe stand. Ob ein Professor so etwas bewusst plant, lässt sich kaum feststellen. Für den Schaden spielt es auch keine Rolle. Ich habe eine posttraumatische Belastungsstörung erlitten und es hat mich Jahre gekostet, ihm auf Veranstaltungen begegnen zu können, ohne mit Zittern und Panik zu reagieren.

Beide Fälle zeigen die wesentlichen Elemente von pädagogischem Machtmissbrauch:

  1. Machtmissbrauch nimmt von pädagogischer Interaktion und Zusammenarbeit seinen Ausgang.
  2. Ältere Lehrende fördern jüngere Lernende. Ihre Macht besteht meist nicht darin, Noten zu geben oder in Selektionsprozessen mitzubestimmen, sondern darin, die Förderung einzustellen oder von ihnen Abhängigen Karrierechancen zu verbauen.
  3. Kommunikation und Zusammenarbeit finden privat und ohne das Wissen Dritter statt – im ersten Fall wussten die Eltern und die anderen Lehrpersonen nichts von diesen Chats, im zweiten Fall wussten andere Mitarbeitende der Universität nichts von der Zusammenarbeit.
  4. Die Möglichkeit, in Chats ortsunabhängig private Gespräche zu führen, ist oft ein wesentlicher Bestandteil dieses Groomings. Beziehungen würden kaum so eng, wenn man sich nicht auch ausserhalb von Treffen in Echtzeit schreiben und Bilder schicken könnte.
  5. Die Lernenden sind oft zu Beginn, teilweise oder auch gänzlich mit der intensiven und privaten Beziehung einverstanden. Die Zusammenarbeit ist zumindest phasenweise einvernehmlich und beruht auf Consent.
  6. Machtmissbrauch kann mit einer (legalen) körperlichen Beziehung verbunden sein, muss es aber nicht.
  7. Dass Verhaltensweisen unangemessen, übergriffig, problematisch und belastend sind, lässt sich oft erst im Rückblick erkennen. Zu vielen Zeitpunkten während des Machtmissbrauchs haben Betroffene kaum die Möglichkeit, wahrzunehmen oder klar auszudrücken, worin genau das Problem besteht. Das gilt unter Umständen auch für die Täter:innen, die nicht in jedem Fall merken, dass ihr Verhalten für die andere Person eine Belastung darstellt.

Aus diesen Punkten lässt sich schliessen, dass es sich um ein Slippery-Slope-Problem handelt: Erlaubte und unproblematische Handlungen führen zu übergriffigen Verhaltensweisen, in denen Machtmissbrauch dann tatsächlich stattfindet.

Als Argumentationsfigur wird die Slippery Slope in der Logik scharf kritisiert: Nur weil es Übergänge von A zu B und von B zu C gibt, bedeutet das nicht, dass A mit C gleichzusetzen oder aus denselben Gründen zu kritisieren ist. Konkret heisst das: In pädagogischen Beziehungen sind private Kommunikation und die individuelle Förderung von Begabten grundsätzlich weder problematisch noch mit Machtmissbrauch gleichzusetzen.

Nur sind die Übergänge so schleichend, dass Betroffene selbst kaum merken können, wann Grenzen überschritten werden und Machtmissbrauch stattfindet. In den Strukturen des Bildungssystems lässt sich Consent oft nicht klar abrufen oder ausdrücken: Schüler:innen fühlen sich in Schulräumen, bei Prüfungen, unter Anwesenheitszwang, in vorgegebenen Gesprächssituationen oder in Anwesenheit bestimmter Peers oder Lehrpersonen oft nicht wohl, müssen das aber aus systemischen Gründen über sich ergehen lassen, weil sie zur Schule müssen oder einen bestimmten Abschluss anstreben. Wenn innerhalb eines solchen Systems eine persönliche pädagogische Beziehung entsteht, ist dauernd unklar, ob Lernende zu etwas «ja» sagen, was die pädagogische Struktur ohnehin erzwingt, oder ob sie zu etwas Privatem «ja» sagen. Kompliziert wird das zusätzlich, weil Lernende oft auch zu etwas «ja» sagen, wovon sie sich für die Zukunft etwas versprechen, was aber möglicherweise nie eintreten wird.

Was können Verantwortliche tun, um diese Formen von Machtmissbrauch zu verhindern? Das ist keine einfache Frage, weil intensive pädagogische Beziehungen (ohne Grenzverletzungen) und die Förderung von Lernenden durchaus im Interesse von (Hoch-)Schulen liegen.

Ich schlage folgende Punkte vor:

  1. Die Schule informiert Lernende und Lehrende darüber, was sie tut, um diese Formen von Machtmissbrauch zu erkennen und zu verhindern. Sie legt Ansprechpersonen fest, an die sich Lernende wenden können, wenn sie Machtmissbrauch erleben – ohne negative Konsequenzen für die Meldenden, auch nicht im Nachhinein. Sie erklärt, was nach einer Meldung geschieht.
  2. Die Schule rechnet damit, dass es zu Machtmissbrauch kommt. Sie verfügt über Konzepte und Reglemente, die festlegen, wie sie in solchen Fällen Betroffene schützt und Lehrende sanktioniert, die Machtmissbrauch begangen haben.
  3. Schulen regeln die private Förderung von Lernenden in Reglementen. Diese sehen vor, dass mehrere Lehrende geförderte Lernende begleiten, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Förderung darf für Lehrende kein Argument sein, private Settings zu erzwingen.
  4. Chats müssen – auch wenn sie halbprivat erfolgen – über schulische Plattformen laufen, in die Verantwortliche im Notfall Einblick nehmen können. Die Schule definiert klar, wann solche 1:1-Chats abgerufen werden.
    (Das macht Lernenden auch klar, dass ein Wechsel auf WhatsApp o. Ä. grundsätzlich ein Alarmsignal ist.)
  5. Lehrende werden darin geschult, Nähe zu teilen. Christoph Schmitt hat beschrieben, wie man sich das vorstellen kann:

Organisationen, die professionell mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, behandeln Nähe als Arbeitsgegenstand. In Sozialarbeit, Jugendhilfe und Psychotherapie gehören Supervision, Intervision und geteilte Fallverantwortung zum Standard. In einer privaten Tagesschule, die ich im Frühjahr analysiert habe, kümmern sich ganze Teams um Jugendliche in anspruchsvollen Situationen. Nähe wird dort geteilt und dadurch beobachtbar.

