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Lese-Ansicht

Deutschklausur im Selbstversuch: Karoline von Günderrodes „Die eine Klage“

Karoline von Günderrode Die eine Klage1 (1806 entstanden) Aufgabe: Interpretieren Sie das vorliegende Gedicht unter Berücksichtigung zentraler inhaltlicher sowie sprachlich-formaler Aspekte. Arbeiten Sie dabei heraus, wie das Verhältnis von Liebe und Verlust gestaltet ist, und deuten Sie die Funktion der Schlussstrophe. Anmerkungen zu Wörtern: bittrer (V3): ältere Form für „bitter“ erkoren (V5): gewählt, auserwählt. Gemeint ist der Mensch, den man sich zur Liebe gewählt hat. Lust (V7): im älteren Sinn von Freude oder Glück, nicht vorrangig sexuell. Zweiheit (V11): der Zustand, zwei getrennte Wesen zu sein. Pein (V12): Qual, schmerzhaftes Leiden. Sinnen (V13): alte Pluralform von „Sinn“, hier etwa Gemüt
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Was ist der Mensch, wenn die Welt endet? Cormac McCarthys Roman »Die Straße«

Die Welt eines Romans ist immer eine erfundene Welt. Das meinen wir, wenn wir von fiktionaler Literatur sprechen. Das Universalwörterbuch der deutschen Sprache aus dem Duden-Verlag hat für das Wort »Fiktion« zwei Definitionen. Das deutsche Wort ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen. Dort heißt es sinngemäß: »bilden«, »formen«, »erdichten«. Es geht in fiktionalen Texten also um etwas, das nur in einer Vorstellung existiert; es handelt sich um eine Vorstellung, die man sich von etwas erdichtet. In der Philosophie, so das Wörterbuch, handele es sich um eine »bewusst gesetzte widerspruchsvolle oder falsche Annahme als methodisches Hilfsmittel bei der Lösung eines Problems«.
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Vom Untergang der Welt oder: Ilija Trojanows Roman »EisTau«

Der Ich-Erzähler in Ilija Trojanows 2011 erschienenem Roman EisTau ist der Gletscherforscher Zeno Hintermeier. Der Verlust der Liebe seines Lebens, die ein Alpengletscher war, der den Folgen des menschengemachten Klimawandels zum Opfer gefallen ist, nimmt ihm den Sinn seines Lebens. Er verlässt mit Anfang 60 die Universität und wird Lektor auf einem Kreuzfahrtschiff, mit dem die Fahrgäste die Antarktis erkunden können. Für die circa 300 Passagiere der erzählten Reise muss Zeno aber auch die Rolle des Exkursionsleiters übernehmen, nachdem dieser krankheitsbedingt nicht an Bord ist. Zeno und die ganze Führungselite des Schiffes stammen aus Westeuropa; die in der Regel reichen
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Vom Untergang der Welt oder: Roman Ehrlichs Roman »Malé«

Auf Seite 116 wird ohne Hinweis auf Josef von Eichendorff zitiert: »Es war, als hätt der Himmel die Erde, still.« Okay, das Zitat ist nicht korrekt wiedergegeben, aber in Roman Ehrlichs Roman »Malé« sicher kein Zufall. Später dann: »Es ging die blaue Blume auf. […] Und blühte Einsamkeit.« (S. 116) Zudem dürfte der Name »Der blaue Heinrich« für den zentralen sozialen Treffpunkt in Ehrlichs Roman kaum zufällig gewählt sein. Er verweist zunächst auf den kulturgeschichtlich aufgeladenen »Blauen Heinrich«, einen Spucknapf der Tuberkulosekranken, evoziert zugleich aber – im Kontext der zahlreichen romantischen Anspielungen des Romans – unweigerlich Gottfried Kellers Bildungsroman »Der
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Vom Untergang der Welt oder: Jessie Greengrass’ Roman »Und dann verschwand die Zeit«