Medientipp: „Enkel Europas“

07. Oktober 2026 um 08:00

„Frieden und Demokratie werden begreifbar, wenn ein Mensch erzählt”

Die Plattform „Enkel Europas“ möchte einen besonderen Zugang zum Verständnis der Vergangenheit anbieten. Auf der Internetseite werden unter anderem in einer digitalen Karte Orte verzeichnet, an denen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen bedeutsame Erfahrungen gemacht haben. Mit diesem lokalgeschichtlichen Ansatz möchte „Enkel Europas“ einen Beitrag zur historisch-politischen Bildung leisten. Wir sprachen mit Projektleiter Fabian Goslar über das Angebot und seine bisherigen Erfahrungen damit.

Medientipp: Projekt „Enkel Europas“

Wie kam das Projekt „Enkel Europas“ zustande?

Fabian Goslar: Lustigerweise begann die Reise unseres Projekts mit etwas scheinbar Banalem: einer Brezel. Im Jahr 1945, ein paar Monate nach Kriegsende, hat sich meine Großmutter Ida als neunjähriges Mädchen in Ulm eine Brezel gekauft. Eine Bäckerei an einem Platz, über den täglich Tausende Menschen gehen, ist für sie der Ort, an dem sie zum ersten Mal wieder frei entscheiden und sich nach von Hunger geprägten Monaten selbstbestimmt etwas zu essen kaufen durfte. Solche Orte hat jeder Mensch, der die Zeit des Zweiten Weltkriegs erlebt hat, und nicht nur der. Auch in der jüngeren Demokratiegeschichte Europas gibt es sie: bei den ersten freien Wahlen, an geöffneten Grenzen oder beim Ankommen in einem neuen Land. Dort wird das bisweilen recht abstrakte Europa für einen Moment konkret und erfahrbar.

Erklären Sie uns, was es mit dem Namen auf sich hat.

Bei uns ist der Name wörtlich gemeint: Viele von uns haben Krieg, Verfolgung und Diktatur nicht hautnah erlebt, wir leben auf dem Kontinent, der daraus geworden ist: in Frieden, in Freiheit, in einer Demokratie. Das ist unser Erbe.

Was ist die Idee von „Enkel Europas“ und welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Projekt?

Jugendliche sollen eigene Erinnerungen und die von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen an den Orten ihres eigenen Alltags sichtbar machen. Die meisten dieser Orte, die von Demokratie auf einer subjektiven und inspirierenden Ebene erzählen, sind nirgends markiert. Ohne eine gezielte Frage und Recherche bleibt ihre Geschichte unerzählt und ihr Potential für Demokratiebildung unerschlossen. Frieden und Demokratie werden begreifbar, wenn ein Mensch erzählt, wie und wo das Leben ohne sie war oder wie und wo er beides ganz essenziell gespürt hat.

Warum haben Sie Europa als Bezugsrahmen gewählt?

Europa ist für uns ein gemeinsamer Erfahrungsraum. Die Geschichten, denen wir begegnen, reichen fast immer über nationale Grenzen hinaus. Zeitlich liegt unser Schwerpunkt auf dem Nationalsozialismus, dem Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit, weil Menschen aus dieser Zeit heute noch erzählen können. Die Singularität der Shoah steht dabei fest.

Welche Angebote stellen Sie auf der Website von „Enkel Europas“ bereit?

Die Website befindet sich noch im Aufbau. Zu sehen sind aktuell die interaktive Karte der Erinnerungsorte und einige digitale Memorials, also Beiträge, in denen die Geschichte eines Zeitzeugen an einem Ort ausführlicher erzählt wird. Weitere Projekte werden sukzessive ergänzt. Als Nächstes kommen weitere Projekte auf die Karte, darunter Ludwigsburg. Mit „Mémoire Vivante“ entsteht bis Frühjahr 2027 gemeinsam mit unserem französischen Partner eine zweisprachige Karte. Außerdem wollen wir die Orte über QR-Codes stärker in den Stadtraum holen und unsere Lernmodule so aufbereiten, dass Lehrkräfte sie selbstständig nutzen können.

Welche Zielgruppe möchten Sie mit Ihrem Angebot erreichen?

Im Mittelpunkt stehen Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren. In diesem Alter festigen sich politische Haltungen, und viele treffen zum ersten Mal eigene politische Entscheidungen. Wir arbeiten mit unterschiedlichen Schulformen, bislang insbesondere in Gymnasien und Berufsschulen, unsere Angebote sind aber für jede Schulform gut durchführbar. Junge Erwachsene bis etwa 23 Jahre binden wir teilweise als ehrenamtliche Begleitung ein, Lehrkräfte als Partner und Multiplikatoren, die die Arbeit in ihren Schulen weitertragen und zu ihren Klassen passende thematische Schwerpunkte mit unseren Methoden umsetzen können.

Was unterscheidet „Enkel Europas“ von anderen Zeitzeugenprojekten?

Zeitzeugenerlebnisse bieten eine besondere Ressource für Demokratiebildung. Der größte Unterschied zu anderen Zeitzeugenprojekten liegt in dem, was nach dem Gespräch geschieht. Viele Zeitzeugenformate enden mit der Begegnung – bei uns beginnt dann jedoch die eigentliche Arbeit: einordnen, Erlebnisse von Zeitzeugen an bestimmten Orten mit den eigenen Orten verbinden und veröffentlichen. Neben den Zeitzeugen können auch Spuren der Vergangenheit wie Fotos, Briefe, Dokumente, aufgezeichnete Interviews und die Orte selbst ein Zeugnis abgeben.

Wie erfolgt Ihrerseits eine methodische Anleitung für die Arbeit mit Zeitzeugen?

Zur Einordnung: Der größere Teil der Einträge stammt aus der Spurensuche der Jugendlichen in ihren Familien und ihrem Alltag, die Zeitzeugenbegegnung ist darin ein zentraler Baustein. In der Vorbereitung erarbeiten die Jugendlichen den historischen Kontext und entwickeln anhand von Leitfäden eigene Fragen. Gleichzeitig ist uns ein persönlicher, niederschwelliger Zugang wichtig. Während des Gesprächs helfen Leitfragen beim Zuhören: Welche Orte werden genannt, wo liegen Wendepunkte? Danach folgen Reflexion und Einordnung.

Neben der Arbeit mit Zeitzeugen spielen Alltagsorte in Ihrem Ansatz zur Geschichtsvermittlung eine zentrale Rolle. Wieso?

Alltagsorte ergänzen Gedenkstätten und Museen durch etwas Entscheidendes: Sie gehören zum Leben der Jugendlichen und sind präsent. Wenn sich zeigt, dass am Schulweg Geschichte geschehen ist, verändert das den Blick auf den Alltag und seine Orte als Ressource für Demokratiebildung. An einer Schule haben Jugendliche bspw. einen Ort beschrieben, der früher ein großer Pferdestall war, dann eine Kaserne und heute ein Einkaufszentrum, in dem sich viele Familien unterschiedlicher Kulturen begegnen. Für die Demokratiebildung ist dieser Zugang wertvoll, weil er bewegte Geschichte an bekannten und zum Teil sehr gewöhnlichen Orten (be)greifbar macht.

Einbettung im Unterricht

Arbeitsblatt zur Erarbeitung eines eigenen Erinnerungsorts

In mehreren Schritten können Schülerinnen und Schüler mit dem Arbeitsblatt von „Enkel Europas“ arbeitsteilig ihren eigenen Erinnerungsort beschreiben, seine Geschichte recherchieren und daraus ein Lernprodukt erstellen. Die Lernprodukte können anschließend an Enkel Europas übermittelt werden, damit sie auf der Karte der Erinnerungsorte vermerkt werden.

Hier geht’s zur kostenlosen Kopiervorlage.

Kritische Einordnung von individuellen Erinnerungen im Geschichtsunterricht

Diskutiert in der Klasse, inwiefern die Karte der Erinnerungsorte und eure Erarbeitungen euer Verständnis der Vergangenheit vertiefen. Geht hierbei vor allem auf die Spezifik von individuellen Erinnerungen in Form von Zeitzeugeninterviews ein.

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Lernangebot und Medien zur Filmbildung

01. Oktober 2026 um 07:00

Filme sind längst nicht nur Gegenstand des Deutschunterrichts. Auch wenn es um Medienbildung, gesellschaftliche Themen oder die eigene Produktion audiovisueller Inhalte geht, spielen sie eine wichtige Rolle. Dabei reicht Filmbildung von der Analyse einzelner Gestaltungsmittel bis hin zur Frage, wie Filme Geschichten erzählen und welche Wirkung Bild, Ton oder Schnitt entfalten können. Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) bündelt auf seiner Themenseite „Lernangebote und Medien zur Filmbildung“ verschiedene Materialien, Projekte und Weiterbildungsangebote rund um diese Themen.

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Unterrichtsimpuls: Wenn Journalistinnen und Journalisten Fehler machen

01. Oktober 2026 um 06:00

Die folgende Unterrichtseinheit ist je nach verfügbarer Zeit flexibel umsetzbar. Auch die Ergebnissicherung kann kreativ und vielseitig erfolgen, z.B. als (kleine) Präsentation, als Plakat für eine kleine Ausstellung oder als digitale Version für die Website der Schule oder die Schülerzeitung.

Zum Einstieg: Schüleraktivierung

Recherchiert im Klassenverband oder in Kleingruppen Beispiele für Fehler, die Journalistinnen oder Journalisten gemacht haben. Wichtig vorab: Grenzt im Plenum die folgenden zwei Begrifflichkeiten voneinander ab:

  • Falschmeldung: Eine Meldung/Nachricht oder andere mediale Inhalte, die unwahr sind bzw. nicht den Tatsachen entsprechen; sie werden (meist) unabsichtlich veröffentlicht. Früher nannte man sie „Zeitungsente“.
  • Fake News: Bewusst unwahrer Inhalt, der falsche Tatsachen verbreitet und Fakten ignoriert in der Absicht, Menschen zu täuschen oder zu manipulieren. Eine weitere Bezeichnung ist „Desinformation“.

Stellt klar, dass es um die erste Kategorie „Falschmeldung“ geht. Mögliche Suchergebnisse könnten sein:

Das Nachrichtenmagazin „stern“ veröffentlicht 1983 Auszüge aus den angeblichen Original-Tagebüchern von Adolf Hitler, für die sie Millionen D-Mark an Konrad Kujau zahlen. Nur wenig später stellt sich heraus, dass dieser die Dokumente gefälscht hat. Die gesamte Chefredaktion muss daraufhin zurücktreten (Anmerkung: Auch wenn die Dokumente selbst gefälscht waren, hielt die Redaktion sie für echt, also eine typische „Falschmeldung“).