Im Januar 1362, den Überlieferungen nach vom 15. bis zum 17. Januar, kam es an der Nordseeküste, unter anderem vor Schleswig, Friesland und Dänemark, zu einer verheerenden Sturmflut. Dabei könnten 25.000 Menschen ums Leben gekommen sein. Im Plattdeutschen spricht man bis heute von der »Grote Mandränke«, was übersetzt sinngemäß »Großes Ertrinken« heißt. Siedlungsgebiete, die man erst im 12. Jahrhundert urbar gemacht hatte, darunter das sagenhafte Rungholt, wurden dauerhaft überschwemmt; die heutige Küstenlinie formte sich. Heute weiß man wohl, dass die Entwässerung des Moores und der Torfabbau – also die rücksichtslose Ausbeutung natürlicher Ressourcen – dazu führten, dass sich das Bodenniveau
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Das Nichtverstehen ist Verstehen: Annäherung an Samuel Becketts »Molloy«

Ich beginne Samuel Becketts Roman »Molloy« zu verstehen. Oder auch nicht, denn ich bin mir nicht sicher, ob das, was ich mir zu verstehen einbilde, tatsächlich Teil des Romans ist oder ob das alleine in meinem Kopf stattfindet. Und doch hatte ich im Lauf der Lektüre, vielleicht so ab Seite 82, aber das weiß ich auch nicht mehr genau, vielleicht auch schon auf den Seiten davor, obwohl ich deren Inhalt kaum erinnere und schon gar nicht zusammenfassen könnte, diese innere Erkenntnis, dass die sinnlose Paradoxie der Sätze des höchst unzuverlässigen Erzählers letztlich absurd ist. Aber was heißt das schon. Und
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Digitalisierung ohne Tiefe: Was die Laptop-Generation lehrt

(© Torsten Larbig) Sasha Rogelberg veröffentlichte am 21. Februar 2026 im angesehenen Wirtschaftsmagazin Fortune einen Beitrag über eine ernüchternde Bilanz der digitalen Schuloffensive in den USA; Milliardeninvestitionen in Laptops und Tablets — ohne erkennbaren Lerngewinn: »The U.S. spent $30 billion to ditch textbooks for laptops and tablets: The result is the first generation less cognitively capable than their parents« (Abruf: 22.02.2026). Im Kern geht es um die Frage, was man mit Daten macht, die darauf hinweisen, dass bestimmte kognitive Leistungen erstmals seit Langem nicht mehr steigen, sondern teilweise zurückgehen. Die FAZ hat ebenfalls darüber berichtet und nachgedacht1 (Paywall möglich; Abruf:
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Jenseits der 4K: Was Bildung wirklich bedeutet

Wenn Kompetenz zur Ideologie wird Wem dient Bildung: Dem Arbeitsmarkt oder dem Individuum auf dem Weg zu einer ganzheitlich gedachten Persönlichkeit? Diese Frage stellt sich angesichts der allenthalben in Bildungsdebatten auftauchenden Future Skills, die oft in den 4K zusammengefasst werden: Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation, Kollaboration. Diese gelten dann als Schlüsselkompetenzen für das 21. Jahrhundert, als unverzichtbare Fähigkeiten für eine digitalisierte, vernetzte Arbeitswelt. Aber statt von Kompetenzen, die in der Bildungsdebatte der Nullerjahre des 21. Jahrhunderts eine große Rolle spielten und sich bis heute in den Bildungsstandards der KMK finden, spricht man in Abgrenzung oder Ergänzung zu diesen nun also von
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Vom Deutsch-Abitur zum Handwerksmeister: Eine gelungene Bildungsbiographie

Vor vielen Jahren machte er bei mir das Abitur im Fach Deutsch. Als ich ihn heute – seitdem zum ersten Mal – in der Stadt traf, erzählte er mir von dieser Prüfung, an die er sich erinnert, die er spannend fand. Er erkannte mich und sprach mich an – wir aßen zufällig am gleichen Imbiss. Dabei erfuhr ich, dass er ein Handwerk gelernt, seinen Meister gemacht und Anfang des Jahres einen Betrieb übernommen hat. Ich habe es schon oft gesagt: Ich feiere alle, die nach der Schule wirklich ihren eigenen Weg suchen und dabei zum Handwerk finden.  Auch er wollte
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Die glatte Oberfläche des Ungefähren: Warum Plausibilität in der Oberstufe nicht reicht

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