Die damalige US-Regierung unter George W. Bush begründete ihren militärischen Einmarsch im Irak und den darauffolgenden Krieg mit der Behauptung, Diktator Saddam Hussein verfüge über Massenvernichtungswaffen. Die meisten Medien übernahmen dieses politisch motivierte Narrativ (Erzählung) unwidersprochen. Später stellte sich die Behauptung tatsächlich als unwahr heraus.

2005 liegt der damalige Papst auf dem Sterbebett, die ganz Welt blickt schon seit Tagen auf den Vatikan in Rom. Schon Stunden vor seinem tatsächlichen Tod vermelden die italienische Nachrichtenagentur Ansa und der amerikanische Nachrichtensender CNN jedoch bereits per Eilmeldung sein Ableben.

Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ veröffentlicht über Jahre Reportagen des vielfach preisgekrönten Reporters Claas Relotius. Der erfindet jedoch jahrelang Zitate, Protagonistinnen und Protagonisten. Ein Kollege überführt ihn 2018 schließlich. (Anmerkung: Auch wenn Claas Relotius seine Texte bewusst manipuliert hat, wollte er Menschen nicht desinformieren, sondern sein eigenes Ansehen als „Starjournalist“ weiter unterfüttern.)

Im Februar 2026 sendet die Nachrichtensendung „heute-journal“ einen Beitrag über die Abschiebepraktiken der US-Behörde ICE. Dabei wird eine Sequenz aus einem alten Video von 2022 als aktuell verwendet. Zudem werden mit der KI „Sora“ erstellte Sequenzen nicht als KI-generiert gekennzeichnet, wozu sich seit dem Launch von ChatGPT 2022 fast alle Qualitätsmedien freiwillig verpflichtet haben.

Alternative: Falls die Zeit fehlt oder die Recherche für eure Gruppe zu herausfordernd sein könnte, gebt diese Ergebnisse von Beginn zur Hand. Dann bietet es sich an, jeden „Fall“ an einzelne Lernende oder kleine Gruppen zu verteilen, die sich kurz einlesen und dann im Plenum schildern, was genau passiert ist und den Unterschied zwischen Falschmeldung und Fake News nochmals herausarbeiten.

Blick hinter die Kulissen: Warum passieren im Journalismus Fehler?

Diskutiert nun, warum Journalistinnen und Journalisten Fehler machen. Die wichtigsten Punkte sollten sein:

Auch Journalistinnen und Journalisten sind Menschen und machen Fehler, so wie wir alle; auch sie haben vielleicht zu wenig geschlafen, sind selbst erkältet und deshalb unaufmerksam oder haben einfach einen schlechten Tag.

Der Journalismus steht unter Druck, viele Menschen haben nicht mehr so viel Vertrauen in die Berichterstattung etablierter Medien. Viele Medienschaffende haben Angst, dass dieser Vertrauensverlust weiter zunimmt, wenn sie Irrtümer oder Fehler öffentlich machen.

Gerade in Nachrichtenredaktionen muss es oft schnell gehen und man arbeitet mit Informationen, die gerade erst veröffentlicht wurden. Gleichzeitig herrscht der Druck, möglichst als erste Medium eine Neuigkeit zu verbreiten: Wer zu langsam ist, erreicht oft weniger Menschen. Weniger Reichweite wiederum bedeutet weniger Erlöse durch Werbeeinnahmen im Internet.

Durch die immer geringeren Einnahmen können viele Medien immer weniger Personal beschäftigen. Gleichzeitig ist die Flut an Informationen – besonders auch an Desinformation (Fake News) – im Internet enorm gestiegen. Es müssen also von immer weniger Menschen immer schneller Fakten überprüft werden.

Die Welt wird, nicht zuletzt durch neue Technologien wie KI immer komplexer. Es wird herausfordernder, politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche oder wissenschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und verständlich aufzubereiten.

Der sogenannte „confirmation bias“ sorgt dafür, bevorzugt all jene Informationen wahrzunehmen und als richtig einzuordnen, die das eigene Weltbild bestätigen. Informationen, die diesen widersprechen, werden weniger stark wahrgenommen oder sogar verneint. Auch Journalistinnen und Journalisten ignorieren mitunter Hinweise, die ihrer Hypothese für einen Beitrag widersprechen, oder sogar nur nach Fakten und Quellen suchen, die ihre Hypothese bestätigen.

Wie geht es besser? Der richtige Umgang mit Fehlern

Sammelt in Kleingruppen oder direkt im Plenum Vorschläge, wie Journalistinnen und Journalisten mit Fehlern umgehen sollten. Mögliche Leitfragen:

  • Was würden sie selbst tun, wenn sie einen Fehler gemacht haben?
  • Was würden sie sich von anderen wünschen, wenn diese einen Fehler gemacht haben?
  • Warum könnte eine gute Fehlerkultur besonders im Journalismus wichtig sein (Stichwort: Vertrauen in den Journalismus)?

Tragt danach die Ergebnisse an Tafel oder Whiteboard zusammen. Diese sollten sein:

  • Flucht nach vorn: Sobald klar ist, dass ein (gravierender) Fehler passiert ist, sollte ein Medium das auch öffentlich machen und sich klar dazu bekennen.
  • Transparente Korrektur: Während Tipp- oder Orthografiefehler kommentarlos berichtigt werden, sollten gröbere Fehler benannt und markiert werden, beispielsweise durch einen hervorgehobenen Zusatz im Text oder direkt über/unter dem fehlerhaften Beitrag. Auch Datum und Uhrzeit der Korrektur sollten vermerkt werden.
  • Sich entschuldigen: Journalistinnen und Journalisten oder die Chefredaktion eines Mediums sollten sich für den Fehler bei ihrem Publikum entschuldigen, vor allem aber bei möglichen Betroffenen, die durch den Fehler in einem falschen Licht dargestellt wurden.
  • Ursachenforschung: Die Journalistin oder der Journalist sollte recherchieren, wie es zu dem Irrtum kommen konnte, um diesen künftig zu vermeiden. Auch die Redaktion sollte intern ihre Abläufe und redaktionellen Standards überprüfen: Wurden falsche Quellen zitiert? Oder das „Vier-Augen-Prinzip“ missachtet, hat also niemand anderes den Beitrag nochmals kontrolliert und die Fakten überprüft?

Für höhere Klassenstufen: Ein Blick in Pressekodex und Medienrecht

Wenn Medien falsch über Personen, Institutionen oder Unternehmen berichten, sind sie zur Korrektur verpflichtet. Hierbei wird zwischen der rechtlichen (juristischen) und ethischen Verpflichtung unterschieden.

Lasst die Lernenden arbeitsteilig zu folgenden Begriffen recherchieren:

  • Beschwerde
  • Richtigstellung/Berichtigung
  • Gegendarstellung

Tragt im Plenum die Ergebnisse zusammen. Als Ergebnissicherung könnt ihr auch die Kopiervorlage nutzen. Alternativ kann diese Aufgabe auch als Hausarbeit, Referat oder besondere Lernleistung gestellt werden.

Einblicke in die Praxis

Felix Rohrbeck hat Volkswirtschaftslehre und Kommunikationswissenschaften studiert und ein Volontariat beim NDR absolviert und arbeitet als freier Wirtschaftsjournalist. Im Rahmen eines Fellowships des Media Lab Bayern hat er sich sechs Monate mit der Fehlerkultur im Journalismus beschäftigt.

Im Oktober 2025 hat er einen in der Medienbranche viel beachteten Artikel zum Thema Fehlerkultur im Branchenmagazin „journalist“ veröffentlicht. Darin schreibt er unter anderem: „Die Menschen nehmen es uns nicht übel, wenn wir Fehler machen, weil auch wir nur Menschen sind und mit wirtschaftlichen und strukturellen Zwängen zu kämpfen haben. Wohl aber, wenn sie dahinter Manipulation, Fremdsteuerung oder bewusstes Lügen vermuten. Gerade weil wir Journalisten so wenig über unsere Fehler, Versäumnisse und die tatsächlichen Gründe sprechen, reimen sich viele Menschen eigene Erklärungen zusammen. Sie vermuten dann oft eine böse Absicht, auch wenn das in den allermeisten Fällen nicht zutreffend ist.“

Zu hören ist Rohrbach zum selben Thema in der Folge „Vertrauen – Das passiert, wenn Journalisten Fehler ehrlich zugeben“ aus dem Podcast „Nice & Nötig“ des Branchenmagazins „Übermedien“. Sein Tenor, um verloren gegangenes Vertrauen in etablierte Medien zurück zu gewinnen: „Ich glaube wirklich, dass das Eingeständnis von eigenen Fehlern eine der wirksamsten Waffen gegen Polarisierung ist.“

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Finanzbildung (Teil 2): Was ist eine Aktie? – Geldanlage einfach erklärt

29. September 2026 um 06:00

Apple, Adidas oder Coca-Cola – viele Jugendliche kennen große Aktiengesellschaften aus ihrem Alltag. Doch was bedeutet es eigentlich, einen Teil eines solchen Unternehmens zu besitzen? Diese Frage steht im Mittelpunkt der folgenden Unterrichtsidee (ca. eine Doppelstunde).

Warum das Thema in den Unterricht gehört

Aktien und Börsenkurse begegnen jungen Menschen heute nicht nur in Wirtschaftsmedien. Finanz-Apps, soziale Medien und sogenannte Finfluencer machen das Investieren zunehmend sichtbar und einfach zugänglich. Umso wichtiger ist es, grundlegende Zusammenhänge zu verstehen. Jugendliche sollten wissen, was eine Aktie überhaupt ist, warum Unternehmen Aktien ausgeben, wie Kurse entstehen und welche Chancen und Risiken bestehen.
Der Unterricht bietet dabei die Möglichkeit, nicht Anlageempfehlungen zu geben, sondern finanzielle Entscheidungs- und Urteilskompetenz aufzubauen.

Einstieg: „Bei welchen Unternehmen seid ihr Kunde?“ (ca. 5 min)

Zum Einstieg könnt ihr (auch mithilfe der KV) eure Lernenden fragen, welche Produkte bzw. Dienstleistungen sie von welchen Unternehmen in ihrem Alltag häufig und/oder gerne nutzen. Oft nennen die Jugendlichen dann sehr bekannte (und auch börsennotierte) Unternehmen wie Apple, Meta (WhatsApp, Instagram), Alphabet (Google), Nike, Adidas, Coca-Cola, McDonald’s etc.
Ihr könnt anschließend mit der Frage überleiten, ob es nicht eine gute Idee sei, als (zufriedene) Kundinnen und Kunden auch an dem Unternehmen und seinem Erfolg beteiligt zu sein. Hierbei ergibt sich die Frage, wie eine Beteiligung überhaupt möglich wäre. Eine Möglichkeit sind Aktien.

Erarbeitung I: Aktien und Aktiengesellschaften
(ca. 10-15 min)

Erarbeitet gemeinsam das Grundprinzip einer Aktie: Eine Aktie verbrieft als ein Wertpapier einen Anteil an einem Unternehmen (einer Aktiengesellschaft). Aktionäre werden damit Miteigentümer mit bestimmten Rechten.
Ihr könnt in diesem Zusammenhang folgende Leitfragen stellen:

Mögliche Antwort: Unternehmen verkaufen Anteile an ihrem Unternehmen, um dadurch neues Geld (liquide Mittel) für weitere Investitionen (z.B. neue Maschinen, Gebäude etc.) zu bekommen.

Mögliche Antwort: Miteigentümer wollen am Gewinn beteiligt sein. Deswegen zahlen einige Aktiengesellschaften eine Gewinnbeteiligung (=Dividende) aus. Miteigentümer wollen darüber hinaus auch über das Unternehmen mitbestimmen können. Aktionäre erhalten deswegen zusätzlich oft Stimmrechte auf der Hauptversammlung (=der jährlichen Versammlung aller Aktionäre einer Aktiengesellschaft) gemäß der Größenordnung ihrer Anteile an der Aktiengesellschaft.

Überleitung: Was macht Aktien als Geldanlage noch attraktiv?

Hierbei dürften einige Schüler:innen die Chance auf Wert- bzw. Kurssteigerungen nennen. Falls das nicht der Fall ist, könnt ihr der Lerngruppe ein Chart (= Kursverlauf) einer Aktie zeigen. (Solche Charts sind schnell online einsehbar, z.B. über die Google Suche oder TradingView oder Yahoo Finance). Anhand des Charts könnt ihr schnell zeigen, dass sich der Kurs bzw. Preis einer Aktie stark (sowohl positiv als auch negativ) verändern kann.

Erarbeitung II: Der Kurs einer Aktie (ca. 15 min)

Fragt eure Lernenden, ob sie bereits Dinge über einen Online-Marktplatz (wie eBay oder Vinted) ver- oder gekauft haben, und lasst sie Vermutungen darüber anstellen, wie der Preis für die dort angebotenen Produkte zustande kommt. Hier werden die Schüler:innen sicher das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage nennen.

Erläutert der Lerngruppe, dass dasselbe Prinzip von Angebot und Nachfrage auch bei der Entwicklung des Preises einer Aktie (=Aktienkurs) wirkt. Bei hoher Nachfrage nach einer bestimmten Aktie und geringem Angebot steigt der Kurs der Aktie. Bei geringer Nachfrage nach einer bestimmten Aktie und großem Angebot fällt der Kurs.

Lasst die Lernenden daraufhin in Partner- oder Gruppenarbeit folgende Fragen erarbeiten (siehe Kopiervorlage):

  1. Welche Gründe könnte es dafür geben, dass die Nachfrage nach einer bestimmten Aktie
    a. besonders groß ist?
    b. besonders gering ist?
  2. Welche Chancen und Risiken ergeben sich daraus für Aktionäre?

Sicherung und Abschluss (ca. 10-15 min)

Sichert eure Ergebnisse, indem ihr sie im Plenum vergleicht, ergänzt und kommentiert.
Zum Abschluss könnt ihr die Eingangsfrage wieder aufgreifen: Sollte man als (zufriedene) Kundinnen und Kunden eines Unternehmens auch dessen Aktie kaufen?

Weiterführung oder Hausaufgabe

Mit der folgenden Aufgabe könnt ihr das Thema vertiefen.

  1. Recherchiert ein Beispiel für eine besonders positive Entwicklung einer Aktie und ein weiteres Beispiel für eine besonders negative Entwicklung einer Aktie. Legt einen klaren Zeitraum fest.
  2. Welche Faktoren könnten die jeweilige Entwicklung des Aktienkurses erklären? Nennt eure Quellen.
  3. Erarbeitet auf Grundlage eurer gewählten Beispiele Kriterien für die Auswahl von Aktien als mögliche Geldanlage. Welche Informationen würdet ihr prüfen?

Tipps für eine erfolgreiche Unterrichtseinheit

  • Arbeitet mit bekannten Unternehmen aus der Lebenswelt der Lernenden, das ist besonders motivierend.
  • Setzt den Handel mit Aktien nicht mit kurzfristigem Trading gleich. Ein Investment in Aktien ist häufig eine langfristige und zielgerichtete Investition in ausgewählte Unternehmen. Beim Trading hingegen spekuliert man vor allem auf sehr kurzfristige Kursschwankungen.
  • Thematisiert Chancen und Risiken gleichermaßen.
  • Unterscheidet sorgfältig zwischen den Begriffen „Unternehmen”, „Aktiengesellschaft” und „Aktien“,
  • Betont, dass ihr in keiner Weise eine Anlageberatung betreibt oder Aktienempfehlungen ausgebt, sondern lediglich das Thema „Aktien und Börsen“ verständlich machen wollt.
  • Erläutert, dass nicht der schnelle Weg zu Reichtum, sondern finanzielle Urteilsfähigkeit das Ziel ist.

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Creativly

28. September 2026 um 15:26

Creativly ist ein kleines Tool, mit dem man ohne Anmeldung unterschiedlichste Varianten von KI-Bildern generieren kann.
Dabei erfolgt allerdings eine Einschränkung auf bestimmte Kategorien von Bildern und Grafiken, die erzeugt werden können:


Isometrische Icons, Retro Toy Box, Typografische Poster, sogar Crocs-Schuhe können ‚personalisiert‘ werden.
Nach Auswahl eines der vielen vorhandenen Generatoren kann man sein gewünschtes Design erstellen.


Es macht auf jedem Fall Spaß, eigene Ideen auf einfachste Art und Weise in Bilder zu übertragen.

Hier drei kleine Beispiele, wie die erzeugten Bilder aussehen können. Es zahlt sich auf jeden Fall aus, ein wenig in der Vielzahl der vorhandenen Generatoren zu stöbern.

Schneekugel

Minimalistisches Filmposter

Historische Abbildung eines Telefons


Auch eigene Generatoren lassen sich nach Auswahl einer Kategorie und Eingabe der gewünschten Ergebnisse erzeugen.

WEBSITE: Creativly | creativly.app/Home

+ Kostenfreie Nutzung
+ Viele Bildgeneratoren können sofort ausprobiert werden
+ Eigene Ideen lassen sich umsetzen, indem vorgefertigte Fragen zum gewünschten 'Bildgenerator' beantwortet werden
– eingeschränkte Möglichkeiten der freien Bildgenerierung
– Oberfläche in englischer Sprache

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Reise nach Hannover zu mobile.schule

23. September 2026 um 09:35

Anfang der Woche war ich in Hannover auf der Tagung mobile.schule und habe einen Einblick in unsere Schule („800 Kinder, 800 Stundenpläne“) erzählt. Auf einer Messe zu sprechen ist immer nochmal etwas anderes, als vor einer geschlossenen Gesellschaft: Es kostet Mühe, sich nicht vom Umgebungslärm und dem Troubel der Halle aus dem Konzept bringen zu lassen. Zuletzt habe ich das 2019 auf der Didacta machen dürfen.

Spannend sind bei solchen Ereignissen die Begegnungen mit Menschen, die man sonst nur online kennt: Andreas Hofmann zum Beispiel, der die mobile.schule vor vielen Jahren mit einer Gruppe engagierter Schüler und einem Laptop gegründet hat. Oder Jan Vedder, mit dem ich mich kurz ausgetauscht habe, weil wir im kommenden Jahr als Verbund mehrerer Schulen einen großen Fortbildungstag organisieren und ihn gerne als Referenten dabei hätten.

Ich mag diese Ausflüge und Gespräche sehr – auch, weil ich danach immer wirklich gerne nach Hause komme. Ich arbeite so gerne an meiner Schule, mag unsere Abläufe und das Maß an Zufriedenheit unter Kindern und Mitarbeitenden.

In NRW sind es noch dreieinhalb Wochen bis zu den Herbstferien – die letzten beiden Wochen verbringen unsere 9er und 10er im Praktikum und sammeln Erfahrungen. Auch auf diese Gespräche freue ich mich.

Wie es sich anfühlt, bildungspolitisch zu verlieren – und was ich daraus gelernt habe

20. September 2026 um 09:27

Im Gegensatz zu den USA ist Loser ein Begriff, der im deutschen Sprachraum selten verwendet wird. Verlieren ist nicht nur ein Tabu, es wird Menschen auch nicht als dauerhafter Zustand zugeschrieben – wer heute verliert, könnte morgen gewinnen.

Pionier:innen verlieren nicht. Sie agieren in einer Zone, in der es keine Rolle spielt, was die anderen tun oder denken: Sie sind einen Schritt voraus und beschäftigen sich mit Themen, von denen die anderen noch nicht einmal wissen, dass sie auf sie zukommen.

Man könnte nun mit der Bleistift-Metapher oder mit Vorstellungen aus dem Change Management argumentieren, dass die Praxis der Pionier:innen irgendwann zu einer breiten Veränderung führt. Die Grundidee: Pionier:innen erproben, testen und streiten – und geben dann belastbare Erkenntnisse an alle anderen weiter, die sie so umsetzen, dass sich für alle tatsächlich spürbar etwas verändert.

Nur: Hier kommt leider das Verlieren ins Spiel. Als Pionier habe ich viele Erkenntnisse gesammelt, Kritik daran gehört und Debatten geführt. Dann bin ich davon ausgegangen, dass daraus eine Art Konsens oder Kompromiss entsteht, der in die Breite wirken könnte. In den letzten Jahren habe ich weniger Zeit damit verbracht, jeden Trend zu erproben, und mir stattdessen überlegt, wie eine nachhaltige Veränderung des Systems gelingen könnte. Gerade bei diesem Schritt passiert bildungspolitisch aber das Gegenteil: Es setzen sich Ideen und Vorstellungen durch, die meinen Erkenntnissen und Werten widersprechen. Und zwar nicht ab und zu, sondern ständig. Immer und immer wieder stehe ich auf der Seite, die nicht gehört wird und nicht genügend Verantwortliche überzeugen kann.

Hier sind einige konkrete Themenfelder, die mich beschäftigen:

  1. Umgang mit Digitalität
    Eine sinnvolle Position: Im Dialog mit Kindern und Jugendlichen sollten Schulen vor Ort postdigitale Lernerfahrungen gestalten, in denen digitale Praktiken einerseits selbstverständlich werden und andererseits eine Reflexion sinnvoller Wissensarbeit möglich wird.
    Was sich durchsetzt: Verbote, Adultismus und kulturpessimistische Angstdiskussionen.
  2. Umgang mit Beurteilung
    Eine sinnvolle Position: Beurteilungen sind ungenau und führen für Lehrende und Lernende zu Fehlanreizen und unnötigem Stress. Wir sollten Beurteilungen auf ein Minimum reduzieren und sie nur dort einsetzen, wo es im System nicht anders geht.
    Was sich durchsetzt: Parlamente schreiben Schulen Benotung vor, und es besteht eine breite Forderung nach mehr standardisierten High-Stakes-Prüfungen.
  3. Rhythmisierung, Vertiefung und Fächer
    Eine sinnvolle Position: Schüler:innen brauchen Grundfertigkeiten und sollten dann in interdisziplinären Themengebieten vertiefte Lernerfahrungen machen. Zu viele Fächer verhindern Vertiefung – Wahlangebote sind lernwirksamer als erzwungene Breite. Lehrpersonen sollten nicht für Fachunterricht angestellt werden, sondern für alle ihre Aktivitäten an einer Schule.
    Was sich durchsetzt: Die Reform der Schweizer Matur führt weitere Grundlagenfächer ein und beschränkt interdisziplinäre Gefässe und Wahlmöglichkeiten weiterhin stark. Bildungspolitik kann sich nicht von Fächern lösen.
  4. Umgang mit Bildungspopulismus
    Eine sinnvolle Position: Nicht die alarmistischen, lauten und anbiedernden Stimmen sollen Gehör und Bühnen erhalten, sondern Menschen, die Erfahrung haben und Zusammenhänge differenziert beurteilen können.
    Was sich durchsetzt: Pädagogischer Populismus – Diskurse, in denen Kinder instrumentalisiert werden, um Unsicherheiten und Ängste anzusprechen und die eigene Position zu verbessern. Unseriöse Menschen ohne Expertise erhalten mit «Hot Takes» viel zu viel Aufmerksamkeit von Politik und Medien.
  5. Verständnis von Leistung
    Eine sinnvolle Position: Es gibt unterschiedliche Formen von Leistung, gerade in einer beruflich und sozial komplexen und diversen Gesellschaft. Schule muss Kindern und Jugendlichen dabei helfen, ganz unterschiedliche Leistungen zu erbringen und Stärken auszubilden. Sie muss alle fördern – das gelingt mit einer engen und normierten Vorstellung von Leistung nicht. Eine gute Schule hilft jungen Menschen, sich in einem umfassenden Sinn zu entwickeln.
    Was sich durchsetzt: Ein schulisches Leistungsverständnis, das sich rein auf Grundfertigkeiten wie Rechnen, Lesen oder Schreiben bezieht und davon ausgeht, dass Fokussierung und Druck bessere Leistungen hervorbringen. In diesem Schulverständnis sollen Schulen möglichst brauchbare Arbeitskräfte hervorbringen.

In ihrem Buch Zerstörungslust haben Amlinger und Nachtwey Menschen wie mich als «soziokulturelle Expert:innen» beschrieben, denen eine «Macht über Definitionsverhältnisse» zugesprochen werde. Zu sagen, was eine sinnvolle Position ist, wirkt auf viele überheblich, vor allem, wenn auch noch auf Forschungsergebnisse verwiesen wird. Das aktuelle politische Klima geht mit soziokulturellen Expert:innen nicht milde um, sondern bringt viele in Stellung, die sich wünschen, dass Menschen wie ich verlieren und sich nicht durchsetzen können.

Das ist eine Erklärung dafür, warum wichtige Bildungsreformen ins Stocken geraten sind. Eine andere liegt darin, dass Schule unterschiedliche gesellschaftliche Funktionen hat. Ich gehe davon aus, dass Schule jungen Menschen eine positive Entwicklung ermöglichen soll – diese Vorstellung wird nicht breit geteilt. Viele mächtige Menschen möchten, dass Schule Konformität erzeugt, bestimmte Vorstellungen in jungen Menschen verankert und sie diszipliniert.

Wenn ich auf die Schule meiner Eltern und auf meine eigene Schulzeit zurückblicke, bin ich nicht grundsätzlich pessimistisch: Vieles ist besser geworden. Veränderungen sind möglich, aber sie sind langsam. Nur: Schaut man diejenigen Ideen an, die wirklich eine Transformation bewirken könnten, sieht man auch, dass sie sich nie durchsetzen konnten. Grundlegende Einsichten zu Bewertung, zum Umgang mit Technologie und zu Demokratie an Schulen gibt es seit über 50 Jahren in jeder denkbaren Differenziertheit. Immer wieder gab es Initiativen, Programme und Vorstösse – alle wurden sie als idealistisch und nicht umsetzbar abgetan. Wer Schule neu denken will, verliert immer.

Bertolt Brecht hat über seinen Lehrer Folgendes geschrieben:

Er ist sehr für den Kampf, aber er selber kämpft eigentlich nicht. Er sagt, es sei nicht die Zeit dazu. Er ist für die Revolution, aber er selber entwickelt eigentlich mehr das, was entsteht. […] Stets behält er sich die größtmögliche Freiheit vor. Wenn etwas dadurch verlorengeht, selbst Wichtiges, ist er nicht traurig. Ich glaube, er ist furchtlos. Was er aber fürchtet, ist das Verwickeltwerden in Bewegungen, die auf Schwierigkeiten stoßen. Er hält ein wenig zu viel auf seine Integrität, glaube ich. […] Mein Lehrer ist sehr ungeduldig. Er will alles oder nichts. Oft denke ich: Auf diese Forderung antwortet die Welt gerne mit: nichts.

Der Begriff «Kampf» ist hier entscheidend: Brecht macht deutlich, dass man im Kampf vieles riskiert. Man muss Mittel einsetzen, die man ablehnt, seine «Integrität» und Freiheit aufs Spiel setzen und andere anders behandeln, als man gerne würde – sie instrumentalisieren und zwingen. Wollte ich Erfolg haben, müsste ich selber zum Bildungspopulisten werden, Schüler:innen für meine Sache einspannen, Koalitionen bilden und mir die Hände schmutzig machen.

Zu erwarten, die Welt ändere sich durch die Einsicht von Menschen, ist naiv. Auf diese Erwartung antwortet die Welt auch mit «nichts», um bei Brecht zu bleiben. Meine Ideen, meine Texte und meine Konzepte werden sich wohl zu denen anderer gesellen, die Schule gern verändert hätten, es aber nicht geschafft haben – sofern ich nicht Teil einer Bewegung werden möchte, die andere Mittel einsetzt, als ich sie einsetzen möchte.

Mein Weg, um trotzdem nicht zu resignieren – und diese Gefahr ist mir sehr bewusst –, ist der von Candide, der am Ende seiner Abenteuer zum Schluss kommt, man müsse einfach den eigenen Garten bestellen. «Good Practice» nennt man das heute. Ich kann mit meinen Klassen, an meiner Schule, in meinem Einflussbereich so mit Lernenden arbeiten, wie ich das für richtig halte. Ich kann anderen zeigen, dass vieles von dem, was sie vielleicht für unmöglich halten, problemlos funktioniert und dass eine Veränderung möglich wäre, wenn die dafür nötigen politischen Voraussetzungen geschaffen würden. Das kann auch dann eine gewisse Genugtuung verschaffen, wenn der politische Wind in eine andere Richtung bläst.

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